• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Unter Druck

Wassersäule: Wann sind Jacken & Zelte wasserdicht?

4 Minuten Lesezeit
Die Wassersäule gibt an, wie wasserdicht Jacken, Skibekleidung, Zelte und andere Outdoor-Ausrüstung sind. Über ihre Aussagekraft lässt sich jedoch streiten. Wir erklären Dir, was die Wassersäule genau ist, wie sie gemessen wird und wie Du ihren Wert richtig einschätzt.

Was ist die Wassersäule?

Die Wassersäule ist eine Maßeinheit zur Angabe von Druck. Sie gilt bei wasserdichter Bekleidung und Zelten als Referenz für die Wasserdurchlässigkeit des Materials. Angegeben ist meist ein Wert in Millimetern, zum Beispiel 10.000 Millimeter Wassersäule (10.000 mm WS). Je höher der Wert, desto dichter das Material.

Die Wassersäule gibt also an, welchem Wasserdruck das Obermaterial einer Regenjacke oder eines Zelts standhalten kann, ehe Wasser durchdringt. Die Angabe bezeichnet den Druck, der vorliegt, wenn die ersten Tropfen durch das Gewebe dringen. Sie markiert damit die Belastungsgrenze, ab der ein Textil durchlässig wird. 1.000 Millimeter WS entsprechen dabei etwa dem Druck von 0,1 bar.

Ein Beispiel aus der Praxis

Eine stehende Person mit 83 Kilogramm Körpergewicht und Schuhgröße 43 erzeugt einen Druck von etwa 0,22 bar. Das entspricht einer Wassersäule von circa 2.200 Millimetern. Kramt diese Person in einem Zelt nun in der Hocke auf ihren Vorfüßen in ihrem Rucksack, steigt der Druck auf den Zeltboden durch die reduzierte Auflagefläche auf 0,4 bar bzw. über 4.000 Millimeter WS. Ein Zeltboden mit nur 3.000 Millimeter WS wäre damit also nicht mehr wasserdicht.

Wer im Zelt kniet, erzeugt durch die geringe Auflagefläche mit seinem Körpergewicht großen Druck auf den Zeltboden. |

Fjällräven

Wer im Zelt kniet, erzeugt durch die geringe Auflagefläche mit seinem Körpergewicht großen Druck auf den Zeltboden. |


Wie wird die Wassersäule gemessen?

Um die Wassersäule zu messen, gibt es unterschiedliche Normen und Standards. Beispielsweise die internationale ISO 811 (auch DIN EN 20811:1992) oder den AATCC-Standard 127 aus den USA. Das Prinzip der Tests ist ähnlich: In einem hydrostatischen Wasserdruckversuch wie dem Suter-Test wird die Außenseite des Stoffes im Labor Wasser ausgesetzt.

Zunächst ohne Druck, im weiteren Verlauf steigt der Wasserdruck schrittweise um – abhängig von der jeweiligen Norm – 100 bis 600 Millimeter WS an. Die Prüfung endet, wenn der dritte Tropfen auf der Innenseite des getesteten Materials zu sehen ist. Anhand der bis dahin abgelaufenen Zeit bzw. des herrschenden Druckes berechnet sich in Folge die Wassersäule.

Video: Wie ermittelt Gore die Wassersäule einer Jacke?

Ab welcher Wassersäule gilt Bekleidung als wasserdicht?

In Deutschland gilt Bekleidung der Kategorie 3 (hoher Anspruch) ab einer Wassersäule von 1.300 Millimetern als wasserdicht und darf entsprechend gekennzeichnet sein. Für die niedrigere Kategorie 2 genügen sogar 800 Millimeter WS. Dies legt die Europäische Norm EN 343:2003 fest.

Etwas anspruchsvoller ist die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in St. Gallen in der Schweiz: Hier gilt Bekleidung erst ab 4.000 Millimetern WS als dicht.

Welche Wassersäule sollte eine Regenjacke haben?

eim Wandern, aber auch beim Laufen und Radfahren, ist eine Wassersäule von 10.000 Millimetern für die meisten

Bergzeit

eim Wandern, aber auch beim Laufen und Radfahren, ist eine Wassersäule von 10.000 Millimetern für die meisten „normalen“ Bedingungen als Richtwert ausreichend.


Im Outdoorbereich hat sich bei zuverlässigen Regenjacken zum Laufen, Radfahren und Wandern eine Wassersäule von 10.000 Millimetern als Richtwert durchgesetzt. Dieser Wert berücksichtigt auch die besonderen Herausforderungen durch Wind, Bewegung und Dauerbelastung und ist unter normalen Bedingungen in jedem Fall ausreichend. Für gehobene Ansprüche, Touren mit schwerem Gepäck und fordernde Bedingungen bieten Hardshelljacken mit einer Wassersäule von 20.000 Millimetern die nötigen Reserven.

Weitere Empfehlungen:

  • Ski- und Snowboardhosen: ab 15.000 Millimeter WS
  • Regenhosen: ab 15.000 Millimeter WS
  • Skijacken: ab 10.000 Millimeter WS
  • Winterjacken (Alltag): ab 5.000 Millimeter WS
  • Schneeanzug/Skibekleidung für Kinder: ab 4.000 Millimeter WS
  • Regenbekleidung für Kinder-Bekleidung: ab 4.000 Millimeter WS

Welche Wassersäule sollte ein Zelt haben?

Insbesondere der Zeltboden muss an einem Regentag einiges aushalten – Du erinnerst Dich an das obenstehende Rechenbeispiel zur Wassersäule. Für dauerhaft zuverlässige Zeltböden empfehlen wir Dir daher mindestens 5.000 Millimeter WS. Dass diese – insbesondere bei ultraleichten Zelten – oft nur bei 3.000 Millimetern liegt, geht auf Kosten eines Kompromisses aus Leistung und Minimalgewicht.

Liegen, sitzen, knien: Der Zeltboden ist besonders gefordert. 5.000 Millimeter Wassersäule sind daher empfehlenswert. Um Gewicht zu sparen machen Ultralight-Zelte hier häufig Abstriche.

Bergzeit

Liegen, sitzen, knien: Der Zeltboden ist besonders gefordert. 5.000 Millimeter Wassersäule sind daher empfehlenswert. Um Gewicht zu sparen machen Ultralight-Zelte hier häufig Abstriche.


Für das Außenzelt sind mindestens 3.000 Millimeter WS in der Regel auch bei Wind und Dauerregen ausreichend.

Wie aussagekräftig ist die Wassersäule?

Die Aussagekraft der Wassersäule wird vom Endverbraucher oftmals überbewertet, denn: Für die Bestimmung der Wassersäule gibt es verschiedene Normen, Messverfahren und Testmethoden. Auch die Laborbedingungen sind nicht überall gleich. Die Werte sind daher grundsätzlich nicht ohne Weiteres vergleichbar.

Außerdem bezieht nicht jeder Hersteller seine Angaben immer auf das oberste Limit. Manche Hersteller testen nur, ob ihre Produkte die gewünschten Minimalanfordungen für den angestrebten Einsatzbereich erfüllen.

Zusätzlich entscheidet neben der Wassersäule auch die Konstruktion über „dicht“ oder „undicht“. Ein Stoff mit hoher Wassersäule bringt wenig, wenn nicht auch die Nähte des Kleidungsstückes mit wasserdichten Nahtbändern versiegelt sind oder wenn der Reißverschluss einer Regenjacke das Wasser nach innen leitet. Daher solltest Du bei der Suche nach verlässlicher Regenbekleidung immer auch auf eine insgesamt hochwertige Verarbeitung achten.

Die Wassersäule ist daher ein Richtwert, um einzuschätzen, welchen Belastungen die Regenjacke oder das Zelt gewachsen ist.

Finde Deine Jacke

Egal ob Isolation oder Hardshell, Daune oder Kunstfaser – Wir haben die passende Jacke für Dich! Zum Jacken-Berater

Wie atmungsaktiv ist wasserdichter Stoff?

Sehr vereinfacht lässt sich sagen: Je wasserdichter ein Stoff, desto weniger dampfdurchlässig ist er. Das bedeutet: Mit dem Anstieg der Wassersäule verringert sich die Atmungsaktivität. Die Feuchtigkeit aus dem Inneren einer Regenjacke wird schlechter nach außen abgegeben als beispielsweise bei einer wasserdurchlässigen Fleecejacke.

Mehr zum Thema Wetterschutz bei Outdoor-Kleidung

Rubriken und Themen

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
1 Kommentar
älteste
neueste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.