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Mit dem Zelt durch Patagonien

Das Hilleberg Keron 4 Zelt im Langzeit-Test

10 Minuten Lesezeit
Hilleberg-Zelte gelten als die sturmstabilsten und robustesten der Welt. Im rauen Patagonien war Jens Blume mit seiner Familie mehrere Monate lang unterwegs - mit im Gepäck das Keron 4, das Sturm und Regen standhalten musste. So verlief der Dauertest.
Der Plan: eine Fahrradreise mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen durch Patagonien. Dafür muss ein stabiles, komfortables und gut transportables Zelt her! | Foto: Jens Blume
Der Plan: eine Fahrradreise mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen durch Patagonien. Dafür muss ein stabiles, komfortables und gut transportables Zelt her! | Foto: Jens Blume

Eine Fahrradreise mit zwei Kindern und zwei Erwachsenen ans Ende der Welt, das war der Plan. Schnell war klar, dass wir dazu ein neues Zelt benötigen. Auch wenn unsere Jüngste beim Start gerade einmal neun Monate alt sein würde, musste es mindestens ein Vier-Personen-Zelt sein. Denn unsere Route sollte durch Patagonien führen, wo sicherlich der ein oder andere Regentag im Zelt zu verbringen sein würde. Außerdem sollte es natürlich möglichst leicht sein, damit wir trotz der Kinder und des zusätzlichen Gepäcks noch „andentauglich“ sind. Schließlich musste das Zelt auch außerordentlich sturmstabil sein, um dem heftigen Wind in Patagonien und auf Feuerland standzuhalten.

Tausche Wohnung gegen Zelt – für sieben Monate

Nach ein wenig Recherche landete ich bei Hilleberg. Der schwedische Hersteller ist die Instanz in Sachen Zeltbau. Seit über 40 Jahren machen sie kaum etwas anderes – und sind ziemlich erfolgreich dabei. Hilleberg-Zelte gelten als die sturmstabilsten, haltbarsten, aber wohl auch teuersten Expeditionszelte auf dem Markt – insbesondere die „Black Label“-Modelle. Dazu zählt auch das Keron 4, welches unseren Anforderungen am besten entsprach. Dessen Zeltfläche von 7,6 Quadratmetern tauschten wir also für sieben Monate gegen unsere Drei-Zimmer-Wohnung ein. Alles muss nun auf dieser Fläche seinen Raum finden: Spielen, Kuscheln, Kochen, Schlafen …

Nun sind wir mit dem Hilleberg Keron 4 seit über 4.000 Kilometern unterwegs. In den vergangenen vier Monate haben wir das Zelt fast täglich verwendet. Von Santiago de Chile bis nach Feuerland sind wir geradelt. Auf dieser Strecke erlebten wir zahlreiche Klima- und Wetterphänomene – von denen einige nicht die angenehmsten waren. Zeit also, ein Zwischenfazit zu ziehen, bevor es weiter nach Bolivien und Peru geht. Doch zunächst zum Zelt und seinen Merkmalen:

Das Hilleberg Keron 4: Überblick und Aufbau

Das Hilleberg Keron 4 hat schon 4.000 Kilometer, mehrere Monate patagonisches Klima sowie täglichen Auf- und Abbau hinter sich - und hat den Langzeit-Test bisher bestanden. | Foto: Jens Blume
Das Hilleberg Keron 4 hat schon 4.000 Kilometer, mehrere Monate patagonisches Klima sowie täglichen Auf- und Abbau hinter sich – und hat den Langzeit-Test bisher bestanden. | Foto: Jens Blume

Das Keron 4 ist ein klassisches Tunnelzelt mit einem Bruttogewicht von 4,7 Kilogramm (Herstellerangabe). Wie bei allen Hilleberg-Zelten lässt sich das Innenzelt zusammen mit dem Außenzelt aufbauen. Das spart Zeit und bei Regen bleibt innen alles trocken. Das haben wir sehr zu schätzen gelernt. Zudem kann ich das Zelt allein und ohne Hilfe aufstellen, während sich Emilia um die Kinder kümmert.

Getragen wird das Zelt von drei Gestängebögen, die von Stangenkanälen im Außenzelt aufgenommen werden. Das Ein- und Ausfädeln ist für mich der umständlichste Part beim Auf- und Abbau. Beim Einfädeln muss man stets darauf achten, mit der Stangenspitze nicht den Kanal aufzuspießen, und beim Ausfädeln dürfen die Gestängesegmente keinesfalls auseinanderrutschen, sonst wird es noch schwieriger, sie hinauszubekommen und man könnte außerdem das Material schädigen. Nach etwas Eingewöhnung sitzen die notwendigen Handgriffe allerdings gut.

Damit das Zelt steht, sind zwingend vier Heringe notwendig. Zwei davon müssen ganz zu Beginn des Aufbaus eingeschlagen werden, die anderen zwei nachdem die drei Gestängebögen eingebaut sind. Daneben gibt es sechs weitere Befestigungspunkte am Zeltboden und insgesamt acht Abspannleinen. Bei voller Sturmabsicherung sind das in der Summe 18 Befestigungspunkte. Man hat also eine Weile zu tun mit Hering einschlagen.

Weil das ganz schön viel Arbeit ist und Zeit kostet, entscheide ich jeden Abend neu, wie viele Abspannpunkte wir wahrscheinlich benötigen werden. In Patagonien war stets klar: Alle! Sonst reichen aber oft auch weniger Befestigungspunkte. Ich verwende meistens die Spannleinen, und nur bei ganz heftigem Wind bekommen auch die Bodenbefestigungspunkte einen Hering ab.

Fotogalerie: Unsere Zeltplätze

Die Heringe im Einsatz

Wo wir beim Thema Heringe wären: Standardmäßig sind im Lieferumfang die Hilleberg Y-Peg enthalten. Genau 18 Stück. Sie sind relativ haltbar, man sollte allerdings bei längeren Reisen Ersatz einplanen. Gerade bei Radtouren durch Kulturlandschaft landeten wir beim Wildcampen häufig auf harten steinigen oder verdichteten Böden. Oft waren das Parkplätze, Kiesflächen oder Bauareale. Hier muss ich die vier Zentralheringe mit recht viel Kraft und unter Zuhilfenahme von Steinen in den Boden versenken. Dabei sind mir bereits Heringsköpfe abgebrochen, einige Heringe hat es verbogen und wieder andere sind im Boden stecken geblieben und waren auch mit der Kordel nicht mehr herauszubekommen. Die Kordel riss nämlich zuvor. Und ohne Kordel ist so ein Hering kaum wieder aus dem Boden zu bekommen (Draht hilft!). Vierkant-Zeltnägel sind eventuell eine gute Alternative, da man am Kopf einen anderen Hering zum Hinausziehen unterhaken kann. Eine Idee wäre auch, vier Stahlstifte mitzunehmen, wenn es auf eine lange Tour geht. Wir wollen uns bei nächster Gelegenheit einige besorgen. Doch weiter zum Zeltmaterial.

Das Material, aus dem robuste Zelte sind

Das dreifach silikonbeschichtete Außenmaterial Kerlon 1800 ist so robust, dass weder Katzenkrallen und scharfe Gegenstände noch Sturm und Regen dem Hilleberg Keron 4 im Test etwas anhaben konnten. | Foto: Jens Blume
Das dreifach silikonbeschichtete Außenmaterial Kerlon 1800 ist so robust, dass weder Katzenkrallen und scharfe Gegenstände noch Sturm und Regen dem Hilleberg Keron 4 im Test etwas anhaben konnten. | Foto: Jens Blume

Anfangs fühlt sich das Außenmaterial des Hilleberg Keron 4 sehr rutschig an, wenn nicht richtig glitschig. Das gibt sich aber mit der Zeit, und dann fiel mir auch das Einrollen beim Einpacken leichter. Es handelt sich insgesamt um ein sehr dünnes Material. Dem hätte ich anfangs nicht viel zugetraut, wenn ich nicht gewusst hätte, dass es von Hilleberg kommt. Das Zelt besteht aus 40 Denier Ripstop Nylon, das beidseitig dreifach silikonbeschichtet wurde. Hilleberg nennt es Kerlon 1800.

Was dieses Material leisten kann, haben wir dann erst unterwegs gemerkt: Die geringe „Weiterreißfähigkeit“ rettete unser Zelt, als eine Katze mit ihren scharfen Krallen daran ihre Turnübungen verrichtete. Starken patagonischen Orkanböen und damit heftiger Spannung hält es problemlos stand – auch stundenlang (oder tagelang!). Dauerregen ist auch kein Problem, bloß dehnt sich das Material bei Nässe etwas aus – es muss also nachgespannt, und bei anschließender Sonne wieder entspannt werden (nicht vergessen!). Bei hoher zu erwartender Schneelast können übrigens pro Stangenkanal zwei Bögen verwendet werden, was für noch mehr Stabilität sorgt. Diese müssen allerdings separat dazu gekauft werden.

Empfehlenswert: Die Hilleberg Keron 4 Zeltunterlage

Sehr durchdacht ist die optional erhältliche Zeltunterlage, das Groundsheet. Wir können sehr empfehlen, dieses zu verwenden. Super praktisch ist hier, dass es über intelligent angebrachte Ösen direkt am Zeltboden befestigt werden kann und dort verbleibt – auch beim Auf- und Abbau. Der sonst übliche Arbeitsschritt – Groundsheet auspacken und ausbreiten – entfällt also. Wir lieben diese Einfachheit, die den Zeltaufbau erheblich beschleunigt! Außerdem ist die Unterlage perfekt zugeschnitten. Dass sie das vom Außenzelt ablaufende Wasser „einsammelt“, ist ausgeschlossen. Zudem wird auch der Vorzeltbereich abgedeckt, was den Schmutzeintrag in das Innenzelt und die Bildung von Kondenswasser verringert. Falls man im Vorzelt kochen möchte, kann man ein Stück der Unterlage problemlos lösen und beiseite rollen. Und nun wären wir auch schon im Vorzelt.

Geräumiges Vorzelt und Innenzelt

Die beiden Apsiden des Hilleberg Keron 4 sind gleich groß und sehr geräumig – die Grundfläche beträgt jeweils 1,6 Quadratmeter. Viel Gepäck findet hier Unterschlupf. Wenn es draußen ungemütlich oder eisig ist, kann hier auch mit Sorgfalt und Vorsicht gekocht werden, sogar mit Benzinkochern. Die Belüftung sollte man allerdings wenigstens beim Vorheizen öffnen, damit der Ruß abziehen kann. Natürlich lässt sich dazu auch die Tür im Außenzelt öffnen, sowohl von unten als auch von oben. Per Gummibandbefestigung wird die aufgerollte Tür dann sicher an der Seite verstaut – sie soll ja schließlich nicht vom Wind in die Flamme geweht werden.

Im geräumigen Innenzelt genießen wir dann bei schlechtem Wetter unser Mahl. Danach geht’s ins Bett – zumindest für die Kinder. Die Schlaffläche ist sehr groß, und es passen vier Isomatten sowohl längs als auch quer in das Innenzelt. Für jede Person gibt es eine kleine praktische Innenzelttasche für Kleinigkeiten wie E-Reader, Telefon oder Isomattenbeutel. Stirnlampen können an einer Kordel unter der Innenzeltdecke befestigt werden, und nasse Handschuhe oder Babybodys trocknen hier auch ganz gut.

Die Belüftung

Die beiden Zelteingänge sorgen dafür, dass man stets zur windgeschützten Seite ein- und aussteigen kann. Belüftet wird das Zelt über zwei großflächige Lüfter an den Kopfseiten und gegebenenfalls über die Zelteingänge – wenn es keine Hunde gibt, die einem den Proviant stibitzen wollen! Stufenlos kann am Innenzelteingang eingestellt werden, wie groß die Mesh-Gewebe-Fläche ist. Die beiden Türen können je nach Klima und Temperatur komplett zum Moskitonetz werden, oder auch komplett geschlossen werden (normales Innenzeltgewebe).

Ob Regenwald oder eisige Steppe – wir hatten stets viel Spielraum, wie stark die Belüftung ist, und auch wie viel Kälte wir von außen hinein lassen. Vier Personen sind eine klasse Heizung, und wenn alles geschlossen ist, was sich schließen lässt, wird es erheblich wärmer als draußen. Bloß für die Nacht sollte man nicht alles hermetisch abriegeln, sonst gibt es Kondenswasserprobleme. Übrigens lassen sich die Belüfter sowohl mit Mesh, als auch mit winddichtem Gewebe verschließen – und das sogar von außen und innen!

Unser Fazit zum Hilleberg Keron 4

Alle Familienmitglieder sind zufrieden. Mit dem Keron 4 haben wir immer eine sichere Wohnung im Gepäck - egal, wo wir unterwegs sind. | Foto: Jens Blume
Alle Familienmitglieder sind zufrieden. Mit dem Keron 4 haben wir immer eine sichere Wohnung im Gepäck – egal, wo wir draußen unterwegs sind. | Foto: Jens Blume

Das waren ganz schön viele Fakten. Ziehen wir hier erst einmal einen Schlussstrich. Wenn ich die drei wichtigsten Merkmale des Hilleberg Keron 4 beschreiben sollte, so sind dies

  • die überragende Robustheit,
  • das bis ins letzte Detail durchdachte Design
  • und die verblüffende Vielseitigkeit des Zeltes.

Egal, welches Wetter draußen herrscht, auf das Material und die Verarbeitung des Keron 4 ist Verlass – auch nach Wochen oder Monaten des täglichen Gebrauchs. Wenn wir in Patagonien mal keinen geschützten Ort zum Zelten fanden, war das nie Grund zur Panik. Schließlich hatten wir unseren „Bunker“ im Gepäck. (So hat ein polnischer Radfahrer unser Zelt bezeichnet, der schon zehn Jahre auf den Straßen der Welt unterwegs ist.)

Völlig überzeugt bin ich außerdem vom Design. Jedes einzelne Teil ist so konzipiert, dass die Verwendung unheimlich schnell, praktisch, funktional und sicher ist. Das fängt beim Stangenaufbewahrungsbeutel an, worin ein Ersatzsegment derart intelligent verstaut wird, dass es nie aus Versehen herausfällt, die restlichen Stangen jedoch ruck-zuck zur Hand sind. Und aufhören tut es eigentlich gar nicht. Immer wieder gibt es Aha!-Momente, in denen ich denke, „Mensch, geschickter kann man’s gar nicht machen!“.

Das Zuhause im Gepäck... | Foto: Jens Blume
Das Zuhause im Gepäck… | Foto: Jens Blume

Schließlich ist das Hilleberg-Zelt unheimlich vielseitig. Dank der guten Belüftung ist es der richtige Partner in heißen Regionen, dank des bis zum Boden heruntergezogenen Außenzeltes aber genauso gut die richtige Wahl für tiefen Schnee. Weil das Zelt auch ziemlich gut bei Sturm aufbaubar ist, gilt die Empfehlung auch uneingeschränkt für windige Regionen. Es beherbergt wunderbar eine vierköpfige Familie, ist aber sicher auch eine gute Wahl für drei Erwachsene mit viel Gepäck. Einzig der Fakt, dass das Zelt nicht freistehend ist, schränkt die Schlafplatzmöglichkeiten ein klein wenig ein. Man kann hierzu zwar schwere Gegenstände am Boden verwenden, das ist allerdings ganz schön fummelig und es empfiehlt sich, ein wenig Leine dafür bereit zu halten.

Abgesehen davon gefällt es mir sehr, wie rasch das Keron 4 aufgebaut ist. Wenn das Baby schreit, der eisige Wind pfeift und vielleicht auch noch ein Hagelschauer einsetzt, zählt jede Minute, in der die Kinder das Zelt eher betreten können. Die „Zeltfreigabe“ gibt es übrigens meist schon dann, wenn die vier Zentralheringe sitzen. Dann verschwindet Emilia mit den Zwergen im Innenzelt und bläst die Isomatten auf, während ich mich in Ruhe um die Sturmabsicherung kümmere.
Auch kann bei heftigem Wind nicht viel verloren gehen, schließlich sind Zeltunterlage, Außen- sowie Innenzelt eine miteinander verbundene Einheit. Einzig und allein über eine breitere Heringspalette ist nachzudenken, bevor es auf größere Tour geht.

Hiermit endet mein Testbericht, während Teil 2 unserer Reise beginnt: Bolivien und Peru warten auf uns und wir sind nach unseren bisherigen Erfahrungen sicher, dass uns das Hilleberg Keron 4 bei noch tieferen Minus-Temperaturen auf dem Altiplano-Plateau eine genauso gut eine Wohnung bieten wird wie bisher!

  • Hier gibt’s das Hilleberg Keron 4 Zelt im Bergzeit Shop:

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