Was ist Daune: Material- und Qualitätsinformationen. | Foto: Judith Hackinger
Daune ist unter kalten und trockenen Bedingungen als Isolationsmaterial nicht zu übertreffen. Warum eigentlich? Welche Eigenschaften machen Daune so beliebt und woran erkennt man die Qualität einer guten und einer tierfreundlich gewonnenen Daune?

Was sind Daunen?

Daunen haben im Gegensatz zu herkömmlichen Federn eine dreidimensionale Struktur. | Foto: Fjällräven
Daunen haben im Gegensatz zu herkömmlichen Federn eine dreidimensionale Struktur. | Foto: Fjällräven

Daunen sind das feine Untergefieder von Gänsen und Enten. Die Flaumfedern weisen – anders als herkömmliche Federn – eine dreidimensionale, elastische Struktur auf. Die zahlreichen, hauchfeinen Verästelungen umschließen besonders viel Luft und speichern so die Körperwärme. Daunen bilden daher eine höchst effektive Isolationsschicht und werden in Outdoorbekleidung, Schlafsäcken sowie Kissen und Bettdecken genutzt.

Welche Eigenschaften hat Daune?

Hochwertige Daunen bieten die beste Wärmeleistung im Verhältnis zu Volumen und Gewicht. Daune ist sehr leicht, weich, anschmiegsam und stark komprimierbar. Bei guter Pflege sind Daunen äußerst langlebig und isolieren auch nach Jahren noch hervorragend. Sie sind atmungsaktiv und sorgt für ein angenehmes Körperklima – so lange es nicht zu schweißtreibend wird.

Denn die hohe Feuchtigkeitsaufnahme ist der Nachteil einer Daunenfüllung. Bei Nässe verkleben die feinen Verästelungen und die Daunen verlieren ihre Isolationswirkung. Nasse Daune trocknet nur sehr langsam. Mittlerweile ist am Markt auch imprägnierte Daune erhältlich, die dank einer wasserabweisenden Ausrüstung auch in feuchteren Bedingungen klarkommt.

Qualitätsmerkmale: Welche Daune ist die beste?

Die Einderente zupft ihre weichen Daunen aus dem Brustgefieder, um ihr Nest für den Nachwuchs zu isolieren. Eiderdaune gilt als wärmste Daune der Welt. | Foto: Pixabay
Die Einderente zupft ihre weichen Daunen aus dem Brustgefieder, um ihr Nest für den Nachwuchs zu isolieren. Eiderdaune gilt als wärmste Daune der Welt. | Foto: Pixabay

Die Qualität der Daune hängt grundsätzlich vom einzelnen Tier und dessen Art und Lebensraum ab. Gänse, die in hohen Breitengraden und damit in kalter Umgebung leben, besitzen die dichtesten und größten Daunen. Enten in gemäßigteren Klimazonen haben von Natur aus kein so warmes Gefieder. Dementsprechend sind ihre Daunen weniger stark isolierend, dafür aber günstiger.

  • Info: Als wärmste Daune der Welt gilt übrigens das kuschelige Brustgefieder der Eiderente. An der harschen Küste Islands zupft sie sich die besonders feinen Daunen selbst aus dem Gefieder, um das Nest für ihren Nachwuchs zu isolieren. Zertifizierte Daunensammler dürfen die verlassenen Nester nach der Brutzeit räumen.

Um die Qualität und Wärmeleistung einer Daunenfüllung einschätzen zu können, gibt es drei Kennzahlen:

  • die Füll- oder Bauschkraft, die in cuin angegeben wird,
  • das Mischungsverhältnis aus Daunen und Stützfedern sowie
  • die Füllmenge, die als Flächengewicht ausgewiesen wird.

Cuin-Richtwerte für Daunenbekleidung und -schlafsäcke

Cuin wird häufig synonym für Bauschkraft, Füllkraft, Fillpower oder auch Loft verwendet. All diese Bezeichnungen beziehen sich auf die Fähigkeit der Daunen, sich nach einer Kompression wieder aufzubauschen. Je höher der Wert, desto besser ist die Wärmedämmung im Verhältnis zu Volumen und Gewicht.

Bei der groben Einschätzung hilft folgende Tabelle:

Bauschkraft Bekleidung Schlafsäcke
Ab 500 cuin Das Minimum für eine gute Daunenjacke.
Ab 650 cuin Bereits sehr gute Daunenqualitäten, mit einem sehr guten Verhältnis von Gewicht, Volumen und Wärmeleistung. Günstigere Einsteiger-Daunenschlafsäcke mit sehr guter Daune und ordentlichem Verhältnis zu Packmaß und Gewicht.
Ab 800 cuin Absolute Spitzenklasse. Derart hochwertige Daune bietet eine enorm hohe Bauschkraft und damit das beste Verhältnis aus Gewicht, Volumen und Wärmeleistung für anspruchsvolle Bedingungen oder Expeditionen, bei welchen jedes Gramm zählt.

Mischungsverhältnis: Was heißt 90/10 oder 80/20?

Jeder Daunenfüllung ist ein gewisser Anteil an Stützfedern beigemengt. Diese stammen meist von Enten und sorgen für Stabilität. Das Mischungsverhältnis gibt Auskunft, wie hoch der Federanteil in einer Daunenfüllung ist. Die Angabe 95/5 weist auf einen fünfprozentigen Federanteil hin – eine sehr hochwertige, feine und stark isolierende Dauenfüllung. Mit steigendem Federanteil sinkt die Bauschkraft und Weichheit der Füllung, die Isolationsfähigkeit lässt nach, Federkiele werden spürbar.

  • Faustregel: Je mehr Daunen und je weniger Federn, desto besser aber gleichzeitig auch teurer ist die Füllung.

Was bedeutet Füllmenge?

Je mehr Daune bei Bekleidung oder Ausrüstung verwendet wurde, desto wärme hält diese - klingt logisch. | Foto: Fjällräven
Je mehr Daune bei Bekleidung oder Ausrüstung verwendet wurde, desto wärme hält diese – klingt logisch. | Foto: Fjällräven

Bauschkraft und Mischungsverhältnis alleine sagen noch nichts über die tatsächliche Wärmeleistung einer Daunenfüllung aus. Es kommt auch auf die verarbeitete Menge an. Diese wird als Flächengewicht in Gramm pro Quadratmeter angegeben. Dabei gilt: Je mehr Daunen in einer Jacke oder einem Schlafsack enthalten sind, desto wärmer ist diese.

  • Zusammenfassend gilt: Die Wärmeleistung einer Daunenfüllung lässt sich nur anhand von Bauschkraft, Federanteil und Füllmenge einschätzen. Eine dicke 50/50-Füllung mit 500 Cuin bringt bei entsprechender Füllmenge mitunter die gleiche Leistung wie eine schlanke 90/10-Füllung mit 800 Cuin. Der Unterschied hinsichtlich Gewicht, Volumen und Packmaß ist dann aber gravierend.

Was ist wasserabweisende Daune?

Feuchtigkeit ist der Feind einer Daunenfüllung. Daher finden sich am Outdoor-Markt vermehrt wasserabweisende Daunenfüllungen. Dabei wird die Daune mit separat aufgetragenen Imprägniermitteln veredelt. Dies funktioniert durch eine spezielle Wäsche, ganz ähnlich wie es auch bei der normalen Textilpflege von Funktionsbekleidung erfolgt. An Volumen und Gewicht ändert diese Maßnahme nichts, jedoch wird die Daune so deutlich beständiger gegen Feuchtigkeit. Wirklich nass sollte imprägnierte Daune aber dennoch nicht werden.

  • Tipp: Auch bei wasserabweisender Daune nutzt sich die Imprägnierung mit der Zeit ab. Über einen Waschgang mit einem einwaschbaren Imprägniermittel oder Kombi-Waschmittel lässt sich diese erneuern. Wie genau das funktioniert, erfährst Du in unserem Beitrag Daunenjacke waschen und trocknen – eine Anleitung.

Wann brauche ich Daunen und welche Alternativen gibt es?

Daune ist immer dann ideal, wenn es besonders kalt wird und ein geringes Gewicht und Packmaß gefragt sind. Kommt Nässe oder große körperliche Anstrengung ins Spiel, dann ist eine Kunstfaser-Füllung in der Regel die bessere Alternative, auch wenn diese schwerer und voluminöser ist.

Im alltäglichen Einsatz gilt es, sowohl angesichts des hohen Preises von Daunenprodukten als auch der ethischen Bedenklichkeit der Daunengewinnung, zu hinterfragen, ob eine Daune bei den meist moderaten klimatischen Herausforderungen tatsächlich nötig ist und wie sehr die Langlebigkeit eines Daunenproduktes für eine Kaufentscheidung ins Gewicht fällt. Ganz klar: Für eine modische Winterjacke genügt in aller Regel eine Kunstfaserfüllung. Eine weitere natürliche Alternative sind Isolationsmaterialien auf Basis von Wolle, wie beispielsweise Swisswool oder Tirolwool.

Was ist recycelte Daune?

Daune ist bei richtiger Pflege äußerst langlebig. Früher war es daher normal die Daunenfüllung einer alten Decke zu reinigen und erneut zu verwenden – bis billiger Nachschub und ein durch Werbung gestärktes Verlangen nach jungfäulicher Daune das Daunenrecycling zum Erliegen brachte. Bis das Unternehmen Re:Down die Sache wieder aufgriff und in Kooperation mit einem Outdoor-Hersteller ein Verfahren zum Sammeln, Reinigen und Wiederverwerten von gebrauchter Daune entwickelte. Aktuell bietet Patagonia eine kleine Kollektion an Daunenbekleidung mit einer Füllung aus 100 Prozent recycelter Daune. Der Mix aus Gänse- und Entendaune aus Kissen, Bettecken und Anderem erreicht eine Bauschkraft von 600 cuin.

Herstellung & Tierschutz: Einsatz hinterfragen und auf Zertifikate achten!

Schau nicht weg! Zertifikate wie der Responsible Down Standard, Down Codex oder Global Tracable Down Standard stehen für eine etisch möglichst vertretbare Produktion. | Foto: Pixabay
Schau nicht weg! Zertifikate wie der Responsible Down Standard, Down Codex oder Global Tracable Down Standard stehen für eine etisch möglichst vertretbare Daunenproduktion. | Foto: Pixabay

Daune gehört zu den edelsten aber auch zu den umstrittensten Materialien der Textilindustrie – insbesondere aufgrund des mit der Daunengewinnung verbundenen, möglichen Tierleides. Stopfleberproduktion und Lebendrupf sind nur zwei Schlagworte fragwürdiger Haltung, die in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der kritischen Öffentlichkeit gerieten.
Viele Textilhersteller der Outdoor-Branche haben darauf reagiert. Wir empfehlen bei der Auswahl eines Daunenproduktes immer auch auf die Herkunft beziehungsweise die Kennzeichnung der Daune zu achten.

Zertifikate wie der Responsible Down Standard, Down Codex oder der Global Tracable Down Standard kennzeichnen hochwertige Daunenprodukte aus ethisch möglichst vertretbarer Produktion. Die so gekennzeichneten Daunen sind Nebenprodukte der Lebensmittel-Herstellung und werden ausschließlich von bereits getöteten Tieren gerupft. Stopfleberproduktion ist dabei ausgeschlossen. Auch die Aufzucht der Tiere und die Weiterverarbeitung der Daunen unterliegen Kontrollen.

Manche Hersteller nehmen auch unabhängig von diesen Labels auf ihren Webseiten zum Thema Stellung oder bieten eigene Tracking-Codes an. Fjällräven konnte im Zuge der Down Promise als erstes Unternehmen die gesamte Lieferkette kontrollieren.

Daune überzeugt mit ihrer hohen Wärmeleistung bei geringem Volumen und Gewicht. Demgegenüber stehen die fragwürdigen Hintergründe der Tierhaltung. Die Abwägung zwischen dem angestrebten Einsatzzweck einer Daunenjacke oder eines -schlafsacks, den zu hinterfragenden Aspekten der Daunengewinnung und den möglichen Alternativen muss letztlich jeder Konsument selbst für sich vornehmen.

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