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Halbautomatischer Tuber

Das Sicherungsgerät Salewa Ergo Belay im Test

6 Minuten Lesezeit
Salewa hat 2015 ein neues Sicherungsgerät auf den Markt gebracht: das Salewa Ergo Belay. Wie ist das Handling im Vergleich mit anderen Halbautomaten? Und wie macht sich das Gerät im Sportkletteralltag. Wir haben's ausprobiert!

Es gibt ja inzwischen viele halbautomatische Sicherungsgeräte: Petzl Grigri, Camp Matik, ClickUp, Smart und wie sie alle heißen. Und es werden immer mehr. In diesem Jahr ist ein weiteres Gerät dazugekommen: das Salewa Ergo Belay. Langsam ist doch auch mal gut, könnte man sich denken. Aber vielleicht sollte man mit seiner Skepsis auch noch kurz warten.

Okay, anfangs war auch ich skeptisch …

Allerdings muss auch ich zugeben: als ich das Salewa Ergo Belay zum ersten Mal in der Hand hielt, war auch ich als überzeugter Petzl Grigri-Sicherer sehr skeptisch. Die seitlichen Platten aus Aluminium sind im Vergleich mit dem Grigri – sagen wir es freundlich – recht dünn. Dazwischen finden sich zwar robuste Edelstahl-Stifte, aber eben auch zwei Kunststoffelemente. Bisher war ich der Meinung, dass Kunststoffe an einem Sicherungsgerät nichts verloren hat. Damit musste ich mich erst mal abfinden.

Ein weiterer Punkt, der mich skeptisch werden ließ: Salewa verkauft das Gerät in Kombination mit einem Twist-Lock-Karabiner: Klar, die Fixierung für den Gurt ist angenehm, aber ein Twist-Lock-Karabiner bei einem Sicherungsgerät? Ich muss zugeben: meins ist das nicht; denn ein Twist-Lock- ist eben kein Tri-Lock-Verschluss und hat eine Sicherungsstufe weniger.

Erster Test des Salewa Ergo Belay, erste Überraschung

Skepsis bei mir also schon vor dem ersten Einsatz. Für die ersten Versuche benutze ich das Gerät mit Hintersicherung, aber alles klappt tadellos. Prinzipiell funktioniert das Salewa Ergo Belay wie ein Tuber – nur, dass es bei Belastung von oben eben vollständig blockiert.

Will man schnell Seil ausgeben, gibt es – wie beim Grigri – einen speziellen Griff:

  • mit dem Daumen hält man das Gerät offen
  • das Seil läuft dabei noch durch die Sicherungshand

Ohne diesen Griff läuft es allerdings recht hakelig, wenigstens bei meinem Mammut Infinity mit 9,5 Millimetern. Diese Handhaltung funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, wie man es schon vom Mammut Smart und dem Edelrid MegaJul kennt.

Wie zuverlässig ist der Blockiermechanismus des Ergo Belay?

Erst skeptisch, dann überzeugt: Das Salewa Ergo Belay System im Test-Einsatz. | Foto: Stefan Rehm
Erst skeptisch, dann überzeugt: das Salewa Ergo Belay System im Test-Einsatz. | Foto: Stefan Rehm

Allerdings hatte ich Vorbehalte, ob der Blockiermechanismus mit dem Daumen nicht doch offengehalten werden kann. Mein Kletterpartner durfte also ein wenig Flugstunden sammeln. Natürlich machte ich hinter dem Sicherungsgerät einen Knoten ins Seil. Dann: Daumen unter die Nase und guten Flug! Ich schaffe es nicht, den Blockiermechanismus aufzuheben. Später frage ich noch einmal bei Chris Semmel nach, der das Gerät mitentwickelt hat. Er erklärt: „Wir haben Versuche gemacht, um zu sehen, ob die Blockierfunktion außer Kraft gesetzt werden kann. Theoretisch ist das zwar möglich, in der Praxis hat sich aber gezeigt, dass das bei einem Sturz quasi ausgeschlossen werden kann. Die ‚Nase‘ des Ergo Belay Systems ist bewusst so kurz und kompakt konstruiert (anders als beim Smart), damit eben ein Offenhalten nicht möglich ist. Die Kraft, die auf den Daumen wirkt ist einfach zu hoch.“ Außerdem hat man bei dieser Sicherungsmethode immer noch den Greifreflex auf seiner Seite. Diese intuitive Bedienung ist ein großes Plus.

Das alte Kletterseil und das Ergo Belay

Wenig später darf das Salewa Ergo Belay mit in den Kletterurlaub. Dort habe ich ausführlich Gelegenheit, das Sicherungsgerät zu testen. Die erste Überraschung kommt, als ich mit einem anderen Seil sichere. Es ist ein ziemliches Kabel, keine Ahnung wie dick es ursprünglich einmal war. Jetzt hat es gut zehn oder zehneinhalb Millimeter. Mit meinem Petzl Grigri ist es auf jeden Fall eine Qual zu sichern.

Mit dem Salewa Ergo Belay läuft das Seil auch beim Vorstiegsichern deutlich besser als beim Grigri. Wichtig ist dann vor allem, dass man mit der Sicherungshand das Seil schön ins Sicherungsgerät hineinschiebt. Oft habe ich den Eindruck läuft es dann sogar besser als wenn man den Daumen unter dem Rüssel hat. Durch das dicke Seil blockiert das Sicherungsgerät nicht sofort. Ein klarer Pluspunkt. Mit einem normalen Tuber kann das Salewa Ergo Belay System zwar nicht mithalten, aber anderen Halbautomaten wie Petzl Grigri, Smart, ClickUp oder MegaJul mit dieser Eigenschaft deutlich überlegen.

Das Handling von Ergo Belay und Tuber im Vergleich

Und einen weiteren Vorteil hat das Ergo Belay: In der Handhabung unterscheidet es sich kaum von einem normalen Tuber wie dem ATC. Einzig der Daumen beim schnellen Seilausgeben und das Ablassen unterscheiden sich. Auch meine Kletterpartnerin steigt in diesem Urlaub von ihrem ATC auf das Ergo Belay um. War sie von ClickUp und Grigri nie begeistert, muss ich mir das Salewa Ergo Belay den restlichen Urlaub immer wieder von ihrem Gurt zurückholen.

Gerade die Blockierfunktion war und ist in unserer Kletter-Konstellation sehr angenehm. Ich bin immerhin fünfzehn Kilo schwerer. Und von Zeit zu Zeit bouldere ich auch gerne eine Route am Limit aus. Das Handling wie bei einem Halbautomaten bei gleichzeitiger Blockierfunktion sind dabei sehr, sehr angenehm.

Mein Fazit zum Salewa Ergo Belay

Ich hatte das Salewa Ergo Belay jetzt gute drei Monate regelmäßig im Einsatz. Das Sicherungsgerät hat mich trotz aller anfänglichen Skepsis wirklich positiv überrascht – und auch überzeugt:

  • das Seilausgeben funktioniert einfach uns schnell,
  • das Ergo Belay ist auch mit dickeren Seilen kompatibel und
  • es ist in der Handhabung intuitiv

Im Sportkletteralltag funktionierte das Gerät in allen Situationen gut und zuverlässig. Für alle, die bisher mit Tuber gesichert haben sollte die Umgewöhnung sehr einfach sein. Das ist gerade bei einem schwereren Gesicherten angenehm.

Ich bin noch nicht sicher, ob ich wirklich ganz vom Petzl Grigri auf das Salewa Ergo Belay umsteige; im vergangenen Jahrzehnt habe ich mich schon sehr daran gewöhnt. Für dicke Seile ist das Ergo Belay auf jeden Fall in Zukunft mit im Rucksack dabei – bzw. am Gurt meiner Kletterpartnerin. Die ist nämlich vollständig überzeugt und großer Fan des Salewa Ergo Belay.

  • Vorteile: intuitive Bedienung, geringes Gewicht, Handling wie bei Tuber, funktioniert auch mit dickeren Seilen
  • Nachteile: Twist-Lock-Karabiner, Plastik
  • Sichern im Toprope: Sehr einfach und entspannt. Das Einnehmen des Kletterseils funktioniert wie bei einem Tuber. Wenn der Kletterer sich ins Seil setzt blockiert das Gerät. Das Ablassen ist sehr dosiert möglich.
  • Sichern im Vorstieg: Der Umstieg ist sehr einfach. Prinzipiell gilt: mit der richtigen Handhaltung laufen Dünne Seile sehr gut durchs Gerät. Mit dicken Seilen lässt sich hingegen sehr viel besser sichern als mit vergleichbaren Halbautomaten.
  • Daten: Gewicht: 70 Gramm, zertifiziert nach EN 15151 und UIAA 129

WICHTIG: Klettern ist ein gefährlicher Sport und Sichern will gelernt und geübt sein. Lest die Gebrauchsanleitung gründlich und übt den Umgang mit eurem Gerät – gegebenenfalls mit Hintersicherung. Das Salewa-Anleitungsvideo unten hilft euch dabei. Der Partnercheck gehört beim Salewa Ergo Belay natürlich genauso dazu wie bei allen anderen Sicherungsgeräten: Einmal kräftig klettererseitig ziehen.

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