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Der Bindungscheck

Abfahrtsorientierte Skitourenbindungen: Die Modelle 2021/2022 im Vergleich

10 Minuten Lesezeit
Pin- oder Rahmenbindung? Und was ist mit den neuen Hybrid-Modellen wie der Salomon Shift und Marker Duke PT? Das Angebot an Skitourenbindungen wird immer vielfältiger. Bergzeit Autor Lorenzo Rieg hat den Marktcheck gemacht und vergleicht die wichtigsten abfahrtsorientierten Tourenbindungen.

Mittlerweile ist klar, Skitourengehen liegt nicht nur im Trend, sondern ist spätestens mit dem letzten, vom Lockdown geprägten, Winter in der Breite angekommen. Und die vielen Skitourengeher tragen auch zum großen Facettenreichtum des Sports bei. Da gibt es auf der einen Seite stoppuhrorientierte Aufstiegsfans, auf der anderen die klassischen Sonntag-Vormittag-Gipfelbesteiger. Hier Skihochtourengeher und dort abfahrtsorientierte Freerider, die nur ab und an für kurze Aufstiege, bevorzugt vom Lift aus, die Felle aufziehen. Dies führt natürlich zu einer zunehmenden Vielfalt an Material. Gerade im Bereich der abfahrtsorientierten Bindungen, die sich teilweise auch im Freeride-Einsatz gut schlagen, tut sich nach wie vor einiges. Immer neue Modelle voll neuer Technologie kommen auf den Markt und gerade mit den ebenfalls immer weiterentwickelten Schuhen muss man mittlerweile weder auf Aufstiegskomfort noch Abfahrtsperformance verzichten.

Bei dem großen Angebot ist die Auswahl einer passenden Bindung allerdings nicht leicht. Deshalb gibt es hier einen Überblick über die aktuellen, abfahrtsorientierten Tourenbindungen 2021/2022.

Pin, Rahmen oder Hybrid?

Seit Jahren sind mit dem Rahmen- und dem Pinsystem zwei bewährte Systeme für Skitourenbindungen auf dem Markt, die sich grundsätzlich von der Art wie die Schuhe in der Bindung sitzen unterscheiden und über spezifische Vor- und Nachteile verfügen. Zusätzlich hat sich in den letzten Jahren mit der Salomon Shift und der Marker Duke PT ein Hybridsystem etabliert. Dieses soll die Vorteile der beiden Systeme verbinden.

  • Rahmenbindungen werden wie Alpinbindungen mit Vorder- und Hinterbacken am Skischuhrand fixiert. Zum Aufsteigen wird praktisch die gesamte Bindung mittels ihres „Rahmens“ bei jedem Schritt mitsamt dem Schuh angehoben.
  • Beim Pinsystem wird der Skischuh am Vorderbacken (und meist auch am Hinterbacken) mithilfe von speziellen Inserts an zwei „Metallpins“ in der Bindung fixiert. Zum Aufsteigen wird der Hinterbacken weggedreht, -geklappt, oder -geschoben – der Schuh ist somit nur vorne fixiert. So muss nicht bei jedem Schritt die gesamte Bindung angehoben werden, was einiges an Energie spart.
  • Das Hybridsystem funktioniert im Aufstieg wie ein Pinsystem, in der Abfahrt allerdings wie das Rahmensystem beziehungsweise wie eine Alpinbindung.
Welche Tourenbindung zu Dir passt, hängt vor allem von Deinem Fahrstil ab und was Du mit der Bindung vor hast.

Bergzeit

Welche Tourenbindung zu Dir passt, hängt vor allem von Deinem Fahrstil ab und was Du mit der Bindung vor hast.


Bis vor einigen Jahren hatte die Firma Dynafit aufgrund ihres Patents die Nase im Markt für Pinbindungen ganz vorn, was nicht nur die Auswahl an Skitourenbindungen, sondern auch an Schuhmodellen mit passenden Inserts limitierte. Seit dem Auslaufen des Patents im Jahre 2012 hat sich der Markt allerdings stark entwickelt. So bieten nicht nur zahlreiche Hersteller verschiedenste Typen von Bindungen an, auch die Schuhmodelle sind mittlerweile so vielfältig, dass wohl jeder Skitourengeher einen passenden Tourenskischuh finden sollte.

Vor- und Nachteile von Rahmenbindungen

Große Innovationen im Bereich der Rahmenbindungen gab es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Vielmehr werden zunehmend Pin- und Hybridbindungen genutzt und Rahmenbindungen werden immer seltener, entsprechend nimmt auch das Angebot nach und nach ab. Zu gering wiegen offenbar ihre Vorteile im Verhältnis zu ihrem bauartbedingten Gewichtsnachteil (und der Tatsache, dass bei jedem Schritt einiges an Extragewicht bewegt werden muss). Trotzdem bestehen nach wie vor Vorteile, die Rahmenbindungen interessant machen können. Zum einen kann so gut wie jeder Skischuh in Rahmenbindungen verwendet werden, zum anderen ist die Bedienung von Rahmenbindungen wie etwa der Ein- und Ausstieg, das Verändern der Steighilfe sowie das Umschalten zwischen Geh- und Skimodus in der Regel recht einfach. Zudem gibt es einige Modelle, die dank maximalem Z-Wert von 16 auch für sehr schwere und aggressive Fahrer bestens geeignet sind. Auch preislich sind Rahmenbindungen in der Regel günstig.

Vor- und Nachteile von Pinbindungen

Die mittlerweile in verschiedensten Varianten erhältlichen Pinbindungen haben alle Vorteile im Aufstieg gemeinsam. Sie sind leichter und haben einen günstigen Drehpunkt beim Gehen. Dazu kommen häufig eine sehr direkte Kraftübertragung und eine niedrige Standhöhe am Ski. Allerdings gibt es (mit Ausnahme der Modelle von Fritschi und Trab TR2) keine definierte Sicherheitsauslösung am Vorderbacken. Und obgleich die Auswahl an Skitourenschuhen mittlerweile beträchtlich ist, können Alpinschuhe eben nicht in Pinbindungen verwendet werden. Im Leichtgewichts- und Skitourenrennbereich sind Pinbindungen ohnehin alternativlos, heutzutage werden aber zahlreiche Modelle für den abfahrtsorientierten Einsatz angeboten. Einzig die wirklich hohen Z-Werte werden mit aktuellen Pinbindungen nicht erreicht, ihre Einsatzmöglichkeiten vor allem für sehr schwere Fahrer mit zügiger Fahrweise können somit eingeschränkt sein.

Kurzcheck: abfahrtsorientierte Rahmenbindungen

Marker Baron EPF

Mit Marker stieg vor einigen Jahren der erste der „großen“ Hersteller für Alpinbindungen in den Markt für Bindungen mit Aufstiegsfunktion ein. Die ursprüngliche Duke, über viele Jahre ein Verkaufsschlager, wurde mittlerweile aus dem Programm genommen. Die Baron EPF, ihres Zeichens kleine Schwester der Duke, ist allerdings nach wie vor erhältlich. Sie ist für eine Bindung mit Aufstiegsfunktion recht erschwinglich und somit eine etwas günstigere, aber stabile Variante.

Marker Tour F12 EPF

Die Marker Tour F12 EPF ist – für eine Rahmenbindung – fast schon ein Leichtgewicht, mit kaum merklich schlechterer Kraftübertragung in der Abfahrt im Vergleich zu den „schweren“ Rahmenbindungen. Mit einem maximalen Z-Wert von 12 ist die Tour 12 EPF allerdings auf den weniger harten Einsatz ausgelegt.

Tyrolia Adrenalin

Auch die Tyrolia Adrenalin ist, nachdem die Marker Duke und Salomon Guardian eingestellt wurden, das Modell mit dem höchsten Z-Wert unter den Rahmenbindungen. Der Mechanismus zum Umschalten zwischen Geh- und Skimodus ist hinter dem Fersenautomat angebracht und ermöglicht so, im Unterschied zur Konkurrenz, das Umschalten ohne den Schuh aus der Bindung nehmen zu müssen. Die Bindung wirkt dadurch optisch sehr lang, was in der Praxis dank der integrierten Freeflex-Technologie aber eigentlich nicht relevant ist.

Tyrolia Ambition

Die Tyrolia Ambition ist die aufstiegsorientiertere Rahmenbindung von Tyrolia. Sie ist leichter als die Adrenalin, dafür mit geringerem Z-Wert und etwas weniger Stabilität. Sie ist in zwei Versionen, einmal mit maximalem Z-Wert 12 und einmal mit maximalem Z-Wert 10, erhältlich.

Schnelle und leichte Aufstiege? Dafür sind Pinbindungen das Aushängeschild.

Bergzeit

Schnelle und leichte Aufstiege? Dafür sind Pinbindungen das Aushängeschild.


Kurzcheck: abfahrtsorientierte Pinbindungen

ATK Freeraider 16 und Freeraider 14

ATK hat sich in den vergangenen Jahren am Markt für Pinbindungen etabliert und bietet vor allem sehr leichte Bindungen, die allerdings teilweise trotzdem über einen sehr hohen Z-Wert sowie zusätzliche Bauteile zur Verbesserung der Kraftübertragung verfügen. Aktuell sind für Freerider vor allem die Freeraider 16 und Freeraider 14 interessant, wobei sich letztere vor allem durch den geringeren Z-Wert unterscheiden. Aktuell ist die ATK Freeraider 16 nicht nur die teuerste der hier aufgeführten Bindungen, sondern gemeinsam mit der Marker Duke PT 16 die Tourenbindung mit dem aktuell höchsten maximalen Z-Wert am Markt.

Dynafit ST Rotation 14

Dynafit hat mit der ST Rotation 14 auch ein für Freerider sehr interessantes Modell im Angebot. Die bereits von der Technologie mit dem leicht rotierend gelagerten Vorderbacken verringert Fehlauslösungen und die Bindung ist mit einem Z-Wert von 14 das abfahrtsorientierteste Modell von Dynafit. Sie ist komfortabel zu bedienen und das Rotation Konzept ist seit Jahren bewährt.

Fritschi Tecton

Seit mittlerweile mehreren Jahren auf dem Markt, ist die Tecton immer noch eine sehr innovative Pinbindung. Der Hinterbacken greift einerseits am Skischuhrand, andererseits mit den „power rails“ auch am Ferseninsert. Dies verhilft der Bindung nicht nur zu exzellenter Kraftübertragung, sondern gewährleistet durch die einstellbare und definierte Sicherheitsauslösung an Vorder- und Hinterbacken eine hohe Sicherheit. Mit einem Gewicht von gerade mal 550 Gramm (pro Einheit, ohne Stopper) ist sie zudem auch für lange Aufstiege bestens geeignet. Der erneut überarbeitete Vorderbacken erlaubt jetzt zudem längere Schritte bei uneingeschränkter Skischuhkompatibilität.

Fritschi Vipec Evo

Die Vipec Evo teilt sich den Vorderbacken mit der Tecton, hat allerdings einen anderen Hinterbacken und ist dadurch etwas leichter, ohne Kompromisse bei der Sicherheit zu machen. Sie punktet mit einfacher Handhabung, leichtem Einstieg und ergibt ein solides Gesamtpaket.

Fritschi Xenic

Mit der Xenic hat Fritschi ein richtiges Leichtgewicht im Programm. Ohne auf den gewohnten Bedienungskomfort verzichten zu müssen, bekommt man hier eine günstige und komfortable Bindung mit einem Gewicht von nicht einmal 300 Gramm pro Stück (ohne Stopper).

G3 Ion

Die G3 Ion ist eine leichte Pinbindung (1.170 Gramm inkl. Stopper) und verfügt über einen klassisch anmutenden Vorderbacken. Der Hinterbacken ermöglicht über den einstellbaren Anpressdruck einen Ausgleich der Skibiegung und eine gute Kraftübertragung. Neben der Ion 12 mit einem Auslösewert von fünf bis zwölf ist mit der Ion 10 (Auslösewert 4-10) auch eine Version für leichtere Fahrer verfügbar. Die Ion LT 12 kommt ohne Stopper und wiegt dafür über 250 Gramm (pro Paar) weniger.

G3 ZED

Mit der ZED bietet G3 eine Bindung an, die zwar auf der Ion basiert, die aber – vor allem durch ein optimiertes Design  – einige Gramm leichter ist. Sie wird standardmäßig ohne Stopper ausgeliefert und wiegt mit gerade einmal 345 Gramm pro Stück noch einmal eine Ecke weniger als die Ion LT.

Marker Kingpin

Mit der Marker Kingpin hat, mittlerweile ebenfalls vor bereits einigen Jahren, erstmals einer der „großen“ Bindungshersteller eine Pinbindung entwickelt. Der am Skischuhrand greifende Hinterbacken sorgt für Elastizität, der Vorderbacken ist leicht und unkompliziert. Mit ihren 730 Gramm (pro Stück inkl. Stoppern) ist die Kingpin nicht gerade die leichteste Pinbindung. Sie besticht aber durch einen hohen Bedienkomfort und eine gute Abfahrtsperformance. Die Marker Kingpin gibt es in zwei Versionen, einmal mit Auslösewert 5 bis 10 und einmal mit 6 bis 13.

Marker Alpinist 12

Mit der Alpinist hat Marker eine relativ klassische Pinbindung im Programm, die durch die Kombination aus niedrigem Gewicht und günstigem Preis besticht. Die Alpinist ist auch in einer Version für leichtere Tourengeher mit Z-Wert vier bis neun erhältlich. Zu beachten ist, dass im Gegensatz zu den anderen hier besprochenen Bindungen lediglich der laterale Auslösewert eingestellt werden kann, der vertikale Wert ist bei der Alpinist fix.

Kurzcheck: Hybridbindungen

Marker Duke PT

Mit der Duke PT, die es in einer Version mit Z-Wert 6-16 und einer mit Z-Wert 4-12 gibt, hat auch Marker eine Hybridbindung im Programm. Im Aufstieg erinnert sie an die Kingpin, für die Abfahrt wird aber ein abnehmbares Teil in den Vorderbacken geklickt, der dadurch nicht mehr mit den Pins, sondern mit Backen greift. Dies ermöglicht nicht nur eine Funktion ähnlich einer Alpinbindung, sondern macht die Bindung auch im Aufstieg, wenn das Gewicht bewegt werden muss, leichter. Allerdings ist die Duke PT insgesamt vom Gewicht her im Bereich der Rahmenbindungen anzusiedeln und richtet sich damit klar an Skitourengeher, die nicht so stark auf das Gewicht achten.

Salomon Shift

Mit der Shift ist Salomon eine Revolution im Bereich der Skitourenbindungen gelungen – die erste Hybridbindung. Die Pins am Vorderbacken werden nur für den Aufstieg verwendet, in der Abfahrt sitzt der Schuh wie bei einer Alpinbindung im Vorder- und Hinterbacken. Dadurch hat man es geschafft, die Vorteile beider Systeme zu kombinieren und eine tolle Bindung für Freerider zu designen. Aufgrund dieser Eigenschaften und dem damit einhergehenden Gewicht kann sie kaum mit den leichteren Pinbindungen konkurrieren, Rahmenbindungen läuft sie hingegen zusehends den Rang ab.

Fazit: Welche Bindung brauche ich?

Nach wie vor gilt auch für Skitourenbindungen: Alles hat Vor- und Nachteile. Mit dem Aufkommen der Hybridbindungen scheinen die Tage der Rahmenbindungen allerdings doch langsam gezählt. Vermutlich wird die Frage in Zukunft nicht mehr „Rahmen oder Pin?“, sondern „Pin oder Hybrid?“ heißen.

Wann brauche ich eine Rahmenbindung?

Gerade für eine schwerpunktmäßige Nutzung im Skigebiet mit nur gelegentlichen Aufstiegen oder bei problematischen Füßen mit entsprechenden Anforderungen an die Skischuhe, sind Rahmenbindungen nach wie vor eine Alternative. Zudem sind sie eben auch mit reinen Alpinschuhen nutzbar, was unter Umständen für Skitourengeher, die nur kurze, liftunterstützte Touren gehen möchten, interessant sein kann.

Du bist vor allem auf der Suche nach tiefem Powder ohne allzu lange Anstiege? Dann schau Dich am besten bei den neuen Hybridmodellen um.

Bergzeit

Du bist vor allem auf der Suche nach tiefem Powder ohne allzu lange Anstiege? Dann schau Dich am besten bei den neuen Hybridmodellen um.


Wann brauche ich eine Pinbindung?

Für lange Touren, bei denen das Gewicht und die Aufstiegsperformance eine Rolle spielen, führt an einer leichten Pinbindung eigentlich kein Weg vorbei. Auch für Freerider, die Wert auf eine gute Performance in der Abfahrt legen, gibt es hier ein breites Angebot, welches von den Modellen von ATK und G3 über die Marker Alpinist bis hin zur Fritschi Xenic reicht. Wer etwas mehr Gewicht in Kauf nehmen möchte, um höhere Sicherheit, mehr Komfort und eine bessere Abfahrtsperformance zu erreichen, findet bei Bindungen wie der Kingpin oder der Fritschi Vipec Evo und Tecton die richtigen Begleiter.

Wann brauche ich eine Hybridbindung?

Die beiden Hybridmodelle machen sowohl den Pinbindungen bezüglich der Aufstiegseigenschaften als auch den Rahmenbindungen hinsichtlich der Abfahrtsperformance kräftig Konkurrenz. Mittlerweile haben sich die Bindungen auch am Markt etabliert und in der Praxis bewährt und sind all jenen Skitourengehern zu empfehlen, die für hohe Abfahrtsperformance und Sicherheit auch bereit sind mehr Gewicht in Kauf zu nehmen.

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