• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Bindungsmontage zu Hause

Skibindung selbst montieren – eine Anleitung

5 Minuten Lesezeit
Mit dem nötigen Werkzeug, ein wenig handwerklichem Geschick und etwas Verständnis bezüglich des Materials kannst Du Deine Skibindung zu Hause selbst montieren. Bergzeit Autor Swen zeigt Dir, wie es geht.

Die Auswahl und Vielfalt der Ski ist heutzutage enorm groß und reicht vom Tourenski über den Allroundski, vom Freestyler bis hin zum breiten Freerideski. Entsprechend gibt es auch eine große Vielfalt an Bindungen, zudem wird das Angebot durch Telemarkbindungen noch erweitert.

Die folgende Anleitung gibt Dir einen Überblick, worauf Du bei der Montage Deiner Skibindung achten solltest, welches Material Du benötigst und wie Du die Skibindung auf dem Ski montieren kannst, sodass sie an Deine gewünschten Ansprüche angepasst ist.

Kurz erklärt: Montagepunkt, Bindungsposition & Sohlenlänge

Die folgenden Begriffe sollten Dir bekannt sein, damit der Montage Deiner Skibindung nichts mehr im Weg steht.

Bohrdurchmesser & Bohrtiefe

Ski ohne ein spezielles Ski-Bindungssystem müssen für den gewünschten Bindungstyp vorgebohrt werden. Die Angaben von Bohrdurchmesser sowie Bohrtiefe findest Du auf Deinem Ski (siehe Bild). Die Werte sind in Millimeter angegeben.

Bohrdurchmesser und Bohrtiefe auf dem Ski.

Swen Kunert

Bohrdurchmesser und Bohrtiefe auf dem Ski.


Montagepunkt des Skis

Jeder Skihersteller gibt einen empfohlenen Montagepunkt an. Diesen gibt er in der Regel durch eine Markierung auf dem Ski vor (siehe Bild). Der Montagepunkt ist abhängig von der Bauweise des Skis und zeigt, wo die Schuhmitte auf dem Ski sitzen sollte. Wenn auf dem Ski keine Angaben vorhanden sein sollten, erfragst Du diese am besten im Fachhandel oder beim Skihersteller direkt.

Der empfohlene Montagepunkt auf dem Ski bestimmt, wo die Schuhmitte sein soll.

Swen Kunert

Der empfohlene Montagepunkt auf dem Ski bestimmt, wo die Schuhmitte sein soll.


Die Position des Montagepunktes wirkt sich stark auf die Fahreigenschaften des Skis aus. Die Angabe ist vom Hersteller wohl bedacht. Bei Einhaltung dieser Vorgabe kann der Ski seine wahren Fähigkeiten entwickeln, für die er hergestellt wurde. Das heißt jedoch nicht, dass eine Verschiebung des Montagepunktes den Ski unfahrbar macht. Es ist lediglich eine Orientierung und Empfehlung. Deine individuellen Wünsche und Vorlieben sowie verschiedenen Einsatzbereiche des Skis kannst Du durch eine Verschiebung des Montagepunktes begünstigen.

Bindungspositionen

Ein und derselbe Ski kann durch verschiedene Bindungspositionen völlig abweichende Fahreigenschaften erhalten. Je weiter hinten eine Bindung montiert wird, desto größer wird der Auftrieb des Skis durch die größere Auflagefläche vor der Bindung. Gleichzeitig wird der Ski im hinteren Bereich kürzer und dadurch auch drehfreudiger, verliert jedoch etwas an Stabilität (besonders geeignet für Tiefschnee).

Wird die Bindung dagegen weiter vorne auf dem Ski montiert, so wird das Ski-Ende länger, weniger verspielt und der Schaufeldruck nimmt zu, was wiederum gut für harte bis eisige Bedingungen sowie zum Rückwärtsfahren und -landen ist.

Sohlenlänge des Skischuhs

Die Skibindung solltest Du immer auf den gewünschten Skischuh und somit die Länge des Schuhs montieren, da ein Verstellbereich bei den meisten Bindungen nach der Montage nur sehr begrenzt möglich ist. Jeder Skischuh besitzt eine so genannte Sohlenlänge, die bei der Montage bekannt sein muss. In der Regel findest Du diese dreistellige Millimeter-Angabe außen am Schuh im Fersenbereich (siehe Bild).

Sohlenlänge auf dem Skischuh.

Swen Kunert

Sohlenlänge auf dem Skischuh.


Wenn dies nicht der Fall ist, oder die Angabe nicht mehr zu erkennen ist, muss die Sohlenlänge selbst nachgemessen werden, und zwar von der Schuhspitze bis zum Fersenende der Sohle.

Benötigtes Material und Werkzeug

Folgendes Material und Werkzeug benötigst Du, um Deine Skibindung fachgerecht zu montieren:

  • Bohrmaschine und der passende Bindungsbohrer: Der Skihersteller gibt in der Regel an, welcher Bindungsbohrer verwendet werden soll. Die Angaben beziehen sich auf den Bohrdurchmesser und die Bohrtiefe (siehe Bild oben).
  • Montageschablone: Es gibt die Möglichkeit, eine Papierschablone vom Bindungshersteller zu bekommen. Im Internet wird zu fast allen Bindungstypen eine Schablone zum Ausdrucken angeboten. Dort sind unter anderem die wichtigen Angaben zur Sohlenlänge abgebildet.
  • Montagekleber: Den Montagekleber lässt Du vor dem Eindrehen der Schrauben in die offenen Bohrlöcher ein, um den Holzkern zu versiegeln. Ein handelsüblicher Holzleim ist hierfür völlig ausreichend.
  • Schraubenzieher: Je nach Bindungstyp werden in der Regel Kreuzschlitz- oder Torxschrauben verwendet.
  • Lineal oder Maßband: Falls Du den vom Hersteller angegebenen Montagepunkt durch individuelle Vorlieben verschieben möchtest, musst Du diesen neu ausgemessen und auf dem Ski markieren. Eine detaillierte Beschreibung der Eigenschaften verschiedener Montagepunkte folgt weiter unten. Manche Skihersteller geben sogar bereits verschiedene Markierungen auf dem Ski an.

In 9 Schritten Skibindung montieren

Im vorliegenden Beispiel wurde eine Marker-Skibindung mit Hilfe einer Marker-Bohrschablone (auch Bohrlehre genannt) montiert. Wie bereits erwähnt, besitzt fast jeder Hersteller auch eine Papier-Bohrschablone zum Ausdrucken, die es Dir zuhause ohne großen Aufwand ermöglicht, die Bindung gerade und auf die passende Sohlenlänge des Skischuhs zu montieren.

Wichtig: Vergewissere Dich vor dem ersten Bohren, dass alle Angaben stimmen, die Schablone richtig aufgelegt ist und die benötigten Bohrlöcher auf der Schablone klar gekennzeichnet sind! Eine Bohrschablone kann mehrere Löcher für verschiedene Skibindungen eines Herstellers enthalten. Somit muss nicht zwingend jede abgebildete Bohrvorgabe auch wirklich gebohrt werden. Vergleiche die Bindung am besten durch Auflegen auf die Schablone mit den Bohrangaben.

  1. Schuhmitte auf dem Ski markieren.
  2. Montagepunkt auf dem Ski festlegen und ggf. neu markieren.
  3. Bohrschablone/Bohrlehre an der markierten Stelle mit der richtigen Sohlenlänge ansetzen.
  4. Mit der Bohrmaschine und dem richtigen Bohrer alle vorgegebenen Löcher in den Ski bohren.
  5. Ski umdrehen und durch Klopfen auf den Belag die Späne aus den Bohrlöchern entfernen. Am besten alle Bohrlöcher danach noch mit einem Staubsauger aussaugen.
  6. Bohrlöcher bei Bedarf mit einem Teppichmesser glätten, damit keine Plastikreste des Oberbelags überstehen.
  7. Montagekleber in die Bohrlöcher füllen.
  8. Bindung mit den mitgelieferten Bindungsschrauben in die Bohrlöcher eindrehen. Hier kannst Du einen Akkuschrauber verwenden, wobei das endgültige Festdrehen der Schrauben von Hand erfolgen sollte, damit Du so ein Überdrehen der Schrauben vermeidest.
  9. Wenn alle Schrauben festgedreht sind, die Funktion der Skistopper überprüfen, die Bindung bezüglich des Anpressdrucks auf den gewünschten Schuh einstellen und fertig ist Dein Ski.

Wichtig: Der Z-Wert (Auslösewert) der Skibindung muss im Fachhandel eingestellt werden, da es sonst bei Unfällen und Verletzungen zu Versicherungsproblemen kommen kann.

Skibindung montieren: Anleitung in Bildern

Schritt 1: Schuhmitte auf dem Ski markieren.

Swen Kunert

Schritt 1: Schuhmitte auf dem Ski markieren.


Schritt 2: Montagepunkt festlegen.

Swen Kunert

Schritt 2: Montagepunkt festlegen.


Schritt 3: Bohrschablone an richtiger Stelle ansetzen.

Swen Kunert

Schritt 3: Bohrschablone an richtiger Stelle ansetzen.


Schritt 4: Die vorgegebenen Löcher bohren.

Die vorgegebenen Löcher bohren (Schritt 3).

Schritt 4: Die vorgegebenen Löcher bohren.


Schritt 5: Bohrspäne entfernen.

Swen Kunert

Schritt 5: Bohrspäne entfernen.


Schritt 6: Bohrlöcher ggfls mit einem Teppichmesser glätten.

Swen Kunert

Schritt 6: Bohrlöcher ggfls mit einem Teppichmesser glätten.


Schritt 7: Montagekleber in Bohrlöcher füllen.

Swen Kunert

Schritt 7: Montagekleber in Bohrlöcher füllen.


Schritt 8a: Bindungsschrauben zunächst per Akkuschrauber eindrehen.

Swen Kunert

Schritt 8a: Bindungsschrauben zunächst per Akkuschrauber eindrehen.


Schritt 8b: Schrauben abschließend von Hand festdrehen.

Swen Kunert

Schritt 8b: Schrauben abschließend von Hand festdrehen.


Schritt 9: Skistopper und fertig montierte Skibindung prüfen.

Swen Kunert

Schritt 9: Skistopper und fertig montierte Skibindung prüfen.


Du hast noch Fragen? Dann gerne ab damit ins Kommentarfeld!

Mehr zum Thema Skibindungen und Ausrüstung

Rubriken und Themen

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
52 Comments
älteste
neueste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.