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So passt das Fell!

Skifelle selbst zuschneiden – eine Anleitung

9 Minuten Lesezeit
Das Zuschneiden des Skifells ist kein Hexenwerk - wenn man weiß, worauf man achten muss. Mit dieser ausführlichen Anleitung kannst Du Dich selbst ans Werk machen und Dein Fell ganz einfach anpassen.

Wer mit den Ski nicht nur auf präparierten Pisten unterwegs sein möchte, sondern auch in unberührte Hänge gelangen will, braucht neben Know-How und Erfahrung im Umgang mit den alpinen Bedingungen auch die entsprechende Tourenausrüstung. Dazu zählen neben den Tourenski (bzw. Splitboard), der Bindung und den Schuhen auch die Steigfelle. Solche Felle gibt es entweder bereits fertig auf einen bestimmten Ski zugeschnitten oder in universellen Größen zum Selbstanpassen.

Zuschneidefelle vs. „Fertigfelle“

Zuschneidefelle sind in verschiedenen Längen und Breiten erhältlich und können individuell auf den eigenen Ski angepasst werden. | Foto: G3
Zuschneidefelle sind in verschiedenen Längen und Breiten erhältlich und können individuell auf den eigenen Ski angepasst werden. | Foto: G3

Wer sich Skifelle anschaffen möchte, kann sich bei den meisten Skimodellen für bereits fertig angepasste Felle entscheiden. Diese Art Felle sind exakt auf einen bestimmten Ski zugeschnitten und bereits mit dem dafür kompatiblen Spannsystem montiert. In der Regel wird für jeden tourentauglichen Ski vom Hersteller ein Fell angeboten. Doch hier hat man meist nicht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Felltypen zu wählen. Bei kleineren Skiherstellern gibt es allerdings hin und wieder eine Kooperation mit einem Fellhersteller, so dass dort auch bei den „Fertigfellen“ zwischen mehreren verschiedenen Felltypen gewählt werden kann.

Wer für seinen Ski kein fertig zugeschnittenes Fell findet oder ein anderes Fell bevorzugt, für den ist ein Zuschneidefell die richtige Lösung. Diese Felle sind in der Regel untailliert und in verschiedenen Längen und Breiten erhältlich. Durch genaues Zuschneiden werden sie exakt auf den eigenen Ski angepasst. Das kann entweder im Fachhandel vom Fachmann erledigt werden – oder man legt selbst Hand an.

Welche Größe muss ein Zuschneidefell haben?

Beim Kauf des Skifells ist auf zwei Dinge zu achten:

  1. Die Länge des Fells sollte mindestens der Länge des Skis entsprechen.
  2. Die Breite des Fells sollte die breiteste Stelle des Skis abdecken.

Außerdem verfügen einige Steigfelle über vormontierte Spannsysteme für die Skispitze und das Skiende. Diese Felle müssen natürlich in der Länge zum gewünschten Tourenski passen. Eine Längenverstellung ist in solchen Fällen nur noch eingeschränkt möglich (etwa 10 bis 15 Zentimeter, abhängig vom Hersteller und von der Befestigung). Manche Fellhersteller (zum Beispiel Black Diamond) bieten einige Felle in einer Einheitslänge an. Hier muss das Spannsystem nach dem Kürzen des Fells manuell angebracht werden.

Benötigtes Werkzeug zum Zuschneiden der Steigfelle

Zum Zuschneiden benötigt man im Grunde nur ein Messer und eine Möglichkeit zum Einspannen der Ski. Eine saubere Arbeitsfläche hilft dabei, die Felle auf der Klebeseite vor Dreck und Staub zu schützen.

Hauptsache scharf: Das Fell lässt sich mit allen möglichen Messern zuschneiden. Besonders praktisch ist aber ein spezielles Fellmesser, das die Kante abträgt. | Foto: Swen Kunert
Hauptsache scharf: Das Fell lässt sich mit allen möglichen Messern zuschneiden. Besonders praktisch ist aber ein spezielles Fellmesser, das die Kante abträgt. | Foto: Swen Kunert

Beim Messer gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten – die Hauptsache ist, dass es wirklich scharf ist! Ein normales Teppichmesser reicht völlig aus. Ein Bogenmesser mit der richtigen Schneidetechnik oder ein spezielles Fellmesser, das die Kantenbreite beim Zuschnitt direkt abträgt, vereinfacht das Zuschneiden natürlich immens. G3 und K2 legen ihren Skitourenfellen beispielsweise immer ein Messer mit Kantenabtragung bei; andere Hersteller dafür „nur“ ein Teppichmesser oder eine so genannte Messerkarte.

Mit der richtigen Technik ist es kein Hexenwerk, die Felle selbst anzupassen. Wie das genau funktioniert, wird im Folgenden beschrieben.

Anleitung: Wie schneide ich ein Skifell selbst zu?

Jedem Zuschneidefell liegt in der Verpackung eine Montageanleitung bei, die alle wichtigen Schritte beschreibt. Nun muss das Fell auf den ausgewählten Ski exakt zugeschnitten werden. Das Skifell sollte im optimalen Fall den Belag vollständig bedecken. Nur die Kanten liegen frei, um den seitlichen Halt beim Gehen gewährleisten zu können. Somit besitzt das fertig geschnittene Fell die gleiche Form wie die Ski – abzüglich der Kanten.

Das Zuschneiden ist je nach Fellhersteller und dem vorhandenen Messer mehr oder weniger aufwändig. Auch die Geometrie des Skis (traditionelle Vorspannung oder Rocker) kann das Anpassen im Schaufelbereich beeinflussen. Entscheidend für den Aufwand ist darüber hinaus, ob das Steigfell bereits die richtige Länge hat oder erst noch gekürzt werden muss. Ist dies der Fall, so muss auch noch das Spannsystem montiert werden.

Hinweis: Überlege Dir am besten alle Arbeitsschritte genau, bevor du das Messer zum ersten Mal am Fell ansetzt. Nachbessern kann man immer, doch ein zerschnittenes Fell ist sehr ärgerlich und auch nicht gerade billig. Achte dabei immer auf die korrekte Lauf- und Gleitrichtung und versuche sauber und flüssig zu schneiden!

  1. Skifell mit verschiedenen Messern zuschneiden
  2. Skifell im Schaufelbereich zuschneiden
  3. Länge kürzen und Spannsystem befestigen
  4. Versiegeln der Schnittkanten am Fell

1. Zuschneiden des Skifells mit verschiedenen Messern

Wie bereits beschrieben, gibt es spezielle Messer für den Fellzuschnitt. Diese vereinfachen das Zuschneiden deutlich, da sie die Kante direkt abtragen und das Fell nicht umgeklebt werden muss. Bei einem einfachen Teppichmesser ist ein zusätzlicher, wichtiger Schritt erforderlich.

Zuschneiden mit einem Messer, das die Kante direkt abträgt:

Messer zum Abtragen der Kante. | Foto: Swen Kunert
Messer zum Abtragen der Kante. | Foto: Swen Kunert

Mit einem speziellen Fellmesser ist das Zuschneiden wirklich einfach. Das Fell wird mittig (und in der richtigen Richtung!) auf den sauberen Skibelag geklebt (Bild 1). Es muss glatt aufliegen und darf sich nicht wellen oder gar vom Belag abheben (Bild 2).

Nun wird das Fellmesser in der richtigen Position von vorne nach hinten an der Kante entlang geführt (Bild 3). Der Schnitt sollte in einem Zug erfolgen. Wichtig ist hierbei, dass das Messer immer exakt am Ski entlang geführt und dabei nicht verdreht wird (Bild 4). Durch die nach innen versetzte Klinge wird das Fell nicht direkt an der Außenseite der Kante abgeschnitten, sondern automatisch um ein paar Millimeter nach innen versetzt, sodass die Kante freiliegt (Bild 5). Bei dem neuen Messer von G3 zum Beispiel liegt die Klinge drei Millimeter weiter innen als die Führungsschiene, also von der Außenseite der Skikante (Bild 6).

Nach einem sauberen Schnitt auf beiden Längsseiten liegen nun beide Kanten frei und das Steigfell hat die optimale Form (Bild 7).

Zuschneiden mit einem Teppichmesser:

Das Skifell wird mittig (und in der richtigen Richtung!) auf den sauberen Skibelag geklebt. Es muss glatt aufliegen und darf sich nicht wellen oder vom Belag abheben. Nun wird das Teppichmesser von vorne nach hinten an der Kante entlang geführt (Bild 8). Der Schnitt sollte in einem Zug erfolgen. Es hilft dabei sehr, wann das abgeschnittene Fellmaterial mit der anderen Hand straff gezogen wird (Bild 9).

Nach dem sauberen Schnitt entlang der ersten Kante ist diese noch vom Fell bedeckt. Jedoch hat das Fell bereits die Taillierung des Skis angenommen. Um dies zu überprüfen, wird das Fell einmal vom Belag entfernt und direkt an der freiliegenden Kante wieder aufgeklebt (Bild 10). Somit lässt sich sehr gut erkennen, ob auch wirklich sauber gearbeitet wurde, oder ob eventuell noch Nachbesserungsbedarf besteht.

Wenn sauber geschnitten wurde, wird das Fell erneut abgezogen und dieses Mal um eine weitere Kantenbreite nach innen versetzt aufgeklebt (also um die doppelte Kantenbreite, Bild 11). Anders ausgedrückt: Nun liegt auf der bereits geschnittenen Seite die Skikante frei und es ist eine weitere Kantenbreite vom Belag zu sehen. Dies ist nötig, da der Schnitt auf der bisher noch unbearbeiteten Seite die Kante nicht freilegt.

Nachdem das Fell so umgeklebt wurde, beginnt das Zuschneiden der zweiten Kante nach dem gleichen Prinzip (Bild 12). Ist auch diese Seite fertig geschnitten, liegen beide Kanten frei und das Skifell besitzt seine richtige Form (Bild 13).

2. Zuschneiden des Fells im Schaufelbereich (vor allem bei Rocker-Ski)

Nachdem das Fell auf die Form des Skis zugeschnitten wurde, folgt ein weiterer Schritt. Ein Steigfell sollte, wie bereits erwähnt, die gesamte Breite des Skibelags bis hin zur Kante abdecken. Eine Ausnahme gibt es jedoch im Schaufelbereich. Das Fell ist am Befestigungsbügel vorne am schmalsten und deckt nicht den gesamten Skibelag ab (Bild 14). Von dort breitet es sich gerade nach hinten aus, bis es zur Innenseite der Kanten den gesamten Skibelag bedeckt.

Der Punkt, an dem es die gesamte Skibreite abzüglich der Kanten bedeckt, ist genau der Bereich, an dem der Ski einen Bodenkontakt hat, wenn man ihn flach auf den Boden legt (Bild 15 und 16).

Nun zeichnet man sich eine Gerade auf das Fell, die von der Außenseite des Bügels bis zur Außenseite des Kontaktpunktes des Skis verläuft. An dieser Markierung wird das Fell abgeschnitten. Durch diese Fellform im Schaufelbereich wird das Ansammeln von Schnee zwischen dem Fell und dem Skibelag verhindert (Bild 17).

3. Kürzen des Skifells und Befestigung des Spannsystems

Wer sich für ein Skifell in einer Einheitslänge entscheidet, muss es vor dem Zuschneiden erst einmal kürzen, um es auf die richtige Länge des Skis anzupassen. Das Kürzen ist immer vom Spannsystem des Fellherstellers abhängig. Manche Felle besitzen bereits ein vormontiertes Spannsystem für die Schaufel, sodass das Fell im Bereich des Skiendes gekürzt werden muss. Das Spannsystem für das Skiende muss danach noch montiert werden. Ist das Spannsystem am Skiende montiert, so muss das Fell im Bereich der Skispitze gekürzt und danach das Spannsystem dort montiert werden. Da sich diese Systeme bei den verschiedenen Fellen stark unterscheiden, wird hier lediglich auf die beigelegte Montageanleitung des Herstellers verwiesen. Dort ist sehr genau beschrieben, wie der Bügel angebracht und auf welche Länge genau gekürzt werden muss. Dies ist immer abhängig von den verschiedenen Spannsystemen und deren Befestigung am Fell.

4. Versiegeln der Schnittkanten am Fell

Die Schnittkanten sollten von ausgefransten Fasern und, wenn nötig, auch von losen Schneideresten befreit werden. Es empfiehlt sich, sie danach mit einem Imprägniermittel zu versiegeln, um sie gegen Nässe zu schützen. Wer die Schnittkante endgültig versiegeln möchte, kann dies mit einem Feuerzeug bei kleiner Flamme tun, damit kein Eindringen von Nässe mehr möglich ist. Dabei sollte das Feuerzeug immer von der Fellseite zur Schnittkante hin gehalten werden, um ein Verbrennen des Fells zu verhindern.

Geschafft! Fertig zugeschnittenes Steigfell mit Spannsystem vorne und hinten. | Foto: Swen Kunert
Geschafft! Fertig zugeschnittenes Steigfell mit Spannsystem vorne und hinten. | Foto: Swen Kunert

Fazit

Ein fertig zugeschnittenes Fell erspart aufwändiges Zuschneiden. Wer jedoch ein anderes Fell bevorzugt, oder kein „Fertigfell“ für seinen Tourenski bekommen kann, der wird mit einem Zuschneidefell das optimale Fell finden. Mit ein klein wenig Geschick, etwas Geduld und der nötigen Konzentration ist das Anpassen keine große Sache. Das passende Skitourenfell für Deinen Ski findest Du direkt bei Bergzeit:

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