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Fellpflege: So pflegst Du Deine Skifelle

8 Minuten Lesezeit
Wer seine Skifelle sorgfältig pflegt wird mit optimaler Funktion und langer Lebensdauer belohnt. Basti Fiedler fasst zusammen, was es beim Reinigen, Imprägnieren, Fellränder Versiegeln, Lagern und Reparieren von Skitourenfellen zu beachten gibt.

Wer kennt diese Situation nicht: Man ist auf Skitour, der Vordermann läuft locker flockig vor einem her. Man selbst schimpft munter vor sich hin, weil nach jedem Schritt ein riesiger Schneeklumpen am Tourenfell kleben bleibt. Oder, weil sich das Fell von der Skifläche löst, um darunter eine Schneeschicht aufzubauen. Oder, weil die Schnittkanten vom Skifell so ausgefranst sind, dass man an den Seiten keinen Halt mehr hat. Oder, weil die Befestigungsösen einfach nicht halten wollen. Oder, weil man aus unerklärlichen Gründen immer nach hinten weg rutscht …

Es gibt viele Ursachen, warum ein Fell nicht so funktioniert wie es sollte. Bei bestimmten Schneebedingungen lässt sich das auch kaum verhindern. Aber es gibt ein paar grundlegende Tipps und Tricks, um diesen unangenehmen Situationen vorzubeugen. Der folgende Artikel soll helfen, die wichtigsten Fehler zu vermeinden, um möglichst lange Freude am Fell zu haben, es optimal zu pflegen und sich möglichst wenig zu ärgern.

Skifell-Pflege: am besten regelmäßig

Zunächst einmal muss man sich vor Augen führen, dass ein Skitourenfell ein Gebrauchsgegenstand ist, bei dem es immer zu Abnutzungserscheinungen kommen kann. Für die Fellseite gilt es daher auf Tour vorbeugend einige Dinge zu beachten:

  • Unbedingt vermeiden, durch Pfützen oder triefnassen Schnee zu gehen (zumindest wenn man solche Stellen umgehen kann). Wird das Fell nass, verliert es schnell seine Imprägnierung und die Gefahr des Aufstollens steigt exponentiell, wenn man später wieder in kälteren und trockeneren Schnee gelangt.
  • Gleiches gilt für Verschmutzungen. Wann immer möglich, sollte man im sauberen Schnee bleiben statt die Abkürzung über den Acker zu nehmen. Besondere Vorsicht ist in Wäldern geboten, wenn die Bäume harzen. Teils bilden sich in Stammnähe kleine Harzspiegel auf dem Schnee, die wunderbar kleben bleiben und wie Magnete auf Fichtennadeln oder ähnliche kleine Gegenstände wirken.

Immer wird es sich nicht verhindern lassen, dass das Fell schmutzig wird. Die Fellreinigung funktioniert am besten mit einem feuchten Tuch. Zur Not muss man hier etwas kräftiger zupacken, um den Schmutz auch aus dem Fell herauszulösen. Zusätzliche Reinigungsmittel sollte man nur benutzen, wenn es gar nicht anders geht und/oder wenn der jeweilige Fell-Hersteller explizit Pflegemittel empfiehlt. Wichtig ist, nach der Reinigung wieder für eine ausreichende Imprägnierung der Tourenfelle zu sorgen.

Imprägnierung: unverzichtbar für eine korrekte Fellfunktion

Für die Imprägnierung der Skifelle gibt es unterschiedliche Pflegeprodukte – meist Sprays oder Applikationsschwämme, mit deren Hilfe man das jeweilige Imprägniermittel effektiv aufbringen kann. Alle Produkte sind in der Regel kinderleicht zu handhaben. Auf der Verpackung des jeweiligen Herstellers ist gewöhnlich die genaue Anleitung vermerkt.

Speziell bei Nassschnee sorgt ein gut gepflegtes Fell für eine optimale Performance.

Pomoca

Speziell bei Nassschnee sorgt ein gut gepflegtes Fell für eine optimale Performance.


  • Tipp: Wichtig ist im Allgemeinen, dass die Felle vor der Anwendung sauber und trocken sind. Dann trägt man das Mittel in Gleitrichtung möglichst gleichmässig auf und lässt es einige Minuten einwirken. Gerade im Frühjahr, wenn nasse Schneeverhältnisse erwartet werden, ist regelmässiges Imprägnieren anzuraten.

Fellränder pflegen und korrekt versiegeln

Während die Ränder neuer Felle versiegelt sind und damit nicht ausfransen, ändert sich dies im Laufe vieler Touren. Fellränder werden durch lange Querungen oder durch einen schneearmen, felsigen Untergrund stark beansprucht. Hier empfiehlt es sich, die abstehenden Fransen mit einer Nagelschere zu entfernen und vorsichtig – mit ausreichend Abstand zur Fellseite – mit einem Feuerzeug auf kleiner Flamme neu zu versiegeln.

  • Tipp: Um zu verhindern, dass die Klebeschicht Schaden nimmt, versiegelt man immer von der Fellseite aus.

Klebeseite pflegen: am besten regelmäßig!

Bezüglich der Klebeseite gibt es eine Hauptregel: Prophylaxe ist das A und O! Daher unbedingt beim Auf- und Abfellen darauf achten, dass die Klebeseite nicht in Kontakt zum Boden (Stichwort Steinchen und Tannennadeln), zu dreckigem Schnee oder anderen Verunreinigungen kommt. Alles, was gar nicht erst an der Fellseite kleben bleibt, muss später nicht aufwändig entfernt werden.

Reinigung

Tourengehen ist nun mal ein Outdoorsport und es lässt sich kaum verhindern, dass ab und an Dreck auf die Klebefläche kommt. Was tun, wenn das Fell stärker verschmutzt ist?

  • größere Verschmutzungen (Tannennadeln, kleine Steinchen, Blätter) lassen sich gut mit einer feinen Pinzette oder (vorsichtig) mit einem scharfen Messer entfernen
  • komplizierter wird es bei feinem Dreck, der sich häufig mechanisch nicht entfernen lässt. Je nach Hersteller und Belag (z.B. Contour Hybrid) ist eine sanfte Reinigung mit einem feuchten Tuch möglich. Hier unbedingt die jeweiligen Herstellerangaben beachten. Für alle anderen bleibt irgendwann nur noch eins: die Erneuerung der kompletten Klebeschicht.

Klebeschicht erneuern: nur für Profis!

Die Erneuerung der Klebeschicht eines Skifells ist die Ultima Ratio. Sie sollte nur von versierten Skifell-Experten gewagt werden, die diesen Vorgang schon einmal im Rahmen eines Kurses geübt oder zusammen mit einem erfahrenen Experten durchgeführt haben. Wir erläutern hier zwar das Prozedere in wenigen Schritten, weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass Vorsicht und Erfahrung von Nöten sind, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erhalten!

Nach einem kompletten Kleberwechsel kleben Steigfelle wieder wie neu.

Pomoca

Nach einem kompletten Kleberwechsel kleben Steigfelle wieder wie neu.


  1. Skifell auf einer Werkbank oder einer ähnlichen Unterlage gut gespannt fixieren und die Umgebung abdecken. Alternativ das Fell „verkehrt herum“ auf dem Ski, und diesen wiederum mit einem Schraubstock, fixieren.
  2. für ein sauberes Ergebnis und ein effizientes Vorgehen beginnt man mit den Schritt 3 und 4 an einem Ende und arbeitet sich stetig zum anderen vor. Die gesamte Felllänge in einem Durchgang zu bearbeiten, ist mit einem Bügeleisen nicht möglich.
  3. zurechtgeschnittenes Backpapier auf die Klebeseite auflegen. Das Backpapier und damit den Fellkleber mit einem altem Bügeleisen auf mittlerer Stufe gleichmäßig erhitzen.
  4. Backpapier abziehen. Im Idealfall bleibt ein Großteil des Klebers daran hängen. Danach mit einem breitem Spachtel den restlichen Kleber komplett entfernen. Profis arbeiten hier mit einem beheizbaren Spachtel.
  5. Nun gibt es zwei Möglichkeiten den Kleber zu erneuern: entweder mit einem sauberen Spachtel Flüssigkleber gleichmäßig auftragen, trocknen lassen und nach einer halben bis dreiviertel Stunde zwei bis drei weitere Schichten auftragen. ODER einen Kleber auf Transferrolle verwenden, der von einigen Herstellern angeboten wird. Damit ist das Auftragen des Klebers einfacher. In beiden Fällen gilt es die Herstellerangaben zu beachten!
  6. zum Schluß das Skifell über Nacht trocknen lassen. Fertig!

Die Fell-Hersteller Pomoca und Contour haben informative Videos zum Kleberwechsel erstellt:

(Hinweis: bei den beiden Pomoca-Videos kann man sich in Youtube den deutschen Untertitel einblenden lassen!)

Kleber erneuern:

©pomoca

Klebererneuerung mit Transferrolle:

©pomoca

Reinigung Skitourenfell:

©contour skins

Felle richtig aufbewahren: zu Hause und auf Skitour

Zu Hause bewahrt man die Felle am besten an einem trockenen Ort bei Zimmertemperatur auf. Ob man die Tourenfelle mit dem häufig mitgelieferten Netz dazwischen verstaut, ist erstens Geschmackssache und zweitens vom Felltyp abhängig. Hier gilt es die Herstellerangaben zu beachten, bei bestimmten Fellsorten ist die Lagerung am Netz nicht zu empfehlen.

Damit die Felle optimal haften, sollten sie stets über eine trockene Klebefläche verfügen.

contour skins

Damit die Felle optimal haften, sollten sie stets über eine trockene Klebefläche verfügen.


  • Achtung: Die Felle niemals direkt auf der Heizung trocknen, da dies die Klebefläche zerstören kann. Bei sehr nassen Fellen ist  auch ein Trocknen der Klebeseite (bei Nacht offen aufhängen) nötig, bevor man die Felle aufeinander oder auf das Netz klebt!

Bei der Aufbewahrung auf Tour gilt eine grundsätzliche Regel: Die Felle müssen sauber, möglichst trocken und einigermaßen warm verstaut werden. Wenn das Skifell nass ist und auch so im Rucksack verschwindet, ist gerade bei sehr kalten Temperaturen ein Wiederauffellen kaum mehr möglich. Das Tourenfell wird nicht kleben bleiben.

  • Unser Tipp: das Fell nach dem Ablösen unter der Jacke am Bauch zu verstauen. So bleiben die Felle geschmeidig, frieren nicht ein und die Klebefläche bleibt aktiv. Ein mehrfaches Auffellen ist so problemlos möglich. Beim Auffellen unbedingt darauf achten, dass die Skifläche schnee- und eisfrei ist – denn auch das stört die Klebeleistung erheblich!

Notfalltipps: Was tun, wenn das Fell während der Tour versagt?

Ich habe im folgenden drei Fell-Notfallszenarien aufgelistet, die während einer Tour auftreten können:

  1. Verlust der Gleitfähigkeit / Aufstollen: Sicherlich das häufigste Problem, aber bis zu einem gewissen Grad gut behebbar. In einer Tourengruppe sollte zumindest einer Skiwachs im Rucksack haben, das man notfallmässig auch als Imprägnierwachs auf die Felle auftragen kann. Idealerweise hat jemand (oder man selbst?) eine kleine Dose Imprägnierspray dabei.
  2. Verlust der Klebefähigkeit: Sicherlich ein sehr unangenehmes Problem, da sich unterwegs die Klebefläche nicht erneuern lässt. In einem ersten Schritt kann man Schnee und Eis von Ski und Klebefläche entfernen. Hilft dies nicht, gibt es zumindest für einige Klebefelle „Notfallkleber“ für unterwegs. Auch hier lohnt es sich in größeren Gruppen, wenn ein Mitglied etwas Hilfreiches im Rucksack hat. Reißen alle Stricke, hilft nur ein kreativer Bastelversuch mit Tape, einem Kabelbinder oder auch einer Kordel. Dann leidet zwar die Performance deutlich, aber als Behelfslösung ist das durchaus machbar.
  3. Defekter Befestigungsmechanismus: Ebenfalls ein eher unangenehmes Problem, weil sich häufig keine wirklich zufriedenstellende Lösung finden lässt. Meist kommt man zumindest notfallmässig mit einem oder zwei Kabelbindern weiter. Daher habe ich in meinem Tourenrucksack stets zwei oder drei Kabelbinder dabei. Bei längeren Touren (z.B. Skitourenwoche, Durchquerungen) ist es unter Umständen sinnvoll, einmal pro Gruppe einen Universal-Befestigungsmechanismus mitzunehmen, der auf die meisten Skimodelle passt.

Daher notfallmässig immer mitnehmen:

Fazit zur Skifell-Pflege

Man sieht: Die Skifell-Pflege ist kein Hexenwerk. Es sind oft die Kleinigkeiten, die über die Funktionalität und Haltbarkeit der Skifelle entscheiden. Größere Reparaturen, wie z.B. die Erneuerung der Klebefläche, kann man guten Gewissens dem Fachmann überlassen wenn man sich unsicher ist. Wer aber die kleineren Tipps beherzigt, wird lange Freude an seinem Skifell haben und auf Skitour nicht enttäuscht werden!

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