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Im Zweifel austauschen

Haltbarkeit und Pflege von Klettergurten

6 Minuten Lesezeit
Der Klettergurt ist ein zentraler und sicherheitsrelevanter Bestandteil beim Klettern. Doch früher oder später stellt sich die Frage: Wann muss ich meinen Gurt austauschen? Welche Faktoren die Lebensdauer beeinflussen und wie Du Deinen Gurt richtig pflegst und lagerst, erfährst Du hier.

In Sachen Haltbarkeit eines Klettergurts herrscht bei vielen Unsicherheit. Woran erkennt man, dass der Klettergurt ausgetauscht werden muss? Gibt es eine Faustregel? Schließlich vertrauen wir dem Klettergurt unser Leben an.

Alter des Klettergurts

Ein Klettergurt.
Es gibt einige Unterschiede bei Klettergurten: die Materialien, das Einsatzgebiet und das Gewicht. Das alles hat auch Einfluss auf die Haltbarkeit. | Foto: Black Diamond

Neben anderen Kriterien spielt wie bei jedem anderen Sicherheitsgegenstand das Alter des Gurtes eine Rolle. Denn schließlich wird das Material nach einer gewissen Zeit spröde und kann nicht mehr die volle Last tragen. Deshalb geben Hersteller auch eine Lebensdauer für ihre Gurte an.

„Jeder Hersteller“, erklärt Philippe Westenberger, Produktmanager bei Edelrid, „muss nach der europäischen Norm zertifiziert eine maximale Lebensdauer angeben. Diese Angabe ist der Gebrauchsanleitung zu entnehmen und bezieht sich auf die vom Hersteller garantierte maximale Lebensdauer bei optimalen Lagerbedingungen und ohne Benutzung. Sie gibt die obere Grenze der Lebensdauer an. Bei den meisten Herstellern beträgt sie zwischen zehn und 12 Jahren.“

Die Klettergurt-Hersteller geben hier unterschiedliche Gewährleistungen, was nicht zuletzt von den verschiedenen Materialien abhängt. Gurte aus Polyamid ohne andere spezielle Fasern, erklärt Radim Feix von Ocun, können bis zu zehn Jahre im Einsatz sein – wenn man seinen Gurt nur selten nutzt, also einige Male im Monat. „Und dann sind da Gurtmodelle mit Spezialfasern in den Hauptteilen. Diese sollten weniger lang eingesetzt werden, oft nur bis zu zwei Jahren.“ Als Richtwert kann man sich hier fünf Jahre merken.

Du solltest Dir immer darüber bewusst sein, wie alt Dein Klettergurt ist. Insbesondere wenn Du einen gebrauchten Gurt, beispielsweise von einem Freund, bekommst, solltest Du das Alter erfragen.

Nutzungsintensität und -häufigkeit

Wie Du Dir leicht denken kannst, spielt für die Lebensdauer eines Gurtes die Art und Weise der Nutzung eine zentrale Rolle. Zum einen ist hier die Häufigkeit, zum anderen die Art des Kletterns entscheidend.

Hier wird es mit einer Faustregel schon komplizierter. Westenberger von Edelrid: „Die obere Grenze der Lebensdauer beträgt bei den meisten Herstellern zwischen zehn und 12 Jahren. Darunter fängt es allerdings schon an kompliziert zu werden. Denn auch wenn viele Hersteller zusätzlich noch weitere Angaben zur Nutzungsdauer machen und diese nach ‚gelegentlicher‘ oder ‚häufiger Gebrauch‘ staffeln, ist die Definition dieser Klassen wohl äußerst schwammig.“

Ganz klar muss ein Gurt, der fünf Mal pro Woche zum Einsatz kommt, schneller getauscht werden als einer, der nur sporadisch einmal pro Woche verwendet wird. Aber auch wenn er nur selten genutzt wird, muss ein Gurt früher oder später ersetzt werden.

Zusätzlich nutzt sich ein Klettergurt sehr viel schneller ab, wenn mit ihm Routen projektiert werden, und damit mehr Stürze ins Seil vorkommen. Insbesondere wenn nah am Haken geklettert und daher hart gesichert wird, ist der Gurt einer sehr hohen Dauerbelastung ausgesetzt. Ein weiteres Beispiel sind Körperrisse. Wenn das Material bei einem Risskletterer tagein tagaus am Fels entlang schrubbt, nutzt es sich sehr viel schneller ab als bei einfachen Stürzen ins Seil. Wer viel projektiert, sollte seinen Gurt daher im Schnitt lieber etwa alle zwei Jahre ersetzen, also deutlich häufiger als es der Richtwert beim Alter angibt.

Die Faustregel ist letzten Endes eigentlich doch ganz einfach, so Westenberger: „Im Zweifel sollte man das Produkt lieber aussondern und sich die Frage stellen, ob einem sein Leben nun doch 60 bis 80 Euro wert ist.“

Abnutzungserscheinungen am Gurt erkennen

Um zu entscheiden, ob Dein Klettergurt schon vor seiner maximalen Lebensdauer ausgetauscht werden muss, solltest Du ihn regelmäßig auf starke Abnutzung überprüfen. Das bedeutet nicht, dass ein vollgechalkter Gurt schon seinen Zenit erreicht hat.

Vielmehr geht es um das Material, besonders an der Anseilschlaufe und den Beinschlaufen (also die Einbindepunkte). Sind nur leichte Spuren zu sehen, stellt das im Normalfall kein Problem dar. Kritisch wird es vor allem dann, wenn sicherheitsrelevante Stellen sehr dünn werden und sich langsam auflösen. Bei einigen Herstellern sieht man das besonders deutlich, da der Materialkern eine andere Farbe hat.

Philippe Westenberger von Edelrid empfiehlt deshalb „den Gurt regelmäßig (eigentlich vor jedem Gebrauch) auf Beschädigungen zu überprüfen. Wichtige Punkte, die es dabei zu überprüfen gibt, sind die Unversehrtheit von Bandkanten, beschädigte Nahtriegel, sonstige Verfärbungen der Bänder oder Korrosion oder scharfe Kanten der Metall-Beschlagteile (Schnallen). Eine gute Beispielsammlung und Überprüfungsanleitung findet sich beispielsweise in der kostenlose Edelrid GearPilot App.“

Bei zahlreichen Stürzen und während längerer Ausboulderaktionen am Seil wird vor allem der Anseilpunkt einer hohen bzw. kontinuierlichen Belastung ausgesetzt und nutzt sich somit am schnellsten ab.

Materialschäden durch besondere Ereignisse und Umweltfaktoren

Ein weiterer Faktor, der schlagartig das Ende eines Gurtes bedeuten kann, sind „besondere Ereignisse“. Hier ist kein einfacher Sportklettersturz gemeint. Vielmehr geht es beispielsweise um Schnitte oder Risse an der Anseilschlaufe oder dergleichen, die durch scharfe Felskanten oder aus anderen Gründen verursacht werden. Nach solchen Ereignissen solltest Du den Gurt deshalb im Zweifelsfall ersetzen.

Außerdem gilt, was für alle textilen Teile beim Klettern (etwa Bandschlingen, Seile oder Expressschlingenbändchen) gilt, so Radim Feix: „Feuchte Lagerung, Öl, Säure, Lösungsmittel etc. sind sehr schlecht. Wenn der Gurt mit einem dieser Stoffe Kontakt hatte, muss er aussortiert werden. Das gilt natürlich für alle textilen Teile, die beim Klettern für die Sicherung verwendet werden.“
Schlecht für das Material sind außerdem Feuchtigkeit, Sonne und Schmutz, insbesondere wenn der nasse Gurt nicht sorgfältig getrocknet wird. Dadurch wird das Material porös, härtet aus, und verliert entscheidend an Tragkraft.

Im Hinblick auf all diese Ereignisse solltest Du Deinen Klettergurt deshalb regelmäßig überprüfen. Wie bei der Abnutzung gilt auch hier: Im Zweifelsfall lieber ersetzen oder zumindest eine sicherheitserfahrene Person um deren Einschätzung bitten.

Aufbewahrung und Pflege des Klettergurts

Zuletzt wirken sich auch die Lagerung und der Transport auf die Lebensdauer Deines Klettergurtes aus.

Deinen Gurt solltest Du immer vor Nässe und Schmutz geschützt transportieren. Auch die gemeinsame Aufbewahrung zusammen mit scharfen Gegenständen wie Eisgeräten oder Steigeisen bekommt beispielsweise dem Hochtourengurt nicht gut. Zum Schutz des Klettergurtes empfiehlt es sich, eine extra Tasche zu verwenden. Viele Hersteller liefern diese schon direkt beim Kauf mit. Bei Regen lohnt sich eine Regenhülle für den Rucksack.

Für die Lagerung nimmst Du am besten alle Teile, die nicht zum Gurt gehören, vom Gurt: Eine beliebte Angewohnheit sei, die mit einem Ankerstich befestigte Selbstsicherung am Gurt zu lassen, kritisiert Westenberger von Edelrid. „Das tut weder der Schlinge noch dem Anseilring auf Dauer gut und sollte unbedingt vermieden werden, denn ein Versagen eines dieser Teile kann sich keiner leisten.

Ansonsten sollte der Gurt möglichst liegend, sauber, trocken und geschützt vor UV-Licht gelagert werden. Besonders wenn der Gurt nass ist, sollte er nicht direkt auf einem Heizkörper oder drüber hängend platziert werden. Den nassen Gurt einfach in einem trockenen Raum auf dem Boden (oder Tisch) trocknen lassen.“

Fazit zur Haltbarkeit von Klettergurten

Jeder Klettergurt hat einen Richtwert für seine Lebensdauer. Sowohl Nutzungsintensität und -häufigkeit, als auch besondere Ereignisse, Umweltfaktoren und die Art der Lagerung können diese Lebensdauer entscheidend beeinflussen. Passe also gut auf Deine Ausrüstung auf. Und vergiss nie, wie wichtig der Gurt ist.

Wenn Du jetzt einen neuen Klettergurt suchst, geht es hier…

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