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LVS-Geräte im Vergleich: Marktüberblick 2021/2022

9 Minuten Lesezeit
LVS-Geräte gibt es viele, aber was sind eigentlich die Unterschiede? Wann lohnt sich ein Profigerät und wann reicht ein Standardmodell vollkommen aus? Bergzeit Autor Lorenzo macht den LVS-Geräte Vergleich für Dich.

Einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände für Freerider, Skitouren- und Schneeschuhgeher ist das Lawinenverschüttetensuchgerät, kurz LVS-Gerät. In Kombination mit Lawinenschaufel und Lawinensonde ist es unverzichtbar zur Kameradenrettung, welche bei einer Lawinenverschüttung meist die einzige wirkliche Überlebenschance darstellt. Seit Jahrzehnten ist das Prinzip dabei gleichgeblieben: Ein kombiniertes Sende- und Empfangsgerät wird sendend am Körper getragen, im Notfall wirst Du mit Hilfe der Empfangsfunktion entlang der Feldlinien zum Verschütteten geleitet. Musstest Du das vor nicht allzu langer Zeit anhand von lauter werdenden Pieptönen tun, wirst Du bei aktuellen LVS-Modellen recht intuitiv von Pfeilen auf dem digitalen Display, teilweise ergänzt durch akustische oder haptische Hinweise, geleitet. Welche Geräte aktuell auf dem Markt sind und was sie voneinander unterscheidet, haben wir Dir in unserem LVS-Geräte Vergleich zusammengefasst.

Der aktuelle Stand der Technik: Das LVS-Gerät heute

Bei allen aktuellen LVS-Geräten handelt es sich um digitale Dreiantennengeräte. Das ermöglicht im Vergleich zum analogen Ur-LVS mit nur einer Antenne vor allem eine bessere Feinortung und größere Unabhängigkeit von der Koppellage, was breitere Suchstreifen ermöglicht. Zudem wirst Du intuitiver und somit schneller zum Verschütteten geführt. Eine Markierfunktion kann zusätzlich viel Zeit bei Mehrfachverschüttungen sparen.

Dreiantennengeräte mit Markierfunktion sind heutzutage Standard bei LVS-Geräten.

Bergzeit

Dreiantennengeräte mit Markierfunktion sind heutzutage Standard bei LVS-Geräten.


Die meisten Hersteller bieten ein Topmodell, welches zusätzlich zu den Standardfunktionen weitere Spezialfunktionen bietet – zum Beispiel einen Analogmodus, einen Neigungsmesser oder eine gesonderte Gruppencheck-Funktion. Beim Standardmodell verzichten die Hersteller häufig auf diese Zusatzfunktionen; die Standardfunktionen sind aber für praktisch alle Verschüttungsszenarien ausreichend.

Die hauptsächlichen Weiterentwicklungen bei LVS in den vergangenen Jahren sind einerseits die Steigerung der Reichweite und andererseits das Aufkommen von verhältnismäßig leistungsstarken, aber sehr kompakten und leichten Geräten. Während gerade bei den Top-Geräten die Reichweite sowohl bei idealer als auch bei schlechterer Koppellage gesteigert werden konnte, gibt es mittlerweile auch Geräte mit einem Gewicht von etwa 150 Gramm. Zudem verbessert sich die Benutzerfreundlichkeit mehr und mehr und die Geräte werden intuitiver in der Bedienung. Zuletzt fokussierten sich Verbesserungen zudem häufig auf die Bedienung und eine möglichst einfache Nutzbarkeit, wie beispielsweise bei der Vibrationsfunktion von Pieps oder der Sprachsteuerung beim neuen Ortovox Diract Voice.

Bei der verfügbaren Technik solltest Du jedoch nicht vergessen, dass Du Deine Sicherheit im Gelände am besten erhöhst, wenn Du gar nicht erst von einer Lawine erfasst wirst. Risikomanagement in Sachen Lawinensicherheit erfordert Wissen, welches vor allem durch Ausbildung und Erfahrung erworben wird und ebenso zur Pflichtausstattung im Gelände gehört wie ein LVS-Gerät.

Übersicht über die aktuellen LVS-Geräte

Arva

Die LVS-Geräte von Arva sind im deutschsprachigen Raum nicht allzu weit verbreitet, funktionieren aber äußerst zuverlässig und bieten vor allem ein interessantes Preis-Leistungsverhältnis.

Neo Pro

Das Neo Pro ist das Topgerät von Arva, welches vom Funktionsumfang auf professionelle Nutzer ausgelegt ist. Neben der Suchstreifenbreite von 70 Metern ist es stark konfigurierbar und verfügt beispielsweise auch über einen Analogmodus. Selbstverständlich hat das Gerät auch die bekannten Features wie Gruppentest, Markierfunktion und eine automatische Umschaltung von Suchen auf Senden.

Evo 5

Mit dem neuen Evo 5 bringt Arva ein wirklich kleines und äußerst leichtes LVS auf dem Markt, welches sich aber vor den „großen“ nicht verstecken braucht. Neben dem Form- und Gewichtsfaktor punktet es mit allen notwendigen Funktionen und bietet eine Suchstreifenbreite von 50 Metern.

Evo 4

Das Evo 4 ist das Basisgerät von Arva und seit mehreren Jahren in mehrmals überarbeiteten Versionen im Programm. Es zielt auf möglichst einfache Bedienung und damit Gelegenheitsnutzer ab und hat zum Ziel vor allem einen einzelnen Verschütteten schnellstmöglich zu finden.

BCA

Die Erfinder des digitalen LVS-Geräts, BCA, haben mit dem Tracker 4 ein Topmodell im Programm, das sich vor der Konkurrenz weder mit seiner Leistungsfähigkeit noch mit seinen Zusatzfunktionen verstecken muss.

Tracker 4

Der Tracker 4 ist das Topmodell von BCA. Wie alle Geräte von BCA wird viel Wert auf eine möglichst einfache und intuitive Bedienung gelegt, zudem ist das Gehäuse des Tracker 4 besonders robust. Von den Spezifikationen und Funktionen ähnelt er dem Tracker 3+ und verfügt wie dieser über interessante zusätzliche Suchmodi, nämlich „Big Picture“, welcher eine Übersicht über alle empfangenen Signale bietet, und „Signal Supression“, bei dem nur nach einem Signal beziehungsweise einem anderen Gerät gesucht wird.

Tracker 3+

Der bewährte Tracker 3+ ist nach wie vor im Programm von BCA. Kleiner und leichter als die Vorgänger, ist er dem Tracker 4 fast ebenbürtig und unterscheidet sich vor allem durch das Gehäuse.

Tracker S

Der Tracker S ist das günstigere LVS von BCA. Im Gegensatz zu Tracker 3+ und Tracker 4 verfügt der Tracker S über keine automatische Notfallumschaltung und die Firmware kann nicht upgedated werden.

Mammut

Mammut bietet mit der aktuellen Barryvox-Serie bewährte Geräte mit solider Technik. Das Barryvox S ist das Spitzengerät mit den meisten Zusatzfunktionen. Aber auch das abgespeckte Barryvox ist gerade für Einsteiger sehr interessant.

Barryvox S

Das Mammut Barryvox S ist das Top Modell von Mammut und bietet viele Funktionen und intuitive Bedienung. Es kombiniert die optische und akustische Führung und glänzt mit einem außergewöhnlich hohen Maß an Individualisierungsmöglichkeiten. So kann beispielsweise durch die Verschüttetenliste gescrollt werden, die Suchstreifenbreite beträgt beeindruckende 70 Meter und die Smart Search-Funktion hilft dem Retter, um im Falle eines Lawinenunglücks noch schneller suchen zu können. Nach dem Firmware-Update, welches letzten Winter auf den Markt kam, gibt es sogar noch mehr Möglichkeiten, das LVS individuell zu konfigurieren.

Barryvox

Auch das Barryvox überzeugt durch einfache Bedienung und gute Leistung. Der etwas günstigere Preis macht das LVS-Gerät gegenüber dem „großen Bruder“ vor allem für Einsteiger interessant, die dennoch auf nichts verzichten wollen. Mammut hat dem Gerät eine Suchstreifenbreite von 70 Metern verpasst, der Sendebetrieb beträgt beeindruckende 300 Stunden.

Ortovox

Die LVS-Geräte von Ortovox verfügen über die patentierte „Smart-Antenna“-Technologie, die ein automatisches Umschalten auf die Sendeantenne mit der vermutlich besseren Lage im Raum ermöglicht. Auch eine Funktion zum automatischen Umschalten von „Suchen“ auf „Senden“ im Falle eines längeren Stillstands des Gerätes ist bei allen Ortovox-LVS verfügbar, um im Falle einer Nachlawine nicht im Suchmodus verschüttet zu werden.

Diract und Diract Voice3+

Das neue Diract Voice ist ein innovatives Gerät, welches auf eine möglichst intuitive Bedienung setzt. Durch das große Display mit stabiler Richtungsanzeige und die zusätzlichen Sprachkommandos in der Suchphase verspricht man sich eine Zeitersparnis bei der Suche, die, da jede Sekunde zählt, entscheidend sein kann. Zusätzlich ist das Gerät recht kompakt und leicht, mit USB-C aufladbar sowie per Ortovox App updatebar. Wir haben das Diract Voice schon für Dich getestet.

Zusätzlich gibt es das Gerät als Diract auch ohne die Sprachkommandos.

Zoom+

Das Zoom+ ist ein intuitives LVS-Gerät, mit dem vor allem ein einzelner Verschütteter schnell gefunden werden kann. Aufgrund der fehlenden Markierfunktion ist die Auflösung von Szenarien mit Mehrfachverschüttung aber nur mit der Dreikreismethode möglich.

Pieps

Pieps ein umfangreiches Sortiment an LVS im Programm. Dabei sind alle Pieps-Geräte mit der elektronischen Pieps-Lawinensonde „I-Probe“ kompatibel. Hierbei wird der Sendemodus eines mit der I-Probe gefundenen Pieps-Gerätes unterdrückt, was im Falle einer Mehrfachverschüttung hilfreich ist.

Pro BT

Das Pro BT ist das Top-Gerät von Pieps. Es kann die Sendefrequenz anderer LVS-Geräte überprüfen und das Signal des Pieps TX600 (ein Pieps-Gerät, welches auf einer anderen Frequenz sendet und für Hunde entwickelt wurde) empfangen werden. Zusätzlich verfügt das Gerät über einen „Vibrationsalarm“ und die Möglichkeit des einfachen Updates über Bluetooth. Zusätzlich wurde auch die Ablesbarkeit des Displays verbessert. Auch die bekannte erweiterte Gruppencheck-Funktion ist ebenso enthalten wie ein Neigungsmesser.

DSP Sport

Wer die Zusatzfunktionen nicht benötigt, sollte sich das DSP Sport ansehen. Es bietet sämtliche Basisfunktionen, funktioniert ausgezeichnet und ist verhältnismäßig günstig zu haben.

Powder BT

Das Powder BT ist, ähnlich dem DSP Sport, eine abgespeckte Version des Topgeräts. Es ist technisch gesehen nahezu identisch zum Pro BT, verfügt aber weder über die erweiterten Gruppencheck-Funktionen, noch über den Vibrationsalarm oder den Neigungsmesser. Auch auf die Messung der Frequenz anderer Geräte und die Kompatibilität zum TX600 musst Du verzichten. Dafür erhältst Du ein grundsolides LVS zu einem günstigeren Preis. Wir haben das Powder BT für Dich getestet.

Micro BT Sensor

Mit dem Micro BT hat Pieps ein sehr kleines und leichtes Dreiantennengerät auf dem Markt. Im Gegensatz zum Pro BT richtet es sich nicht an „professionelle“ Anwender (wie Bergführer, Bergrettung etc.), sondern ist stärker auf eine einfache und intuitive Bedienung ausgelegt. Das Micro BT Sensor wechselt automatisch per Distanzsensor vom Sende- in den Suchmodus, sobald das Gerät ausgepackt wird (und nicht per Schalter, wie bei anderen Geräten üblich). Ein Umschalten auf Senden im Fall einer Nachlawine erfolgt ebenfalls automatisch, wenn das Gerät eine Minute lang nicht bewegt wird.

Micro BT Button

Das Micro BT Button entspricht prinzipiell dem Micro BT Sensor, allerdings wird es „klassisch“ mit einem Knopf (dem Button eben) von Senden auf Empfangen umgeschaltet. Beide Versionen des Micro BT verfügen über einen „Vibrationsalarm“, welcher beim Erstempfang in der Signalsuche ausgelöst wird. Somit musst Du nicht permanent auf die Anzeige schauen.

Black Diamond

Black Diamond nimmt eine Sonderstellung im LVS Markt ein, da die Geräte der Tochterfirma Pieps teils auch von Black Diamond angeboten werden. Während das Recon Guide BT allerdings tatsächlich dem Pro BT und das Recon BT dem Powder BT entspricht, ist das neue Recon LT zwar technisch mit dem Pieps Micro BT Button identisch, allerdings doch deutlich anders verpackt und wird hier daher extra angeführt.

Recon LT

Das Gehäuse des Recon LT ist extrem kompakt, und mit gerade einmal 137g ist es jetzt wohl das leichteste LVS am Markt. Dabei ist es technisch allerdings voll auf der Höhe und kann sowohl über Bluetooth mittels App konfiguriert werden als auch dank drei Antennen und fast kreisförmiger Reichweite auch bei der Suche mit größeren Geräten durchaus mithalten.

Aktuelle LVS-Geräte im Vergleich

Hersteller Modell Antennen Gewicht Empfohlene Suchstreifenbreite Zusatzfunktionen Preis in EUR
ArvaNeo Pro3240g70mUmfassend konfigurierbar, Analog-Modus299
Evo53165g50mInterferenz-Management245
Evo 43240g40m199
BCATracker 43215g50m"Big Picture" Mode
340
Tracker 3+3215g50m"Big Picture" Mode
300
Tracker S3215g50m"Big Picture" Mode
215
MammutBarryvox S3210g70mUmfassend konfigurierbar, Analog-Modus400
Barryvox3210g70m300
OrtovoxDiract Voice3210g50mSprachkommandos im Suchmodus330
Diract3210g50m280
Zoom+3200g40m200
Pieps Pro BT3230g60mHangneigungsmesser, kann das Signal des TX600 empfangen400
DSP Sport3210g50m280
Powder BT3230g60m300
Micro BT Sensor3150g50mAutomatische Aktivierung des Suchmodus340
Micro BT Button3150g50m340
Black Diamond Recon LT3137g50mLeichtestes aktuelles LVS auf dem Markt320

Fazit: Welches LVS-Modell brauche ich?

Ein aktuelles Dreiantennengerät mit Markierfunktion kann man heutzutage als Stand der Technik und damit eigentlich auch als Voraussetzung für jeden bezeichnen, der sich im schneebedeckten Gebirge bewegt. Ob Du eines der Topgeräte mit den verschiedenen Zusatzfunktionen benötigst oder ob die abgespeckten Versionen, die praktisch jeder Hersteller anbietet, genügen, kannst Du dabei selbst entscheiden.

Für welches Hersteller-Modell Du Dich entscheidest, ist ebenfalls eine individuelle Sache. Am besten probierst Du verschiedene Geräte aus, um zu sehen, mit welchem Du bei der Suche am schnellsten zum Ziel kommst. Aber auch der Tragekomfort am Körper kann eine Rolle bei der Entscheidung spielen.

Nicht vergessen: Das beste LVS-Gerät bringt nur dann etwas, wenn Du den Umgang damit immer wieder trainierst! Also raus in den ersten Schnee und üben!

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