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Die 4-Pässe-Region kletternd erleben

Sportklettern in den Dolomiten

8 Minuten Lesezeit
Du planst einen Kletteraufenthalt in den Dolomiten? Silvia Loreggian, Bergführerin aus den Dolomiten, hat für Bergzeit eine Auswahl der besten Gebiete, Touren und Routen in den Dolomiten zusammengestellt. Eine große Rolle spielt dabei die berühmte 4-Pässe-Tour.

Jeder Bergsteiger, der etwas auf sich hält, hat die Dolomiten auf seiner Wunschliste: Die einen träumen von einer bestimmten Route, die anderen von einem der vielen Gipfel, wieder andere von der wunderschönen Landschaft oder von dem besonderen Fels. In diesem Artikel möchte ich Dir einen Überblick über einige Sportklettergebiete in den Dolomiten geben.

Die 4-Pässe-Tour

Die Bezeichnung Dolomiten umfasst verschiedene Gebirgsgruppen innerhalb eines großen Gebietes. Aufgrund der schier unüberschaubaren Anzahl an Touren und Klettergebieten, konzentriere ich mich auf eine Kletter-Tour über die vier Pässe Sellajoch, das Grödner Joch, das Campolongo Joch und das Fedaia Joch. Letzteres ersetzt in meinem Fall den offiziellen Passo Pordoi, weil es klettertechnisch eindeutig dem Passo Pordoi überlegen ist!

Die Vier-Pässe-Tour ist sicherlich eine der beliebtesten Skitouren im Winter und Motorradtouren im Sommer, denn sie ermöglicht die Überquerung aller vier berühmten Pässe, die Venetien, Trentino und Südtirol verbinden.

Panoramablick vom Sellajoch. Der Marmolada-Gletscher links ist deutlich sichtbar.

Silvia Loreggian

Panoramablick vom Sellajoch. Der Marmolada-Gletscher links ist deutlich sichtbar.


Kleiner Geologie-Exkurs

Silvia Loreggian im „Weg durch den Fisch“ in der Marmolada (der Fels ähnelt denen in Laste, Malga Ciapela und Capanna Bill sehr.)

Stefano Ragazzo

Silvia Loreggian im „Weg durch den Fisch“ in der Marmolada (der Fels ähnelt denen in Laste, Malga Ciapela und Capanna Bill sehr.)


Der Name Dolomiten leitet sich von der Gesteinsart ab, die das Gebiet charakterisiert, nämlich dem Dolomit: ein Sedimentgestein, das sich aus Kalkstein bildet und ein Karbonat aus Kalzium und Magnesium ergibt.

Aus geologischer Sicht bestehen die Dolomiten jedoch nicht nur aus Dolomit, sondern auch aus einer sehr komplexen Anzahl von Sediment- und Vulkangesteinen. Die Marmolada selbst, die wegen ihrer Höhe und ihrer Gletscherbesonderheit als Königin der Dolomiten bezeichnet wird, besteht eigentlich aus Kalkstein.

Die Geologie hat einen wesentlichen Einfluss auf den Stil, die Schwierigkeit und die Eigenschaften des Kletterns. Sie bestimmt, ob eine Wand mehr oder weniger brüchig, glatt oder mit Löchern gespickt, überhängend oder senkrecht ist. Die in diesem Artikel vorgeschlagenen Felsen haben daher sehr unterschiedliche Eigenschaften.

Die passende Unterkunft für Dein Kletterabenteuer

Wenn Du die Vierseillängentour in einem Rutsch machen willst, musst Du ungefähr mit einer Woche rechnen und brauchst einen Stützpunkt, an den Du jeden Abend zurückkehren kannst. Oder Du wählst einen Ort, der dem ausgewählten Fels jeweils am nächsten liegt.

  • Das Alto Agordino (Gemeinde Rocca Pietore) ist sicherlich das ruhigste und günstigste Tal, in dem Du Dich für die Woche einrichten kannst. Allerdings fehlt es ein wenig an touristischen Attraktionen, also Bars, Restaurants, Hotels und Abendveranstaltungen sind hier Mangelware.
  • Das Dorf Arabba ist der zentralste Ort für das vorgeschlagene Gebiet, aber liegt etwas abseits von anderen Gemeinden.
  • Alta Val di Fassa (Gemeinde Canazei), Val Gardena (Gemeinde Selva) und Alta Badia (Gemeinde Corvara) weisen alle drei eine ausgezeichnete touristische Infrastruktur auf.

In all diesen Tälern kannst Du einen schönen Spaziergang, ein Mittagessen in einer Schutzhütte oder einen Nachmittag in der Sonne am Bach genießen. Herrliche Ausblicke und ausgezeichnetes Essen sind hier überall garantiert.

Die beste Jahreszeit zum Klettern

Die beste Zeit zum Klettern in den Dolomiten ist zweifelsohne der Sommer. Im Winter ist es kalt und es liegt Schnee, im Frühling und Herbst kann es noch oder schon kalt sein. Im Sommer schließlich sind die Temperaturen optimal, sowohl für die Liebhaber von Grip und perfekten Bedingungen (die schattige Plätze suchen werden), als auch für die Liebhaber von Sonne und Hitze, die die Wärme suchen!

Der Sommer ist perfekt zum Klettern in den Dolomiten, auch wenn es spätnachmittags öfters gewittern kann.

Unsplash | Michiel Ronde

Der Sommer ist perfekt zum Klettern in den Dolomiten, auch wenn es spätnachmittags öfters gewittern kann.


Der Sommer hat nur zwei Nachteile:

  • Der erste sind die Gewitter, die leider häufig am Nachmittag auftreten. Zum Glück sind da immer noch die Felsen, hinter denen man schnell in Deckung gehen kann.
  • Der zweite Nachteil sind die vielen Touristen in der Hochsaison. Dem kannst Du jedoch entgehen, wenn Du zumindest die beiden mittleren Augustwochen meidest, wenn auch noch die gesamte italienische Bevölkerung im Urlaub ist!

Welches sind die schönsten Gebiete?

Im Folgenden findest Du eine Liste der Felsen, die ich für die schönsten in der Gegend halte. Zu jedem Gebiet findest Du nützliche Informationen, die Dir helfen, die besten Felsen für Dich zu finden. Alle hier vorgestellten Felsen sind gut ausgestattet, so dass die erforderliche Ausrüstung eine klassische Felsenausrüstung ist.

Jede Seilschaft muss haben:

Klettergurt, ein Satz Expressschlingen (12 oder 14) und ein einzelnes Seil: Mehr braucht es nicht!

Mattia Carraro

Klettergurt, ein Satz Expressschlingen (12 oder 14) und ein einzelnes Seil: Mehr braucht es nicht!


Kurze Übersicht über die Gebiete

  • Für Anfänger (Klassen 4c bis 6a): Steinerne Stadt, Pian Schiavaneis.
  • Für mittlere Kletterer (Grad 6b bis 7c): Capanna Bill, Malga Ciapela, Laste (Sektoren Sas de Rocia), Eiszeit.
  • Für starke Kletterer (Grad 7b bis 8c): Malga Ciapela, Laste (Sektoren Sas de Rocia Süd und Nord und Sas de l’Aghinel Nord).

Für Anfänger geeignete Felsen

Steinerne Stadt

Auf dem Weg zur Steinernen Stadt am Fuße des Langkofels.

Stefano Ragazzo

Auf dem Weg zur Steinernen Stadt am Fuße des Langkofels.


Die Steinerne Stadt besteht aus einer großen Anzahl von Felsblöcken, die dem Langkofel vorgelagert sind und hat einen einfachen Zugang vom Sellajoch. Jeder Sektor steht für einen andere Felsblock, die alle sehr nahe beieinander liegen. Einen Kletterführer zu haben, der Dir bei der Auswahl der für Dich passenden Felsblöcke hilft, macht Sinn.

  • Gesteinsart, Kletterei und Charakteristik: Dolomitfelsen, überwiegend senkrechtes und kurzes Gelände.
  • Ausrichtung: alle Himmelsrichtungen
  • Höhenlage: 2.200 m
  • Schwierigkeiten: von 4c bis 7b

Pian Schiavaneis

Nicht weit vom Sellajoch entfernt ist auch der Pian Schiavaneis zu finden, eingebettet zwischen Piz Ciavazes und Pordoi kurz oberhalb des Plan de Schiavaneis. Die Umgebung, in der dieser Klettergarten liegt, ist ein ladinisches Märchen: Wiese, weiße Felsen, Bach, Wasserfall, Tannen und Murmeltiere, die sich an den Menschen gewöhnt haben und ihnen aus der Hand fressen! Der zentrale Sektor ist auch bei Regen begehbar. Nach längeren Regenperioden bleibt er jedoch lange nass (Schwierigkeiten von 7a bis 8c).

  • Gesteinsart, Kletterei und Charakteristik: Weißer Kalkstein, der anfangs brüchig war, aber mit der Zeit gut gereinigt wurde, charakterisiert diesen historischen Felsen, an dem Routen aller Schwierigkeitsgrade zu finden sind. Sie erfordern viel Kraft und Ausdauer in den schweren Routen (Überhänge) und gute Fußtechnik in den leichteren Routen (Sektor Plaque).
  • Ausrichtung: Süd bis Süd/Ost
  • Höhenlage: 2.000 m
  • Schwierigkeiten: von 4c bis 8c je nach Sektor

Felsen für mittlere bis erfahrene Kletterer

Capanna Bill

Der Klettergarten Capanna Bill ist entlang der Fedaia Passstraße leicht zu finden. Die Routenauswahl ist nicht sehr groß (ca. 20 Seillängen), aber der fast nicht vorhandene Zustieg, die Qualität des Felsens und die Schönheit der darunter liegenden Wiese machen ihn definitiv zu einem Ort, der einen Besuch wert ist.

  • Gesteinsart, Kletterei und Charakteristik: Das Gebiet bietet technische Routen auf leicht geneigten oder senkrechten Platten und grauem Kalkstein.
  • Ausrichtung: Ost
  • Höhenlage: 1.750 m
  • Schwierigkeiten: von 6b bis 7c

Malga Ciapela

Luca Loreggian auf La soluzione finale, 8a, Malga Ciapela.

Stefano Ragazzo

Luca Loreggian auf La soluzione finale, 8a, Malga Ciapela.


Der Findling am Fuße der Marmolada in der Provinz Belluno ist über einen zehnminütigen Weg durch den Wald bergauf zu erreichen.

  • Gesteinsart, Kletterei und Charakteristik: Der Fels ist derselbe wie der der Marmolada, da es sich um einen davon losgelösten Findling handelt. Im Osten bietet er sportliche Kletterei an Löchern und überhängenden Wänden, während im Süden eher technische und senkrechte Kletterei vorherrscht. Es gibt etwa zwanzig Routen, die alle wunderschön sind (außer die auf der linken Seite, weil sie sehr staubig sind). Die nach Osten gerichtete Wand (wo die härtesten Steigungen sind) ist auch bei leichtem Regen begehbar.
  • Ausrichtung: Ost bis Süd
  • Höhenlage: 1.550 m
  • Schwierigkeiten: von 6b bis 8a

Laste

Etwas abseits der vier genannten Pässe, in der Nähe von Rocca Pietore, liegt Laste. Ein Ort, der von großem ökologischem Wert ist und der einfach verzaubert und fasziniert. Er liegt auf einem Hügel und bietet einen herrlichen Blick auf die Nordwestwand der Civetta.

Die besten Bereiche sind:

  • Sas de Rocia Sud: Klettern oft ausdauernd und schwierig, Grad 7b bis 8b
  • Sas de Rocia Nord: extrem technische Kletterei an Leisten und ein paar Löchern an leicht überhängenden Wänden, Grad 6c bis 8b+
  • Sas de Rocia West: leicht überhängende Wand mit Auflegern, Löchern und Rissen, Grad 6c bis 8a
  • und schließlich der Sektor Sas de l’Aghinel Nord: schwer zu beschreibende Kletterei, Grade von 6b bis 8b.

Auf dem „Sas de Rocia“ ist das Biwak Pian delle Stelle, das über einen kurzen Klettersteig erreichbar ist. Ideal, um sich nach dem Klettern zu entspannen.

  • Gesteinsart, Kletterei und Charakteristik: Die etwa 200 Kletterrouten liegen einige hundert Meter voneinander entfernt und befinden sich an vier Felssektoren. Die in der Regel senkrechten Wände bieten einen glatten und kompakten Kalkstein, der technisches Klettern, Fingerkraft und Bewegungsgefühl erfordert.
  • Ausrichtung: alle Himmelsrichtungen
  • Höhenlage: 1.550 m
  • Schwierigkeiten: hauptsächlich von 6b bis 7c (einige 5)
Federica Mingolla beim Klettern einer 8a Route im Sektor Laste.

Stefano Ragazzo

Federica Mingolla beim Klettern einer 8a Route im Sektor Laste.


Eiszeit

Wie der Name schon erahnen lässt, ist dieser Fels, der auf der Badia-Seite des Grödner Jochs zu finden ist, definitiv die ideale Wahl für heiße Sommertage. Vom Tridentina-Parkplatz aus gelangt man zu dem nordseitigen Klettergarten. Der Zustieg ist kurz, der Wandfuß eher unbequem für den Sichernden.

  • Gesteinsart, Kletterei und Charakteristik: Überhängender Fels mit sehr langen Seillängen (oft ist ein 80-Meter-Seil erforderlich), der Ausdauerrouten an guten Griffen, hauptsächlich Löchern, bietet.
  • Ausrichtung: Norden
  • Höhenlage: 1.950 m
  • Schwierigkeiten: von 6b (teilweise 6a) bis 7c je nach Sektor

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