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Grün und blau gewandert

Blauer Zehennagel vom Wandern: Ursachen und Behandlung

7 Minuten Lesezeit
Ein blauer Zehennagel: Viele Bergsportler und Läufer kennen das Problem. Häufig nach sehr langen Touren oder mit neuem Schuhwerk färbt sich einer oder mehrere Nägel blau und schmerzen leicht. Doch wie kann ein blauer Zehennagel eigentlich entstehen? Welche gesundheitlichen Risiken bringt er? Und wie kann man einen blauen Nagel behandeln? Gesundheitsexperte Basti Fiedler gibt Tipps.

Ursachen für einen blauen Zehennagel

Im Mediziner-Jargon spricht man bei blauen Zehennägeln vom subungualen Hämatom. Ein blauer Zehennagel ist also nichts anderes als ein Bluterguss unter dem Nagel. Dieser entsteht in der Regel durch sich wiederholende kleine Überbelastungen oder ein einzelnes, adäquates Trauma.

Im Klartext: Entweder haust Du Dir den Zeh einmal ordentlich an und es „platzt“ ein Blutgefäß unter dem Nagel – oder Du bekommst durch viele kleine Erschütterungen bzw. Druck beim Wandern, Joggen oder Skifahren kleine Einblutungen, die dann in Summe ebenfalls zu einem ordentlichen Bluterguss unter dem Nagel führen. Dies kann zum Beispiel bei engem oder drückendem Schuhwerk der Fall sein.

Ist falsches Schuhwerk schuld an blauen Fußnägeln?

Ja, Deine Schuhe können durchaus der Grund für einen Bluterguss unter dem Nagel sein. Achte deshalb bei der Schuhwahl unbedingt darauf, dass vorne genügend Platz ist. Am häufigsten ist der große Zeh betroffen, da dieser beim Bergabgehen in der Regel als erstes vorne am Schuh anstößt und unangenehmem Druck ausgesetzt wird. Das heißt: (Zu) kleines Schuhwerk erhöht das Risiko, dass abends die Zehen blau sind. Auch auf eine passende Breite und entsprechende Wandersocken solltest Du achten. Je nach Sportart und damit spezifischen Schuhen ist das Risiko unterschiedlich hoch.

Gerade beim Bergabgehen machen sich zu kleine Schuhe bemerkbar - und blaue Zehennägel drohen.

Bergzeit

Gerade beim Bergabgehen machen sich zu kleine Schuhe bemerkbar – und blaue Zehennägel drohen.


Feste Bergstiefel sind meist weniger riskant, da durch den stabilen Aufbau ein Rutschen des Fußes nach vorne verhindert werden soll. Sind die Schuhe groß genug, sollten die Fußnägel eigentlich nicht blau werden.

Trailrunningschuhe oder ganz leichte Wanderschuhe haben das Problem, dass auch bei entsprechender Größe durch den Aufbau ein Rutschen nach vorne nie ganz verhindert werden kann. Dies liegt daran, dass die Knöchelregion nicht ganz so fixiert wird wie in festen Bergstiefeln. Dadurch können die Zehen vorne anstoßen. Ich hatte beispielsweise nach meinem letzten Bergmarathon trotz ausreichend großer Schuhe einen blauen Zehennagel.

Kletterschuhe haben den Nachteil, dass sie bauartbedingt immer sehr eng sind und dadurch das Risiko für eine Blauverfärbung grundsätzlich sehr groß ist. Vorteil ist jedoch, dass Du sie in der Regel nur für kurze Zeitspannen trägst und die Zehen sich zwischendurch immer wieder erholen können. Ausnahme ist das Klettern in sehr anspruchsvollen Mehrseillängen, wo eher die knappen Sportkletterschuhe als die etwas bequemeren Alpinkletterschuhe den ganzen Tag durchgehend zum Einsatz kommen. Hier ist das Risiko entsprechend größer.

Blauen Zehennagel richtig behandeln

Wie behandelst Du nun Deinen blauen Fußnagel? Das kommt auf die Ausprägung an. Bei leichten Blutergüssen kann lokale Kühlung und Hochlagern des Fußes helfen. Bei ausgeprägten Befunden hilft nur der Gang zum Arzt, denn die Schmerzen können mitunter massiv sein.

Unter Umständen muss der Nagel entlastet werden – dies geschieht durch eine so genannte Trepanation. Dabei wird durch eine sterile Nadel oder eine erhitzte Nadel ein Loch in den Nagel gemacht, damit der Bluterguss abfließen kann. Wichtig: Dieser Eingriff sollte nur durch einen Arzt vorgenommen werden! Gelangen durch Hantieren mit unsterilem Werkzeug Bakterien in die Wunde, kann dies gerade im Bereich der Nägel zu sehr drastischen Infektionen führen, deren Verlauf nicht absehbar ist und zu noch größeren Schmerzen führen kann.

Zu nennen wäre hier die sogenannte Sepsis (Blutvergiftung), die durch das Eindringen von Bakterien entsteht. Im Anfangsstadium ist die Blutvergiftung nicht immer zu erkennen, daher sollte man besonders sorgfältig darauf achten, ob man sich beispielsweise abgeschlagener fühlt als sonst oder auch Fieber hat. Auch eine vom Nagel ausgehende und zum Körper hinlaufende Rötung (oder gar eine „rote Straße“ das Bein hinauf, eine sogenannte Lymphangitis) kann ein erstes Zeichen einer beginnenden Blutvergiftung sein. Liegt der Verdacht auf eine Sepsis vor, sollte der Betroffene unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Welche Hausmittel helfen bei der Behandlung von blauen Nägeln?

Ein richtiges Geheimrezept bzw. Hausmittel gibt es hier leider nicht. In der Anfangsphase kann Kühlen und Hochlegen helfen, den Bluterguss klein zu halten und beim Abbau zu unterstützen. Ist der Bluterguss unter dem Nagel konsolidiert, d.h. hat er sich verfestigt, so muss er sich von alleine abbauen. Dadurch, dass er unter dem (festen) Nagel liegt, können Medikamente wie Heparin-Gel oder ähnliches nicht wirklich gut zu wirken.

Wie lange braucht ein blauer Zehennagel, um zu heilen?

Ein Teil vom Blut wird nach Entstehung des Blutergusses unter dem Zehennagel abgebaut, ein anderer Teil wird „fest“, verbindet sich direkt mit dem Nagel und wächst mit ihm aus. Entsprechend lange dauert es, bis der Nagel wieder normal aussieht.

Beispiel: Das durchschnittliche Nagelwachstum wird mit 2 bis 5 Millimeter pro Monat angegeben (je nach Stoffwechsel, Belastung, Veranlagung, Durchblutung und ähnlichem). Nehmen wir als Beispiel den großen Zeh, wo die Nagellänge auch mal 2 Zentimeter überschreiten kann, wird schnell klar, dass es mitunter mehrere Monate bis hin zu einem Jahr dauern kann, bis der blaue Nagel herausgewachsen ist.

Blauer Zehennagel löst sich: Auf was muss ich achten?

Das Hämatom kann so stark ausgeprägt sein, dass sich der Nagel verabschiedet. Er hebt sich dann vom Nagelbett ab und fällt schlussendlich komplett ab. Was ist in diesem Fall zu tun? In aller Regel stirbt der Nagel langsam ab, wird weggeschoben und darunter wächst ein neuer Nagel nach. Dies ist nicht weiter tragisch – der neue Nagel kann in der Führung des alten Nagels wachsen und erfüllt wie gehabt seine Funktion.

Anders sieht es aus, wenn der Nagel direkt nach dem Anstoßen bzw. der Bergtour abfällt. Dann ist das Nagelbett offen. Dies ist einerseits ein sehr hohes Risiko für Infektionen, da die natürliche Barrierefunktion fehlt. Andererseits hat der neue, nachwachsende Nagel keine Führung und wird so sehr wahrscheinlich falsch wachsen. Dies ist nicht nur ästhetisch bedenkenswert, sondern vor allem funktionell. Wächst der Nagel nicht in seiner Führung, sondern „frei“, kommt es gehäuft zu Einwachsen, Vernarbungen und rezidivierenden Entzündungen mit starken Schmerzen. Hier ist die einzige Hilfe der Gang zum Arzt. Unter Umständen muss ein Kunstnagel eingesetzt werden, der die Führung für den nachwachsenden Nagel bildet.

FAQs zu blauen Zehennägeln

Blauer Zehennagel ohne Grund: Welche Ursachen sind möglich?

Die Ursachen sind vielfältig und können von banal bis dramatisch reichen. Oft hat einfach ein nicht bemerktes Bagatelltrauma stattgefunden. Es kann aber auch daran liegen, dass es doch zu einem Drücken durch einen Schuh kommt, man dies aber nicht richtig wahrnimmt. Hier ist v.a. die Polyneuropathie bei Diabetespatienten zu nennen – dabei sind die Nerven der Patienten geschädigt und sie spüren Vieles (z.B. die Schmerzen bei einem drückenden Schuh) nicht mehr richtig. Auch andere Grunderkrankungen wie eine erhöhte Blutungsneigung, Fehlbildungen oder Infekte wie Nagelpilz können ursächlich sein. In seltenen Fällen kann auch ein Weichteiltumor am Endglied des Zehs verantwortlich sein.

Oft finden sich harmlose Erklärungen. Findet sich diese nicht, würde ich im Zweifel eine weiterführende Abklärung empfehlen, um schwerwiegende Ursachen auszuschließen.

Ist ein blauer Zehennagel mit Nagelpilz gleichzusetzen?

Nein. Ein Nagelpilz sieht anders aus und hat andere Ursachen. Aber Du solltest im Kopf haben, dass die beiden Phänomene einander durchaus bedingen können.

Wer einen Nagelpilz hat, hat häufig einen vorgeschädigten Nagel und eine schlechtere Durchblutung in den Zehen. Dies begünstigt einerseits das Auftreten von Blut unter dem Nagel und schwächt andererseits dessen zügigen Abbau. Andererseits stört ein Bluterguss bei gesunden Zehen die Durchblutung und kann so unter bestimmten Umständen das Risiko für Nagelpilz erhöhen. In diesem Fall solltest Du also noch mehr auf entsprechende Fußpflege achten.

Was kann ich tun, um die Schmerzen zu lindern?

In der Akutsituation hilft schonen, kühlen und hochlegen bei der Symptombekämpfung. Zur Behebung der Schmerzursache hilft bei starken Schmerzen leider nur die Trepanation, also die Entlastung des Blutergusses über ein oder mehrere Löcher im Nagel. Dies sollte nur steril und durch einen Arzt erfolgen. Durch unsachgemäße Durchführung kann es zu einer Infektion kommen!

Blauer Zehennagel wächst nicht raus – was tun?

Wächst ein blauer Zehennagel nicht heraus, so musst Du Dir Gedanken machen, ob die Ursache nicht behoben ist. Sprich: Bildet sich ständig neuer Bluterguss? Dies könnte z.B. an unpassenden Schuhen oder einer Fehlbelastung liegen. Wenn der Nagel per se nicht mehr wächst, kann dies auch an einer Schädigung der sog. Nagelmatrix bzw. des Nagelbettes liegen. Im Zweifel würde ich eine Vorstellung beim Arzt empfehlen.

Du hast noch weitere Fragen oder Anmerkungen zum Thema? Dann ab damit unten ins Kommentarfeld!

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