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Wandertipp bei Hinterstein

Wanderung auf den Breitenberg bei Hinterstein im Allgäu

6 Minuten Lesezeit
Der Breitenberg (1.880 Meter) ist der nördlichste Ausläufer der Daumengruppe in den Allgäuer Alpen. Diese mittelschwere Tagestour mit Zwischenstopp auf der malerischen Älpele-Alpe fordert ein wenig Kondition, aber belohnt mit einem tollen Rundblick.

Im Spätherbst des vergangenen Jahres hat uns wieder einmal die große Bergsehnsucht gepackt und ins Allgäu, nach Bad Hindelang, geführt. Nach einem eher ausgiebigen Frühstück entscheiden wir uns  – der Kürze der Tage wegen – gegen eine Tour auf den Gipfel des Großen Daumen und schlagen den Weg zum Breitenberg ein.

Dieser trägt seinen Namen nicht zu Unrecht, ist er doch im Vergleich zur dreieckigen Gestalt der Rotspitze in seiner Nachbarschaft von eher gemütlicher Figur. Der 1.888 Meter hoch aufragende, nördlichste Ausläufer der Daumengruppe – jenseits der in die Ostrach mündenden Bsonderach – zeigt raue Felswände über bewaldeten Hängen und bietet vom Gipfel eine wundervolle Rundsicht.

Die Wanderung auf den Breitenberg ist von Frühjahr bis Herbst schön. Zu Beginn führt ein breiter Forstweg durch Mischwald bergan.

Sabine Dettling

Die Wanderung auf den Breitenberg ist von Frühjahr bis Herbst schön. Zu Beginn führt ein breiter Forstweg durch Mischwald bergan.


Himmlischer Aufstieg von Hinterstein

Der Hintersteiner Bus, den wir am Hindelanger Busbahnhof bestiegen haben, entlässt uns am Bergsteigerhotel „Grüner Hut“. Der ehemalige Gasthof hatte schon Ende der 1870er Jahre in Reiseführern wie dem Baedeker Erwähnung gefunden und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Wir gehen zunächst ein kurzes Stück die Giebelstraße entlang, dann über die Vorsäß-Brücke und queren die Ostrach.

Die kalte, klare Luft ist ein Genuss! Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, das Herbstlaub der Mischwälder leuchtet in den schönsten Farben. Bald tauschen wir die wärmenden Sonnenstrahlen gegen die Kühle des Bergwaldes. Ein Forstweg führt nun ab und an recht steil bergan. Den Abstecher durch die „Hölle“ sparen wir uns, wir haben’s heute lieber himmlisch.

Immer wieder eröffnen sich zauberhafte Ausblicke auf die umliegenden Berge – auf Bschießer, Ponten, Geißhorn und all die anderen, grauweiß vor dem Blau des Himmels leuchtenden Zweitausender, die von der anderen Seite des Hintersteiner Tals grüßen. Zahlreiche Kehren später beginnt sich der Wald allmählich zu lichten. Die Baumgrenze ist in Sicht. Vor uns weitet sich die Szenerie. Die Weideflächen der Älpele-Alpe mit ihrem losen Baumbestand haben den dichten Bergwald abgelöst.

Malerisch: Die Hütte der Unteren Älpele-Alpe am Fuße des Breitenberg.

Sabine Dettling

Malerisch: Die Hütte der Unteren Älpele-Alpe am Fuße des Breitenberg.


Wir blicken das Kar hinauf. Eingangs des großen Kars unterhalb des Breitenberg-Gipfels steht auf etwa 1.300 Metern malerisch die Hütte der Unteren Älpele-Alpe. Wir können nicht anders. Wir müssen auf der Terrasse eine kurze Rast einlegen und unsere Trinkflaschen mit dem frischen Gebirgswasser auffüllen, das munter aus dem Brunnen an der Hütte sprudelt. Der Brunnen ist eingerahmt in den ersten – und vermutlich auch letzten – Schnee des Jahres.

Die Aussicht von hier ist atemberaubend, und die Sonne wärmt uns mehr, als uns lieb ist. Die oberste und mittlere Bekleidungsschicht wandert in den Rucksack. Das letzte Stück zum Gipfel bewältigen wir damit im T-Shirt und aufgekrempelter Tourenhose. Auf schmalem Steig aus Eis, Schnee und Matsch gehen wir weiter, berauscht von der Kulisse, der klaren Luft und den wärmenden Strahlen der Sonne. Ein Wanderer kommt uns entgegen – dick mit Handschuhen und Mütze eingepackt – und schaut skeptisch auf unsere sommerlich wirkende Tracht.

Der Breitenberg-Gipfel in Sicht

Wir queren einen komplett ausgeaperten Steilhang – und plötzlich ragt es vor uns auf, das Gipfelkreuz des Breitenbergs. Der Weg durch die Rinne hinauf zum Kamm birgt eine Überraschung für denjenigen, der vorausgeht, denn er scheint an seinem Ende ins Nirgendwo zu führen. Ein Abgrund tut sich auf. Bad Hindelang liegt mir  – tausend Meter weiter unten  – zu Füßen.

Der Weg biegt an dieser Stelle unvermittelt nach links ab. Am Gipfel genießen wir die Rundsicht. Sie ist einmalig schön. Nach Norden schweift der Blick über das Allgäu hinweg, im Süden bestaunen wir das Felspanorama aus Rotspitze, Heubatspitze und Daumengruppe, und von Osten grüßen noch immer die guten Bekannten vom Aufstieg am Morgen. Der Eintrag ins Gipfelbuch ist ein Muss, die Umarmung des Gipfelkreuzes ebenfalls.

Auf dem Weg zum winterlichen Hochtal Häblesgund.

Sabine Dettling

Auf dem Weg zum winterlichen Hochtal Häblesgund.


Dann gehen wir weiter. Die Hohen Gänge lassen wir links liegen und gehen mit Bedacht hinunter ins Häblesgund. Hier, im schattigen Hochtal zwischen Breitenberg und Rotspitze, ist der schmale Steig nur stellenweise aper und birgt eisige Tücken. Die Hänge sind schneebedeckt. Im Frühwinter angekommen, ziehen wir unsere Jacken gerne wieder an!

Unlustiger Abstieg ins Rettenschwanger Tal

Kurz nach der Hütte im unteren Platz mündet der Bergpfad plötzlich in einen breiten, grob geschotterten Weg. Die Wegführung auf unserer schon etwas älteren Karte ist eine andere. Früher muss ein schmaler Bergpfad hinunter ins Rettenschwanger Tal geführt haben. Unlustig gehen wir auf der Forstautobahn bergab und versuchen dem Ärger über die Verunzierung unseres Wandererlebnisses Herr zu werden, indem wir die vielen, vielen Kehren zählen. Der Sinn dieser unschönen Weganlage erschließt sich uns nicht. Wenn’s ein Weg für Mountainbiker wäre, ja, dann…im Tal setzt uns allerdings ein Schild ins Bild: „Radfahren verboten“!

Wir gehen über die Brücke, die sich über die Bsonderach spannt, und finden uns inmitten einer großen Wandergruppe wieder, deren Mitglieder allesamt gen Hindelang marschieren. Wir geben Gas und kommen vor ihnen im Café Horn an, wo wir uns im Licht der Abendsonne Apfelstrudel mit Sahne und einen Pott Kaffee schmecken lassen. Die Hälfte der Wandergruppe ist inzwischen auch im Gastgarten des Cafés angekommen und sorgt bei der Wirtin für ordentlich Stress.

Im scheidenden Licht des Tages wandern wir oberhalb von Bruck der Ostrach zu und beschließen, am nächsten Tag wieder einmal in das Gasthaus Ostrachwellen einzukehren, das unter uns im Tal an der Ostrach liegt. Keine der drei Bad Oberdorfer Hammerschmieden, an denen wir vorbeimarschieren, hat geöffnet, so dass dieses Mal keine Eisenpfanne in unseren Besitz übergehen kann. Die obligatorischen Kässpatzen nehmen wir im Restaurant Wiesengrund zu uns, bevor wir den Rückweg zum Hindelanger Busbahnhof unter unsere müden Füße nehmen.

Tourdaten zur Wanderung auf den Breitenberg

  • Start: Busbahnhof Bad Hindelang, mit dem Bus 9749 nach Hinterstein, Bushaltestelle am Grünen Hut (Fahrplaninfo).
  • Parken: Parkplatz am Schwimmbad (2,50 €/Tag, ausgenommen Bad Hindelanger Gäste mit Allgäu Walser Card oder Gästekarte Bad Hindelang PLUS), etwa zehnminütiger Fußmarsch zum Busbahnhof.
  • Länge: 16,6 Kilometer
  • Höhendifferenz: 1.089 Höhenmeter (von 799 bis 1.888 Meter)
  • Höhenmeter: bergauf 1.071 und bergab 1.122 Meter
  • Schwierigkeitsgrad: mittel
  • Karte: Kompass Wanderkarte WK 3, Allgäuer Alpen, Kleinwalsertal. 1:50000. August 2013
  • Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten: Café HornGasthaus OstrachwellenRestaurant WiesengrundBad Oberdorfer Hammerschmieden,  – tolle Eisenpfannen für Hobby- und Profi-Köche, hübsch bemalte Pfännchen und andere Eisenwaren.

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