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Sichern leicht gemacht

Edelrid Mega Jul Sicherungsgerät im Test

6 Minuten Lesezeit
Halbautomatische Sicherungsgeräte liegen im Trend. Testerin Kathrin ist vom klassischen Tuber auf das Edelrid Mega Jul umgestiegen. In ihrem ausführlichen Testbericht schildert sie ihre Erfahrungen mit dem vielseitigen Sicherungsgerät!

Gewünscht habe ich mir ein Sicherungsgerät, das eigentlich, naja, alles kann! Halle, Fels, alpin – und das möglichst mit Halbautomatik. Auf meiner heldenhaften Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau stieß ich auf das Mega Jul aus dem Hause Edelrid. Versprochen wird ein vielseitiges, doppelseiltaugliches und sehr leichtes Sicherungsgerät mit hoher Bremswirkung. In Tuber-Form und aus langlebigem Edelstahl, ist das Mega Jul mit einem Preis um die 30 Euro noch dazu sehr günstig zu haben.

Erster Eindruck des Edelrid Mega Jul

Filigran und trotzdem robust. Das Edelrid Mega Jul im Test. | Foto: Kathrin Schmohl
Filigran und trotzdem robust. Das Edelrid Mega Jul im Test. | Foto: Kathrin Schmohl

Rein optisch ist das Mega Jul schön schlicht und übersichtlich gehalten. Es sieht aus wie ein gewöhnlicher Tuber mit einem Bügel in altbekanntem Edelrid-Grün. Daneben macht es einen gut verarbeiteten, hochwertigen Eindruck. Es ist erstaunlich wenig Material dran, mein ATC wirkt dagegen regelrecht „elefantig“!

Trotz seiner zierlichen Bauweise wirkt das Edelrid Sicherungsgerät recht robust – die Material- und Gewichtsersparnis ist auf die Verwendung von Edelstahl statt Aluminium zurückzuführen. Der Verzicht auf bewegliche und mechanische Bauteile macht es vermutlich noch robuster – und vor allem leichter zu überprüfen, speziell für technisch nicht allzu versierte Menschen wie mich. Laut Herstellerangabe soll es nur 65 Gramm wiegen – bei mir bringt es immer noch sehr leichte 72 Gramm auf die Waage.

Funktionsprinzip des Sicherungsgeräts

Das Mega Jul sieht nicht nur aus wie ein Tuber, grundsätzlich funktioniert es auch wie ein Tuber. Allerdings weist es eine zusätzliche Blockierfunktion auf, die die Bremskraft des Geräts enorm erhöht. Unter Last wird der Karabiner in eine Einkerbung im Mega Jul gezogen, wodurch das Seil blockiert wird.

Für die Bedienung bedeutet das, dass man das Gerät beim Vorstiegssichern und Ablassen entriegeln muss. Entweder indem man das Gerät mit dem Daumen im Bügel entsperrt – für mich die angenehmere Variante – oder indem man mit der ganzen Hand außen um den Bügel fasst (siehe Video am Ende das Artikels!).

Grundsätzlich funktioniert das Edelrid Mega Jul in Verbindung mit verschiedenen Karabinern, ABER: Vorsicht bei Karabinern mit Querbügeln zur Verhinderung von Karabiner-Drehern und Querbelastungen, wie z.B. dem GridLock von Black Diamond oder dem Belay Master von DMM! Hier bleibt der Bügel des Mega Jul gerne am Querbügel des Karabiners hängen, wodurch die Blockierfunktion aufgehoben wird. Das sollte unbedingt vorher geprüft werden! Mit dem Edelrid Strike FG ist man hingegen auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Hier ist ein Verdrehschutz eingebaut, der mit dem Mega Jul kompatibel ist.

Laut Edelrid ist das Mega Jul für Seildicken von 7,8 bis 10,5 mm geeignet – für dünnere Seile gibt es das ansonsten funktionsgleiche Micro Jul.

Handling des Mega Jul beim Sportklettern

Die Blockierfunktion des Edelrid Mega Jul. | Foto: Kathrin Schmohl
Die Blockierfunktion des Edelrid Mega Jul. | Foto: Kathrin Schmohl

Vor dem ersten Gebrauch empfiehlt es sich, die sehr nützlichen Anleitungsvideos von Edelrid anzuschauen (siehe unten). Wie oben bereits erwähnt, habe ich bisher mit dem ATC gesichert. Der Umstieg vom klassischen Tuber auf das Mega Jul fällt sehr leicht, da das Prinzip grundsätzlich das gleiche ist.

In der Praxis braucht es eine kurze Eingewöhnungsphase, bis Seil-Ausgeben und -Ablassen „smooth“ laufen. Neben dem Gefühl für die Dosierung gilt es vor allem die Daumenposition im Bügel zu optimieren. Das klappt aber sehr schnell und sehr gut. Die Blockierfunktion macht im Sturzfall zuverlässig zu, selbst wenn man das Gerät gerade mit dem Daumen offen hält. Pausen des Kletterers werden auch deutlich angenehmer, da man keine Haltekraft braucht.

Der Nachteil des Blockierens ist natürlich – klassisch für Halbautomaten – dass dynamisches Sichern nur über die Körperposition, also das Entgegenspringen des Sichernden, möglich ist. Wenn nötig, hat man aber theoretisch auch die Möglichkeit, das Mega Jul einfach andersherum zu verwenden – dann hat es die Bremswirkung eines normalen Tubers (wie gut das funktioniert, hängt allerdings vom Seil ab). Hat man sich daran gewöhnt, gehen sowohl Seilausgabe bei der Vorstiegssicherung als auch das Ablassen superflüssig und schnell!

Die Seilausgabe erfolgt, wie bereits erwähnt, entweder durch kurzes Entriegeln über den Bügel – oder, mit etwas Übung und einem flüssig am Seil ziehenden Vorsteiger – durch einfaches Einführen des Seils wie beim Tuber. Nach längerem Ablassen wird das Gerät gefühlt etwas heißer als das ATC, was wohl an der Verwendung von Edelstahl statt Aluminium liegt. Das stört jedoch nicht weiter.

Bei sehr dicken, pelzigen Seilen ist etwas mehr Kraftaufwand für die Seilausgabe nötig – es ist aber noch gut machbar. Bei neuen, glatten Kletterseilen am unteren Ende der Durchmesserskala blockiert das Mega Jul im Sturzfall perfekt. Wenn allerdings der zu Sichernde in Dauerlast drinsitzt, rutscht ein glattes, dünnes Seil manchmal etwas durch. Dann muss die Bremshand einfach ein bisschen mehr tun – wie bei einem klassischen Tuber auch.

Handling des Mega Jul beim Alpinklettern

Das Mega Jul taugt nicht nur zum Sichern in der Halle und zum Sportklettern, auch für alpine Kletteraufgaben ist es gedacht. Es ist klein und leicht, also schon mal volle Punktzahl für den Zustieg. Aber auch in der Senkrechten stellt es sich gut an und ist voll einsetzbar wie ein Tuber – jedoch mit Bremskraftverstärker.

Auch im alpinen Gelände ein zuverlässiger Begleiter: das Edelrid Mega Jul Sicherungsgerät. | Foto: Kathrin Schmohl
Auch im alpinen Gelände ein zuverlässiger Begleiter: das Edelrid Mega Jul Sicherungsgerät. | Foto: Kathrin Schmohl

Dank seiner Plattenfunktion kann es zum Nachstiegssichern verwendet werden und auch zwei Nachsteiger können problemlos gesichert werden. Einzige Umgewöhnung: Zum Nachstiegssichern wird das Seil/die Seile andersherum eingeführt, d.h. von der Bügelseite aus.

Abseilen funktioniert im Tube-Modus mit Prusik einwandfrei. Andersherum, also im Blockier-Modus mit Karabiner zum Entriegeln (siehe Video), ist die Bedienung recht holprig. Mag aber sein, dass auch das eine reine Gewöhnungs-/Dosierungssache ist. Ich verbuche es mal unter „schönes Zusatzfeature, das man eh nicht unbedingt braucht“.

Fazit zum Edelrid Mega Jul Sicherungsgeräte-Test

Mir fiel der Umstieg von einem normalen Tuber auf das Mega Jul sehr leicht. Das Seilausgeben im Vorstieg funktioniert sehr flüssig. Überall einsetzbar, klein und leicht, vereint das Mega Jul alle Vorteile eines Tubers mit dem Plus an Sicherheit eines Halbautomaten und kommt damit schon recht nah ran an dieses mystische wolle-, eier- milch- und fleischspendende Tier, das einfach alles kann. Inzwischen ist das Edelrid Mega Jul Sicherungsgerät beim Sportklettern genauso im Einsatz wie bei Mehrseillängen-Routen. Ich mag mein Mega Jul und möchte es inzwischen nicht mehr missen!

Technische Daten auf einen Blick

  • Einsatzbereiche: Vorstiegssicherung, Nachstiegssicherung, Abseilen
  • Funktionsprinzip: Tube mit zusätzlicher Blockierfunktion
  • für Seildurchmesser von 7,8 bis 10,5 mm
  • Material: Edelstahl
  • Gewicht: 65 g

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