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Leichtgewichtiger Lastenträger

Osprey Atmos AG 50 im Test: Innovativer Trekkingrucksack

6 Minuten Lesezeit
Natürlich ist es deutlich bequemer, wenn der ungeliebte Schweiß beim Wandern nicht wie ein Wasserfall am Körper herunter läuft. Der Atmos AG 50 des kalifornischen Herstellers Osprey verspricht entspanntes Trekking. Bela Elbich hat das getestet.

Für die Wanderer und Trekker unter uns hat sich die Outdoor-Industrie eine Menge einfallen lassen, von hunderten Funktionsstoffen bis hin zu belüfteten Schuhen und Rucksäcken. Der Atmos AG 50 des kalifornischen Herstellers Osprey verspricht wie viele andere Rucksäcke entspanntes Trekking.

Zweifel am System – der Osprey Atmos muss erst überzeugen

Osprey Atmos AG 50 im Test: Das sehr gut dimensionierte Rückensystem des Rucksacks sorgt für sehr gute Belüftung beim Trekking und beim Wandern. | Foto: Bela Elbich
Osprey Atmos AG 50 im Test: Das sehr gut dimensionierte Rückensystem des Rucksacks sorgt für sehr gute Belüftung beim Trekking und beim Wandern. | Foto: Bela Elbich

Zugegeben: Ich habe Vorurteile gegen belüftete Rückensysteme. Meine bisherige Erfahrung ist geprägt vom Frust, dass jeder Rucksack, der nicht bombenfest am Rücken klebt, irgendwann das Wackeln und somit zu reiben anfängt. Außerdem sorgt ein großer Abstand für einen großen Hebel, wodurch das Gewicht viel stärker zu spüren ist. So eine Konstruktion in einem Rucksack zu verarbeiten, der mit 50 Litern Fassungsvermögen locker für mehrtägiges Zelttrekking ausreicht, erscheint mir wenig durchdacht. Ganz davon abgesehen, dass das „AG“ im Namen für „anti gravity“ steht, was mir doch etwas übertrieben vorkommt. Andererseits ist man von Osprey-Rucksäcken aber auch gewöhnt, ungewöhnliche und innovative Produkte in der Hand (oder besser am Rücken) zu halten.
Ich lasse mich auf den Test ein!

Konstruktion und Ausstattung des Osprey-Rucksacks

Auf den ersten Blick schaut der Osprey Atmos AG 50 sehr gewöhnlich aus: Ein Packsack mit diversen Reißverschlüssen und Bändern, dazu zwei Träger und ein Hüftgurt. Das Tragesystem ist auf den zweiten Blick sehr wohl etwas Besonderes: Der leicht angebogene Rücken wird von einem grobmaschigen Netz unter Spannung gehalten. Dieses Netz geht nahtlos in die starren und kräftigen Hüftflossen über und sorgt so für luftigen Abstand vom Schulteransatz bis zur Hüfte. Die Rückenlänge ist über ein Band etwa zehn Zentimeter verstellbar, die Polsterung an den Schulterträgern und Hüftflossen aus perforiertem Schaumstoff. Die Spannung des Netzes merkt man beim Anziehen sofort, die Hüftflossen lassen sich nur schwer auseinanderdrücken und liegen auch nicht zugeschnallt bereits fest am Hüftknochen. Genau wie die Rückenlänge ist auch die Breite der Hüfte anpassbar. Alles in einem ist der Sitz bei moderatem Gewicht (etwa zehn Kilogramm) sehr angenehm und sicher. Wider Erwarten wackelt nichts und der lange Hebel macht sich zumindest jetzt noch nicht bemerkbar. Ungewöhnlich ist nur, dass der ganze Rucksack insgesamt etwas höher sitzt, auch das ist zum jetzigen Zeitpunkt aber kein Störfaktor.

Da der Osprey Atmos AG 50 dank seines speziellen Tragesystems etwas höher sitzt, muss man ihn beim Sitzen gar nicht abnehmen. | Foto: Bela Elbich
Da der Osprey Atmos AG 50 dank seines speziellen Tragesystems etwas höher sitzt, muss man ihn beim Sitzen gar nicht abnehmen. | Foto: Bela Elbich

Das große Hauptfach des Osprey Atmos AG lässt sich mit einem Zwischenboden trennen, dabei kann man auf den unteren Teil mittels eines Reißverschlusses zugreifen, während der Zugriff auf das eigentliche Hauptfach von oben erfolgt. Das Deckelfach ist abnehmbar, darunter verbirgt sich ein zweiter, minimalistischer Deckel. Zwei Flaschenhalter mit seitlichem Eingriff erlauben den Zugriff „on the go“, für nasse Bekleidung oder Ausrüstung gibt es außen am Rucksack eine große Netztasche. Wie fast alle Osprey-Rucksäcke hat auch der Atmos AG 50 das genial-einfache System zur Stockbefestigung unter dem linken Arm hindurch. So sind schnell beide Hände frei, ohne erst den Rucksack absetzen zu müssen, ein kleines Detail, welches ich persönlich sehr oft nutze.

Die Praxistauglichkeit des Trekkingrucksacks

Osprey Atmos 50 AG im Test: Von der Schnalle bis hin zur letzten Naht ist der Rucksack, wie von Osprey gewohnt, erstklassig verarbeitet. | Foto: Bela Elbich
Osprey Atmos 50 AG im Test: Von der Schnalle bis hin zur letzten Naht ist der Rucksack, wie von Osprey gewohnt, erstklassig verarbeitet. | Foto: Bela Elbich

Mit Tarp, Matte, Schlafsack, Bekleidung, Kochgeschirr und Lebensmitteln für zwei Tage beladen bringt mein Osprey Atmos AG 50 knappe sieben Kilogramm auf die Waage, dazu kommt Fotoausrüstung mit etwa vier Kilogramm. Mit diesem Gewicht stürze ich mich auf mehrere Touren in den Alpen, Tagesetappen zwischen 24 und 28 Kilometer bei jeweils etwa 1.300 Höhenmetern stehen an. Es dauert nicht lange, bis mir der Schweiß aus allen Poren dringt, aber das gewohnte klebrige Gefühl am Rücken fällt deutlich geringer aus als sonst. Als kalter Wind aufkommt, merke ich diesen deutlich am Rücken, so deutlich, dass ich eine Weste anziehe. Von den perforierten Schulterträgern und den Hüftflossen habe ich mir aber tatsächlich mehr erhofft, ein ausgeglichenes Klima suche ich da vergeblich. Kleines Trostpflaster: Der Schaum gehört zu den besten, die meine Schultern je tragen durften, nichts reibt, drückt oder wird im Laufe des Tages härter.

Die Beweglichkeit ist ausgezeichnet, auch wenn der Hüftgurt nicht wie bei anderen Trekkingrucksack-Modellen beweglich gelagert ist. Indem der ganze Rucksack etwas höher sitzt, hat die ganze Hüfte mehr Spielraum, was sich gerade bei steilen Anstiegen positiv auswirkt. Der positive Nebeneffekt ist, dass man sich auch kurz hinsetzen kann, ohne den Rucksack abzunehmen.

Auch im Regen lässt einen der Trekkingrucksack nicht im Stich. Dank Regenhülle kann hier nichts nass werden. | Foto: Bela Elbich
Auch im Regen lässt einen der Trekkingrucksack nicht im Stich. Dank Regenhülle kann hier nichts nass werden. | Foto: Bela Elbich

Beim moderaten Gewicht von knappen elf Kilogramm ist der befürchtete lange Hebel noch zu verkraften, aber mit jedem Kilo mehr wird es überproportional schwer. Für eine kleine Tagestour im Voralpenland habe ich aus Neugier 16 Kilogramm rein gepackt – und es unterwegs bereut. Der Zug nach hinten war dermaßen deutlich zu spüren, dass ich völlig fertig zuhause ankam, obwohl ich eigentlich auch mit Gewichten jenseits der 20 Kilogramm-Marke immer gut zurecht kam. Unter diesem Aspekt bestärkt sich leider mein anfängliches Vorurteil, wenn auch nicht zu hundert Prozent.

Fazit zum Osprey Atmos AG 50 Test

Der Osprey Atmos AG 50 leistet bei angenehmen Temperaturen und zurückhaltender Beladung ausgezeichnete Dienste. Der Trage – und Klimakomfort ist überdurchschnittlich gut und sinnvolle Details erleichtern des Trekkers Leben. Sobald das Tragesystem aber an seine Beladungsgrenze bei etwa 15 Kilogramm kommt, hört der Spaß auf. Für lange Ausflüge mit großem Gepäckbedarf ist ein stärkeres Tragesystem notwendig, was allerdings auch immer zu Lasten von Eigengewicht und Belüftung am Rücken geht. Wer auf Tour nicht seinen ganzen Hausrat mitschleppt und bewusst packt, wird mit dem Atmos AG aber eine ganze Menge Freude haben.

Pro Contra
Belüftung Komfort lässt bei Überladung stark nach
Tragekomfort bei wenig Beladung Belüftung bei Kälte kontraproduktiv
Beweglichkeit
Ausstattung
Schaum an den Körperkontaktpunkten

Hier die Details zum Osprey Atmos AG 50 Rucksack:

  • BioStrech-Torso verstellbarer Schulter- und Hüftgurt
  • große, doppelte Fronttasche mit wasserdichten Reißverschlüssen
  • seitliche Außentaschen mit Kompressionsriemen
  • mit Trinksystem kompatibel
  • fixierter Biostretch Schulter- und Hüftgurt mit ventilierendem Hexagon-Schau
  • zwei Reißverschlusstaschen am ErgoPull Hüftgurt
  • Stow-On-The-Go-Befestigungssystem für Trekkingstöcke
  • abnehmbare Schlaufen für die Isomatte
  • Gewicht: 1.390 Gramm in Größe S, 1.420 g (M); 1.480 g (L)
  • Volumen: 47 Liter (S); 50 Liter (M); 53 Liter (L)
  • Material: 210D Twill Nylon und 100D Mini-Ripstop Nylon
  • Hier geht es zum Osprey Atmos AG 50 bei Bergzeit

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