• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Auf die Ochsenspitze

Hochtour auf den Piz Buin über den Normalweg

5 Minuten Lesezeit
Diese technisch einfache und vergleichsweise kurze Hochtour führt über den spaltenreichen Ochsentaler Gletscher zum Gipfel des Großen Piz Buin - abwechslungsreich und mit beeindruckenden Ausblicken.

Der Große Piz Buin (3.312 Meter) ist der höchste Berg Vorarlbergs und der dritthöchste Berg der Silvretta. Mit seiner zentralen Lage am Silvretta-Hauptkamm ist der Grenzberg zwischen Österreich und dem Schweizer Kanton Graubünden ein beliebtes Hochtourenziel.

Interessante Facts:

  • „Piz Buin“ ist rätoromanisch und bedeutet „Ochsenspitze“, da die Region bis heute als Weideland genutzt wird. Das „Buin“ wird auf der zweiten Silbe betont.
  • Der Piz Buin wurde am 14. Juli 1865 erstbegangen.
  • Er ist zugleich Namensgeber einer bekannten Sonnencreme, die ein Chemiker entwickelte, nachdem er sich bei der Besteigung des Berges 1938 einen Sonnenbrand zugezogen hatte.

Ausgangspunkt Wiesbadener Hütte

Über die kostenpflichtige (Pkw 16,60 Euro, Wohnmobil 23,50 Euro), aber traumhaft schöne Silvretta-Hochalpenstraße gelangt man in schier endlosen Kehren von Partenen auf der einen Seite oder von Galtür auf der anderen Seite zur Passhöhe Bielerhöhe (2.032 Meter). Die Biehlerhöhe mit dem Silvretta-Stausee ist ein beliebtes Ausflugsziel und Ausgangspunkt zahlreicher Wanderungen und Bergtouren.

Über den Fahrweg zunächst östlich entlang des Uferwegs am Silvretta-Stausee und anschließend durch das Ochsental wandern wir von der Bielerhöhe ca. 2,5 Stunden mäßig steil zur Wiesbadener Hütte (2.443 Meter). Hierbei überwinden wir aufgrund des hochgelegenen Ausgangspunktes lediglich 411 Höhenmeter.

Übung im Klettergarten bei der Wiesbadener Hütte. Die Hütte ist Ausgangspunkt für diverse Besteigungen, darunter auch für die Hochtour auf den Piz Buin.

Ben Weiler

Übung im Klettergarten bei der Wiesbadener Hütte. Die Hütte ist Ausgangspunkt für diverse Besteigungen, darunter auch für die Hochtour auf den Piz Buin.


Den Nachmittag verbringen wir in dem nur etwa 200 Meter von der Hütte entfernten Klettergarten, am Abend genießen wir das wohlschmeckende Abendessen bei bester Aussicht auf die umliegenden Gipfel des Piz Buin und Silvrettahorn sowie den imposanten Ochsentaler Gletscher. Die Wiesbadener Hütte ist mit ihrer Lage ein idealer Ausgangspunkt für diverse weitere Touren in der Silvretta wie Dreiländerspitze, Ochsenkopf oder Tiroler Kopf. Das Tourenangebot ist vielseitig und richtet sich sowohl an Hochtoureneinsteiger als auch an versierte Alpinisten.

Wiesbadener Hütte zu Corona-Zeiten

Die Wiesbadener Hütte hat mit speziellem Hygienekonzept auch für Übernachtungsgäste geöffnet. Dabei werden im Matrazenlager Sicherheitsabstände „erzwungen“, die Ein- und Mehrbettzimmer können normal reserviert werden. Was wann noch verfügbar ist, erfährst Du auf der Reservierungs-Seite der Hütte.

Aufstieg zum Piz Buin über den Normalweg

Die von der Wiesbadener Hütte ausgehenden Touren sind (verglichen mit West-Alpen-Touren) relativ kurze Hochtouren, daher wird im Vergleich zu anderen Hütten erst ab 6:00 Uhr morgens Frühstück angeboten. So verlassen wir gegen 6:20 Uhr nach Sonnenaufgang die Hütte und können die Stirnlampen im Rucksack lassen.

Morgendlicher Aufstieg über Geröll von der Wiesbadener Hütte auf dem neuen Normalweg nördlich der Grünen Kuppe.

Ben Weiler

Morgendlicher Aufstieg über Geröll von der Wiesbadener Hütte auf dem neuen Normalweg nördlich der Grünen Kuppe.


Kurz vor dem Anseilplatz an den Ostabstürzen des Silvrettahorns.

Ben Weiler

Kurz vor dem Anseilplatz an den Ostabstürzen des Silvrettahorns.


Über einen gut markierten Fußweg geht es über loses Geröll und nach der Querung eines Gletscherbaches in südwestlicher Richtung zur Grünen Kuppe. Aufgrund des fortwährenden Gletscherrückgangs und der damit verbundenen Steinschlaggefahr hat sich der Normalweg hier in den letzten Jahren verlagert. Während man früher über Vermuntgletscher und Wiesbadener Grätle aufstieg und noch vor ein paar Jahren südlich der Grünen Kuppe in direkterem Weg zu den Abbrüchen des Ochsentaler Gletschers ging, wählt man heute die nördliche Umgehung der Grünen Kuppe und gelangt so etwas geschützter über Geröll und Schuttfelder zum Anseilplatz an den Ostabstürzen des Silvrettahorns (2.590 Meter).

Nachdem wir Steigeisen angelegt und uns als Zweier-Seilschaft eingebunden haben, steigen wir zunächst recht steil in Serpentinen und später flacher am westlichen Gletscherrand in das flache Becken des Ochsentaler Gletschers. Nun steuern wir in ziemlich direkter Linie bei wenigen (sichtbaren) Spalten auf die Buinlücke (3.054 Meter) zu, der markanten Scharte zwischen Kleinem Piz Buin und Großem Piz Buin. Wir betreten den Nordwestgrat und folgen den Steigspuren über Schutt und mittelgroßes Blockwerk. Der Weg führt über die Nord-West-Flanke und wird mit zunehmender Höhe etwas ausgesetzter.

Ab durch die Mitte - die sogenannte Buinlücke ist eine markante Scharte zwischen dem Großen und dem Kleinen Piz Buin.

Ben Weiler

Ab durch die Mitte – die sogenannte Buinlücke ist eine markante Scharte zwischen dem Großen und dem Kleinen Piz Buin.


Ein kurzer Kamin im II. Grad (nach UIAA-Skala) verlangt einfache Kletterei, welche bei Bedarf auch an angebrachten Bohrhaken gesichert werden kann. Die Schlüsselstelle kann theoretisch auch etwas weiter links umgangen werden (Rampe). Nach der kurzen Kletterstelle geht es wieder auf gut sichtbaren Steigspuren durch Geröll im Schlussaufstieg zum Gipfelkreuz des Piz Buin (3.312 Meter), welches wir nach etwa vier Stunden erreichen.

Abstieg wie Aufstieg

Nach kurzer Rast machen wir uns an den Abstieg, welcher der Aufstiegsroute entspricht. Den Kamin klettern wir wieder ungesichert ab, andere Seilschaften (insbesondere geführte Seilschaften) seilen hier ab. An der Buinlücke legen wir wieder Steigeisen an und binden uns als Seilschaft ein. Kurz nachdem wir den Gletscher betreten haben, zieht dichter Nebel auf und es beginnt zu regnen. Wir steigen nordwestlich in Richtung Silvrettahorn und am westlichen Rand des Gletschers hinab zum Anseilplatz.

Dank einer meist ausgetretenen Spur im Firn ist die Orientierung unproblematisch. Ohne eine gut sichtbare Spur oder bei aperem Gletscher ist eine Orientierung bei Nebel jedoch in dem weitläufigen Gletscherbecken nur mit Höhenmesser, Karte und Kompass möglich. Weiter geht es vorbei an der Grünen Kuppe zurück zur Wiesbadener Hütte (nach 7,5 Stunden) und von dort zurück zur Bielerhöhe (nach 9 Stunden).

Das weitläufige Gletscherbecken des spaltenreichen Ochsentaler Gletschers, den man bei der Besteigung des Piz Buin überquert.

Ben Weiler

Das weitläufige Gletscherbecken des spaltenreichen Ochsentaler Gletschers, den man bei der Besteigung des Piz Buin überquert.


Daten Hochtour Piz Buin

  • Anfahrt: von Deutschland kommend über Bregenz – Feldkirch – Schruns –
    Partenen – Biehlerhöhe
  • Charakter/Einordnung der Tour: technisch unschwierige Hochtour,
    Vorsicht – grundsätzlich spaltenreicher Gletscher, die kurze
    Kletterstelle (Kamin) kann links umgangen werden (Rampe)
  • Schwierigkeit: WS, II
  • Länge der Tour:
    • Aufstieg Bielerhöhe zur Wiesbadener Hütte: ca. 2,5 Stunden
    • Aufstieg Wiesbadener Hütte zum Piz Buin: ca. 4,5 Stunden
    • Abstieg Piz Buin zur Wiesbadener Hütte: ca. 3 Stunden
    • Abstieg Wiesbadener Hütte zur Bielerhöhe: ca. 1,5 Stunden
  • Höhenmeter:
    • Bielerhöhe (2.032 Meter) – Wiesbadener Hütte (2.443 Meter): 411 Höhenmeter
    • Wiesbadener Hütte – Piz Buin (3.312 Meter) : 869 Höhenmeter
  • Übernachtung: Wiesbadener Hütte
  • Ausrüstung: allgemeine Hochtourenausrüstung >> zur Packliste Hochtour

Entdecke Deine geführte Hochtour mit Bergzeit Erlebnis!

Zu den geführten Hochtouren

Weitere Tipps zum Thema Hochtouren

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
4 Comments
älteste
neueste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.