- Mit Karte und Kompass kannst Du Deinen Standort ohne elektronische Hilfsmittel bestimmen
- Deine Augen, Karte, Kompass und Höhenmesser sind Deine wichtigsten Helfer bei der Navigation
- Achte darauf, dass Du Deinen Standort sicher bestimmen kannst
- Verwende markante Wegpunkte für die Navigation und für die Überprüfung Deiner Bestimmung
Du planst eine Alpenüberquerung oder auch eine mehrtägige Tour durch abgeschiedene Naturgebiete in Deutschland oder im Ausland? Egal wo Du in der Natur unterwegs bist – Du solltest das Gelände jederzeit einschätzen können!
Für den (gar nicht so unwahrscheinlichen) Fall, dass Dein GPS-Gerät oder Dein Smartphone mit entsprechender App ausfällt, ist es wichtig, dass Du Deinen Standort auch ohne elektronische Hilfsmittel bestimmen kannst. Kartenlesen und der Umgang mit dem Kompass gehören daher zu den grundlegenden Skills für Outdoorer und Bergsportlerinnen.
Orientierung im Gelände: Die Vorbereitung
Bist Du gerne alpin oder abseits der Zivilisation unterwegs, ist die richtige Vorbereitung das A und O. Das gilt, wenn Du mit Deinem GPS-Gerät unterwegs bist genauso wie für den Fall, dass Du Karte, Kompass und Höhenmesser benutzen möchtest.
Arnold Zimprich
Kartenlesen, Kompass und Höhenmesser benutzen – das sind Basic-Skills wenn Du als Berg- oder Outdoorsportler größere Touren unternimmst.
Warum ist eine gute Tourenplanung das so wichtig?
- nicht immer und überall gibt es durchgängig ausgeschilderten Wanderwege oder Wegmarkierungen
- manchmal musst Du Deinen Routenverlauf im Vorfeld selbst festlegen
- Insbesondere in schwierigem Gelände kann es sich auszahlen, im Vorfeld eine Marschskizze anzulegen. Darauf zeichnest Du den geplanten Routenverlauf ein, gibst die genauen Entfernungen an und markierst markante Wegpunkte.
„Mit Karte, Kompass und Höhenmesser kannst Du Deinen aktuellen Standort unterwegs jederzeit bestimmen“, erklärt Michael Roepke, Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. „Solltest Du einmal die Orientierung komplett verlieren, weil beispielsweise Dein GPS ausfällt, stehen Dir damit die wichtigsten Tools zur Verfügung, um Dich wieder zu orientieren.“
„Es spielt keine Rolle, ob Du mit oder ohne GPS-Tracker unterwegs bist: In den Bergen, am Gletscher oder auch gerade in weitläufigen Landschaften in fremden Ländern – als Grundregel gilt: Kenne Deinen Standort!„
Michael Roepke
🌫️ Tipp: Erfolgt der Orientierungsverlust aufgrund von Schlechtwetter, Nebel, Dunkelheit oder ähnlichem, gerate nicht in Panik. In diesem Fall kann ein Notbiwak eine Lösung sein: Warte ab, bis die Orientierung am nächsten Tag dank besserer Sicht wieder möglich ist und setze dann Deine Kenntnisse im Umgang mit Karte, Höhenmesser und Kompass ein“, so Roepke.
Karte lesen: die Basics
Zur richtigen Vorbereitung zählt neben der Beschäftigung mit der Route auch, dass Du den Umgang mit Deinen Hilfsmaterialien erlernst. Gerade wenn Du zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Bergen unterwegs bist, benötigst Du eine Karte mit einem möglichst großen Maßstab.
- Standard zum Wandern ist eine Karte im Maßstab von 1:25.000 oder 1:50.000.
- Noch genauere Karten sind geeigneter, aber nicht für jedes Wandergebiet verfügbar.
🗺️ Tipp: Verwende, wenn möglich, topographisches Kartenmaterial für Dein Wandergebiet. Eine topographische Karte beinhaltet zusätzliche Informationen über das Gelände und stellt zum Beispiel – im Gegensatz zu einer planimetrischen Karte – Hügel, Berge, Wälder oder auch Sümpfe dar.
„Der große Vorteil einer topographischen Karte gegenüber einer GPS-Route besteht darin, dass die Karte Dir auch Gefahrenstellen wie beispielsweise Gletscherspalten anzeigt – Deine GPS-Route nicht“, erklärt Michael Roepke.
👉 Die volle Auswahl: zu den topografischen Karten im Bergzeit Shop
Natürlich gibt es inzwischen auch eine vielzahl an digitalen Kartenservices. Wichtigste Grundregel dabei: Elektronische Karten sind nur solange benutzbar, wie auch Dein Akku hält …
👉 Mehr dazu: Topographische Karten und Tourenplanung online
Höhenmesser benutzen: die Basics
Barometrische Höhenmesser sind sind heute durch GPS-Uhren meist mit dabei. Auch sie sind wichtig für eine präzise Navigazion .
Eine Rangfolge an Hilfsmitteln, die auf meiner Bergtour nicht fehlen dürfen? Ganz klar: Karte, Höhenmesser, Kompass.
Michael Roepke
Um Deinen Höhenmesser korrekt einzustellen, benötigst Du einen Punkt mit bekannter Höhenangabe. Diese kannst Du von Schildern mit Höhenangaben, Hütten, Gipfeln oder auch aus Deiner Karte ablesen.
Ist Dein Höhenmesser richtig eingestellt, kannst Du auf der Karte einfach die passende Höhenlinie – oder einen Punkt dazwischen – ablesen und somit Deinen Standort bestimmen.
🔄 Kalibriere Deinen barometrischen Höhenmesser vor jeder Tour. Bei stabiler Wetterlage liefert er sehr genaue Werte. Ändern sich jedoch Luftdruck oder Wetter, kann die Anzeige ungenau werden. Deshalb solltest Du den Höhenmesser auf längeren Touren regelmäßig nachjustieren.
Kompass benutzen: die Basics
Für den Outdoor-Bereich werden vor allem Lineal-Kompass und Marsch-Kompasse angeboten.
Wir empfehlen Dir, zu Beginn einen Lineal-Kompass (bzw. Platten- oder Karten-Kompass) zu benutzen, da er wenig wiegt und über Lineal- und Winkelangaben verfügt, mit denen Du die Informationen von Kompass und Karte leichter auf die reale Umgebung übertragen kannst.
Ein Marsch-Kompass ist insgesamt robuster, schwerer und etwas genauer, allerdings fällt die Übertragung der Informationen auf die Karte schwieriger.
Kompass richtig lesen – so geht’s!
Um einen Kompass richtig lesen zu können, solltest Du seinen grundlegenden Aufbau kennen:
- Grundplatte: Eine in der Regel durchsichtige Kunststoffplatte.
- Richtungspfeil: Zeigt die Laufrichtung an. Pfeil auf der Platte, der vom Kompass weg zeigt.
- Kompassgehäuse mit Gradregler: Im Inneren des Gehäuses befindet sich die Kompassnase und vorzugsweise die 360°-Angabe des Kreises inklusive N-S-W-O-Markierung für die Himmelsrichtungen.
- Magnetnadel: Nadel, die sich im Kompassgehäuse dreht.
- Orientierungspfeil: Statischer Pfeil, der im Gehäuse nach Norden ausgerichtet ist.
- Orientierungs- oder Kompasslinien: Linien auf der Grundplatte, die parallel zum Orientierungspfeil verlaufen.
Navigation mit Karte, Kompass & Höhenmesser
Kenne Deinen Standort! Diesen Grundsatz solltest Du verinnerlichen, vor allem wenn Du im (hoch)alpinen Gelände unterwegs bist. Dafür benötigst Du etwas Übung, doch das Prinzip dabei ist relativ klar:
📌 Wo kommst Du her und was siehst Du?
- Präge Dir den Ausgangspunkt Deiner Tour auf der Karte gut ein und folge mit dem Blick Deinem Weg auf der Karte.
- Vergleiche markante Wegpunkte auf der Karte mit dem Gelände um Dich herum. Dazu zählen beispielsweise Wälder, Lichtungen oder Bäche, die Dir bei der Orientierung im Gelände eine wichtige Hilfe sind.
- Erkenne Höhenunterschiede wie Einsattelungen und Bergrücken. Diese oft etwas schwieriger zu erkennen, aber sie sind auf der Karte eingezeichnet und zusätzlich meist extra ausgeschrieben.
Arnold Zimprich
Auch Tümel und Seen können eine hilfreiche Orientierung bieten
🧭 Kompass benutzen
- Um zu wissen, in welche Himmelsrichtung Du gerade blickst, benutzt Du Deinen Kompass, um Deine Karte einzunorden.
- Stelle zunächst den Kompass richtig ein, bis die Nordmarkierung mittig zeigt, und der Richtungspfeil auf dem Boden der Kompassdose eine Linie mit den Marschrichtungspfeilen bildet.
🗺️ Karte einordnen
- Lege den Kompass so auf die Karte, dass die statische Nordmarkierung mit der Nordseite der Karte übereinstimmt. Moderne Karten sind in der Regel in Leserichtung nach Norden ausgerichtet.
- Nun legst Du die Kompasskarte exakt am Kartenblatt oder an den Nord-Süd-Gitterlinien an.
- Drehe die Karte mit dem Kompass solange, bis die Kompassnadel nach Norden, d.h. auf die Nordmarkierung, zeigt.
🎯 Standort bestimmen
- Vergleiche Deine aktuelle Höhe am barometrischen Höhenmesser mit den Höhenlinien auf der Karte.
- Bestimme anhand von Höhe, Karte und Geländemerkmalen Deinen Standort – im Notfall sogar ohne Kompass.
Tipps zum Orientieren ohne Kompass oder Karte
Zu einem besonderen Abenteuer wird Deine Outdoor-Tour, wenn Du Dich ohne Karte, Kompass und sonstigen Hilfsmitteln im Gelände orientierst.
🏞️ Navigation anhand von Landmarken
Bist Du ohne Hilfsmittel im Gelände unterwegs, orientierst Du Dich am besten anhand von Landmarken. Darunter fallen unter anderem Bergrücken, Flüsse, Waldränder oder auch Straßen.
Hast Du die Verlaufsrichtung solcher Landmarken einmal bestimmt, kannst Du Dich recht frei im Gelände bewegen. Du weißt, dass der Fluss beispielsweise immer links von Dir liegen muss, wenn Du zurück zu Deinem Ausgangspunkt möchtest.
🌳 Markante Wegpunkte
Im Gegensatz zu Landmarken sind Wegpunkte auffällige Formationen oder Punkte in der Landschaft, die einen großen Wiedererkennungswert haben. Das können spezifisch geformte Bäume, Felsen oder auch ein großer Ameisenhaufen sein, an die Du Dich wieder erinnern wirst. Neben Wegpunkten kannst Du beispielsweise Dein Zelt aufschlagen.
🌏 Vorsicht in unbekanntem Gelände
Mit gängigen Tipps wie beispielsweise „Die moosbewachsene Seite an Bäumen zeigt immer nach Norden!“ solltest Du sehr vorsichtig umgehen. Insbesondere wenn Du in anderen Breitengraden und Klimazonen unterwegs bist, stimmen diese Informationen nicht mehr.
Viele dieser Tipps – selbst die Aussage, dass die Sonne immer im Osten aufgeht – gelten für Mitteleuropa. Auf sie solltest Du Dich daher nicht verlassen, wenn Du Dich auf Weltreise befindest.
Fazit: Orientierung im Gelände
Wenn Du Dich abseits gut ausgeschilderter Wanderwege befindest oder Dich auf eine Mehrtagestour begibst, solltest Du Dich nicht nur auf Dein Smartphone, Deine Sportuhr oder Dein GPS-Gerät verlassen, auch wenn die Orientierung damit bequemer als mit Karte und Kompass ist.
Mithilfe der klassischen Hilfsmittel zur Navigation orientierst Du Dich genauso sicher und zuverlässig wie mit einem GPS-Gerät. Probier es aus – mit etwas Übung liest Du bald ganz beiläufig Deinen Kompass und Deine Karte richtig.
Aber: das Thema Orientierung ist riesig und unser Beitrag ersetzt keine umfangreiche Anleitung. Mehr dazu lernst Du in einschlägigen Kursen bei den Alpenvereinen oder über Fachliteratur.
🌫️ Verlierst Du die Orientierung, bleibt Dir im Notfall nichts anderes übrig, als Dir ein Notbiwak einzurichten.
💡 Übrigens: Wenn Du in abgelegeneren Gebieten unterwegs bist, solltest Du Dir auch Gedanken über Notfallkommunikation machen.
👉 Mehr dazu: Garmin inReach Mini 2 Notfallmessenger im Test