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Das Tragesystem: Herz und Motor eines jeden Rucksacks

7 Minuten Lesezeit
Raus aus dem Haus, hinein in die Berge und hinauf zum Gipfel – dabei darf einer nie fehlen: der Rucksack. Vom Wasser über die Brotzeit bis hin zu Wechselkleidung und Erste-Hilfe-Paket, alles muss hinein. Um das Gewicht so bequem wie möglich auf den Rücken zu setzen, braucht es dabei ein gutes Tragesystem. Bergzeit Autor Florian Wolf erklärt, worauf es dabei ankommt.

Egal ob beim Wandern, Trekking, auf Hochtouren oder beim Trailrunning: Ein den Bedingungen angepasstes Rucksack Tragesystem trägt nicht selten zum Genuss der Touren bei. Denn: Wer seinen Rucksack mithilfe des Tragessystems richtig einstellt, spart nicht nur jede Menge Kraft, sondern schont auch seinen Körper, vor allem Rücken und Nacken.

In der Regel setzt sich das Rucksack Tragesystem aus folgenden Komponenten zusammen:

  • Hüftgurt
  • Brustgurt
  • Schulterträger
  • Lastenkontrollriemen
  • Rückenteil (Netzrücken / Kontaktrücken)

Funktion von Hüftgurt, Schulterträger & Lastenkontrollriemen

Bei größeren Touren benötigt man viel Stauraum. Der Komfort darf trotz des hohen Gewichts nicht darunter leiden. | Foto: Deuter
Bei größeren Touren benötigt man viel Stauraum. Der Komfort darf trotz des hohen Gewichts nicht darunter leiden. | Foto: Deuter

Je schwerer ein Rucksack wiegt, desto wichtiger wird die Rolle des Hüftgurts. Über ein Gestell oder die Rückenplatte wird das Gewicht möglichst eng am Rücken vorbei in die Hüfte geleitet, dort ist die Last am besten aufgehoben. Die Schulterträger nehmen dabei ebenfalls einen Teil des Gewichts auf, dienen aber auch zur Stabilisierung des Rucksacks am Rücken.

Wichtig und gerne unterschätzt sind die Lastenkontrollriemen, über die man den Rucksack näher zum Körper ziehen kann. Sind alle Teile gut aufeinander abgestimmt, passiert unterwegs das Beste, was passieren kann: Man vergisst, dass man einen voll beladenen Rucksack auf dem Rücken trägt.

Doch Komfort bedeutet nicht nur, ein Gewicht möglichst leicht zu transportieren, sondern auch, dass sich der Rucksack am Rücken gut anfühlt. Ein weicher, stabiler Sitz und eine gute Belüftung stehen bei Rucksackbauern heute groß im Fokus. Rucksäcke mit Netzrücken oder gut verstellbaren Tragesystemen, die man einfach an die eigene Rückenlänge und Größe anpassen kann, aber auch spezielle Damen Rucksäcke mit ihren perfekt auf Frauen abgestimmten Trägern machen jede Tour angenehmer.

Wenn man moderne Rucksäcke anhand ihrer Tragesysteme grob einteilen will, kann man zwei Hauptkategorien ausmachen:

  1. Rucksäcke mit Netzrücken
  2. Rucksäcke mit Kontaktrücken

Beide Systeme führen seit geraumer Zeit eine friedliche Koexistenz, was zeigt, dass sie beide ihre Berechtigung und ihre jeweiligen Vorteile haben.

Der Netzrücken: Ein Tragesystem revolutioniert den Rucksackbau

Erster Deuter Rucksack mit Aircomfort-Netzrücken als Teil des Tragesystems.
Der erste Rucksack mit patentiertem Aircomfort-Netzrücken sorgte ab 1984 für bessere Belüftung. | Foto: Deuter

Ob Deuter sich darüber im Klaren war, was für eine Innovation ihnen gelungen ist, als sie 1984 den ersten Rucksack mit Netzrücken auf den Markt brachten? Mit dem Aircomfort System veränderte der Rucksackspezialist aus Gersthofen die Art, wie Tragesysteme gebaut werden nachhaltig. Mittlerweile führt nahezu jeder Hersteller mindestens eine Serie der gut durchlüfteten Modelle im Sortiment.

Unter einem Netzrücken versteht man ein Rucksack Tragesystem, bei dem der Packsack vom Rücken weggebogen wird. Statt großflächiger Polster reicht durch diese Konstruktion ein offenes, luftiges Netz aus, um den Rucksack am Rücken zu stabilisieren. Seit seiner bahnbrechenden Erfindung hat sich das Netzrückensystem ständig weiterentwickelt. Vieles wurde und wird versucht, um Rucksäcke mit Netzrücken noch bequemer und vielseitiger zu machen.

Vorteile des Netzrückens beim Rucksack

Der größte Vorteil und der Hauptgrund, warum man zu einem Rucksack mit Rückennetz greift, ist mit Sicherheit die deutlich bessere Belüftung im Vergleich zu einem direkt anliegenden Rucksack. Durch den Freiraum zwischen Rücken und Rucksack herrscht beim Netzrücken ein reger Luftaustausch auf der Haut, wodurch ein Hitzestau vermieden wird. Der Netzrücken mag zwar das Schwitzen nicht verhindern, aber er sorgt dafür, dass man sehr viel weniger schwitzt.

Deuter zum Beispiel spricht bei seinem Aircomfort System von bis zu 25 % weniger Wasserverlust durch Schweiß. Einerseits fühlt sich der Rücken so viel frischer an, andererseits verliert man weniger Wasser, was die Gefahr zu dehydrieren stark reduziert.

Andere Vorteile des Netzrückens sind der höhere Tragekomfort, denn das Netz liegt angenehm weich am Körper. Druckpunkte werden reduziert, Scheuerstellen minimiert, während das bessere Rückenklima ein Wundreiben verhindert. Außerdem lässt sich durch die Netzkonstruktion einiges an Rucksackgewicht einsparen, ohne dass der Komfort darunter leidet. Bestes Beispiel: Osprey baut in der Levity Serie einen Rucksack mit 45 Liter, der gerademal 830 Gramm wiegt. Sein Netz liegt butterweich am Rücken, während das Leichtgestell die Last bequem in der Hüfte absetzt.

Warum ist der Kontaktrücken noch nicht ausgestorben?

Diese Frage drängt sich geradezu auf. Wenn Rucksäcke mit Netzrücken häufig komfortabler, besser durchlüftet und auch noch leichter sind, warum werden Rucksäcke mit Kontaktrücken überhaupt noch gebaut?

Auch wenn der Kontaktrücken Teil des „klassischen“ Rucksack Tragesystems ist, haben moderne Kontaktrücken kaum noch etwas mit ihren Vorfahren gemein. Abhängig vom jeweiligen Einsatzzweck macht es Sinn, auf das Netz zu verzichten. Denn trotz der vielen Vorteile haben Rucksäcke mit Rückennetz auch ein paar Nachteile.

Die Nachteile des Netzrückens sind die Vorteile beim Kontaktrücken

Zwei Trailrunner mit Rucksäcken ohne Netzrücken als Teil vom Tragesystem.
Beim Trailrunning ist es wichtig, dass der Rucksack nah am Körper anliegt und den Rücken nicht wund scheuert. | Foto: Gregory

Was das große Plus des Netzes ist, wird in manchen Situationen zum Nachteil. Da der Rucksack weiter vom Rücken weg sitzt, wandert der Schwerpunkt nach hinten und somit vom Körper fort. Rucksäcke mit Netzrücken haben daher die Tendenz instabiler zu sitzen und stärker nach hinten zu ziehen. Bei Genusswanderungen, einfachen Bergtouren und mehrtägigen Hüttenwanderungen merkt man diese Nachteile kaum. Je schwerer das Gewicht, je anspruchsvoller die Route, je wichtiger die Lastenkontrolle wird, desto mehr sind jedoch die Kontaktrücken im Vorteil.

Die eng am Körper sitzenden Rucksack Tragesysteme von heute sind meist sehr direkt auf spezifische Aktivitäten ausgerichtet. Pauschal kann man sagen, dass Kontaktrücken immer dann von Vorteil sind, wenn man bei Aktivitäten den Rucksack direkt am Rücken spüren will und muss.

Wenn beispielsweise beim Klettern der Rucksack ein Eigenleben entwickelt, ist das nicht nur ungemütlich, sondern mitunter fatal. Auch beim Trailrunning möchte man keinen Rucksack, der auf dem Rücken herumspringt und einen wund scheuert. Und beim Wintersport sowie auf Hochtouren wird aus einem erfrischenden Wind schnell ein eiskalter Hauch, der einem die Nieren auskühlt. Dazu kommt der Schnee, der an den Rücken spritzt und natürlich ist auch hier eine gute Lastenkontrolle oberste Priorität.

Welches Rucksack Tragesystem ist das richtige für mich?

Ob Osprey, Gregory oder Deuter, viele Hersteller haben ihre Netzrücken deutlich weiterentwickelt. Ergonomische Gestelle, besser dosierte Abstände zum Rücken, neue Netzmaterialien und eine direktere Lastenübertragung gleichen viel von dem aus, was gemeinhin als Nachteil bei Netzrückenrucksäcken angesehen wird. Wer gerne bergwandert und dabei auch mal einen moderaten Klettersteig mitnimmt, kann problemlos zum Netzrücken greifen, ohne das ihn die Nachteile hindern.

Auch wem der Sinn nach mehrtägigen Hüttenwanderungen steht, darf das luftige Gefühl am Rücken sorgenfrei genießen. Selbst Trekkingtouren mit schwererem Gewicht kann man heute mit einem Netzrücken als Teil des Tragesystems gehen. Zudem hat man durch die Art, wie man den Rucksack packt selbst großen Einfluss auf den Sitz des Backpacks. Je alpiner allerdings die Touren werden, je schneller und bewegungsintensiver die Aktivität oder je mehr man im Winter unterwegs ist, desto sinnvoller ist ein eng am Körper sitzendes Rucksack Tragesystem.


Fazit zum Rucksack Tragesystem

So wie Netzrücken heute nicht mehr pauschal instabil sind und einen nach hinten ziehen, so sind Kontaktrücken nicht per se schlecht durchlüftet und starr. Kontaktrücken sind dabei meist sehr spezifisch auf ihre jeweiligen Einsatzgebiete abgestimmt. Tragesysteme mit Netzrücken bringen dagegen als gut durchlüftete Allrounder bei einer Vielzahl von Aktivitäten ihren Komfort an den Rücken.

Wichtig: Bevor man sich einen neuen Rucksack anschafft, sollte man sich zunächst darüber im Klaren werden, was man vorhat. Möchte man einen Rucksack für alles oder eher einen für spezielle Einsätze? Ist man häufiger in warmem Klima auf moderaten Touren unterwegs oder in kalten Regionen mit schwierigem Profil? Natürlich spielt auch das Gewicht, das man transportiert eine Rolle und wie lange man unterwegs ist. Denn neben dem Tragesystem ist auch die Wahl der richtigen Rucksackgröße entscheidend für den Komfort.

Mehr Beiträge zum Thema Rucksack findest Du im Bergzeit Magazin:

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