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Von HMS bis Grigri+

Marktüberblick: Sicherungsgeräte 2019 im Vergleich

8 Minuten Lesezeit
Welches Sicherungsgerät ist für welchen Seildurchmesser geeignet? Welche Neuheiten gibt es auf dem Markt? Was muss ich zur Bremshandposition wissen? Unser Marktüberblick geht auf Vor- und Nachteile sowie Besonderheiten bei Sicherungsgeräten ein!

Tuber, Autotuber, Halbautomat – Typen von Sicherungsgeräten

Prinzipiell lassen sich beim Klettern fünf verschiedene Typen von Sicherungsgeräten unterscheiden:

Der Salewa Ergo Belay Autotuber ist inzwischen weit verbreitet in Kletterhallen und Klettergärten.| Foto: Salewa
Der Salewa Ergo Belay Autotuber ist inzwischen weit verbreitet in Kletterhallen und Klettergärten.| Foto: Salewa
  • Halbmastwurf-Sicherung (HMS): Die Sicherung mit einem HMS-Karabiner gehört zum Grundwissen in der Sicherungstechnik. Der Materialaufwand ist minimal, die Funktionsweise bei richtiger Handhabung zuverlässig.
  • Tuber: Tuber sind praktische Sicherungsgeräte, die es in verschiedenen Ausführungen gibt. Mit ihnen kann man etwas „weicher“ sichern, was den Fangstoß reduziert. Gemeinsam mit der HMS-Sicherung gehört das Sichern mit Tubern zum Kletterer-Grundwissen. Gerade beim Klettern von Mehrseillängenrouten sind Tuber mit Plattenfunktion sehr weit verbreitet.
  • Autotuber: Sicherungsgeräte zum Klettern wie das Edelrid MegaJul, das Salewa Ergo Belay oder das Mammut Smart ähneln in der Handhabung Tubern. Allerdings besitzen Autotuber eine Blockierfunktion, die bei richtiger Bedienung die Sicherungshand unterstützt. Wer das Sichern mit einem Tuber beherrscht, tut sich beim Umstieg auf einen Autotuber relativ leicht. Denn das Handling unterscheidet sich kaum. Geräte wie das Ergo Belay oder das Click Up ermöglichen eine sehr feinfühlige Dosierung beim Ablassen.
  • Halbautomaten: Halbautomaten blockieren durch eine Mechanik – etwa einen Nocken – den Seildurchlauf. Hier ist das Grigri von Petzl der Platzhirsch. Im Frühjahr 2017 kam das Grigri+ in einer Einsteiger-Version auf den Markt. Aber auch Geräte wie das Camp Matik oder das Wild Country Revo, das 2018 herausgebracht wurde, bringen frischen Wind in die Sicherungsgeräte-Landschaft. Allerdings ist das Seilausgeben hier teilweise etwas gewöhnungsbedürftig.
  • Vorschaltwiderstand: Das Edelrid Ohm ist die perfekte Lösung für Seilschaften mit großem Gewichtsunterschied. Das Ohm ist ein zusätzlicher mechanischer Widerstand, der in den Seilverlauf eingebaut werden kann. Galt bisher die Faustregel, dass der Kletterer im Vorstieg maximal das 1,2-Fache des Sicherers wiegen darf, kann man mit dem zwischengeschalteten Ohm bis zu 30 Kilo hinzurechnen. Es handelt sich also nicht um ein Sicherungsgerät, sondern um einen Zusatz zum Sicherungsgerät.

Prinzipiell gilt: Autotuber und Halbautomaten bieten Bremskraftunterstützung, HMS und Tuber nicht. Einen Überblick, welches Gerät welchem Typ zugeordnet werden kann, bietet unsere Vergleichstabelle.

Aktuelle Sicherungsgeräte im Überblick

AustriAlpin Fish

Der Autotuber Fish von AustriAlpin bietet solides, angenehmes und intuitives Handling beim Seilausgeben wie auch beim Ablassen.

Beal Birdie

Der Halbautomat von Beal kam 2018 auf den Markt. Er ist für Seile von 8,5-10,5/11 Millimeter (hier gibt es noch verschiedene Angaben) geeignet. Optisch erinnert der Beal Birdie an das Life Guard von Mad Rock.

Black Diamond ATC Pilot

Mit dem ATC Pilot hat Black Diamond 2017 einen neuen Autotuber auf den Markt gebracht. Es handelt sich dabei um ein Gerät, das im Handling ähnlich wie das Salewa Ergo Belay funktioniert. > Mehr erfährst Du in unserem ausführlichen ATC Pilot Testbericht.

Camp Matik

Das Camp Matik ist ein Halbautomat mit relativ seilschondendem Klemmmechanismus. Allerdings erfordert das Handling einiges an Gewöhnung … > Jetzt ausführlichen Testbericht des Camp Matik lesen

Climbing Technology ClickUp Kit Plus

Auch das Click Up hat ein Update (= Plus) verpasst bekommen. Das Seilausgeben soll leichter vonstatten gehen, das ClickUp Plus soll zudem bei dicken Seildurchmessern weniger störanfällig sein. Der größte Fortschritt ist allerdings das V-Proof-System. Es bietet jetzt auch bei der Missachtung des Bremshand-unten-Prinzips (bisher einer der größten Schwachpunkte des alten ClickUp) Sicherheitsreserven. > Jetzt ausführlichen Testbericht des Click Up Plus lesen!

Edelrid GigaJul

Man darf gespannt sein, in welche Höhen sich die Namensgebung bei Edelrid weiter aufschwingt. Wir rechnen mit dem Hyper-Jul. 2019 kommt aber erst mal das GigaJul: Highlight ist hier, dass man zwischen einem Tuber- und einem Autotuber-Modus wechseln kann. Das ist vor allem bei der Nachstiegssicherung oder beim Abseilen in Mehrseillängenrouten angenehm. Weiterer Vorteil: Das GigaJul kann mit dickeren Seilen besser umgehen als das MegaJul.

Edelrid Jul²

Alle Sportkletterer wählen das Jul². Solide Verarbeitung, angenehmes Handling machen das Gerät zum willkommenen Begleiter in Halle und Klettergarten. Für Mehrseillängenrouten muss dann aber ein anderes Sicherungsgerät gewählt werden.

Edelrid MegaJul/MicroJul

Mit dem Edelrid MegaJul fing bei Edelrid alles an mit den Autotubern. Kurz gesagt: Das Mega Jul ist der Klassiker, für Mehrseillängen ebenso wie fürs Sportklettern geeignet. > Mehr erfährst Du im ausführlichen Testbericht zum Mega Jul.

Das MicroJul ist der kleine, wilde Bruder fürs Alpinklettern. Hauptunterschied ist hier, dass das Micro insbesondere für Halb- und Zwillingsseile geeignet ist.

Edelrid Ohm

Kein Sicherungsgerät zum Klettern, aber ein Vorschaltwiderstand ist das Edelrid Ohm. > Mehr erfährst Du in unserem Testbericht zum Edelrid Ohm.

Petzl Grigri

„Petzl bringt das neue Grigri“, könnte die Schlagzeile heißen. Nur ist sie nicht ganz richtig. Eigentlich geht es eher um eine Umbenennung. Das Grigri2 heißt jetzt einfach nur noch Grigri und hat einige kleine Updates spendiert bekommen: Es ist jetzt auch für Seile mit 8,5 Millimeter zugelassen, die Daumenfalz wurde etwas verkleinert und das Ablassen soll etwas angenehmer sein. Das Grigri+ richtet sich also an Klettereinsteiger, während das neue Grigri für erfahrene Kletterer bestimmt ist. > Zum ausführlichen Grigri Testbericht/Überblick

Petzl Grigri+

Ebenfalls 2017 auf den Markt kam das Grigri+. Petzl hat hier gegenüber dem Grigri2 in Sachen Seildurchmesser, Bedienung bei Toprope-Sicherung und intuitivem Handling beim Ablassen nachgebessert. > Mehr verrät unser ausführlicher Testbericht zum GriGri+.

Mammut Smart 2.0 Belay

Mammut hat seinen Autotuber Smart überarbeitet. Er spricht jetzt noch leichter an und bietet eine noch bessere Bremsfunktion. Der Griff vorne an der Nase wurde überarbeitet. Außerdem wurde die Geometrie etwas abgeändert. Dazu gibt es den Einsatz „Smarter“. Dieser Einsatz wird von hinten hineingeklickt – und verhindert in der sogenannten Bremshand-oben-Position, dass das Sicherungsgerät nicht greift. Allerdings muss man dafür Komfort-Einbußen beim Seilausgeben hinnehmen.

Salewa Ergo Belay

Das Salewa Ergo Belay ist in allen Belangen angenehm. Das Ergo kommt mit einem Twist Lock-Karabiner und darf nur mit diesem verwendet werden. > Zum ausführlichen Testbericht des Salewa Ergo Belay.

Wild Country Revo

2018 kam (endlich) das Revo des englischen Herstellers Wild Country. Der Halbautomat erinnert beim Handling an einen Tuber, hat aber einen Blockiermechanismus, der ab einer gewissen Durchlaufgeschwindigkeit ausgelöst wird. Das soll auch bei der Verletzung des Bremshandprinzips eine gewisse Sicherheitsreserve bieten. > Weitere Vor- und Nachteile zeigt unser Testbericht des Wild Country Revo

Sicherungsgeräte fürs Alpinklettern

Gerade in Mehrseillängenrouten ist die Nachstiegs-Funktion von Alpin-Tubern sehr praktisch. | Foto: Salewa/Claudia Ziegler
Gerade in Mehrseillängenrouten ist die Nachstiegs-Funktion von Alpin-Tubern sehr praktisch. | Foto: Salewa/Claudia Ziegler

Beim Alpinklettern kommt immer noch der gute alte Halbmastwurf zum Einsatz. Allerdings bieten spezielle Alpin-Tuber wie zum Beispiel das ATC-Guide, das Petzl Reverso oder das DMM Pivot gerade in Dreier-Seilschaften besondere Funktionen, um die Kletterei am Fels zu unterstützen. So können diese für die Nachstiegssicherung am Standplatz in der sogenannten Platten-Funktion aufgebaut werden. Das Seil kann dann nur in eine Richtung durchgezogen werden. Weiteres Plus: Mit Alpin-Tubern kann auch abgeseilt werden.

Dazu gibt es auch einige Autotuber mit Halbseil-Funktion wie das Climbing Technology Alpine Up, das Edelrid MegaJul (und MicroJul für besonders dünne Seile) sowie das Mammut Smart Alpine für dünnere und dickere Seile. Halbautomaten sind beim Alpinklettern nur selten im Einsatz.

Welches Sicherungsgerät ist für welche Seildurchmesser geeignet?

Die Hersteller geben bei ihren Sicherungsgeräten den minimalen und maximalen Seildurchmesser an. | Foto: Stefan Rehm
Die Hersteller geben bei ihren Sicherungsgeräten den minimalen und maximalen Seildurchmesser an. | Foto: Stefan Rehm

Inzwischen klafft die Bandbreite bei den Seildurchmessern weit auseinander. Zudem muss  zwischen Einfachseil, Halbseil und Zwillingsseil unterschieden werden.

  • Einfachseil: Die Bandbreite schwankt hier zwischen 10,5 und 8,5 Millimetern. Bei den dickeren Seilen leidet meist das Handling. Sprich: Das Seil kommt kaum mehr durchs Sicherungsgerät. Bei dünneren Seilen muss unbedingt darauf geachtet werden, dass das Sicherungsgerät auch für den Seildurchmesser zugelassen ist. Unter Umständen spricht sonst der Blockiermechanismus nicht an!
  • Halbseil/Zwillingsseil: Auch bei Halb- oder Zwillingsseilen muss für die Sicherung mit Autotubern unbedingt der Seildurchmesser im Blick behalten werden, denn auch hier reicht die Spanne von 6,9 bis 9,2 Millimeter.

Einen guten Überblick bietet auch die unten stehende Tabelle.

Bremshandposition und Blockierfunktion

Unterschiedliche Typen von Sicherungsgeräten zum Klettern stellen bestimmte Anforderungen an die Bremshandposition. Dazu kommen Besonderheiten bei einzelnen Geräten. Generell gilt: Auch bei Geräten mit Bremskraftunterstützung – also Autotubern und Halbautomaten – muss der Blockierimpuls immer von der Sicherungshand kommen.

Autotuber bedürfen zudem einer Bremshand-unten-Position. Dabei sind sie unterschiedlich anfällig, was die „Bremshand über dem Sicherungsgerät“-Position angeht. Unsere Tabelle erklärt, wie es sich bei der „Bremshand unter dem Sicherungsgerät“-Position verhält. „Stark“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Sicherungshand unter dem Sicherungsgerät sein muss; „Leicht“, dass sie auch relativ weit oben sein kann und das Gerät trotzdem noch anspricht.

Abhängigkeit der Autotuber vom Querschnitt des Karabiners

Gerade bei Autotubern ist es notwendig, dass der Karabinerdurchmesser und -Querschnitt zum Sicherungsgerät passt. Sonst spricht die Blockierfunktion in vielen Fällen nicht an. Deshalb sollte hier immer der Herstellerkarabiner bzw. vom Hersteller empfohlene Karabiner verwendet werden!

Empfehlungen der großen Kletterverbände

Große Kletterverbände wie der DAV empfehlen inzwischen die Sicherung mit Autotubern und Halbautomaten. Auch allgemein geht der Trend beim Klettern Richtung Sicherung mit Bremskraftunterstützung. KLEVER, der Verband der privaten Kletterhallen, rät ebenfalls zu Halbautomaten und Autotubern. Die Sicherheitsreserven dieser Geräte sind gerade beim Sportklettern ein großes Plus.

Beim Mehrseillängen- und Alpinklettern haben Tuber weiterhin ihre Berechtigung, ebenso beim Sichern mit großem Gewichtsunterschied (schwerer Sicherer sichert leichten Kletterer; richtige Handhabung vorausgesetzt).

Tabelle: Sicherungsgeräte im Vergleich

Hinweis: HMS-Karabiner und Tuber sind hier nicht im Einzelnen aufgeführt. Es gibt eine Vielzahl einzelner Ausführungen, die im Detail abweichen können. Angaben können sich ändern, wenn Hersteller ihre Geräte ändern. Stand: März 2019.

HerstellerNameTypgeeignet für Seildurchmesserfür Halb-/Zwillingsseile geeignetAbhängigkeit von der Bremshand-Positionabhängig vom Karabiner-QuerschnittBemerkungen
Climbing TechnologyAlpine UpAutotuber7,3-10,5 mmjastarkja
Black DiamondATC PilotAutotuber8,7-10,5 mmneinleichtnein2018 neu erschienen. Im Handling ähnlich wie das Salewa Ergo Belay, allerdings karabinerunabhängig - was angesichts des Salewa Karabiners ein Pluspunkt ist. >> Zum Testbericht
BealBirdieHalbautomatneinkaumnein
Climbing TechnologyClick UpAutotuber8,6-10,5 mmneinstarkjaeiner der ersten Autotuber; sehr abhängig vom Bremshand-unten-Prinzip; zum Testbericht
Climbing TechnologyClick Up PlusAutotuber8,5-11 mmneinleichtjazum Testbericht
EdelridEddyHalbautomat9-11 mmneinneinnein
SalewaErgo BelayAutotuber8,6-11 mmneinleicht jasehr zuverlässiges und einfach zu bedienendes Gerät; zum Testbericht
AustriAlpinFishAutotuber8-11 mmneinleichtja
PetzlGrigriHalbautomat8,9-11 mmneinneinneinzum Testbericht
PetzlGrigri+Halbautomat8,9-11 mmneinneinneinToprope-Modus und Anti-Panik-Funktion; zum Testbericht
EdelridJul²Autotuber8,9-11 mmneinleichtja
Mad RockLife GuardHalbautomat8,9-11 mmneinneinnein
SkylotecLoryHalbautomat8,9-11 mmneinneinnein
CampMatikHalbautomat8,6-10,2 mmneinneinneinetwas gewöhnungsbedürftiges Handling; zum Testbericht
EdelridMega JulAutotuber7,8-10,5 mmjaleichtjazum Testbericht
EdelridMega Jul SportAutotuber7,8-11 mmjaleichtjaim Gegensatz zum Mega Jul ohne Platten-Nachstiegs-Funktion; zum Testbericht
EdelridMicro JulAutotuber6,9-8,9 mmjaleichtjanur für Halb- und Zwillingsseile geeignet
Wild CountryRevoHalbautomat8,5-11 mmneinneinneinzum Testbericht
MammutSmartAutotuber8,9-10,5 mmneinleichtja
MammutSmart 2.0Autotuber8,7-10,5 mmneinleichtjaZum Testbericht
MammutSmart Alpine (Variante 1)Autotuber7,5-9,5 mmjaleichtjaAchtung: in zwei Varianten für dünnere und dickere Halb- und Zwillingsseile erhältlich
MammutSmart Alpine (Variante 2)Autotuber8,7-10,5 mmjaleichtjaAchtung: in zwei Varianten für dünnere und dickere Halb- und Zwillingsseile erhältlich

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