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Sicher ist sicher

Camp Matik Sicherungsgerät im Test

5 Minuten Lesezeit
Mit dem Camp Matik ist ein neues halbautomatische Sicherungsgerät auf dem Markt. Laut Hersteller finden sich Schwachpunkte anderer Halbautomaten bei dem Gerät nicht. Alle Vorteile und Nachteile erfahrt ihr in unserem Testbericht.

Im Test: Das halbautomatische Sicherungsgerät „Matik“ von Camp

Camp Matik Test Foto Bene Hirschmann
Das neue Camp Matik im Test: Schon lange wünschte ich mir ein Sicherungsgerät was sich bequem wie ein Tube bedienen lässt und die Sicherheit des Petzl Grigri bietet. | Foto Bene Hirschmann

Nach einer Studie der DAV-Sicherheitsforschung bieten Halbautomaten wie das Petzl Grigri oder Mammut Smart Belay vor allem für Gelegenheitskletterer, Anfänger und leichtgewichtige Kletterer mehr Sicherheit als das klassische Tube. Dennoch passieren immer wieder Unfälle dadurch, dass in Schrecksituationen der Bremshebel gezogen wird, so dass das Seil frei durchläuft. Die Konstrukteure von CAMP ( „Conception of Articles for Mountaineering Made in Premana“), der 1889 gegründeten Traditionsfirma in der Nähe von Lecco, haben auf diese Vorkommnisse reagiert und für das Camp Matik einen lange überfälligen Mechanismus entwickelt, der genau diese Fehlreaktion der Sichernden verhindern kann.

Ich persönlich habe mir schon immer ein Gerät gewünscht, das sich bequem wie ein Tube bedienen lässt und die Sicherheit des Petzl Grigri bietet.

Material vom Feinsten am Camp Matik: Aluminium und Edelstahl

Das Camp Matik vermittelt einen robusten Eindruck. Laut Hersteller handelt es sich um einen „High-End“-gefertigten, warmgeschmiedeten Aluminium-Grundkörper (inklusive Hebel). Die kritischen Komponenten, die mit dem Seil bzw. der Seilreibung in Kontakt kommen (u.a. Bremsnocken), bestehen aus Präzisionsguss-Edelstahl. Einziger Nachteil neben dem vergleichsweise hohen Preis: Das Matik wiegt mit 276 Gramm deutlich mehr als das Petzl Grigri mit 170 Gramm.

Einlegen des Seils beim Camp Matik: kinderleicht und sicher

Wichtig zu wissen: Das Camp Matik funktioniert im Gegensatz zum Petzl Grigri (bis 11 Millimeter) nur mit dünneren Kletterseilen (optimal 8,6 Millimeter – 9,6 Millimeter, maximal bis 10,2 Millimeter). Mit dickeren Seilen macht es keinen Spaß.

Das Einlegen des Seils ist problemlos wie beim Tube: Seilschlaufe richtig herum in die Öffnung stecken, dann den beweglichen Innenteil des Gerätes (mit der Markierung „Rope“) zurückschieben, Seil um diesen herum legen, Mittelteil wieder zurückklappen. Der Karabiner kann nur eingeclippt werden, wenn das Gerät vollständig geschlossen ist – ein weiterer Pluspunkt in Sachen Sicherheit. Die Öffnung für den Karabiner ist so groß, dass sich der Schrauber darin gut drehen kann ohne sich zu verkanten.

Ausgeben des Seils mit dem Camp Matik: bequem wie ein Tube

Das Sichern eines Vorsteigers funktioniert genauso einfach wie beim Tube und komfortabler als beim Grigri: Beim Seilausgeben muss nicht ständig eine Anti-Blockier-Stellung mit der Hand gehalten werden, damit das Seil läuft (wie beim Grigri mit der „Gaswerk“-Methode). Der Bewegungsablauf ist der gleiche wie beim Tube: Mit einer halbkreisförmigen Bewegung mit der Bremshand gibt man das Bremsseil frei, mit der anderen Hand zieht man es aus dem Gerät nach oben. Es ist – anders als beim Tube – nicht nötig, die Bremshand ständig nach unten zu halten, da das Gerät automatisch blockiert.

Natürlich muss das Bremsseil dennoch IMMER – wie bei jedem halbautomatischen Sicherungsgerät – festgehalten werden! Aufgrund der abgerundeten, konkaven Form der Bremsnocken läuft das Seil geschmeidig und ohne großen Widerstand durch den Automaten. Die Bremsnocken reagieren nicht überempfindlich auf die kleinste Bewegung, so dass das Seil sehr flüssig ausgegeben bzw. beim Topropen eingeholt werden kann.

Falls es beim Seilausgeben einmal noch schneller gehen soll, gibt es die Möglichkeit, die Blockierfunktion außer Kraft zu setzen: Man gibt mit der Bremshand Schlappseil und verschiebt die kleine, graue Nase an der Karabineröse nach vorne. Dadurch wird das Seil freigegeben. Lässt man die Nase los, schnappt sie automatisch in ihre Ausgangslage zurück und das Gerät blockiert bei Bedarf wieder automatisch. Wenn man vorausschauend sichert und immer rechtzeitig Seil gibt, benötigt man die Anti-Blockier-Funktion jedoch so gut wie nie.

Ablassen und Stürzen: Sicher durch Anti-Panic-System

Camp Matik Test Foto Bene Hirschmann
Auch das Ablassen mit dem Camp Matik ist sehr angenehm. Die Anti-Panic Funktion blockiert wenn zu schnell abgelassen wird! | Foto: Bene Hirschmann

Die Anti-Panic-Funktion ist die bedeutendste Neuentwicklung in Sachen Sicherheit. Nachdem Menschen in Schrecksituationen dazu neigen, die Hände in Richtung Körper zu reißen – und damit auch den damit verbundenen Ablasshebel -, droht ein ungebremster Sturz bis zum Boden. Beim Matik bewirkt das An-sich-Reißen des Hebels das Gegenteil: das Seil wird bei Belastung am vorderen Seilausgang des Geräts mit dem Bremsnocken zusammengedrückt, das Gerät blockiert.

Die oben erwähnte runde Bauform der Bremsnocken schont dabei das Seil: Es wird beim Bremsen nicht punktuell abgequetscht wie beim Grigri, sondern auf einer größeren Fläche abgedrückt. Der Materialverschleiß ist dadurch geringer – gerade bei häufigem Topropen ein wichtiger Aspekt.

Das kontrollierte Ablassen funktioniert genauso einfach wie bei allen Halbautomaten: den Aluminium-Hebel zu sich her ziehen, dabei Bremsseil gut festhalten und mit der Hebelstellung die Reibung und damit die Ablass-Geschwindigkeit dosieren. Dies erfordert allerdings Fingerspitzengefühl, denn das Gerät blockiert schnell, wenn das Seil beim Ablassen zu viel Reibung hat.

Allerdings darf man auf keinen Fall die Anti-Blockier-Funktion ohne Bremshand betätigen, da sonst kein Zug auf die Bremsnocken kommt und das Seil widerstandslos durchläuft!

Gerade beim intensiven Hallentraining im oberen Schwierigkeitsbereich zahlt sich ein weiterer Pluspunkt des Matik aus: der im Vergleich zu anderen, statischen Halbautomaten weichere Fangstoß. Ein Grund dafür ist laut Hersteller das spezielle Design der Bremsnocken und deren Anordnung in einem abgestuften Winkel. Dynamisches und körperschonendes Sichern ist damit kein Problem. Bei ersten Tests in Mehrseillängenrouten am Ross- und Buchstein erwies sich das Matik als gut geeignet für Einfachseile. Beim Vorsteigen muss allerdings sehr dynamisch gesichert werden.

Mein Fazit und Details zum Camp Matik Sicherungsgerät

Die hohe Qualität und die durchdachte Funktionalität rechtfertigen den Preis. Das Sicherungsgerät ist perfekt für die Halle, zum Sportklettern und zum Topropen. Denn es ist sehr seilschonend und sicher.

Wichtig; Unbedingt vor dem Einsatz nicht nur die Gebrauchsanweisung studieren, sondern Videos auf anschauen bzw. sich die korrekte Anwendung in einem Kurs zeigen lassen! Für die Übungsphase schadet auch eine zusätzliche Hintersicherung nicht!

  • geringer Fangstoß
  • Anti-Panik-System beschränkt die Risiken während des Sturzes auf ein Minimum
  • breite Einhängeöffnung
  • beweglicher Nocken
  • hochwertige Verarbeitung
  • für dynamische Einfachseile von 8,6 – 10,2 Millimeter
  • Gewicht: 276 Gramm

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