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Der Sicherungs-Alleskönner

Petzl Grigri und Grigri+ im Test

9 Minuten Lesezeit
Das Petzl Grigri ist der Klassiker unter den Halbautomaten. Es lässt sich komfortabel bedienen und hat eine zuverlässige Bremsunterstützung. Im Jahr 2019 wurde das Sicherungsgerät überarbeitet. Chiara Hanke verrät, was sich damals geändert hat.

Geht es beim Klettern um das Thema Sicherungsgerät, dann kommst Du an einem nicht vorbei: dem Grigri. Der Platzhirsch, der Alleskönner, eben DAS Sicherungsgerät. Dabei stellt Petzl prinzipiell zwei Varianten zur Auswahl: Das Grigri, den seit 2019 bewährten Klassiker. Oder das 2017 präsentierte Grigri+, ein Modell mit zusätzlichem Sicherheits-Backup. Was unterschiedet die beiden Geräte? Welches davon ist für Dich die beste Wahl? Und wie schlagen sich beide im Test?

Grigri, Grigri+ (und das alte Grigri2) im Überblick

Grigri (2019)Grigri+Grigri2 (nicht mehr im Sortiment)
Grigri2 Gehäuse, überarbeiteter Klemmnocken aus Grigri+Regulierungsfähigkeit der Federspannung, Anti-Panik-HebelFederspannung, Anti-Panik-Hebel Überarbeitete Grigri1 Version
seit 2019seit 20172011 – 2018
8,5 – 11mm8,5 – 11mm8,9 – 11mm
optimiert für 8,9 – 10,5mmoptimiert für 8,9 – 10,5mmoptimiert für 9,4 – 10,3mm
Kein Stahl-EinsatzVerstärkungs-Insert aus EdelstahlKeine Stahlplatte
Anti-Panik-Funktion
Für erfahrene Sicherer, die keine zusätzliche Sicherungsfunktion brauchenFür Einsteiger, Toprope-Kletterer und KursbetriebWurde 2019 durch das Grigri ersetzt

Der Klassiker im Test: Das Grigri

💡Die Produkteigenschaften des Petzl Grigri im Überblick

  • Seildurchmesser: kompatibel mit Einfachseilen der Durchmesser 8,5 bis 11 Millimeter
  • Handling wie beim Vorgänger Grigri2: Das Seil wird in das Gerät geführt und eine Hand befindet sich am Bremsseil
  • Gewicht: kompakt und leicht mit 175g
  • Material: Seitenteile aus Aluminium, Bremsmechanismus und Klemmnocken aus rostfreiem Stahl, Hebel aus verstärktem Nylon

Das Grigri liegt leicht und gut in der Hand. Getestet wurden die Seile Mambo 10,1 Millimeter von Petzl sowie das Joker 9,1 Millimeter und Opera 8,5 Millimeter von Beal. Bei keinem der verschiedenen Seildurchmesser lief das Seil schwer durch das Grigri oder griff schlecht beim Zumachen oder Ablassen.

Im Vergleich zum historischen Vorgänger, dem Grigri2 aus dem Jahre 2011, ist die Kante für den Zeige- und Mittelfinger beim Gaswerkgriff ein wenig abgeflacht. Dadurch ist das Gerät etwas unkomfortabler zu halten. Damit wird jedoch die Umstellung auf die übliche Sicherungstechnik, ähnlich zum Tube, stärker forciert. Im Vergleich mit dem Grigri+ ist das Gehäuse identisch konstruiert.

Das Petzl Grigri gehört zu den Klassikern unter den Halbautomaten – 2019 kam das Sicherungsgerät überarbeitet auf den Markt..

Chiara Hanke

Das Petzl Grigri gehört zu den Klassikern unter den Halbautomaten – 2019 kam das Sicherungsgerät überarbeitet auf den Markt..


Auch im Handling überzeugt das Grigri auf ganzer Linie. Wen Du schon das Vorgängermodell von 2011 in der Hand hattest wirst Du schnell merken: Das aktuelle Grigri ist eine gelungen überarbeitete Neu-Version.

Das Grigri+ im Test: plus = mehr Grigri?

Das Plus hinter dem Namen Grigri verspricht, dass das Grigri+ mehr kann als das einfache Grigri. Das betrifft insbesondere zwei Punkte:

  1. Anti-Panik-Funktion: Damit reagiert das Grigri+ auf einen der Hauptkritikpunkte an den alten Versionen. Wenn man beim Ablassen Angst bekam, weil es zu schnell ging, musste man den Bremshebel loslassen – was so ziemlich genau das Gegenteil ist von dem, was man macht, wenn man Angst hat.
    Zieht man beim Ablassen des Grigri+ den Bremshebel ganz durch, dann rauscht das Seil eben nicht mit voller Geschwindigkeit durch, sondern es gibt einen kurzen Knacks und das Seil läuft langsamer. > mehr erfahren
  2. Toprope-Funktion: Das Umstellen ist hier sehr pfriemelig und nichts, das man nach jeder Tour machen will. Vorteil ist, dass damit das Grigri+ beim Seileinziehen im Toprope-Modus schneller anspricht. > mehr erfahren

1. Die Anti-Panik-Funktion beim Grigri+ im Test

Eines vorneweg: Die Antipanik-Funktion beim Grigri+ führt nicht zwingend zu einem vollständigen Blockieren des Geräts. Ich habe beim Ablassen (mit Knoten hintersichert) den Ablasshebel mehrfach ganz durchgezogen. Wird eine bestimmte Kraft aufgewendet, geht der Hebel ein Stück leer durch:

  • Szenario 1: Wird der Hebel dann nicht weiter angezogen, stoppt das Seil.
  • Szenario 2: Wird der Hebel dann noch weiter durchgezogen, läuft das Seil weiter. Allerdings 1. mit mehr Widerstand als man es vom einfachen Grigri kennt und 2. mit einer enorm unangenehmen und einer – wie ich finde – enorm unintuitiven Handhaltung. Allerdings kann diese Funktion nur einmal auslösen. Das bedeutet: hat der Ablasshebel einmal durchgeklickt, muss man ihn einmal in die Ausgangsstellung zurückschnappen lassen. Erst dann funktioniert er wieder.
Wird beim Grigri+ das Ablassen zu schnell und man zieht in einem falschen Reflex weiter…

Stefan Rehm

Wird beim Grigri+ das Ablassen zu schnell und man zieht in einem falschen Reflex weiter…


…greift das Anti-Panik-System und der Ablasshebel geht ein Stück leer durch.

Stefan Rehm

…greift das Anti-Panik-System und der Ablasshebel geht ein Stück leer durch.


Was bringt die Anti-Panik-Funktion? Hierbei handelt es sich in puncto Sicherheit um einen wichtigen Schritt. Damit wird das Grigri+ auch für Einsteiger wieder interessanter. Profis werden die Anti-Panik Funktion vermutlich nicht brauchen bzw. beim Ablassen als etwas unpraktisch empfinden. Lässt man den Kletternden recht schnell ab, schlägt auch die Anti-Panik-Funktion zu.
Für das Unfallszenario „Sicherer zieht in Panik den Hebel ganz durch“ bietet das Grigri+ ein sinnvolles Gegenmittel. Denn selbst wenn der Sicherer das Weiterschnappen des Hebels übergeht, bietet das Grigri+ eine Restbremswirkung mit voll durchgezogenem Hebel.

Zieht man dann den Ablasshebel noch weiter durch, läuft das Seil wieder weiter.

Stefan Rehm

Zieht man dann den Ablasshebel noch weiter durch, läuft das Seil wieder weiter.


Der Ablasshebel muss einmal in die Ausgangsstellung zurück, dass das Anti-Panik-System wieder aktiviert wird.

Stefan Rehm

Der Ablasshebel muss einmal in die Ausgangsstellung zurück, dass das Anti-Panik-System wieder aktiviert wird.


2. Mehr Vorstiegs- und Toprope-Komfort

Wie war es bisher? Idealerweise funktioniert das Seilausgeben beim Grigri 2 so: Die untere Hand führt das Sicherungsseil ins Sicherungsgerät hinein und die obere Hand zieht das Seil nach oben heraus. In der Praxis muss man – gerade bei nicht mehr ganz jungen Seilen – sehr häufig auf die sogenannte Gaswerk-Methode zurückgreifen, weil man nur so entsprechend schnell durch das Sicherungsgerät durchwürgen kann.

Wie ist es mit dem Grigri+? Beim Grigri+ gibt es zwei Modi: Vorstieg und Nachstieg.

  • Im Vorstiegsmodus läuft das Seil leichter durchs Gerät. Das bedeutet, dass man seltener auf die Gaswerk-Methode zurückgreifen muss, weil man auch so das Seil schnell genug ausgeben kann. Das ist auch für Vielbenutzer angenehm.
  • Im Nachstiegsmodus greift das Grigri schneller. Das ist beim Nachstiegssichern angenehm, weil das Seil ja dann nur eingeholt werden muss.

Wie kann beim Grigri+ zwischen Vor und Nachstiegsmodus umgestellt werden? Hier ist das Handling etwas gewöhnungsbedürftig. Drückt man den kleinen, schmalen Druckknopf an der Oberseite, kann man zwischen den beiden Modi hin- und herschalten. Drückt man den größeren Knopf an der Unterseite, ist der Hebel wieder arretiert.

Ein persönliche Anmerkung zum Umstellen zwischen den beiden Modi: Vielleicht haben manche Menschen so lange und stabile Fingernägel, dass sie den kleinen Knopf an der Oberseite drücken können – ich hatte Angst, dass mir mein Fingernagel abbricht, außerdem rastet der Mechanismus bei mir nicht ein. Hier hilft ein kleines Stöckchen oder ein schmaler Schlüssel.

Stefan Rehm

Mir ist diese Bedienung zu fummelig; andererseits ist das nun auch nichts, das man nach jeder Route umstellen muss. Will man also mehrfach zwischen Vor- und Nachstiegsmodus wechseln, sollte man die Arretierung am besten nicht einrasten lassen. Meine Nachfrage bei Petzl ergab, dass es in Ordnung ist, die Arretierung nicht einrasten zu lassen. Das ist insbesondere als Möglichkeit für Kursleiter o.ä. gedacht, ein versehentliches Umstellen zu verhindern.

Mein Test-Eindruck des Petzl Grigri+

Das hört sich bis hier jetzt alles sehr trocken und faktenbezogen an. Wie fühlt sich das Sichern mit dem Grigri+ insgesamt an? An einem schönen Föhntag Anfang März durfte das Grigri mit einem Kletterpartner und mir – beide überzeugte Grigri 2-Sicherer – an einen der Paradefelsen der Bayerischen Voralpen.

Die auserkorenen Tagesziele bieten perfekte Testbedingungen: einmal eine kurze, extrem boulderige Route, dann ein Projekt mit großzügigen 40 Metern und ebenfalls großzügigem Flugpotential im oberen Teil.

Bei der kurzen Route und dem Ausbouldern der langen muss das alte Seil ran. Hier wechseln wir zwischen den Versionen Plus und 2. Und man hat wirklich den Eindruck, dass der abgenutzte „Strick“ im Grigri+ besser läuft. Bei den Durchstiegsversuchen mit dem 9,2 Millimeter dünnen Seil läuft alles wie geschmiert. Ich muss selbst beim schnellen Seilausgeben kaum auf die Gaswerk-Methode zurückgreifen. Sowohl das Stop&Go des Ausboulderns als auch die weiteren Abgänge meistert das Petzl Grigri+ souverän.

Die Anti-Panik-Funktion ist etwas ungewohnt. Ich löse sie einige Male beim schnellen Ablassen aus. Ich kann zwar dann noch weiter ablassen, muss dafür meinen Arm aber ganz schön verdrehen. Also Hebel zurückschnappen lassen und weiter geht’s! Für Einsteiger ist die Funktion sicher sehr sinnvoll, für mich noch gewöhnungsbedürftig.

Der ausführliche Test des Toprope-Modus steht noch aus. Wir probieren das Umstellen Ausklettern noch aus; allerdings ist der Unterschied mit dem langen, dünnen Seil kaum zu bemerken. Hier folgt demnächst nochmals ein Nachtrag aus der heimischen Kletterhalle.

Was ist neu? Test-Fazit zum Petzl Grigri+

Mancher Kletterer stellt sich vielleicht jetzt die Frage, ob es dem Grigri2 genauso ergeht wie dem Grigri1 – dass es durch das Grigri+ gar ersetzt wird. Dem ist nach Auskunft von Petzl allerdings nicht so. Das Grigri2 und das Grigri+ richte sich an unterschiedliche Zielgruppen und es werde weiterhin beide Varianten geben, heißt es aus der neuen Petzl Niederlassung bei Geretsried.

Bedeutet das Plus hinter dem neuen Grigri wirklich einen Mehrwert für mich als Sicherer? Meine klare Antwort nach dem Test ist: Ja – und zwar aus den drei genannten Gründen:

  1. bietet die Antipanic-Funktion zusätzliche Sicherheits-Reserven – und macht das Gerät damit auch für weniger erfahrene Sicherer interessanter.
  2. kann man jetzt zwischen Vor- und Nachstiegs-Modus wechseln. Dieses Feature ist insbesondere für den Kursbetrieb interessant; die meisten Kletterer werden in der Regel den Vorstiegs-Modus verwenden.
  3. mag das Grigri+ zumindest im Vergleich zum alten Grigri 2 dickere Seile etwas lieber. Und diese dicken Seile („Strick!“) kommen halt im Kletteralltag recht häufig vor.

Im Vergleich: Grigri, Grigri2 oder Grigri+

Petzl kehrte im Jahr 2019 wieder zurück zu seinen Wurzeln, das erkennt man schon in der Namensgebung: Das Grigri heißt jetzt einfach wieder nur Grigri – ohne alphanumerischen Zusatz. Und auch äußerlich hat es sich nicht allzu sehr verändert. Allerdings:

Das neue Grigri beruht im Grunde auf den Maßen des Grigri2, ist aber mit einem überarbeiteten Blockier-Mechanismus ausgestattet.

Bereits für das direkte Vorgängermodell Grigri+ hat Petzl die Blockiervorrichtung überarbeitet: Hier war es erstmals möglich den Blockiermechanismus zu regulieren, das heißt die Federspannung der Klemmnocken anzupassen. So greift beispielsweise der Blockiermechanismus des Grigri+ bei einer geringen Spannung (beim Toprope Klettern) schneller als beim Ur-Grigri. Im Inneren wurde eine Bremsplatte aus Stahl verbaut. Das macht das Grigri zwar etwas schwerer, aber auch haltbarer. Zudem wurde bereits das Grigri+ für eine Benutzung von Seilen von 8,5 bis 11 Millimeter konstruiert.

Das neue Grigri liegt leicht und gut in der Hand und eignet sich für Seile mit einem Durchmesser von 8,5 bis 11 Millimeter.

Chiara Hanke

Das neue Grigri liegt leicht und gut in der Hand und eignet sich für Seile mit einem Durchmesser von 8,5 bis 11 Millimeter.


Auch beim neuen Grigri wurde dieser Seilschacht übernommen. Die beim Vorgänger Grigri2 verbaute Seilführung, die teilweise ein Einklemmen des Seils im Sicherungshebel verursachte, wurde für das neue Modell nicht mit übernommen. Dafür wurde eine kleine Nocke am Seilkanal angebracht, die das Seil zuverlässig im Seilkanal hält. Zusätzlich verzichtet Petzl beim Grigri auf die Anti-Panik-Funktion des Grigri+.

Welches Grigri soll ich kaufen?

Einsteiger: Wer auf der Suche nach einem zuverlässigem Sicherungsgerät mit ein wenig mehr Sicherheitsreserven ist, für den – und vor allem für Einsteiger – empfiehlt sich das Grigri+ mit der Anti-Panik-Funktion. Dank der Anpassungsfähigkeit der Federspannung, bietet es auch für alle, die viel im Toprope klettern, besseres Handling.

Das neue Grigri überzeugt im Test und ist ein würdiger Nachfolger des guten alten Originals.

Chiara Hanke

Das neue Grigri überzeugt im Test und ist ein würdiger Nachfolger des guten alten Originals.


Fortgeschrittene: Das Grigri, 2019 als Nachfolger des Grigri2 auf den Markt gekommen, ist für den erfahrenen Kletterer eine gute Möglichkeit, Geld und Gewicht zu sparen. Die zusätzlichen Sicherungsfeatures des Anti-Panik-Hebels fallen jedoch weg.

Du hast noch eine Frage zum Grigri oder dem Grigri+? Dann ab damit in die Kommentare!

Geschichte: Welche Grigris gab und gibt es?

Inzwischen muss man nun schon mit einem Rückblick auf die Geschichte des Grigris beginnen. Also: Es war einmal…

1991: Petzl bringt das sogenannte Grigri auf den Markt, benannt nach afrikanischen Amuletten. Es ist das erste halbautomatische Sicherungsgerät und findet vor allem bei amitionierten Sportkletterern große Verbreitung.

2011: Das Grigri 2 ersetzt das „alte“ Grigri. Vorteil: Es ist auch für dünnere Seile geeignet (siehe Tabelle oben)

2017: Mit dem Grigri+ präsentiert Petzl ein gerät, das sich insbesondere an Einsteiger und weniger routinierte Sicherer richtet.

2019: Das Grigri kommt auf den Markt und ersetzt damit das Grigri2

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