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Mit Karte und Kompass

Orientierung im Gelände: Karte, Höhenmesser & Kompass richtig lesen

8 Minuten Lesezeit
Du interessierst Dich dafür, wie Du Dich abseits der Zivilisation zum Beispiel auf einer mehrtägigen Alpentour am besten zurechtfinden kannst? Wir haben Dir hier einige grundlegende Tipps zusammengestellt, wie Du Dein Abenteuer "Orientierung im Gelände" mit Karte, Kompass und Höhenmesser und ohne GPS-Gerät oder Smartphone am besten angehst.

Du planst eine Alpenüberquerung oder auch eine mehrtägige Tour durch abgeschiedene Naturgebiete in Deutschland oder im Ausland? Egal wo Du in der Natur unterwegs bist – Du solltest das Gelände jederzeit einschätzen können! Für den (gar nicht so unwahrscheinlichen) Fall, dass Dein GPS-Gerät oder Dein Smartphone mit entsprechender App ausfällt, ist es wichtig, dass Du Deinen Standort auch ohne elektronische Hilfsmittel bestimmen kannst.

Alles dabei? Karte, Kompass und im Idealfall der Höhenmesser sollten bei längeren (Berg-)Touren nicht fehlen. | Foto: TH_G/Pixabay

Wir haben Dir hilfreiche Tipps zusammengestellt, mit denen Du mit etwas Übung einfach einen Kompass benutzen und lesen kannst. Außerdem erfährst Du, wie die Orientierung im Gelände auch ohne Kompass beziehungsweise ohne Hilfsmittel funktioniert.

Orientierung im Gelände: Die Vorbereitung

Bist Du gerne alpin oder abseits der Zivilisation unterwegs, ist die richtige Vorbereitung das A und O – das gilt übrigens, wenn Du mit Deinem GPS-Gerät unterwegs bist genauso wie für den Fall, dass Du Karte & Kompass benutzen möchtest.

Frau auf der Straße beim Kartenlesen
Du weißt bei Karten nicht, wo oben und wo unten ist? Mit ein bisschen Übung geht Dir das Kartenlesen bald leicht von der Hand! | Foto: Daniel Gonzalez/Unsplash

Warum ist das so wichtig? Im alpinen Bereich oder auch wenn Du in unbekanntem Gelände in fremden Ländern unterwegs ist, gibt es im Gegensatz zu einfachen Tagestouren keine ausgeschilderten Wanderwege oder Wegmarkierungen. Das bedeutet, dass Du Deinen Routenverlauf bereits im Vorfeld genauestens kennen solltest. Nur so kannst Du Deinen aktuellen Standort auch jederzeit unterwegs bestimmen und richtig mit Karte, Höhenmesser und Kompass navigieren. Insbesondere in schwierigem Gelände kann es sich außerdem auszahlen, im Vorfeld eine Marschskizze anzulegen. Darauf zeichnest Du den geplanten Routenverlauf ein, gibst die genauen Entfernungen an und markierst markante Wegpunkte.

„Es spielt keine Rolle, ob Du mit oder ohne GPS-Tracker unterwegs bist: In den Bergen, am Gletscher oder auch gerade in weitläufigen Landschaften in fremden Ländern – als Grundregel gilt: Kenne Deinen Standort!„, erklärt Michael Roepke, Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. „Solltest Du einmal die Orientierung komplett verlieren, weil beispielsweise Dein GPS ausfällt, stehen Dir mit Karte und Kompass die wichtigsten Tools zur Verfügung, um Dich wieder zu orientieren. Erfolgt der Orientierungsverlust aufgrund von Schlechtwetter, Nebel, Dunkelheit oder ähnlichem, gerate nicht in Panik. In diesem Fall kann ein Notbiwak eine Lösung sein: Warte ab, bis die Orientierung am nächsten Tag dank besserer Sicht wieder möglich ist und setze dann Deine Kenntnisse im Umgang mit Karte, Höhenmesser und Kompass ein“, so Roepke weiter.

Der Umgang mit der Karte

Zur richtigen Vorbereitung zählt neben der Beschäftigung mit der Route auch, dass Du den Umgang mit Deinen Hilfsmaterialien erlernst. Gerade wenn Du zu Fuß oder mit dem Fahrrad in den Bergen unterwegs bist, benötigst Du eine Karte mit einem möglichst großen Maßstab. Ideal zum Wandern ist eine Karte im Maßstab von 1:25.000 oder 1:50.000. Noch genauere Karten sind geeigneter, diese findest Du allerdings nicht für jedes Wandergebiet.

  • Tipp: Verwende, wenn möglich, topographisches Kartenmaterial für Dein Wandergebiet. Eine topographische Karte beinhaltet zusätzliche Informationen über das Gelände und stellt zum Beispiel – im Gegensatz zu einer planimetrischen Karte – Hügel, Berge, Wälder oder auch Sümpfe dar.

„Der große Vorteil einer topographischen Karte gegenüber einer GPS-Route besteht darin, dass die Karte Dir auch Gefahrenstellen wie beispielsweise Gletscherspalten anzeigt – Deine GPS-Route nicht“, erklärt Michael Roepke.

Wie benutzt Du einen Kompass?

Für den Outdoor-Bereich werden vor allem Lineal- oder Marsch-Kompasse angeboten. Wir empfehlen Dir, zu Beginn einen Lineal-Kompass zu benutzen, da er wenig wiegt und über Lineal- und Winkelangaben verfügt, mit denen Du die Informationen von Kompass und Karte leichter auf die reale Umgebung übertragen kannst. Ein Marsch-Kompass ist insgesamt robuster, schwerer und etwas genauer, allerdings fällt die Übertragung der Informationen auf die Karte schwieriger.

Kompass richtig lesen

Kompass und Karte
Klar – jeder Kompass sieht etwas anders aus, aber der grundlegende Aufbau ist stets derselbe! | Foto: PixLord/Pixabay

Um einen Kompass richtig lesen zu können, solltest Du seinen grundlegenden Aufbau kennen:

  • Grundplatte: Eine in der Regel durchsichtige Kunststoffplatte.
  • Richtungspfeil: Zeigt die Laufrichtung an. Pfeil auf der Platte, der vom Kompass weg zeigt.
  • Kompassgehäuse mit Gradregler: Im Inneren des Gehäuses befindet sich die Kompassnase und vorzugsweise die 360°-Angabe des Kreises inklusive N-S-W-O-Markierung für die Himmelsrichtungen.
  • Magnetnadel: Nadel, die sich im Kompassgehäuse dreht.
  • Orientierungspfeil: Statischer Pfeil, der im Gehäuse nach Norden ausgerichtet ist.
  • Orientierungs- oder Kompasslinien: Linien auf der Grundplatte, die parallel zum Orientierungspfeil verlaufen.

Karte einnorden & Kompass benutzen

Kenne Deinen Standort! Diesen Grundsatz solltest Du verinnerlichen, vor allem wenn Du im (hoch)alpinen Gelände unterwegs bist. Dafür benötigst Du etwas Übung, doch das Prinzip dabei ist relativ klar: Zunächst prägst Du Dir Deinen Ausgangspunkt auf der Karte gut ein und gehst dann mit Blick auf die Karte weiter. Vergleiche markante Wegpunkte auf der Karte mit dem Gelände um Dich herum. Dazu zählen beispielsweise Wälder, Lichtungen oder Bäche, die Dir bei der Orientierung im Gelände eine wichtige Hilfe sind. Etwas schwieriger ist es, Einsattelungen oder Bergrücken zu erkennen, aber auch diese Höhenunterschiede sind auf der Karte eingezeichnet und zusätzlich meist extra ausgeschrieben.

Beim Kartenlesen
Karte mithilfe des Kompasses einnorden und Schritt für Schritt den Routenverlauf nachverfolgen. | Foto: Free-Photos/Pixabay

So nordest Du Deine Karte ein

  • Um zu wissen, in welche Himmelsrichtung Du gerade blickst, benutzt Du Deinen Kompass, um Deine Karte einzunorden.
  • Stelle zunächst den Kompass richtig ein, bis die Nordmarkierung mittig zeigt, und der Richtungspfeil auf dem Boden der Kompassdose eine Linie mit den Marschrichtungspfeilen bildet.
  • Lege den Kompass so auf die Karte, dass die statische Nordmarkierung mit der Nordseite der Karte übereinstimmt. Moderne Karten sind in der Regel in Leserichtung nach Norden ausgerichtet.
  • Nun legst Du die Kompasskarte exakt am Kartenblatt oder an den Nord-Süd-Gitterlinien an.
  • Drehe die Karte mit dem Kompass solange, bis die Kompassnadel nach Norden, d.h. auf die Nordmarkierung, zeigt.

Wertvoller Helfer: Der Höhenmesser

„Eine Rangfolge an Hilfsmitteln, die auf meiner Bergtour nicht fehlen dürfen? Ganz klar: Karte – Höhenmesser – Kompass“ (Michael Roepke, Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer)

Tipp: Kontrolliere Deine Höhe, die Du den Höhenlinien auf der Karte entnimmst, mit einem barometrischen Höhenmesser. Damit kannst Du beispielsweise auch ohne Kompass Deinen Standort bestimmen. Um Deinen Höhenmesser korrekt einzustellen, benötigst Du einen Punkt mit bekannter Höhenangabe. Diese kannst Du von Schildern mit Höhenangaben, Hütten, Gipfeln oder auch aus Deiner Karte ablesen. Ist Dein Höhenmesser richtig eingestellt, kannst Du auf der Karte einfach die passende Höhenlinie – oder einen Punkt dazwischen – ablesen und somit Deinen Standort bestimmen. Beachte dabei: Einen barometrischen Höhenmesser solltest Du vor Beginn jeder Tour kalibrieren. Bleibt die Wetterlage stabil, misst der barometrische Höhenmesser die Höhe sehr präzise, ändert sich das Wetter beziehungsweise der Luftdruck hingegen, wird die Messung schnell ungenau. Auch bei längeren Touren solltest Du den Höhenmesser zwischendurch nachjustieren.

Tipps zum Orientieren ohne Kompass oder Karte

Zwei kahle Bäume neben einer Hütte
Markante Punkte, Bäume, Felsen finden sich überall in der Natur. | Foto: Lutz Peter/Pixabay

Zu einem besonderen Abenteuer wird Deine Outdoor-Tour, wenn Du Dich ohne Karte, Kompass und sonstigen Hilfsmitteln im Gelände orientierst.

  • Navigation anhand von Landmarken: Bist Du ohne Hilfsmittel im Gelände unterwegs, orientierst Du Dich am besten anhand von Landmarken. Darunter fallen unter anderem Bergrücken, Flüsse, Waldränder oder auch Straßen. Hast Du die Verlaufsrichtung solcher Landmarken einmal bestimmt, kannst Du Dich recht frei im Gelände bewegen, da Du nun weißt, dass der Fluss beispielsweise immer links von dir liegen muss, wenn Du zurück zu Deinem Ausgangspunkt möchtest.
  • Markante Wegpunkte: Im Gegensatz zu Landmarken sind Wegpunkte auffällige Formationen oder Punkte in der Landschaft, die einen großen Wiedererkennungswert haben. Das können spezifisch geformte Bäume, Felsen oder auch ein großer Ameisenhaufen sein, an die Du Dich wieder erinnern wirst. Neben Wegpunkten kannst Du beispielsweise Dein Zelt aufschlagen.
  • Vorsicht in unbekanntem Gelände: Mit gängigen Tipps wie beispielsweise „Die moosbewachsene Seite an Bäumen zeigt immer nach Norden!“ solltest Du sehr vorsichtig umgehen. Insbesondere wenn Du in anderen Breitengraden und Klimazonen unterwegs bist, stimmen diese Informationen nicht mehr. Viele dieser Tipps, selbst die Aussage, dass die Sonne immer im Osten aufgeht, gelten für Mitteleuropa. Auf sie solltest Du Dich daher nicht verlassen, wenn Du Dich auf Weltreise befindest.

Lektüretipp: Das Thema Orientierung ist riesig und unser Beitrag ersetzt keine umfangreiche Anleitung. Interessierst Du Dich für das Thema, findest Du beispielsweise beim DAV in den Ausbildungs-Lehrplänen theoretisches Hintergrundwissen und methodische Übungsreihen. Hier geht’s zum DAV Ausbildungs-Handbuch.

Fazit: Orientierung im Gelände

Wenn Du Dich abseits gut ausgeschilderter Wanderwege befindest oder Dich auf eine Mehrtagestour begibst, solltest Du Dich nicht nur auf Dein Smartphone und Dein GPS-Gerät verlassen, auch wenn die Orientierung damit bequemer als mit Karte und Kompass ist. Verlierst Du die Orientierung, bleibt Dir im Notfall nichts anderes übrig, als Dir ein Notbiwak einzurichten. Mithilfe der klassischen Hilfsmittel zur Navigation orientierst Du Dich genauso sicher und zuverlässig wie mit einem GPS-Gerät. Probier es aus – mit etwas Übung liest Du bald ganz beiläufig Deinen Kompass und Deine Karte richtig!

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