Ein Feuer in freier Natur zu entfachen ist gar nicht so einfach, wie man denkt. Auch beim Brennvorgang und beim Löschen des Feuers gibt es einiges zu beachten. Wildnis-Experte Tobias Krüger erklärt in 7 Schritten, wie es garantiert gelingt!

Feuer machen kann in der Wildnis überlebenswichtig sein. Es spendet Wärme, ist sinnvoll zum Abkochen von Wasser und eignet sich zum Grillen der frisch gefangenen Forelle. Vielleicht wollt ihr auch eure Liebste oder euren Liebsten mit einem romantischen Wochenende in der Natur überraschen? Gerade dann macht ein knisterndes Lagerfeuer unter dem Stenenhimmel so einiges her.

In jedem Fall ist es wichtig, dass ihr wisst, wie ihr richtig Feuer machen könnt, ohne daran zu verzweifeln und ohne dass ihr aus Versehen den ganzen Wald in Brand steckt. Denn der Umgang mit einem offenen Feuer ist bei weitem nicht so „ohne“, wie allgemein angenommen wird. Wir verraten euch sieben Tricks und Kniffe, damit im Ernstfall nichts schiefgehen kann!

1. Die richtige Feuerstelle

Die Suche nach der richtigen Feuerstelle ist für den Feuer-Erfolg entscheiden. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger
Die Suche nach der richtigen Feuerstelle ist für den Feuer-Erfolg entscheiden. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger

Wählt die Feuerstelle am besten so, dass sich in einem Raum mit einem Radius von mindestens drei Metern (auch in die Höhe) keine leicht brennbaren Materialien befinden und achtet darauf, dass der Boden an dieser Stelle feuerfest und nicht zu locker ist. Lockerer Boden birgt die Gefahr von Wurzelbrand. Die Glut, die auf Wurzeln übergreift, bekommt dabei so viel Sauerstoff, dass sie sich unter der Erde entlang fressen und auch noch  Tage später und an meterweit entfernten Stellen ein neues Feuer entfachen kann.

Außerdem kann es sein, dass es sich bei lockerem Waldboden nicht wirklich um Erde, sondern um gepresste und halb verrottete Blätter handelt, die ebenfalls zu Brennen oder Glühen beginnen können. In diesem Fall sinkt euer Feuer dann immer tiefer in den Boden ein. Besonders Acht geben müsst ihr im Frühling nach der Schneeschmelze und im Spätherbst. Zu diesen Jahreszeiten sind herumliegendes Laub und abgestorbene Gräser meist von Regen durchnässt und sehen daher ungefährlich aus. Die Nässe ist jedoch oberflächlich und die Blätter und Gräser selbst enthalten keine Feuchtigkeit mehr, sodass sie sehr leicht anfangen zu brennen, wenn das Regenwasser durch die Wärme des Feuers verdunstet ist.

2. Die Vorbereitung/Wahl der Feuerstelle

Um ein Feuer zu entzünden, benötigt ihr irgend etwas, mit dem ihr die erste Glut oder die erste Flamme entfachen könnt. Hier gibt es unterschiedlichste Methoden und Hilfsmittel, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Um den Artikel nicht ausufern zu lassen, konzentrieren wir uns hier auf die Verwendung von Streichhölzern, die in jedem Survival-Kit enthalten sind und die auch sonst leicht zu finden sind.

Eine Kerze mit ihnen anzuzünden ist kinderleicht, doch bei einem Feuer wird es schon ein wenig schwieriger. Denn die kleinen Wunderhölzer haben zwei entscheidende Nachteile: Sie sind nur in begrenzter Stückzahl vorhanden, sodass man nicht unbegrenzt Versuche frei hat. Zudem verlieren sie ihre Wirkung, wenn sie nass oder feucht werden. Um nicht alle Streichhölzer „verpuffen“ zu lassen, braucht man die richtige Technik und das richtige Brennmaterial.

Um Streichhölzer vor Nässe zu schützen, reicht übrigens ein kleiner Trick. Steckt die Köpfe der Streichhölzer vor eurer Reise in flüssiges Wachs, sodass sich eine kleine Schutzschicht bildet. Wenn ihr die Hölzer braucht, könnt ihr die Schutzschicht mit dem Finger leicht wieder abkratzen.

  • Vorbereitung: Bevor ihr euch jedoch ans Entzünden des Feuers macht, solltet ihr alles genau vorbereiten und genügend Brennmaterial zusammentragen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn ein mühsam entfachtes Feuer sofort wieder erlischt, weil man vergessen hat, für Anfeuermaterial zu sorgen.
  • Windschutz: Achtet besonders auch auf den Wind, denn wenn dieser zu stark ist, führt er sehr leicht zu einem starken Funkenflug. Dieser ist besonders gefährlich, da die Funken vom Wind auch gleich noch angeblasen werden. Wenn es also windig ist, müsst ihr unbedingt einen Windschutz um das Feuer errichten. Dieser kann aus einem Erdwall bestehen, aber auch aus aufgestellten Steinplatten, Grasziegeln o.ä. Ab Windstärke 6 sollte kein Feuer mehr gemacht werden!
  • Achtung bei nassen Steinen: Doch auch ohne Wind kann eine Begrenzung aus Erde, Steinen oder anderem unbrennbaren Material sinnvoll sein, um das Feuer daran zu hindern, sich unkontrolliert auszubreiten. Verwendet dafür aber keine nassen Steine! Diese entwickeln durch das spontane Erhitzen innere Spannungen und springen sehr leicht, wodurch sie zu gefährlichen Geschossen werden können. Legt sie daher zunächst in einigem Abstand um das Feuer und lasst sie langsam trocknen. Dabei gilt die Regel – ein Stein sollte umso langsamer trocknen, je feiner seine Poren sind.

3. Die richtigen Brennmaterialien

Nicht in jedem Wald ist sofort das passende Brennmaterial zur Stelle. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger
Nicht in jedem Wald ist sofort das passende Brennmaterial zur Stelle. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger

Damit ein Feuer richtig brennen kann, braucht es für jede Brennphase die passende Nahrung. Wenn ihr also ein Streichholz direkt an einen Baumstamm haltet, wird dies ohne größeren Effekt bleiben. Ihr braucht also zunächst Zundermaterial oder zumindest etwas, das sehr leicht brennt.

  • Zunder: Hierfür eignen sich vor allem die Samen von Pusteblumen, Disteln oder auch trockene Rohrkolben. Leicht brennbare Materialien sind außerdem trockenes Laub, trockene Gräser, trockene Nadeln oder dünne Holzspäne. Letztere könnt ihr mit einem Taschenmesser von trockenen Ästen schnitzen.
  • Anfeuer-Material: Als nächste Stufe benötigt ihr Anfeuermaterial. Das Non-Plus-Ultra ist hier Fichtenreisig. Fichten haben keine natürliche Astbereinigung, das bedeutet, dass abgestorbene, kleine Ästchen einfach am Baum hängen bleiben, wo sie keine Feuchtigkeit ziehen können. Selbst wenn es regnet brennen diese Reisigästchen immer noch wie der Teufel. Sammelt davon soviel wie möglich und macht kleine, handliche Pakete daraus. Wenn es keinen Fichtenreisig gibt, eignen sich aber auch alle anderen Arten von dünnen Zweigen oder Ästchen.
  • Brennmaterial: Zuletzt benötigt ihr noch jede Menge Material, das längere Zeit brennt. Auch hierbei solltet ihr verschiedene Stärken und Dicken sammeln, angefangen bei fingerdicken Zweigen bis hin zu etwa armdicken Ästen.

4. Der Aufbau des Feuers

Nichts ist so entscheidend für euren Erfolg als „Feuermacher“ wie der richtige Aufbau eurer Feuerstelle. Wenn der Boden nass oder feucht ist, ist es wichtig, zunächst eine sogenannte Konterlattung zu errichten, auf der ihr das Feuer entzündet. Deswegen gibt es hier die passende Anleitung, worauf ihr beim Aufbauen des Lagerfeuers achten solltet.

  • Unterlage bauen: Dazu legt ihr dünne, bis etwas daumendicke Äste parallel nebeneinander, so als wolltet ihr einen kleinen Fußboden bauen. Darauf kommt dann eine weitere Schicht, die ihr genau quer zur ersten errichtet. Dadurch wird zum einen die Bodenfeuchtigkeit vom Feuer ferngehalten und zum anderen steigert sich die Hitzeentwicklung, da sich die Glut ohne Hindernis nach oben und nach unten ausbreiten kann.
  • Zundermaterial aufbauen und kompremieren: Auf diesen Untergrund schichtet ihr jetzt euer Zundermaterial auf, umgeben von den Materialien, die besonders leicht brennbar sind. Komprimiert diese gut, sodass sich später ein ordentlicher Glutkern bilden kann. Auf diese Weise geht wertvolle Hitze nicht einfach wieder verloren.
  • Mit Reisig-Pyramide umgeben: Nun könnt ihr euren Fichtenreisig wie eine kleine Pyramide um diesen inneren Kern herum aufstellen. Auch diesen solltet ihr gut verdichten. Als nächste Schicht kommen dann die dünnen Äste, die ihr ebenfalls wie zu einer Pyramide außen um den Reisig herum aufstellt. Achtet jedoch darauf, dass ihr eine Lücke frei lasst, durch die ihr euer Feuer im Inneren entzünden könnt!

5. Feuermachen: Von der ersten Glut zum ausgewachsenen Feuer

Die ersten Phasen des Feuers sind immer die kritischsten. Hier kann schlicht am meisten schiefgehen. Bevor ihr also euer Streichholz anzündet, kontrolliert noch einmal, aus welcher Richtung der Wind weht und setzt euch so vor euer Feuer, dass ihr es gut mit dem Rücken abschirmt. Geht mit dem Streichholz so nah wie möglich an eure Feuerpyramide heran, damit es auf dem Weg dorthin nicht ausgepustet werden kann. Flammen brennen immer von unten nach oben. Entfacht euer Zundermaterial daher an einer möglichst tiefen Stelle oder – noch besser – gleich an mehreren Stellen. Wenn es feucht ist, kann es hilfreich sein, gleich mehrere Streichhölzer auf einmal zu entzünden, um eine größere Hitzeentwicklung zu erzielen.

Sobald die ersten Flammen in eurer Pyramide brennen, müsst ihr das Feuer anheizen. Damit es sich entwickeln kann, braucht es viel Sauerstoff. Pustet daher langsam und gleichmäßig in die Pyramide und zwar ebenfalls so weit unten wie möglich. Pustet mit gleichmäßigem Luftstrahl in die Glut, nicht in die Flammen. Solange nur das leicht brennbare Material brennt, ist die Situation noch immer kritisch. Wenn der Fichtenreisig in Flammen steht, dann habt ihr es schon fast geschafft.

Nun solltet ihr darauf achten, dass dickere Äste Feuer fangen. Korrigiert ihre Position dafür gegebenenfalls, damit sie genau in den Flammen stehen. Jetzt könnt ihr auch damit beginnen, weiteres Holz um das Feuer aufzustellen, sodass es sich langsam vergrößert und immer genügend Nahrung zum Brennen hat. Wartet ihr damit zu lange, kann es durchaus passieren, dass es zusammenfällt und erlischt, obwohl es bereits brannte!

6. Das Feuer erhalten

Wichtig: Lücke fürs Anzünden frei lassen. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger
Wichtig: Lücke fürs Anzünden frei lassen. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger

Wenn ihr das Feuer auf eine sichere Größe „herangezüchtet“ habt, könnt ihr euch etwas entspannen. Es wird euch nun nicht mehr so leicht ausgehen. Achtet aber darauf, dass ihr es nie größer macht als unbedingt nötig. Zum einen wird es dadurch schwieriger zu kontrollieren und zum anderen verbraucht ihr dadurch wesentlich mehr Brennmaterial. Unter den nordamerikanischen Indianern gibt es eine Lästerei, die das gut auf den Punkt bringt: „Ein Indianer wärmt sich am Feuer durch die Flammen. Ein Weißer wärmt sich dadurch, dass er durch den Wald rennt und ständig neues Brennmaterial sucht.“

Am sparsamsten ist ein Feuer, wenn man erst dann Holz nachlegt, wenn es fast bis auf die Glut heruntergebrannt ist. Wichtig ist aber vor allem, dass ihr es die ganze Zeit über kontrollieren und auch wieder löschen könnt. Lasst ein offenes Feuer niemals unbeaufsichtigt und habt auch eure nähere Umgebung immer im Auge! Besonders vorsichtig müsst ihr mit schmelzbarer oder leicht entzündlicher Kleidung sein, also mit allem was aus Kunstfasern besteht. Dazu gehört nahezu jede moderne Outdoorkleidung. Kunstfasern beginnt bereits zu schmelzen, wenn sie von kleinen Funken getroffen werden oder wenn sie zu nah ans Feuer geraten. Je nach Stärke kann das von einer ärgerlichen Beschädigung der Kleidung bis hin zu sehr bösen Hautverletzungen reichen. Haltet daher mit derartiger Kleidung immer genügend Abstand vom Feuer. Die beste Lösung ist natürlich, beim Feuermachen eine Kleidung zu tragen, die wie beispielsweise Baumwolle nicht schmelzen kann und sich nur sehr schwer entzündet!

7. Sicher löschen und den Platz spurlos hinterlassen

Für das Löschen eines Feuers gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder ihr entzieht dem Feuer Sauerstoff – oder die Nahrung. Bei der ersten Methode erstickt ihr das Feuer mit Erde, Sand, einem nassen Tuch, Fell oder Teppich. Oder ihr gießt einfach reichlich Wasser darüber, wobei es hier am sinnvollsten ist, das Wasser auf den Feuerfuß – also seitlich auf die Glut anstatt von oben auf die Flammen – zu gießen.

Um ein Feuer zu ersticken, benötigt ihr die entsprechenden Dinge natürlich. Speziell Wasser ist manchmal schwer zu finden. Schaut euch daher zuvor gut um, ob ihr auch wirklich etwas zum Löschen in Reichweite habt. Wenn dies nicht der Fall ist, müsst ihr im Umgang mit eurem Feuer noch vorsichtiger sein und es so gut einschätzen können, dass ihr die Kontrolle nicht verliert! Um es ohne Hilfsmittel zu löschen, lasst es am besten bewusst ausgehen, indem ihr kein neues Holz mehr nachlegt. Schichtet das Feuer dabei noch einmal so auf, dass das vorhandene Holz möglichst schnell verbrennt. Größere Holzscheite, die kaum oder noch gar nicht brennen, könnt ihr aus dem Feuer nehmen und einzeln mit ein bisschen Wasser oder nasser Erde löschen.

Hat mit dem Feuer alles geklappt, steht der Nahrungszubereitung nichts mehr im Wege. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger
Hat mit dem Feuer alles geklappt, steht der Nahrungszubereitung nichts mehr im Wege. | Foto: Heiko Gärtner/Tobias Krüger

Am sinnvollsten ist eine Mischung aus beiden Methoden. Lasst das Feuer also erst so weit wie möglich herunterbrennen und löscht den Rest dann mit Wasser, Erde oder was immer ihr sonst findet. Eine beliebte und bewährte Methode ist es, das Feuer einfach auszupinkeln. Ob ihr darin einen ästethischen Stilbruch seht, müsst ihr selbst entscheiden.

Gelöscht ist ein Feuer erst dann, wenn es keine Glutreste und auch keine Rauchentwicklung mehr gibt. Fühlt am Ende also noch einmal mit der Hand über die Feuerstelle und kontrolliert, ob ihr noch immer eine große Hitzeentwicklung spürt. Bevor ihr den Platz verlasst, könnt ihr eure Feuerstelle mit Waldboden bestreuen und so vor den Blicken anderer verschwinden lassen. Achtet auch darauf, dass ihr den Feuerplatz so hinterlasst, wie ihr ihn vorgefunden habt.

Brauchst Du für Deine nächste Tour noch ein Feuerzeug oder Streichhölzer?

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