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Besser ohne Mikroplastik

Naturmaterialien im Sport: Mit Tencel, Wolle und Co. auf den Berg

6 Minuten Lesezeit
Die Verwendung von Kunstfasern und Mikroplastik in Outdoor-Bekleidung wird lebhaft diskutiert. Eine Möglichkeit, hierbei auf Mikroplastik ganz zu verzichten, ist der Umstieg auf nachwachsende Naturmaterialien. Doch nicht alle natürlichen Materialien eignen sich für den Einsatz im Sport. Wir zeigen Dir, wie und wo sie bereits von Herstellern verwendet werden. Ein Überblick über Einsatz und Funktion sowie Vor- und Nachteile von Naturmaterialien.

Merinowolle

Merinowolle ist wohl das populärste Naturmaterial und ist kaum noch wegzudenken, wenn es um funktionelle und gleichzeitig umweltschonende Outdoor-Bekleidung geht. Diese Feinwolle stammt von Merinoschafen, die vor allem in Australien, Neuseeland oder Südafrika zuhause sind. Merinowolle kann ihre Vorteile besonders gut in Funktionsunterwäsche, Baselayern und Socken ausspielen, sie kommt aber auch in Midlayern und anderen Accessoires zum Einsatz.

Schafe auf einer Weide
Merinowolle stammt von Merinoschafen, die vor allem in Neuseeland und Australien zuhause sind. | Foto: Ortovox / Alastair-Bett

Was genau macht Merinowolle so funktionell?

  • Feuchtigkeitsaufnahme – Auch wenn sie nass ist, hält Merinowolle Dich noch schön warm. Nach einem schweißtreibenden Aufstieg oder einem Regenschauer, musst Du dank Merinowolle nicht frieren.
  • Wärmeisolation – Wollfasern sind gekräuselt, dazwischen ist Luft eingeschlossen und diese Luft hält Dich warm. Die Luftkammern sorgen auch dafür, dass Feuchtigkeit schnell abtransportiert wird und dadurch eine Art Kühlung entsteht. Merinowolle funktioniert wie eine natürliche Klimaanlage: Sie wärmt Dich, wenn es kalt ist, und kühlt, wenn es warm ist.
  • Hautfreundlichkeit – Schurwolle mag kratzen, Merinowollfasern sind jedoch viel dünner, weshalb sie besonders weich und angenehm auf der Haut zu tragen sind.
  • Geruchshemmung – Merinowolle wirkt von Natur aus antibakteriell, Bakterien haben auf Wollfasern ein hartes Leben und können sich hier nicht lange halten. Deshalb kannst Du Dein Merinoshirt auch nach Tagen ohne Wäsche noch tragen, ohne zu müffeln. Merinowolle sollst Du sogar gar nicht so oft waschen und wenn, dann nur im Wollwaschprogramm mit Wollwaschmittel. Die zarten Fasern sind sehr empfindlich und Du möchtest ja möglichst lange Freude an Deiner Bekleidung aus Merinowolle haben.
  • Lesetipp: Merinowolle waschen: Schonwäsche oder normal?

Schurwolle

Wolle von heimischen Schafen – etwa aus Tirol, Südtirol oder der Schweiz – bieten auf ökologisch nachhaltiger Basis eine wirklich gute Isolation bei Schlafsäcken und Outdoor-Bekleidung, wie Jacken. Da sie robust, nachwachsend und biologisch abbaubar ist, hat Wolle schon seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, einen guten Ruf als Funktionsmaterial.

Von einigen Herstellern, etwa bei Ortovox mit Swisswool oder Salewa mit Tirolwool, wird Schurwolle als Isolationsmaterial für Jacken eingesetzt. Das funktioniert nach dem gleichen Prinzip wie Daune: Die Luft zwischen den Fasern speichert Deine Körperwärme und verhindert, dass Kälte eindringt. Schurwolle ist außerdem unempfindlich gegenüber Nässe bzw. sie nimmt ein hohes Maß an Feuchtigkeit auf, bevor sie sich nass anfühlt. Und selbst dann wärmt Schurwolle noch – möglich macht dies der hohe Lanolin-Gehalt (Wollwachs) der Faser.

Bei Ortovox wird die sogenannte Swisswool (Schurwolle) als Isolationsmaterial für Jacken eingesetzt. | Foto: Ortovox / Beech

Bei Grüezi Bag sind die Schlafsäcke ausschließlich mit europäischer Wolle gefüllt, denn diese nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie sehr dosiert nach außen weiter – damit keine Verdunstungskälte entsteht. Dadurch schläft es sich in einem Schlafsack mit Wollfüllung besonders kuschelig.

Sicherlich gibt es leichtere Materialien als Schurwolle, deshalb wird sie gerne dann verwendet, wo es nicht auf ein Minimalgewicht ankommt.

Tencel/Lyocell

Tencel ist die Marke hinter einer industriell gewonnenen Zellulosefaser, die aus dem Holz von Eukalyptusbäumen hergestellt wird. Das besondere an Eukalyptus: Das Holz lässt sich besonders nachhaltig anbauen, da die Bäume sehr schnell wachsen und ohne künstliche Bewässerung oder Genmanipulation auskommen. In der Outdoor-Branche ist Tencel wegen dieser hervorragenden Ökobilanz beliebt – aber vor allem wegen des Kühlungseffekts der Faser.

Tencel hat einen sehr hohen Feuchtigkeitsgehalt, da das Gewebe wasserbindend ist. Dadurch bleibt die Faseroberfläche trocken – sie fühlt sich nicht nass an, sondern kühlt angenehm auf der Haut. Außerdem hat die Faser eine sehr schnelle Trocknungszeit, wodurch Verdunstungskälte entsteht – Du hast also so etwas wie einen Mini-Ventilator auf der Haut.

Modal

Auch Modal gehört wie Tencel zu den Regenerationsfasern, die aus Zellulose bestehen. Modal stammt meistens aus heimischen Bäumen, im Idealfall aus besonders nachhaltiger Forstwirtschaft. Die Eigenschaften der Faser sind ähnlich wie bei Tencel.

Daunen

Als leichtes und wärmendes Isolationsmaterial ist Daune sehr beliebt bei Bergsportlern. Daune schützt Dich immer dann am besten, wenn es richtig, richtig kalt ist und Du auf minimalstes Gewicht und Packmaß angewiesen bist. Bei guter Pflege und regelmäßiger Nutzung kannst Du durchaus zehn Jahre und länger Freude an Deinem Produkt haben.

Auch Daune kann Feuchtigkeit aufnehmen, das Ergebnis ist das super angenehme Klima in Jacken und Schlafsäcken mit Daunenfüllung – und das über eine große Temperaturspanne hinweg. Andererseits verliert Daune ihre Isolationskraft, wenn sie durchfeuchtet ist und nicht getrocknet werden kann. Dann verklumpen die Daunen leider schnell.

Als leichtes und wärmendes Isolationsmaterial ist Daune sehr beliebt bei Bergsportlern. Man findest Daune deshalb oft als Isolationsmaterial in Schlafsäcken. | Foto: Mountain Equipment

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Qualität der verwendeten Daune: In hoher Qualität und mit verlässlichem Herkunftsnachweis steht Daune nur in begrenzter Menge zur Verfügung. Daune zu beziehen, die aus Lebendrupf und aus der Stopfleberproduktion gewonnen wurde, gilt inzwischen bei allen Herstellern der Outdoor-Industrie als Tabu. Eine branchenübergreifende unabhängige Zertifizierung für Daunengewinnung ohne Tierleid gibt es bis heute jedoch noch nicht. Dafür jedoch diverse Siegel und Label, über die Du Dich im Vorfeld Deines Kaufs informieren solltest.

Baumwolle

Baumwolle ist zu Recht nicht das Material der Wahl für Outdoor-Sport, denn Baumwolle ist nicht atmungsaktiv, dehnbar, schnell trocknend, etc. Aber es gibt Ausnahmen: Zum Beispiel für Allwetterjacken aus der bekanntesten Naturfaser: Klättermusen hat Jacken aus Baumwolle im Angebot, die so dicht gewebt sind, dass sie Wasser auf natürliche Weise draußen lassen, sobald die Fasern aufquellen und sich ausdehnen. Andere Hersteller verwenden die Kombination aus Bio-Baumwolle und einer Imprägnierung auf Bienenwachs-Basis. Diese kannst Du sogar selbst erneuern.

Hanf

Hanf ist eine besonders umweltschonende Naturfaser, deren Anbau ganz ohne Pestizide oder Kunstdünger erfolgen kann. Die Faser ist extrem robust und Stoffe daraus fallen ähnlich wie Leinen. Für hochintensive Bewegungssportarten ist Hanf vielleicht nicht ganz so gut geeignet, doch als Wechselkleidung nach dem Sport oder abends in der Hütte bzw. im Zelt gibt es wenig Stoffe, die angenehmer zu tragen sind.

Die Mischung macht’s

Manche Hersteller verbinden das Beste aus verschiedenen Welten, wenn es um natürliche Funktionsmaterialien geht. Es müssen nicht immer 100 % Merino in der Funktionsunterwäsche sein: Mischgewebe in Kombination mit Tencel werden immer beliebter, denn die Produkte sind dadurch besonders angenehm und weich zu tragen – vor allem im Sommer. So bestehen die Produkte in Odlos Serie „Natural Light“ aus 50 % pflanzlichem Lyocell (Tencel) und 50 % geruchshemmender Merinowolle. Auch Ortovox vereint Merinowolle mit der natürlich kühlenden Tencel-Faser zu einem hochatmungsaktiven und langlebigen Shirt. Hanf wird etwa von Patagonia gerne mit Recycling-Polyester, Bio-Baumwolle oder Spandex gemischt, um langlebige und hochfunktionelle Stoffe zu kreieren.

#bergzeitunterwegs: Natürliche Materialien bei Salewa

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