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Abenteuer Klettersteig

So geht Klettersteiggehen: Grundwissen und nützliche Tipps

13 Minuten Lesezeit
Klettersteige sind beliebt, weil sie steile Felswände auch Nicht-Kletterern zugänglich machen – mit der richtigen Ausrüstung gut gesichert. Ganz ohne Vorbereitung solltest Du aber nicht losziehen. Bergführer Alex Römer erklärt, worauf Du bei einer Klettersteigtour achten musst.

Klettersteiggehen ist voll im Trend: Bereits seit vielen Jahren wird die Anzahl der „Ferratisti“, wie sich Geher von Klettersteigen auch gerne bezeichnen, immer größer. Denn auf einem Klettersteig kannst Du Dich – auch ohne ein extremer Kletterer oder Bergsteiger zu sein – mit einem Klettersteigset gut gesichert in senkrechte Felswände wagen.

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Abgrenzung: Was ist ein Klettersteig?

Drahtseile, die mit Verankerungsstiften aus Eisen am Felsen befestigt sind – das ist das augenscheinlichste Merkmal eines Klettersteiges. Dabei gibt es tatsächlich unterschiedliche Arten von Klettersteigen:

  • Versicherte Steige: Einfache Wanderwege mit stellenweise gesicherten Passagen. Meist handelt es sich um kleinere Gipfelanstiege, wo zwar Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig sind, aber nicht zwingend Klettersteigausrüstung benötigt wird – je nach Fähigkeiten, Wetterbedingungen, etc.
  • Klassische Klettersteige: Diese verfügen über ein durchgängiges Drahtseil mit Zwischensicherungen und werden häufig mit Eisentritten, Leitern oder Seilbrücken versehen. Klettersteige gibt es in sämtlichen Schwierigkeitsgraden. Je nach Anspruch sind sie für unterschiedliche Könnerstufen geeignet.
  • Sportklettersteige: Auch hier verläuft ein durchgängiges Drahtseil als Sicherung, auf helfende Zusatztritte wird oft verzichtet. Sportklettersteige erfordern etwas mehr Muskelkraft und vor allem die richtige Technik. Oft führen sie durch ausgesetztes Gelände und auch Überhänge sind durchaus üblich. Ungeübte Personen sollten also anfangs lieber die Finger von solchen Routen lassen.
Eisenstifte, Stahlseil, Tritte: Die Technik, mit der Klettersteige heutzutage errichtet werden, ist sehr ausgereift.

Bergzeit

Eisenstifte, Stahlseil, Tritte: Die Technik, mit der Klettersteige heutzutage errichtet werden, ist sehr ausgereift.


Egal ob versicherter Steig, Klettersteig oder Sportklettersteig – natürlich kommt es immer auch auf die differenzierte Schwierigkeit des Klettersteigs an. So ist zum Beispiel ein sportlich bewerteter Klettersteig wie die Via Attrezzata Rino Pisetta auf den Dain Picolo am Gardasee ein wesentlich schwererer Sportklettersteig als der Klassiker auf die Alpspitze.

Bei der riesigen Auswahl an Kettersteigen allein in den Alpen bedarf es guter Bergliteratur, um sich erst einmal einen groben Überblick der verschiedenen Regionen und unzähligen Klettersteig-Routen mit all ihren Schwierigkeitsstufen zu verschaffen.

Meist beginnt man das Klettersteiggehen auf gut gesicherten Wegen. Wunderschöne Wanderwege und Klettersteige in den Dolomiten, früher von den Alpini (den italienischen Soldaten) zum Ausbau von Kriegsstellungen erbaut, erfreuen heute jedes Klettersteigherz aufs Neue.

Je nach Land – und vor allem je nach Verantwortungsgefühl der Klettersteig-Erbauer – sind vorhandene Klettersteige in einem guten oder weniger guten Zustand. Die Technik, mit denen heutzutage Klettersteige errichtet werden, ist jedoch sehr ausgereift.

Gibt es Voraussetzungen, um Klettersteige zu gehen?

Sei Dir bewusst, dass Du am Klettersteig in alpinem Gelände unterwegs bist und bei einem Fehler jederzeit abstürzen kannst. Wichtig ist eine solide Grundfitness, eine realistische Selbsteinschätzung und eine gute Tourenplanung, um einschätzen zu können, was Dich am Klettersteig erwartet.

Vertikale Höhenmeter erfordern Kraft und Ausdauer, spektakuläre Tiefblicke fordern mental: eine solide körperliche Fitness und eine realistische Selbsteinschätzung sind am Klettersteig Pflicht.

Bergzeit

Vertikale Höhenmeter erfordern Kraft und Ausdauer, spektakuläre Tiefblicke fordern mental: eine solide körperliche Fitness und eine realistische Selbsteinschätzung sind am Klettersteig Pflicht.


Wie kann ich Klettersteiggehen lernen?

Klettersteiggehen ist grundsätzlich nicht schwer, doch einige Klettersteig-Regeln solltest Du auf jeden Fall beachten. Denn: ein Fehler an falscher Stelle in einem Klettersteig kann fatale Folgen haben.

Vor Deinem ersten Klettersteig machst Du am besten einen Kurs!

Für jeden Einsteiger oder jede Einsteigerin empfiehlt sich immer eine solide Grundausbildung. Hier genügt schon ein intensiver zwei- bis dreitägiger Klettersteigkurs in der Obhut eines staatlich geprüften Berg- und Skiführers.

Ein ernster Hinweis an dieser Stelle: Dieser Beitrag ersetzt keinen Kurs. Geschriebene Tipps, Reels und Videos können die Live-Erfahrung und das Feedback in einem professionellen Kurs nicht ersetzen.

Die wichtigsten Grundprinzipen auf Klettersteigen

Auch wenn Du schon einige Zeit Klettersteigerfahrung gesammelt hast, ist es vor jeder neuen Tour wichtig, Dich ehrlich einzuschätzen, ob Du der Tour an diesem Tag gewachsen bist. Es gilt:

  • Niemals stürzen!
  • Zu jedem Zeitpunkt gesichert sein!
  • Risiken erkennen, ansprechen und vermeiden!

Letzteres auch dann, wenn Du Dir der Sache hundertprozentig sicher bist. Meist haben die kleinen Flüchtigkeitsfehler die schlimmsten Auswirkungen. Aber auch Fremdeinwirkung (z.B. Steinschlag) durch vorausgehende Klettersteiggeher kann nie ausgeschlossen werden.

Helm, Klettergurt, Klettersteigset und stabile Schuhe: die richtige Ausrüstung ist der erste Schritt, um sicher einen Klettersteig meistern zu können.

Bergzeit

Helm, Klettergurt, Klettersteigset und stabile Schuhe: die richtige Ausrüstung ist der erste Schritt, um sicher einen Klettersteig meistern zu können.


Welche Ausrüstung brauche ich zum Klettersteiggehen?

Klettergurt, Kletterhelm, Klettersteigset und Bergschuhe mit festen Sohlen sind die Ausrüstungs-Basics für einen Klettersteig. Empfehlenswert sind zudem Klettersteighandschuhe und Bergsport-Basics wie Erste-Hilfe-Set und Biwaksack.

Die folgenden Tipps zur Klettersteig-Ausrüstung hat das Bergzeit Team für Dich erstellt.

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– Unser Experte Judith, Bergzeit Redakteurin
Du brauchst noch die komplette Klettersteig-Ausrüstung? Dann ist ein Komplettset oft die günstigere Option – ohne, dass Du auf Deine individuelle Auswahl verzichten musst. Mit unserem Konfigurator profitierst Du von attraktiven Set-Rabatten. Stell Dir die benötigten Komponenten wie Klettersteigset, Gurt, Helm und Handschuhe einfach selbst zusammen.

Worauf kommt es beim Klettergurt an?

Zum Klettersteiggehen eignen sich Hochtourengurte sehr gut, da sie dünner sind und sich angenehmer tragen lassen, aber auch Alpin- und Sportklettergurte sind grundsätzlich geeignet.

Idealerweise sitzt man beim Klettersteiggehen nicht im Gurt, daher ist eine dicke Polsterung am Gurt nachrangig. Achte auf eine gute Bewegungsfreiheit.

Je nach Größe und Konstitution ist ein Sitzgurt mit verstellbaren Beinschlaufen eine super Sache. So kannst Du je nach Wetterlage mit einer dünnen Kletterhose oder aber mit einer dickeren Regenhose unterwegs sein.

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Was ist beim Kletterhelm wichtig?

Klettersteighelme müssen die europäische Norm EN 12492 erfüllen, damit sind sie fürs Klettern und Klettersteiggehen gleichermaßen geeignet. Liegt Dein Fokus auf Klettersteigen, dann wählst Du am besten einen Hartschalen- oder Hybrid-Helm mit guter Belüftung.

Wichtig bei der Auswahl ist, dass der Helm grundsätzlich zu Deiner Kopfform passt, um angenehm und sicher am Kopf zu sitzen.

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Worauf ist bei einem Klettersteigset zu achten?

Seit 2017 gilt für Klettersteigsets die Norm EN 958:2017, die das Auslösen bei einem Fangstoß zwischen mindestens 40 und maximal 120 Kilogramm Körpergewicht sicherstellt. Außerhalb dieses Gewichtsrahmens, also bei Kindern und sehr schweren Personen, ist diese Sicherheit nicht mehr gewährleistet.

Mittlerweile erfüllen alle als Neuware erhältlichen Klettersteigsets diese Norm. Achte bei der Auswahl darauf, dass die Karabiner gut in der Hand liegen und sich gut von Dir bedienen lassen. Die Länge der Lastenarme sollte zu Deinen Körperproportionen passen.

2 Tipps für mehr Komfort

  • Drehgelenke am Ansatz der Lastenarme verringern das Verdrehen der Arme
  • eine Rastschlinge am Klettersteigset spart den Einsatz einer zusätzlichen Bandschlinge

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Welche Schuhe eignen sich für Klettersteige?

Ideal für Klettersteige sind Bergschuhe der Kategorie C. Sie sind steif genug, um sicheren Halt auf den Eisenklammern zu gewähren, haben an der Sohle im Zehenbereich eine Climbing-Zone für guten Halt im Fels und sind trotzdem einigermaßen leicht, um unbeschwert zu steigen.

Abhängig von der Länge und Schwierigkeit des Zustiegs kann es eine Option sein, für den Zu- und Abstieg ein leichteres Paar Schuhe zu wählen, das Du am Einstieg zum Klettersteig wechselst.

Wann sind Klettersteighandschuhe sinnvoll?

Klettersteighandschuhe schützen Deine Hände vor Verletzungen an scharfen Felskanten, am Drahtseil und auch vor Überbeanspruchung der Haut. Sie verbinden Schutz mit gutem Grip und sind vor allem für Menschen ohne ausgeprägte Hornhaut an den Händen ein echter Gewinn.

Achte bei der Auswahl auf die richtige Größe und Passform. Die Handschuhe sollten körpernah sitzen, aber die Bewegungsfreiheit Deiner Hände nicht einschränken. Unterschiede gibt’s bei:

  • Lange Finger: mehr Schutz und Wärme, weniger taktil
  • Kurze Finger: besseres Tastempfinden und Belüftung, kein Schutz für die Fingerspitzen

Welche weitere Ausrüstung ist sinnvoll?

Klettersteiggehen ist mit alpinen Risiken verbunden. Absturz, Steinschlag, Gewitter und Wettersturz sind reale Gefahren am Berg, daher gehören ein geladenes Mobiltelefon, ein Erste-Hilfe-Set und ein Biwaksack in jeden Rucksack. Auch Wetterschutzkleidung sollte bei jeder Tour mit dabei sein.

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3 Dinge, die Du beim Klettersteiggehen beachten musst

Natürlich soll jede Tour in den Bergen vor allem Spaß machen, doch Sicherheit bleibt immer das oberste Gebot. Wenn Du beim Klettersteiggehen ein paar grundsätzliche Regeln beachtest, dann sind die Chancen hoch, dass Deine Erlebnisse in guter Erinnerung bleiben.

1. Safety first: Helm, Klettergurt & richtig einbinden

Am Klettersteig-Einstieg angekommen, solltest Du zunächst nach einem geeigneten und sicheren Platz Ausschau halten. Dieser muss genügend Raum zum Anlegen der Klettersteigausrüstung bieten und vor allem vor Steinschlag schützen. Aufgrund möglichen Steinschlags solltest Du immer rechtzeitig den Klettersteighelm aufziehen, am besten bevor Du Dich an den Wandfuß begibst.

Ein Klettersteighelm ist Pflicht, wann immer Du draußen am Fels unterwegs bist. Setz ihn auf, bevor Du Dich an den Wandfuß begibst. Steinschlag ist ein reales Risiko.

Bergzeit

Ein Klettersteighelm ist Pflicht, wann immer Du draußen am Fels unterwegs bist. Setz ihn auf, bevor Du Dich an den Wandfuß begibst. Steinschlag ist ein reales Risiko.


Ein Klettersteighelm ist Pflicht, wann immer Du draußen am Fels unterwegs bist. Setz ihn auf, bevor Du Dich an den Wandfuß begibst. Steinschlag ist ein reales Risiko.

Bergzeit

Dein Klettersteigset befestigst Du mit einem Ankerstichknoten am Anseilring Deines Klettergurtes. Fädle dafür die Befestigungsschlaufe durch den Ring und ziehe das komplette Set – Karabiner, Arme und Bandfalldämpfer – durch die Schlaufe.


Spätestens am Wandfuß legst Du auch Deinen Klettergurt an und bindest Dein Klettersteigset darin ein.

Das richtige Befestigen des Klettersteigsets am Gurt ist beim Klettersteiggehen entscheidend. Denn wer sich in der Hektik fehlerhaft einbindet, gefährdet sich selbst.

  1. Zieh die Anbindeschlaufe Deines Klettersteigsets durch die zentrale Anseilschlaufe des Klettergurts
  2. Fädle Karabiner, Arme und Bandfalldämpfer so durch die Schlaufe, dass ein Ankerstichknoten entsteht
  3. Ziehe den Ankerstichknoten eng zu

2. Partnercheck

Eigentlich kann es jetzt losgehen – doch ohne Kontrolle des Partners solltest Du nie in den Klettersteig einsteigen! Vier Augen sehen mehr als zwei – und im Eifer des Gefechts ist doch schon so manches unentdeckt geblieben. Vier wesentliche Punkte sorgen für mehr Sicherheit:

  • Klettergurt richtig angelegt und alle Schlaufen geschlossen?
  • Klettersteigset richtig angelegt?
  • Helm richtig angelegt und verschlossen?
  • Erste Hilfe-Set und Notfall-Handy im Rucksack?

Zu guter Letzt noch Zeitplan und Wetter checken und es kann losgehen!

Vier Augen sehen mehr als zwei. Beim Partnercheck prüfst Du, ob kritische Ausrüstungsteile richtig sitzen.

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Vier Augen sehen mehr als zwei. Beim Partnercheck prüfst Du, ob kritische Ausrüstungsteile richtig sitzen.


Vier Augen sehen mehr als zwei. Beim Partnercheck prüfst Du, ob kritische Ausrüstungsteile richtig sitzen.

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Ersten Karabiner ausklinken, vor der nächsten Sicherung einhängen. Zweiten Karabiner ausklinken und ebenfalls in den vorderen Abschnitt einhängen. So bist Du immer über einen Arm gesichert.


3. Umhängen

Die Verankerungsstifte an Klettersteigen sind je nach Geländestruktur etwa drei bis zehn Meter voneinander entfernt und verhindern das Weiterschieben der Klettersteigkarabiner. Hier muss nun aktiv umgehängt werden.

Ein Klettersteigset hat zwei Arme, damit Du auch beim Umhängen in den nächsten Drahtseilabschnitt jederzeit gut gesichert bist.

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Ein Klettersteigset hat zwei Arme, damit Du auch beim Umhängen in den nächsten Drahtseilabschnitt jederzeit gut gesichert bist.


Klettersteigset umhängen: so geht’s!

  1. Klippe den vorderen Klettersteigkarabiner aus dem Drahtseil
  2. Hänge den Karabiner oberhalb bzw. vor der Verankerung in den nächsten Drahtseilabschnitt ein
  3. Klippe den zweiten Klettersteigkarabiner aus dem Drahtseil
  4. Hänge auch diesen Karabiner vor der Verankerung ins Drahtseil ein

Während dieses Vorgangs bist Du jederzeit über einen der beiden Karabiner am Drahtseil gesichert!

Die Technik beim Klettersteiggehen

Wichtiger als Kraft ist gerade bei längeren Routen eine gute Klettersteig-Technik. Im Mittelpunkt des Klettersteiggehens steht die Kontrolle des Körperschwerpunktes. Genau wie auch beim Sportklettern muss der Körperschwerpunkt zur Seite verlagert werden, um in der Abfolge mit den Füßen ruhig und kontrolliert weiter nach oben antreten zu können.

Am Klettersteig willst Du möglichst viel Höhe aus den Beinen heraus machen. Um dem freistehenden Bein das Höhersteigen zu ermöglichen, musst Du den auf einem stabilen Tritt stehenden Fuß belasten.

Das Wort Klettersteig kommt von Steigen, nicht von Ziehen.

Gerade dieser Bewegungsablauf ist in der Umsetzung im Felsgelände am Klettersteig nicht immer einfach und sollte vorab intensiv geübt werden. Der ein oder andere Besuch in einer Kletterhalle hilft, um die Ausdauer von Armen und Beinen zu trainieren.

Die Beine übernehmen am Klettersteig die Hauptarbeit. Während der auf einem stabilen Tritt stehende Fuß belastet wird, ist das zweite Bein frei, um weiter zu steigen.

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Die Beine übernehmen am Klettersteig die Hauptarbeit. Während der auf einem stabilen Tritt stehende Fuß belastet wird, ist das zweite Bein frei, um weiter zu steigen.


Ein weiterer Aspekt, der das Üben der Gewichtsverlagerung unterstreicht, ist die Tatsache, dass Du beim Klettersteiggehen je nach Charakter des Steiges meist mit robusten und stabilen Bergschuhen unterwegs bist. Spezielle Kletterschuhe mit guter Reibung, wie man sie beim Sportklettern trägt, benötigst Du nur in wirklich sportlich anspruchsvollen Klettersteigrouten.

Was sind typische Fehler am Klettersteig?

Falsches Einhängen: Leider sieht man auf Klettersteigen immer wieder, dass nur ein Bandschlingen-Arm des Klettersteigsets und damit nur ein Karabiner am Drahtseil eingehängt wird. Egal warum: Das Klettersteigsystem kann bei einem Sturz reißen, wenn Du mit nur einem Karabiner gesichert bist! Achte darauf, dass Du immer und zu jeder Zeit mit zwei Karabinern gesichert bist!

Falsches Einhängen, falsches Umhängen: Jedes Jahr zeigen Unfälle an Klettersteigen, dass gerade den „Erfahrenen“ solche Fehler passieren.

Falsches Umhängen: Nicht selten werden an den Klettersteig-Zwischensicherungen die beiden Karabiner nicht einzeln umgehängt, sondern gleichzeitig. Auch das kann schwerwiegende Folgen haben. Es bedarf lediglich einer kleinen Unachtsamkeit. Du verlierst kurz das Gleichgewicht, rutschst von Deinem Tritt ab oder wirst von einem Stein getroffen – und schon fällst Du in die Tiefe.

Auch für routinierte Klettersteiggeher gilt: Nur mit beiden Karabinern am Stahlseil bist Du wirklich sicher unterwegs.

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Auch für routinierte Klettersteiggeher gilt: Nur mit beiden Karabinern am Stahlseil bist Du wirklich sicher unterwegs.


Klettersteig FAQ: Was mache ich, wenn…

In den meisten Klettersteigen ist die Laufrichtung klar vorgegeben. Es geht entlang dem Stahlseil über Leitern, Klammern oder anderen Tritthilfen, bis der Ausstieg erreicht ist. Doch gerade weil der Streckenverlauf recht geradlinig vorgegeben ist, kann es unterwegs zu unerwarteten Situationen kommen, denen Du Dich unausweichlich stellen musst.

↔️ Was mache ich bei Gegenverkehr oder Überholen?

Wenn nachfolgende Klettersteiggeher schon so dicht an Deinen Fersen hängen, dass an ein entspanntes Kraxeln nicht mehr zu denken ist, dann solltest Du einen kontrollierten Überholvorgang einleiten. Das gelingt am besten – und sichersten! – in breiten und möglichst flachen Passagen des Klettersteigs.

Während Du Dich dicht zum Stahlseil an die Seitenwand stellst, kann die überholende Person einen Karabiner nach dem anderen vor Dir im Drahtseil einhängen. Ebenso klappt es auch bei entgegenkommenden Ferratisti.

🗣️ Praxistipp: Ob Gegenverkehr oder Überholen – in beiden Fällen kann eine klare, ruhige Kommunikation über den angestrebten „Überholplan“ die Situation deutlich entspannen.

🪨 Was mache ich bei Steinschlag?

Egal wie kompakt der Fels ist, mit Steinschlag musst Du immer rechnen. Egal ob ausgelöst durch vorausgehende Klettersteiggeher, aufgescheuchte Tiere oder einen Windstoß. Sobald Du die Gefahr bemerkst, ist es entscheidend, dass Du Dich sofort möglichst nahe an die Wand presst und im Idealfall unter einem Felsvorsprung in Deckung gehst.

Achtung, Stein! Warne Deine Mitmenschen
– Unser Experte Alex Römer, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer
Sollte es Dir passieren, selbst einen Stein in Bewegung zu setzen, dann ist es wichtig nachsteigende Personen so eindringlich wie möglich vor der herabfallenden Bedrohung zu warnen. Dabei hilft es auch, sich vor der Tour zu erkundigen, wie in der jeweiligen Landessprache vor Steinschlag gewarnt wird.

⏸️ Ich brauche eine Pause: Wie kann ich mich im Klettersteigset ausruhen?

Das Klettersteigset dient grundsätzlich nur der Sicherung und dem Abbremsen von Stürzen. Durch eine regelmäßige Belastung beim „Reinsetzen“ können die Sollbruchstellen des Bandfalldämpfers schon vor einem eventuellen Sturz beschädigt werden, was im Notfall zu einer verminderten Bremswirkung führt.

Sollten die Kräfte wirklich einmal schwinden, empfiehlt es sich, stattdessen eine Bandschlinge mit Schraubkarabiner mitzuführen und diese zum Ausruhen ins Stahlseil einzuhängen.

⚠️ Was passiert, wenn ich stürze?

Im Falle eines Sturzes fällt der Betreffende nahezu ungebremst in die nächste Zwischensicherung – sie bremst die Energie des Sturzes an den eingehängten Karabinern ab. Trotz Bandfalldämpfer ist der Fangstoß häufig hart und mit schweren Verletzungen verbunden. Deshalb gilt: Niemals absichtlich ins Klettersteigset fallen lassen!

👉 Wichtig: Nach einem Sturz und vor dem nächsten Einsatz am Klettersteig muss der Bandfalldämpfer ausgetauscht werden!

⛈️ Was mache ich bei einem plötzlichen Wetterumschwung?

Gerade war der Himmel noch blau mit strahlendem Sonnenschein. Doch vor allem im Gebirge kann sich die Wetterlage innerhalb weniger Minuten stark verändern. Plötzlich kommt kräftiger Wind auf, schwarze Wolken hängen drohend vom Himmel und Donnergrollen lässt einem bereits das Blut in den Adern gefrieren. Jetzt heißt es erstmal: Ruhe bewahren und die möglichen Optionen abwägen!

  • Wie komme ich so schnell wie möglich in weniger exponiertes Gelände?
  • Ist es noch weit bis zum Ende des Klettersteigs?
  • Macht es Sinn umzukehren und abzusteigen?
  • Gibt es einen Notausstieg, über den ich in flacheres Gelände gelangen kann?
  • Und wenn Du in der Wand verharren musst: Wo bin ich am besten geschützt vor Steinschlag und Regen?

👉 Weitere Verhaltenstipps bei Unwetter und Gewitter in den Bergen

⏳ Haltbarkeit: Wann muss ich meine Klettersteig-Ausrüstung austauschen?

Deine Ausrüstung solltest Du grundsätzlich regelmäßig auf Schäden und Abrieb überprüfen. In jedem Fall sofort austauschen musst Du sie, wenn es zu einer sehr hohen Belastung kam: nach einem Sturz ins Klettersteigset, nach einem Steinschlag am Helm oder bei ähnlichen Szenarien, wenn sicherheitsrelevante Ausrüstung ihren eigentlichen Zweck erfüllt hat.

Für die Haltbarkeit bei normaler Beanspruchung gilt:

  • Klettergurt und Klettersteigset: Textile Materialien müssen spätestens alle 10 Jahre (5 Jahre Gebrauch, 5 Jahre Lagerung) ausgetauscht werden.
  • Helm: 10 Jahre

Fazit zum Thema Klettersteiggehen

Klettersteige bieten eindrucksvolle Bergerlebnisse und machen steiles Felsgelände auch für Nicht-Kletterer zugänglich. Voraussetzung sind jedoch eine gute Vorbereitung, die richtige Ausrüstung, saubere Technik und eine realistische Selbsteinschätzung. Wenn Du diese grundlegenden Sicherheitsregeln beachtest und Deine Touren dem eigenen Können entsprechend auswählst, kannst Du das Abenteuer Klettersteig sicher und mit viel Freude erleben.

⚠️ Disclaimer: Dieser Beitrag ersetzt keinen Klettersteigkurs!

Toll, dass Du den Beitrag bis hier gelesen hast, um Dir Grundwissen zum Klettersteiggehen anzueignen. Trotzdem müssen wir ganz klar darauf hinweisen, dass das Lesen jeglicher Tipps keinen geführten Kurs durch geschulte Bergführer ersetzen kann. Wenn Du Dich unsicher fühlst, dann empfiehlt es sich in jedem Fall, einen Klettersteigkurs zu buchen.

Podcast-Tipp: Tipps für Klettersteig-Einsteiger

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