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Kleine Klettersteig-Abenteurer

Am Klettersteig mit Kindern? Drei Experten antworten.

7 Minuten Lesezeit
Wer sich mit Kindern an einen anspruchsvolleren Klettersteig wagt, sollte sich vorher gut über die Anforderungen informieren. Im Artikel erklären drei Experten, was bei Klettersteigsets hinsichtlich des Gewichts zu beachten ist und wie man sich mit Kindern am Klettersteig richtig verhält.

Klettersteige erfreuen sich immer größerer Beliebtheit – auch bei Kindern. Viele bergbegeisterte Eltern wollen ihre Kinder auch mit auf einen Klettersteig nehmen. Doch geht das überhaupt so ohne weiteres? Was muss bei Ausrüstung und Tourenplanung beachtet werden? Wir haben drei Experten zum Thema befragt.

Klettersteigsets – nichts für Kinder? Die DAV-Sicherheitsforschung

Nichtsdestotrotz, betont Florian Hellberg, bleiben Klettersteigsets immer eine Notfallausrüstung, die zwar vor einem tödlichen Absturz bewahren soll, gegebenenfalls aber schwere Verletzungen toleriert! Daran ändert auch die neue Norm nichts. Dessen muss man sich bewusst sein.

Das Verhalten im Klettersteig sollte stets dem Gelände angepasst sein, um einen Sturz zu verhindern!

Florian Hellberg, DAV Sicherheitsforschung
  • Im horizontalen und leicht ansteigenden Gelände bedeutet das beim Gehen mit Kindern ein waches Auge sowie unter Umständen eine Betreuung.
  • An schwierigen Stellen sollte das Kind in jedem Fall unmittelbar betreut werden, eventuell braucht es Hilfestellung beim Umhängen.
  • In senkrechtem Gelände und bei akuter Sturzgefahr ist unbedingt eine zusätzliche Seilsicherung empfehlenswert! Das wiederum setzt voraus, dass die betreuende Person zu mehr in der Lage sein muss, als nur das eigene Klettersteigset zu bedienen. Sie sollte die Sicherungstechniken beherrschen und sie situationsbedingt anwenden können.

Klettersteigsets für Kinder – die Herstellerposition

Wie haben die Hersteller auf die 2011 entdeckte Problematik reagiert? Robert Krüger, Produktentwickler für textile PSA von Skylotec, erläutert, welchen Ansatz das Unternehmen verfolgt, um die Funktion von Klettersteigsets für Kinder und leichte Personen zu verbessern.

Skylotec beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem nutzergewichtsabhängigen Energieabbau durch textile Aufreißdämpfer. Die Idee dabei ist, dass bei geringer Fallhöhe und/oder einem leichtgewichtigen Nutzer ein geringer Fangstoß auf den Klettergurt und die Drahtseilverankerung weitergegeben wird. Das Bandfalldämpfersystem von Skylotec arbeitet progressiv, das heißt es funktioniert für Kinder, leichte Personen und auch für schwerere Klettersteiggeher. Es löst in mehreren Phasen aus. Beim Sturz eines Kindes werden die ersten Phasen ausgelöst, sodass der Fangstoß unter 3,5 kN bleibt. Bei Stürzen von schwereren Personen lösen alle Phasen aus. Das Resultat ist ein progressives Dämpfungsverhalten, das den Fangstoß unabhängig vom Nutzergewicht zuverlässig unter 6 kN hält. Ein Sturz im Klettersteig ist dennoch der Worst Case und geht meist mit schweren Verletzungen einher. Deshalb in schwierigem Gelände unbedingt nachsichern!“

Klettersteig-Set, Gurt und Helm sollten verstellbar sein und dem Kind gut passen. In schwierigem Gelände sollten Kinder zur Sicherheit nachgesichert werden.

Vaude

Klettersteig-Set, Gurt und Helm sollten verstellbar sein und dem Kind gut passen. In schwierigem Gelände sollten Kinder zur Sicherheit nachgesichert werden.


Eine Weiterentwicklung von Skylotec ist das Rider 3.0, ein Klettersteigset mit einem System, welches einen Sturz an sich verhindern soll.

„Das Rider 3.0 in Kombination mit der Seilklemme ist das sicherste Klettersteigset am Markt. Selbst die mögliche (nicht normativ geforderte) Fehlanwendung (Kurzschluss) durch den Bergsportler wird mit unserer Konstruktion abgedeckt und gewährleistet vollen Schutz des Anwenders.“, so Krüger.

Ein Nachteil ist, dass es mit seinem wuchtigen Aufbau nicht unbedingt für Kinderhände geeignet ist. Den Ansprüchen von Kindern schon eher gerecht wird dagegen das Skysafe Klettersteigset für Kinder, speziell hinsichtlich Design und Ergonomie (kleinere Karabiner). Es ist mit dem gleichen, oben beschriebenen, progressiven Dämpfersystem ausgestattet, das für unterschiedliche Gewichtsklassen funktioniert. Zu beachten ist, dass die Normprüfung wie im ersten Abschnitt dieses Artikels beschrieben trotzdem nur mit 40 Kilo Gewicht erfolgt.

  • Wichtig: Kinder sollten am Klettersteig genau wie leichtgewichtige und ungeübte Personen generell mit einem Seil nachgesichert werden – erst recht an steilen oder technisch anspruchsvollen Stellen!

Verhalten am Klettersteig mit Kindern – Interview mit Bergführer Korbinian Rieser

Der Bergführer Korbinian Rieser von der Klettersteigschule Berchtesgaden hat Erfahrung im Umgang mit Kindern am Klettersteig. Er bietet spezielle Kurse für Eltern und Kinder an. Hier sind seine Antworten zum Thema Kinder am Klettersteig:

Ulrike Heidinger: Ab welchem Alter macht es überhaupt Sinn, Kinder mit in einen Klettersteig zu nehmen?

Korbinian Rieser: Das ist – wie bei anderen Sportarten auch – stark abhängig von der körperlichen Konstitution. Es gibt sicher Sechsjährige, die von ihrer Koordination und Kondition in der Lage sind, einen einfachen Steig zu gehen. Das „Gros“ an Kindern, die bei uns einen Klettersteig gehen, ist aber eher zehn Jahre und älter.

Wann Kinder bereit für den Klettersteig sind, hängt von ihrer körperlichen Konstitution ab. Die meisten sammeln ihrer ersten Klettersteig-Erfahrungen ab einem Alter von 10 Jahren.

Simon Graf

Wann Kinder bereit für den Klettersteig sind, hängt von ihrer körperlichen Konstitution ab. Die meisten sammeln ihrer ersten Klettersteig-Erfahrungen ab einem Alter von 10 Jahren.


Wie sieht das empfohlene Nachsichern von Kindern im Klettersteig aus und wie können Eltern das lernen?

Korbinian Rieser: Ob zusätzlich gesichert werden sollte oder nicht, ist stark abhängig von der Tourenwahl. In leichten Steigen, die vorwiegend aus Querungen und leichten Anstiegen bestehen, ist eine Zusatzsicherung nicht notwendig. In steileren Passagen mit Sturzgefahr ist eine zusätzliche Seilsicherung der Kinder absolut empfehlenswert! Das Sichern erfolgt mittels Seil und HMS oder Sicherungsgerät wie beim Klettern. Ein 20 Meter langes Halbseilstück, das im Rucksack verstaut wird, reicht hier normalerweise aus. Als Standplatz wird ein Klettersteig-Sicherungsstift verwendet und das Kind hängt sich am einfachsten mit einem Achterknoten in den Karabiner am Gurt ein. Wir bieten Kurse speziell für Eltern an, in denen sie das Sichern am Klettersteig lernen können. Generell ist ein wenig Sportklettererfahrung beim Begehen von Klettersteigen mit Kindern durchaus sinnvoll.

Wie kann ich verhindern, dass dem Kind beim Umhängen Fehler passieren?

Korbinian Rieser: Ich sollte immer ein Auge darauf haben und mich gemeinsam mit dem Kind vorab mit der Ausrüstung vertraut machen und den Ablauf üben. Generell sind Kinder recht konsequent in der Umsetzung der Abfolge im Klettersteig, also dem Aus- und Einhängen der Karabiner. Wie lange sie das jedoch konzentriert machen können, ist wieder stark abhängig von Länge und Schwierigkeit des Steigs und der Konstitution des Kindes. Daher sollte immer ein Erwachsener beim Kind gehen. Auf keinen Fall sollte ich aber vor lauter Schauen meine eigene Sicherung vergessen!

Was kann man tun, wenn das Kind plötzlich mitten im Steig Panik bekommt und weder vor noch zurück mag?

Korbinian Rieser: Derartige Blockaden treten auch immer wieder bei Erwachsenen auf und sind eine Folge von Überforderung. Soweit darf es eigentlich nicht kommen, wenn ich bei der Tourenauswahl sorgfältig bin. In diesem Fall kann ich dem Kind auch in leichteren Passagen ein Seil anlegen, sofern ich eins dabei habe, und es durch aufmunternde Worte beruhigen. Meist führt der „leichtere“ Ausweg nach oben, anstatt alles (auch noch gegen den Strom) wieder abzuklettern.

Welche Ausrüstung ist zwingend notwendig, wenn ich mit Kindern im Klettersteig unterwegs bin?

Korbinian Rieser: Klettersteig-Set, Gurt und Helm, genau wie bei Erwachsenen auch. Gurt und Helm sollten verstellbar sein und dem Kind gut passen. Ob Hüftgurt oder Kombigurt ist abhängig von der Entwicklung und Körperspannung des Kindes. Besteht die Gefahr des Herausrutschens, würde ich einen Kombigurt wählen, sonst langt ein Hüftgurt. Wichtig sind noch feste Schuhe mit einer guten, griffigen Sohle!

Helm, Klettersteig-Set, Gurt und feste Schuhe mit einer guten, griffigen Sohle: Das brauchen Kinder auf einem Klettersteig.

Vaude

Helm, Klettersteig-Set, Gurt und feste Schuhe mit einer guten, griffigen Sohle: Das brauchen Kinder auf einem Klettersteig.


Wie kann ich Klettersteige mit Kindern üben, also erstmal spielerisch ausprobieren?

Korbinian Rieser: Bei uns in der Klettersteigschule in Berchtesgaden haben wir einen Übungsklettersteig, der ist ca. 40 Meter hoch. Optimal, um sich mit der Ausrüstung und der Höhe vertraut zu machen und die Sicherungstechnik zu lernen.

Welche Klettersteige sind für den Einstieg mit Kindern zu empfehlen?

Korbinian Rieser: Den Schützensteig am Jenner oder der Grünstein-Steig (Isidor), oder auch den Zahme Gams-Steig in Lofer/Weißbach, der schön im Zick-Zack angelegt ist. Außerdem gibt’s noch die Walchseerunde im Kaiserwinkel und den Klettersteiglehrpfad Gelbe Wand am Tegelberg.

Fazit zum Thema Klettersteig mit Kindern

Wähle einen leichten Klettersteig aus – für Kinder ist ein Steig in A/B-Schwierigkeit schon aufregend genug! In jedem Fall sind Know-how, Erfahrung und Tourenplanung das A und O. Du solltest Dir über den Steigverlauf im Klaren sein, die Ausrüstung kennen und im Idealfall selbst ein routinierter Kletterer oder Klettersteiggeher sein. Bei der Ausrüstung solltest Du unbedingt darauf achten, dass Klettersteigset und Gurt für das Gewicht des Kindes geeignet sind und an steilen und schwierigen Stellen immer nachsichern.

Bist Du unsicher, solltest Du Dir unbedingt Wissen bei einer Bergschule in einem entsprechenden Kurs aneignen und erstmal einen geführten Steig mitgehen. Auf leichten Klettersteigen mit entsprechender Ausrüstung und erfahrener, umsichtiger Begleitung steht dem Abenteuer Klettersteig auch für Kinder nichts im Wege!

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