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Lawinenrucksack-Marktüberblick 2021/22: Airbag-Systeme im Vergleich

14 Minuten Lesezeit
Lawinenrucksack ist gleich Lawinenrucksack. Nicht ganz. Denn häufig unterscheiden sich die Rucksäcke in ihren Airbagsystemen. Aber wie viele Airbag-Systeme gibt es eigentlich auf dem Markt und was sind die Unterschiede? Und benötigst Du überhaupt Deinen eigenen Lawinenrucksack? Hier bekommst Du den Überblick.

Sicherheit am Berg – das Thema hat im Freeride- und Skitourenbereich nichts von seiner Aktualität verloren. Ein Produkt, das die Sicherheit am Berg maßgeblich erhöhen soll, ist der Lawinenrucksack. Sein Einsatz ist oft noch immer eine Glaubensfrage. Fakt ist jedoch, dass die hochtechnologisierten Rucksäcke die Überlebenschancen bei einem Lawinenunglück erhöhen können. Deshalb entwickeln Hersteller immer neuere Systeme, die mit immer mehr Funktionen und immer weniger Gewicht überzeugen sollen.

Großes Angebot an Lawinenrucksäcken

Für über zwei Jahrzehnten wurden nur von einem Hersteller Lawinenrucksäcke angeboten: ABS. Die Konkurrenz auf dem Markt hat sich in den letzten Jahren durch neue Systeme und Rucksäcke allerdings deutlich verstärkt. Die erfreulichen Konsequenzen für den Endkunden sind ein wachsendes Angebot, sinkende Preise und innovative Produktalternativen. Gleichzeitig wird der Markt unübersichtlicher. Es lohnt sich also, genauer hinzusehen, die unterschiedlichen Airbag-Rucksäcke zu vergleichen und sich zu informieren.

Bei den Gaskartuschensystemen muss zwischen wiederbefüllbaren und nicht wiederbefüllbaren Kartuschen unterschieden werden. Viele Hersteller verkaufen vermehrt nur noch leichtere Carbonkartuschen anstatt der Varianten aus Stahl, da Erstgenannte mittlerweile deutlich günstiger produziert werden können und so der allgegenwärtigen Gewichtsoptimierung Rechnung getragen werden kann.

Welche Systeme gibt es am Markt und wohin entwickelt sich der Trend?

Aktuell findest Du am Markt vier verschiedene Airbag-Systeme. Zwei dieser Systeme basieren auf Gaskartuschen und die anderen zwei Systeme lösen elektronisch den Airbag aus. Bei den Klassikern unter den Lawinenrucksäcken, also denen mit Kartuschensystemen, ist der Hauptunterschied das Auslösesystem:

  • mit Sprengsatz im Handgriff, durch welchen bei Knopfdruck das Gas in den Airbag strömt
  • durch Handgriff mit Drahtzugsystem, bei Zug wird die Kartusche eingestochen und die Luft entweicht in den Airbag

Seit ein paar Jahren gibt es zudem noch die elektronischen Airbag-Systeme. Die Unterschiede sind hier in der Elektronik zu finden:

  • Einbau eines akkubetriebenen Gebläsesystems, welches bei Knopfdruck die Luft in den Airbag bläst
  • Verwendung von Superkondensatoren, welche die nötige Energie zur Auslösung des Gebläses speichern
Die Qual der Wahl - welcher Rucksack passt wohl am Besten zu Dir?

Bergzeit

Die Qual der Wahl – welcher Rucksack passt wohl am Besten zu Dir?


Weiterhin breiter am Markt aufgestellt sind die klassischen Airbag-Systeme basierend auf Kartuschen. Denn diese Systeme sind seit den 1980iger Jahren im Einsatz und werden laufend weiterentwickelt. Die Erfahrungswerte, das breite Einsatzgebiet und das leichte Gewicht überzeugen die meisten Sportlerinnen und Sportler nach wie vor. Aber dank des Kondensatoren-Systems von Alpride konnte im Bereich der elektronischen Systeme ein wichtiger Schritt nach vorne gemacht und das Gewicht reduziert werden. Die Vorteile des elektronischen Systems, wie zum Beispiel eine mehrfache Auslösung hintereinander ohne Kartuschen wechseln zu müssen, sind auch nicht unerheblich. Besonders im Bereich Freeriden, wo das Gewicht eine nicht ganz so große Rolle spielt, könnte sich der Trend auch eher in Richtung Elektronik entwickeln. Auch im Bereich Flugreisen stehen die elektronischen Systeme definitiv vor den Lawinenrucksäcken mit Kartuschen.

Aber jetzt stellen wir Dir erstmal alle Systeme vor!

Seit langem bewährt – Lawinenrucksäcke mit Gaskartuschen

ABS | Twin Bag Airbag System

ABS ist das Urgestein im Bereich Lawinen-Airbags! Die Lawinenrucksäcke von ABS sind mit dem eigens entwickelten Twin Bag System ausgestattet. Nicht nur ein Airbag, nein, gleich zwei sollen Dich im Ernstfall vor der Verschüttung retten. Beide Airbags sind mit separaten Ventilen ausgestattet und halten im Ernstfall die Luft auch separat. Geht also einer kaputt, bleibt immer noch ein Zweiter. Dank der zwei Airbags ist die Auflagefläche größer als bei Mono-Airbags, was ein großes Plus ist. Denn eine große Auflagefläche ist essentiell, um nicht verschüttet zu werden. Außerdem befördert Dich der Twin Bag aufgrund seiner seitlichen Anbringung in eine horizontale Lage und reduziert so die Gefahr des Ankereffekts (= das Verhaken des Airbags und die mögliche Verschüttungsgefahr im Auslaufbereich der Lawine). Zudem kann der Schnee während einer Lawine vom Kopf abfließen und sammelt sich nicht im Nacken.

Wie Flügel - das Twin Bag Aibag-System von ABS

ABS

Wie Flügel – das Twin Bag Aibag-System von ABS


Aber wie löst das ABS-System eigentlich aus?

Im Handgriff ist ein kleiner Sprengsatz eingebaut. Sobald dieser ausgelöst wird, geht ein Kolben nach oben und die integrierte Feder trifft auf die Patrone. Die Patrone stößt gegen die im Griff enthaltene Nadel und dadurch kommt es zu einer Explosion. Die ausströmende Druckwelle gelangt über den Schlauch in die Anstecheinheit und drückt den Kolben in die Kartusche. 300 bar Druck werden nun frei und verteilen sich auf die beiden Airbags. Und das alles innerhalb von 2-3 Sekunden!

Das wohl interessanteste ist, dass der Handgriff abnehmbar ist. Man kann ihn nicht nur an beiden Seiten des Rucksacks anbringen, sondern so den Lawinenrucksack auch auf Flugreisen ohne Probleme transportieren.
Ein weiterer Vorteil dieses Auslösesystems ist die Temperaturunabhängigkeit. Auch bei niedrigsten Temperaturen und äußerst stürmischen Tagen schützt Dich der Twin Bag Airbag zuverlässig.

Und falls Du Deinen Airbag auslösen musstest, kannst Du die Kartuschen ganz einfach beim Service nachfüllen lassen. Du kannst übrigens zwischen Stahl- oder Carbon-Kartuschen auswählen – je nach Budget und Einsatzgebiet. Dann musst du einfach noch einen neuen Griff anbringen und schon ist Deine Safety-Ausrüstung wieder bereit für’s Gelände.

Fazit: Das Twin Bag System von ABS ist ein sehr sicheres System, welches sehr gut funktioniert. Die ABS Rucksack-Modelle decken jedes Einsatzgebiet ab – von der leichten Tagestour über Freeriden im feinen Powder oder Skidurchquerungen im Backcountry.

Mammut | Airbag Technology 3.0

Mammut hat gleich zwei eigene Airbag-Systeme für Lawinenrucksäcke auf dem Markt und diese mittlerweile schon in der dritten Generation. Das System an sich ist das selbe, jedoch haben beide unterschiedliche Schwerpunkte.

Das Removable Airbag System 3.0 (R.A.S.) fällt vor allem durch sein federleichtes Gewicht auf und kann, wie der Name schon verrät, auch aus dem Lawinenrucksack komplett herausgenommen werden. Mit nur ca. 1 kg Gewicht (bei einer Carbon-Kartusche) wiegt das System nicht mehr als ein Liter Wasser. Und umso leichter der Airbag im Rucksack, desto eher hat man ihn auf dem Rücken.

Beim Proctection Airbag System 3.0 liegt der Fokus im Vergleich auf Traumaschutz dank 3D-Form. Der Airbag legt sich bei der Auslösung schützend um Deinen Kopf, Nacken und Brust-Bereich und schütz Dich so auch vor mechanischen Verletzungen während einer Lawine. Die Airbags beider System sind außerdem in knall-orange eingefärbt, damit Du im Falle einer Verschüttung möglichst schnell lokalisiert werden kannst.

Mammut's Trauma-Protection - besonderer Schutz für Kopf, Nacken und Brust

Mammut’s Trauma-Protection – besonderer Schutz für Kopf, Nacken und Brust


Und wie funktioniert das Auslösen bei der Mammut Airbag Technology 3.0?

Der orange-farbene Auslösegriff ist höhenverstellbar und auf jede Körpergröße perfekt anpassbar. Mit seiner T-Form ist er auch super für den Einsatz mit Fäustlingen geeignet und kann neuerdings auch dank Faltmechanik platzsparender im Schulterträger verstaut werden. Sobald Du an diesem Handgriff ziehst, löst Du das Airbag-System mittels vorgespannter Auslösemechanik aus. Die Auslösemechanik ist ganz einfach vorzuspannen: Dazu einfach die Kartusche reinschrauben und schon ist der Drahtzug gespannt! Oder, wie Mammut das nennt: Screw in and Ready! Sobald Du also am Handgriff ziehst, aktivierst Du die Mechanik und mithilfe einer Nadel wird die Druckkartusche geöffnet. Nach dem Einsatz kannst Du über das Inflationssystem die Luft aus dem Airbag entlassen und lässt Deine Kartuschen bei einem Mammut Händler austauschen.

Fazit: Der leichtere und entnehmbare R.A.S Airbag ist definitiv der Airbag für Touren, wo jedes Gramm eine Rolle spielt. Der 3D-geformte P.A.S. Airbag bietet Dir rundum Sicherheit und ist Dein perfekter Begleiter, wenn Du möglichst viel Schutz haben möchtest. Beide Systeme lösen in etwa 3 Sekunden aus und die Technologie wird von Mammut natürlich stets weiterentwickelt.

BCA | Float 2.0

Auch BCA hat ein eigenes Avalanche-Airbag-System auf dem Markt – das Float 2.0. Das besondere bei BCA ist, dass sie mit den günstigsten Preis für Lawinenrucksäcke anbieten. Günstig heißt aber nicht schlechte Qualität! Nein, das Float 2.0-System kommt wie die meisten anderen Airbag-Syssteme mit einem 150 l Airbag, welches mechanisch per Seilzug ausgelöst werden kann. Da die Kartusche mit Druckluft gefüllt ist, kann sie nach Auslösen des Airbags wiederbefüllt werden. Dazu musst Du einfach die Kartusche an BCA schicken und schon bekommst Du sie bereit für den Einsatz zurück. Allerdings gibt es die Kartusche nicht als Carbon-Variante, sondern nur in der etwas schwereren Stahlverarbeitung. Zudem muss eine Snowboardhalterung optional erworben werden, was sehr schade ist.

Fazit: Das BCA Float 2.0-System ist eine gute Alternative zu den Klassikern ABS oder Mammut. Vor allem in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis steht dieses Airbag-System weit vorne! Also alle Schnäppchenjäger aufgepasst!

Ortovox | Avabag

Der Avabag von Ortovox ist eines der innovativsten Airbag-Systeme der letzten Jahre. Dank einer neuen Airbag-Verarbeitungstechnologie schaffte Ortovox es, das Systemgewicht bei nur 690 Gramm zu halten und bietet somit einen der leichtesten Lawinenrucksäcke am Markt. Gleichzeitig ist auch das Packmaß minimalistisch gehalten und sorgt für mehr Stauraum im Rucksack selbst.

Was ist bei der Ortovox Avabag so besonders?

Kleineres Airbagsystem = mehr Platz für deine Sicherheitsausrüstung

Ortovox

Kleineres Airbagsystem = mehr Platz für deine Sicherheitsausrüstung


Das Airbag-System funktioniert ähnlich wie das von Mammut mit einem Drahtzugsystem. Im Falle einer Lawine kannst Du mittels Handgriff am Schultergurt die Kartusche anstechen und der Airbag bläst sich auf. rn

Ganz anders als bei Mammut oder ähnlichen Anbietern ist aber, dass die Auslöseeinheit im Venturi (Luftkanal) sitzt und somit ein geschlossenes und robustes System bildet. Verschmutzung, Vereisung oder Korrosion können somit ausgeschlossen werden.

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Außerdem hat Ortovox es geschafft, den Airbag ohne zu nähen und ohne zusätzliche Abdichtung herzustellen und ist hier definitiv Vorreiter am Markt. Der Handgriff der Auslöseeinheit wurde ergonomisch geformt und extra griffig hergestellt, um wirklich in allen Lagen und mit allen Handschuharten bestmöglichst bedienbar zu sein.

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Fazit: Der Avabag von Ortovox ist ein platzsparendes, leichtes aber dennoch sehr sicheres System. Dank vieler Rucksackmodelle kannst Du Dir deinen Liebling für Deinen Einsatzbereich aussuchen – Ortovox hat für jede und jeden was dabei!

Arva | Reactor

Das Reactor-System von Arva ist mit einem Zwei-Kammer-Airbag ausgestattet. Seine Form und Position sind so konzipiert, dass ein maximaler Auftriebseffekt in der Lawine gewährleistet werden kann. Aber dieses Airbag-System überzeugt nicht nur dank seiner Doppelkammer, sondern auch in den Punkten Gewicht und Packmaß! Mit nur 680 Gramm ist der Reactor das leichteste und kompakteste Zweikammer-Airbag-System für Lawinenrucksäcke!

Wie löst der Arva Reactor aus und worauf musst Du achten?

Der Airbag ist seitlich und am Kopf des Rucksackes angebracht und spart somit reichlich Platz im Innenraum. Zudem kommt ein größenverstellbares Rückenteil und ein sich automatisch anpassender Handgriff. Von Größe S bis L ist für jeden die perfekte Passform gegeben. Bevor man seine Tour startet, sollte der Handgriff auf jeden Fall ausgeklappt werden, da sonst der Airbag nicht ausgelöst werden kann. Die Basis des Auslösemechanismus ist auch wieder ein Drahtzugsystem, durch welches bei Benutzung die Kartusche durchstochen wird und innerhalb weniger Sekunden der Airbag gefüllt wird. Sobald Du Deinen Reactor Airbag auslösen musstest, kann die Kartusche allerdings nur von Arva selbst wiederbefüllt werden.

Fazit: Der Made in France Airbag von Arva liegt mit seinem Gewicht deutlich vorne! Das System ist in sechs verschiedenen Rucksackmodellen erhältlich, um einen Lawinenrucksack für jedes Einsatzgebiet liefern zu können. Aber auch in Punkto Nachhaltigkeit überzeugt Arva. Mit dem Airbag Calgary 18 haben sie den weltweit ersten umweltfreundlich hergestellten LVS-Rucksack auf den Markt gebracht. Kleiner Geheimtipp für alle Freeriderinnen und Freerider!

Nicht nur für Technik Geeks – elektronsiche Lawinenrucksäcke

Alpride | Airbag System E1

Mit dem Airbag System E1 hat Alpride den Airbag-Markt revolutioniert. Zum einen ist das Alpride E1 ein elektronisches Airbag-System und somit generell noch neu im Handel. Doch anstelle eines Lithium-Akkus, wie beim Pieps bzw. Black Diamond Jet Force (Generation 1) hat Alpride Superkondensatoren eingebaut. Superkondensatoren sind passive elektronische Elemente, die elektrische Energie ohne chemische Reaktionen speichern können. Dies ist ein wahnsinniger Vorteil gegenüber klassischen Akkus, denn bei Temperaturen von -30 Grad bis zu +40 Grad können die Kondensatoren die gleiche Leistung bringen. Du bist also bei nahezu jedem Wetter einsatzbereit.

Außerdem führt der Einsatz von Kondensatoren dazu, dass zusätzlich noch Gewicht gespart werden kann. Denn die Kondensatoren wiegen deutlich weniger als herkömmliche Akkus – beim Alpride E1 beläuft sich das System-Gewicht auf 1.280 Gramm. Dieses Airbag-System zählt somit zu den leichtesten elektronischen Systemen aktuell am Markt. Und wie wir alle wissen, spielt das Gewicht eine große Rolle, ob wir den Rucksack auch wirklich am Ende auf unsere Touren mitnehmen.

Verbaut ist das neue Alpride E1 unter anderem im Scott Patrol E1.

Und selbst Black Diamond überzeugte diese Technologie und die Amerikaner haben in ihrer neuen Reihe an Lawinenrucksäcken mit elektronischem System nun das Alpride E1 verbaut.

Doch wie löst das elektronische Alpride E1-System aus?

Anstatt eines Seilzugssystems bzw. Sprengsatzsystems, welches die Kartuschen öffnet und somit die ausgestoßene Luft (oder Gas) den Airbag aufbläst, ist ein kondensatoren-betriebenes Gebläse verbaut. Per Knopfdruck kann es einfach aktiviert werden und schon füllt sich der Airbag im Ernstfall. Für 24 Stunden ist der Kondensator geladen, sobald Du aber zwei AA Batterien zusätzlich einlegst, bist Du die nächsten drei Monate einsatzbereit.

Du fragst dich bestimmt, ob man der Technik so vertrauen kann, oder? Auch dafür hat Alpride gesorgt: Nach Einschalten des Systems führt die Elektronik einen Selbsttest durch und prüft alle Parameter und Komponenten. Die an der Außenseite des Rucksacks angebrachten LEDs zeigen Dir den Status und den Ladezustand an. Für ein optimales Aufblasen des Airbags sorgt die sogenannte Verdichter-Technologie (wie bei Turboladern) – mit sehr hohem Druck wird ein schnelles Aufblasen des Airbags ermöglicht.

Fazit: Alpride hat mit ihrem Kondensator-System den Standard elektronischer Systeme weiter nach oben gesetzt und in allen Bereichen „abgeliefert“. Keine Probleme bei Flügen – Check! Mehrfachauslösung – Check! Genügend Stauraum und leichtes System – Check! Also Airbag einschalten nicht vergessen und los geht’s!

Pieps und Black Diamond | Jet Force

Auch Pieps und Black Diamond haben gemeinsam ein elektronisches Airbag-System entwickelt und waren sogar die Ersten damit auf dem Markt. Doch wie oben schon erwähnt, hat Alpride mit ihrem Kondensatoren-System das Akku-basierte Jet Force System zu größten Teilen abgelöst. Pieps vertreibt weiterhin ihre Lawinenrucksäcke mit dem Jet Force-Airbag, diese funktionieren auch sehr ähnlich wie der Kondensator-Airbag von Alpride. Lediglich liefert ein integrierter Akku die nötige Energie, um den Airbag auszulösen.

Wen also ein paar Gramm mehr zum Tragen nicht stören, hat mit dem Jet Force dennoch einen super Airbag mit auf Tour!

Für mehr Tragekomfort – Damenspezifische Modelle

Die meisten Hersteller bieten derzeit überwiegend Unisex- bzw. Herren-Modelle an, natürlich in verschiedenen Größen, aber manchmal passt es eben doch nicht zu 100 Prozent für Frauen. Zum Glück gibt es aber ein paar Modelle, welche an die weibliche Anatomie angepasst wurden. Sie sorgen so für einen besseren Sitz und auch kleinere Frauen finden leicht ein passendes Modell. Hier haben wir für Dich einen kleinen Überblick über Lawinenrucksäcke für Frauen oder kleinere Personen:

Was ein Airbag-Rucksack kann (und was nicht)

Trotz aller Neuerungen: Ein Lawinenrucksack kann niemals eine solide Ausbildung im Lawinen-Risiko-Management, einen gesunden Menschenverstand und die Freeride-/Skitouren-Grundausstattung (Schaufel, Sonde, LVS plus Erste-Hilfe-Set und Skihelm) bzw. deren geübte Anwendung ersetzen.

Er kann nur einen zusätzlichen Sicherheitsspielraum bieten – wenn zuvor eine Fehlentscheidung bei der Hangbeurteilung begangen, ohne Selbstverantwortung einem risikoblinden Gruppenmitglied gefolgt oder das Glück zu sehr herausgefordert wurde.

Ein Lawinenairbag hilft nicht beim Ausgraben eines verschütteten Freundes. Er erhöht einzig die Wahrscheinlichkeit einer geringeren Verschüttungstiefe und die Chance, an der Oberfläche sichtbar liegen zu bleiben, um schneller gerettet zu werden – oder, um sich im Idealfall selbst zu befreien.

Logische Konsequenz:

Ein Lawinenrucksack ohne zusätzliche LVS-Grundausstattung und vorherige Lawinenkurse ergibt keinen Sinn!

Lawinenrucksack: Ergänzung zur Sicherheitsausrüstung

Ein Lawinenrucksack ist zweifelsfrei eine sinnvolle, ergänzende Sicherheitsausrüstung, weswegen ein Kauf an sich durchaus seine Berechtigung hat. Jeder Tourengeher oder Freerider sollte sich aber vorher die Frage stellen, ob er auch persönlich bestmöglich auf das Bergabenteuer vorbereitet ist.

Eines sollte sich jeder Skitourengeher und jeder Freeriderin immer wieder bewusst machen: In 90 Prozent aller registrierten Lawinenunfälle wird die Lawine vom Skifahrer bzw. seiner Gruppe selbst ausgelöst.[1

Glaubensfrage oder nicht: Fakt ist, der Lawinenrucksack kann im Ernstfall die Überlebenschancen erhöhen.

Bergzeit

Glaubensfrage oder nicht: Fakt ist, der Lawinenrucksack kann im Ernstfall die Überlebenschancen erhöhen.


Habe ich das Glück und überlebe den Lawinenabgang, kann mich aber selbst nicht von den Schneemassen befreien, verschlechtern sich meine Überlebenschancen als Komplettverschütteter extrem schnell. Schon nach 30 Minuten liegt – statistisch betrachtet – die Überlebenswahrscheinlichkeit nur noch bei 40 Prozent.[2] Professionelle Hilfe ist – ebenfalls statistisch betrachtet – in den meisten Fällen erst nach über 40 Minuten am Unfallort. Wichtigstes Hilfsmittel nach einem Lawinenunfall ist und bleibt deswegen die Kameradenrettung, einschließlich der dafür erforderlichen Ausrüstung und Übung.

Zusätzliche LVS-Ausrüstung

Nichtsdestotrotz können zusätzliche Ausrüstungsgegenstände die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Lawinenunfall positiv beeinflussen. Man unterscheidet zwischen Rettungssystemen, die eine Verschüttung möglichst verhindern (Lawinenairbag), eine raschere Ortung des Verschütteten ermöglichen (Lawinenball) oder dafür sorgen, dass man als Verschütteter länger in einer Lawine überleben kann (AvaLung von Black Diamond, Airsafe von Ferrino).[2] Allerdings scheint einzig die Wirksamkeit des Lawinenrucksacks auch fundiert erwiesen zu sein.[3

Keines dieser zusätzlichen Rettungssysteme kann eine Verschüttung mit hundertprozentiger Sicherheit verhindern. In den letzten Jahren wurden immer wieder Skifahrer trotz eines Lawinenairbags – der zum Teil nicht ausgelöst hat – ganz verschüttet. Deshalb müssen diese Systeme immer mit der Grundausstattung (LVS, LVS-Sonde, Schaufel plus Erste-Hilfe-Set und Helm) sowie solidem Lawinenwissen kombiniert werden. Innerhalb einer Gruppe muss immer gewährleistet sein, dass die Kameradenrettung geübt wurde und routiniert ablaufen kann.

Quellen

  1. W. Munter, 3×3 Lawinen. Risikomanagement im Wintersport. 3. Auflage, Verlag Pohl & Schellhammer, Garmisch-Partenkirchen, 2009.
  2. H.-J. Etter, J. Schweizer, T. Stucki, Die Alpen, 2/2009, Schweizer-Alpen-Club SAC, 2009.
  3. L. Meier, S. Harvey, Feldversuche mit Lawinen-Notfallgeräten Winter 2010/2011, WSL Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos, 2011

Lawinenrucksäcke im Test

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