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Geht es auch grün?

Nachhaltig einkaufen: Tipps von Bergzeit Expertin Anna Jäntschi

5 Minuten Lesezeit
Anna Jäntschi ist bei Bergzeit für das Thema Nachhaltigkeit zuständig. Im Interview gibt sie Tipps, auf welche Siegel und Standards Du beim Einkaufen achten kannst und wie Du mehr Nachhaltigkeit in Deinen Kleiderschrank bringst.

Siegel helfen bei der Orientierung

Anna Jäntschi ist bei Bergzeit für das Thema CSR (Corporate Social Responsibility) zuständig.

Bergzeit

Anna Jäntschi ist bei Bergzeit für das Thema CSR (Corporate Social Responsibility) zuständig.


Nachhaltigkeit ist auch im Outdoorsport in. Sogenannte grüne Produkte gibt es von immer mehr Herstellern, aber wie erkenne ich die als Kunde überhaupt?

Siegel geben einen ersten Überblick über die Nachhaltigkeit eines Produkts. Doch in dem sogenannten Siegeldschungel kann man sich leicht verirren. Deshalb wollen wir bei Bergzeit mit unserem Nachhaltigkeits-Filter MUT diesen Dschungel übersichtlicher gestalten. Es gibt nicht das eine Siegel, auf das man achten sollte, sondern viele verschiedene. Und das hat einen Grund: die unterschiedlichen Siegel beziehen sich auf unterschiedliche Aspekte im ganzen Produkt-Lebenszyklus. Die Herstellung von Bergsportausrüstung, egal ob Textil oder Hardware, ist ein äußerst arbeitsaufwendiger und heutzutage stark in einzelne, global verteilte Aufgaben zerstückelter Prozess. Genau das wollen wir dem Kunden auch erklären. So kann jeder selbst entscheiden, was ihm wichtig ist und nach welchen Kriterien er sein Produkt auswählt.

Wenn man sich einzelne Bereiche anschaut – welche Siegel gibt es…

…für ökologische Aspekte?

Das bekannteste Siegel hier ist Bluesign. Das bezieht sich insbesondere auf Stoffe und Chemikalien, die im Produktionsprozess eingesetzt werden. Bluesign garantiert, dass aufgrund einer ökologisch korrekten Herstellung am Ende ein für den Konsumenten sicheres Produkt entsteht. Das GOTS-Siegel ist zwar auch anerkannt, aber im Bergsportsektor aufgrund seines Fokus auf Naturfasern bisher kaum verbreitet. Und dann gibt es natürlich noch einzelne Auszeichnungen, bei denen auf die Materialien geschaut wird, wie beispielsweise Bio-Baumwolle oder PFC-freie Imprägnierung. Allerdings sind das nicht immer offizielle Siegel, sondern sie kommen teilweise von der Marke selbst.

…für soziale Standards?

Da gehört das schon erwähnte GOTS-Siegel dazu und andere Zertifizierungen, die soziale Belange berücksichtigen. Ein prominentes Beispiel hierfür ist auch der 2019 von der Bundesregierung ins Leben gerufene Grüne Knopf, der sowohl die Einhaltung ökologischer als auch sozialer Richtlinien garantiert. Hier ist insbesondere Vaude ein Vorreiter. Weiterhin ist die Fair Wear Foundation sehr bekannt und in der Outdoor-Branche inzwischen weit verbreitet. Daneben gibt es noch Fairtrade-Bekleidung, diese kommt eher aus dem amerikanischen Raum und man findet sie bei Marken wie Patagonia oder Prana. Bei europäischen Bergsport-Herstellern ist es bis dato wenig verbreitet.

…zum Thema Tierwohl?

In der Outdoorbranche ist die Herkunft von Daunen und inzwischen auch Wolle ein sehr großes Thema. Hier ist insbesondere der Responsible Down Standard (RDS) bekannt und verbreitet. Für Wolle ist 2016 der Responsible Wool Standard  herausgekommen, den man immer öfter bei einzelnen Marken findet. Und natürlich gibt es auch im Bergsportbereich immer mehr Hersteller, die explizit vegane Produkte, also Ausrüstung ohne tierische Materialien, herstellen.

Hier geht’s zu unserem Nachhaltigkeitsfilter MUT

Mehr erfahren

Eine Frage des Materials?

Was findest Du aus Sicht der Nachhaltigkeit sinnvoller? Natur- oder Synthetik-Materialien – also zum Beispiel Baumwolle oder Kunstfasern?

Das ist eine Frage, die sich nicht so einfach beantworten lässt, weil hier mehrere Faktoren zusammenspielen. Zum einen werden jeweils unterschiedliche Ressourcen in Anspruch genommen. Bei synthetischer Kleidung zum Beispiel wird viel Erdöl gebraucht und damit andere Ressourcen als bei tierischen Bestandteilen wie Wolle und Daune oder dem Anbau von Baumwolle. Das hat ja jeweils unterschiedliche Auswirkungen. Bei Produkten aus recyceltem Material sieht es nochmal ganz anders aus. Zum anderen haben unterschiedliche Materialien unterschiedliche Vorzüge bezüglich ihrer Recycelbarkeit oder Langlebigkeit. Auch Herstellungsprozesse und Transportwege können unterschiedlich nachhaltig sein. Das alles sind Aspekte, die meine Produktwahl beeinflussen können. Daher ist es hier schwer bis quasi unmöglich, eine Bewertung à la „das ist besser, weil…“ zu vergeben. Letztlich kommt es darauf an, welche Aspekte einem persönlich wichtiger sind oder was man moralisch vertreten kann.

Sind natürliche Fasern wie zum Beispiel Wolle automatisch nachhaltiger als synthetische Materialien? Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja beantworten.

Valentin Rapp

Sind natürliche Fasern wie zum Beispiel Wolle automatisch nachhaltiger als synthetische Materialien? Diese Frage lässt sich nicht mit einem klaren Ja beantworten.


Ein Thema, das seit einigen Jahren sehr präsent ist, sind PFCs (per- und polyfluorierte Chemikalien). Warum betrifft das gerade die Outdoor-Industrie, was ist daran gefährlich und wie finde ich Ausrüstung ohne PFCs?

PFCs sind aufgrund ihrer wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften oft in Outdoorbekleidung oder -Ausrüstung zu finden. Gefährlich sind sie, weil sie sich durch die Herstellung und den Gebrauch der Produkte in der Umwelt und im Nachgang auch in Organismen anreichern. Viele PFCs können sich nicht selbstständig abbauen, weshalb ihre Spuren inzwischen bis in die Arktis gehen. Auch negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper werden vermutet. Da diese Problematik immer kritischer betrachtet wird, gibt es immer mehr Hersteller, die bei ihren Produkten auf PFC verzichten.

Vor dem Kauf informieren

Worauf legst Du persönlich Wert?

Ich persönlich lege bei der Produktauswahl Wert darauf, welche Marke hinter dem Produkt steht und wie sie zu Nachhaltigkeit steht. Und auf Siegel. Das würde ich auch unseren Kunden raten. Vor allem auf Siegel, bei denen ich sage: dieser Bereich ist mir persönlich wichtig. Wenn mir beispielsweise das Tierwohl besonders am Herzen liegt, ich aber trotzdem gerne eine Daunenjacke möchte, sollte ich auf Siegel wie den RDS (Responsible Down Standard) achten.

Beim Online-Einkauf selbst informiere ich mich idealerweise schon vorher über das Produkt, bevor ich beispielsweise fünf verschiedene Artikel zur Ansicht bestelle. Hierbei helfen unser Fit Finder und unsere Größenberater, sowie unsere detaillierten Produktbeschreibungen. Denn auch Retouren fallen durch die CO2-Auswirkung unter den Punkt Umweltschutz.

Mit guter Pflege halten Produkte deutlich länger - und das ist nachhaltiger als alles neu zu kaufen.

Valentin Rapp

Mit guter Pflege halten Produkte deutlich länger – und das ist nachhaltiger als alles neu zu kaufen.


Ebenso sollte man sich die Frage stellen: Brauche ich wirklich die Funktionalität dieses Produkts? Brauche ich für meine sporadischen Wanderspaziergänge die Jacke mit maximaler Wassersäule und einem damit einhergehenden intensiveren Einsatz von Chemikalien?

Zudem ist eine gute Pflege wichtig, damit die Sachen auchlange halten. Hier helfen unsere Pflegeanleitungen und auch unser Kundenservice bzw. unsere Verkaufsberater in den Filialen weiter. Und bevor ich ein kaputtes Produkt entsorge, lohnt es sich, zu schauen, ob man den Mangel, wie z.B. ein kleines Loch, nicht doch selbst beheben und noch länger Freude an dem Produkt haben kann.

5 Tipps von Anna zum nachhaltigen Einkauf im Überblick

  1. Achte darauf welche Marke hinter dem Produkt steht. Ist Nachhaltigkeit in der Firmenphilosophie ein Thema?
  2. Trägt das Produkt Nachhaltigkeitssiegel?
  3. Informiere Dich vor dem Kauf ausgiebig über das Produkt – so kannst Du Rücksendungen minimieren.
  4. Stelle Dir vor dem Kauf die Frage, ob Du wirklich alle Funktionen des Produkts für Deinen Einsatzbereich benötigst.
  5. Kümmere Dich um Dein Produkt: Mit einer guten Pflege hast Du lange Spaß an Deinem neuen Teil.

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