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Merinowolle & Löcher: Materialschäden und Mottenfraß vermeiden

5 Minuten Lesezeit
Abrieb, falsche Pflege, vorgeschädigte Fasern und auch Mottenfraß können bei Funktionsbekleidung aus Merinowolle für Schäden sorgen. Material-Expertin Monika Rausch erklärt wie und warum – und was Du tun kannst, um vorzubeugen.

Merino hat über die letzten Jahre hinweg in allen Bereichen von technischer Outdoorbekleidung Einzug gehalten. Die smarte Naturfaser stellt mit ihren fantastischen natürlichen Eigenschaften viele synthetische Fasern in den Schatten.

Von Funktionsunterwäsche über Softshells bis hin zu isolierender Wattierung – kaum ein großer Hersteller hat kein Produkt mit Merinowolle im Angebot. Bei Marken wie Icebreaker, Devold, Smartwool oder Ortovox ist die feine Wolle ein funktionelles und ganzheitliches Gesamtkonzept.

Was sind die natürliche Stärken und Schwächen der Merinofaser?

Was die Natur der Merinofaser an Eigenschaften mitgegeben hat, muss bei synthetischen Fasern durch mechanische Prozesse oder chemische Ausrüstung erzielt werden. Sei es Wärmerückhaltevermögen, Feuchtigkeitsregulation, Elastizität oder geruchshemmende Eigenschaften – Merino hat es schon in sich.

Jede Marke, die Merinoprodukte im Programm hat, bietet meist ausführliche Informationen über die Vorteile der Faser. Nicht immer wird bei allem berechtigten Lob deutlich, dass die Faser auch einige wenige, natürliche Schwächen gegenüber synthetischen Fasern hat – und wie man diesen durch richtige Handhabung und Pflege begegnen kann.

Löcher durch Abrieb: Was sind realistische Erwartungen?

Doppelstrick-Stoff aus Polyester und Merinowolle.
Doppelstrick-Stoffe ermöglichen einen klugen Materialmix: Innen sorgt Merinowolle für Komfort und Funktionalität, außen schützt Polyester die feinen Fasern vor Abrieb. | Foto: Monika Rausch

Der molekulare Aufbau aus dem Strukturprotein Keratin, die schuppige Oberfläche und der feine Faserdurchmesser (bei körpernaher Merinobekleidung und Unterwäsche meistens 17,5 bis 19 Mikron) sind für die fantastischen Eigenschaften von Merinowolle verantwortlich.

Jedoch führt genau diese Kombination auch dazu, dass ein Stoff aus reiner Merinowolle bei vergleichbarer Konstruktion nicht gleich abriebfest sein kann wie ein Textil aus 100 Prozent synthetischen Polyester- oder Nylon-Fasern. Daher setzen viele Hersteller von Merino-Bekleidung auf Fasermischungen.

Die Beimischung von synthetischen Fasern zu Merinowolle kann die Haltbarkeit generell und die Abriebfestigkeit der Außenseite im Besonderen um ein Vielfaches erhöhen. Besonders wenn bei einem Doppelstrick die synthetische Faser auf der Außen- und das Merino auf der Innenseite liegt.

Anders sieht es bei einem Produkt aus 100 Prozent Merinowolle mit hoher Feinheit (zum Beispiel 17.5 Mikron) aus. Ein feines Merino-Shirt wird als Unterwäsche getragen von einer weiteren Materiallage vor direktem Abrieb geschützt. Bei angemessenem Gebrauch und richtiger Pflege sollte es nicht zu Materialschäden kommen. Wird dieses Shirt jedoch der direkten Reibung mit sehr rauen Oberflächen oder scharfen Kanten – zum Beispiel Klettverschlüsse oder Gurtschnallen – ausgesetzt, kann die Materialoberfläche danach stark geraut sein. In der Folge können an den beanspruchten Stellen Löcher im Stoff entstehen. Dies liegt an der Natur der Merinofaser und ihrer geringeren Abriebfestigkeit.

Pflegeschäden: Worauf ist zu achten?

In Bezug auf Haltbarkeit und Materialschäden sind einige wenige aber wichtige Grundregeln beim Waschen von Merinoprodukten zu beachten.

  1. Reibung vermeiden: Unnötige mechanische Reibung sollte vermieden werden. Das gilt speziell beim Waschen, daher sollten alle Reißverschlüsse und Knöpfe der restlichen Waschladung sorgfältig geschlossen werden. Ein Waschsack schützt vor Reibung und Kontakt – vor allem mit Klettverschlüssen – und wird Deinem Merinoprodukt eine längere Lebensdauer bescheren.
  2. Enzymhaltige Waschmittel vermeiden: Waschmittel mit dem Enzym Protease können die Eiweißmoleküle des Keratins aufspalten. Sie führen zum Aufquellen und zu Schäden an der Merinofaser. Diese Enzyme sind leider zum Teil auch in ausgewiesenen Wollwaschmitteln enthalten, da diese meist für gröbere Wollfasern gedacht sind. Unser Tipp daher: Immer auf die Inhaltsstoffe achten! Spezielle Funktionswaschmittel mit neutralem PH-Wert enthalten (meist) keine Protease und reinigen die Wollfaser schonend.
  3. Bleichmittel vermeiden!
  4. Schonend trocknen: Bei hohen Temperaturen läuft Wolle ein und verfilzt. Wenn es also nicht explizit auf dem Pflegeetikett der Hersteller vermerkt ist, gehört Merino nicht in den Trockner! Auch auswringen mag Merinowolle nicht. Am besten zum Trocknen flach auslegen.

Eine typische Eigenheit von Merinostoffen – besonders von Strickware – ist, dass nach der ersten Wäsche auf der Materialoberfläche gleichmäßig kurze Faserenden abstehen. Das sieht aus wie ein leichter Flaum, verändert sich im weiteren Gebrauch nicht weiter und stellt keinen Materialschaden dar.

Mottenfraß: Wie kann das verhindert werden?

Mottenlöcher in einem Stoff aus Merinowolle.
Typische Mottenlöcher in einer Merinostrickware. | Foto: Monika Rausch

Die Larven der Kleidermotte ernähren sich von dem in Wolle enthaltenen Protein Keratin. Wenn also Dein Merinoprodukt länger unbenutzt im Schrank liegt, muss es – ebenso wie Omas selbstgestrickter Wollpulli – vor Mottenbefall geschützt werden. Das klappt so:

  • Mottenschutz: Am besten auf natürliche Mittel zurückzugreifen wie Zedern-, Niembaum- und Zirbelkieferholz mit einem hohen Anteil an ätherischen Ölen. Auch das gute alte Lavendelsäckchen erzielt die gewünschte Wirkung. Die klassische chemische Mottenabwehr enthält oft gefährliche Nervengifte.
  • Waschen: Grundsätzlich sollte ein Merinoprodukt vor dem längeren Lagern gewaschen werden, da Motten auch von Hautrückständen und Körperfetten angezogen werden.
  • Lüften: Regelmäßiges Lüften von Kleidern und Schränken hilft ebenfalls, um Motten vorzubeugen.

Vor- oder Nachteile: Was überwiegt?

Merinowolle ist in ihrer Fülle von natürlichen positiven Eigenschaften eine herausragende Wahl, wenn Du hohe Ansprüche an funktionelle Bekleidung hast. Die Vorteile wiegen ganz klar die geringfügig eingeschränkte Haltbarkeit auf. Je nach Erwartung wählst Du entweder Kleidung aus 100 Prozent Merinowolle oder ein Material mit Beimischung von synthetischen Fasern. Bei richtiger Pflege wirst Du sehr lange sehr viel Freude mit einem Merinoprodukt haben!

Habt Ihr Fragen zum Thema Löcher in Merino-Bekleidung? Dann ab damit ins Kommentarfeld unten. Wir freuen uns auf Eure Beiträge!

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