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Der dritte im Bunde

Im Test: Der Tourenskischuh Hoji PU von Dynafit

7 Minuten Lesezeit
Der Hoji PU ist das neue Mitglied der Dynafit Hoji Serie und soll der abfahrtsorientierte Allround-Skitourenschuh der Kollektion sein. Bergzeit Autor und Skitourenexperte Lorenzo Rieg hat den Schuh im Gelände getestet.

Bereits letztes Jahr hat Dynafit die ersten Modelle der in Zusammenarbeit mit Eric Hjorleifson (kanadischer Ski-Pro) und Fritz Barthel (Erfinder der Ur-Dynafit) entwickelten Hoji Tour Serie auf den Markt gebracht. In dieser Saison gibt es drei Modelle, auf deren Unterschiede ich hier kurz eingehen möchte:

Der von mir getestete Hoji PU und der Hoji Pro Tour teilen sich eine Form, d.h. die Schale ist prinzipiell identisch. Der Hauptunterschied liegt im Material. Während der Hoji PU wie schon der Name sagt aus Polyurethan gefertigt ist, kommt beim großen Bruder Hoji Pro Tour Grilamid zum Einsatz. Dies macht den Hoji PU etwas schwerer (ca. 100 Gramm, je nach Größe aber auch etwas mehr) und weicher. Zudem hat der Hoji Pro Tour mit dem „Custom Light“ einen hochwertigeren und besser anpassbaren Innenschuh als der Hoji PU und verfügt auch über das „Hoji-Lock“-System, bei dem mit Schließen der obersten Schnalle gleichzeitig der Abfahrtsmodus aktiviert wird. Der Hoji PU hat eine klassische Verstellung über den Hebel hinten am Schuh. Der Hoji PU hat zudem auch nur einen normalen Velcro-Strap, während beim Pro Tour der Ultra-Locl-Strap verbaut ist.

Der Hoji Free ist das Topmodell und ist nicht nur etwas härter als der Hoji Pro Tour, sondern hat auch eine etwas schmalere Passform, gerade im Vorderfußbereich. Zudem verfügt er als einziges Modell der Serie über einen Schnabel vorne, was ihn auch für Rahmen- oder Hybridbindungen (wie die Salomon Shift oder B.A.M Pindung) tauglich macht und die Verwendung von vollautomatischen Steigeisen erlaubt. So, nachdem das geklärt wäre, zurück zum Hoji PU!

Erster Eindruck des Dynafit Hoji PU

Dynafit Hoji PU
Der Hoji PU ist das neue Mitglied der Dynafit Hoji Kollektion. | Foto: Dynafit

Abgesehen von der Farbe muss man die Unterschiede zum Hoji Pro Tour in der Realität erst einmal suchen. Das Gewicht fällt einem auf einer 1.000-Höhenmeter-Tour sicher auf, daheim im Wohnzimmer kann ich aber praktisch keinen Unterschied feststellen. Das Hoji-Lock vermisse ich persönlich jetzt auch nicht, ich habe beim Pro Tour ohnehin die oberste Schnalle und den Strap nochmals extra geöffnet, um die volle Beweglichkeit zu erhalten. Relevanter ist da schon der einfachere Innenschuh. Nicht nur, dass er weniger Potential zum Anpassen bietet, er ist auch etwas weniger warm. Ersteres ist vor allem relevant, da der Schuh gerade im Vorderfußbereich überdurchschnittlich breit ausfällt (Dynafit gibt 103,5 Millimeter als Leistenbreite an, normalerweise haben Skitourenschuhe hier 102 Millimeter oder weniger).

Ich muss auch gleich gestehen, dass ich kein allzu großer Fan der von Dynafit „Shark Nose“ genannten Schuhspitze bin, bei der kein Schnabel vorne vorhanden ist. Dies verschafft dem Schuh zwar eine kürzere Sohlenlänge und damit einen etwas besseren Drehpunkt beim Gehen, allerdings verhindert es nicht nur die Nutzung des Schuhes in manchen Bindungen, sondern leider auch die Verwendung von Automatik-Steigeisen wie meinen genialen Grivel Ski-Tour 2.0. Man muss also entweder die Dynafit-eigenen „Cramp-In“ Steigeisen verwenden oder eben Halbautomatik-Modelle mit Körbchen vorne.

Ansonsten macht der Schuh im Wohnzimmer einen tollen Eindruck. Die Schnallen und die Umstellung vom Geh- in den Skimodus und umgekehrt sind leichtgängig und solide, gerade die oberste Schnalle welche in offener Stellung einrastet gefällt mir gut. Auch die Sohle scheint schön griffig und trotzdem haltbar zu sein. Man ist im Schuh recht schnell drin und wieder draußen, auch hakeln die Schnallen konstruktionsbedingt wenig und verhängen sich auch praktisch nicht miteinander.

Zuletzt sollte ich noch anmerken, dass der Schuh das günstigste Modell aus der aktuellen Dynafit-Kollektion ist. Natürlich sind die aufgerufenen 490 Euro immer noch eine Stange Geld, aber man bekommt wirklich einiges an Tourenschuh dafür!

Der Tester

Ich bin 1,83 Meter groß und wiege etwa 75 Kilogramm. Ich bin sehr viel auf Ski unterwegs, vor allem auf Skitour. Dabei bin ich kein Gipfelsammler, sondern lege eher Wert auf die Abfahrt. Daher bin ich nicht nur stets auf der Suche nach unverspurtem Powder, sondern auch in der Regel mit breiten Freerideski auf Tour. Die Hoji PU habe ich seit Dezember und habe sie vor allem auf einem DownSkis Countdown L 104 getestet, auf dem eine Dynafit Radical 2.0 als Bindung montiert ist.

Meine Füße sind 28 Zentimeter lang und normal geformt, ich habe in der Regel keine besonderen Probleme, passende Skischuhe zu finden. Außer dem Hoji PU verwende ich normalerweise einen Scott S1 für Skitouren, für lange Frühjahrstouren steht auch noch ein Scarpa F1 im Schrank.

Die Hoji PU fahre ich in Größe 27,5 was zwar in der Länge etwas knapp ist, nach anpassen des Innenschuhs aber gut funktioniert. Trotz der wirklich knappen Größe sind die Schuhe für mich aber noch grenzwertig breit. Zur Abfahrt muss ich die beiden unteren Schnallen ganz schön zuknallen, was natürlich nicht wirklich optimal ist, in der Praxis aber dann doch gut funktioniert. Anprobieren würde ich aufgrund der ungewöhnlichen Passform allerdings stark empfehlen.

Jetzt geht’s aber los mit dem Test!

Der Tourenskischuh im Aufstieg

Klar, es handelt sich beim Hoji PU nicht gerade um einen Skitouren-Rennschuh, trotzdem punktet er im Aufstieg durch sein verhältnismäßig geringes Gewicht. Zudem ist die Schaftrotation, gerade wenn man die oberste Schnalle und den Powerstrap weit öffnet, sehr ausgeprägt. Zusätzlich ist der Schaft nicht nur beweglich, sondern bietet auch wirklich praktisch keinen Widerstand, was ein sehr natürliches und gleichmäßiges Aufsteigen ermöglicht. Auch ohne Ski am Fuß geht es sich mit dem Schuh ausgezeichnet, die Sohle ist griffig, rollt recht gut ab und die kurze Sohlenlänge hilft bei Klettereinlagen.

Unter Umständen negativ anzumerken wäre, dass der Hoji PU – vermutlich aufgrund des eher günstigen Innenschuhs – eher kalt ist. Bei tiefen Temperaturen und geringer Aktivität, etwa während Pausen oder bei längeren Liftfahrten, bekomme ich schonmal kalte Füße. Das kommt bei mir mit anderen Tourenskischuhen praktisch nicht vor. Mit ein bisschen Bewegung ist es allerdings kein Problem und bei wärmeren Bedingungen sind die Schuhe auch merklich weniger vollgeschwitzt als andere Modelle.

Im Aufstieg schlägt sich der Schuh alles in allem wie erwartet und kann leicht mit anderen Modellen in der Gewichtsklasse mithalten.

Der Hoji PU in der Abfahrt

Bei der Abfahrt punktet der Schuh einerseits mit einem ordentlichen Flex, der auch das Steuern von breiten und langen Ski ohne Probleme erlaubt. Außerdem ist die Verriegelung des Hoji PU genauso wie bei seinen großen Brüdern deutlich solider als bei anderen Skitourenschuhen. Hier gibt es nicht nur keinerlei Spiel oder Nachgeben, sondern einfach auch eine bessere Kraftübertragung zwischen den beiden Teilen der Skischuhschale. Dies führt zu einem ungewohnt soliden und progressiven Flex, der dem eines Alpinschuhs wirklich sehr nahe kommt.

Skifahrer testet Dynafit Hoji PU in der Abfahrt beim Tiefschneefahren
Lorenzo hat den Hoji PU vor allem mit Freetouring-Ski getestet und ist von seinem progressiven Flex positiv überrascht. | Foto: Lorenzo Rieg

Leider muss ich persönlich gestehen, dass ich mit dem sehr aufrechten Schaft des Schuhs nicht so gut klar komme. Mir ist bewusst, dass sich Dynafit hier an der Meinung einer Mehrheit der Skitourensportler orientiert und die Schaftneigung bei Skitourenschuhen generell immer mehr abnimmt. Gerade in schwierigem Schnee und mit einem schweren Rucksack habe ich damit aber so meine Probleme. Natürlich kann ich auch bei Bruchharsch wunderbar mit dem Schuh abfahren, allerdings muss ich hier schon sehr exakt über dem Ski stehen, um nicht in Rücklage zu geraten aber auch nicht zu viel Druck auf die Tips zu bekommen. Dadurch gelingt es mir persönlich nur in gleichmäßigen Schneearten, also Powder, tragfähiger Kruste oder Piste das volle Potential des Hoji PU abzurufen.

Testfazit

Wenn einem der Schuh passt und der recht aufrechte Schaft zusagt, ist der Hoji PU eine klare Alternative, egal ob gegenüber der Hoji-Serie oder Modellen anderer Hersteller. Der Tourenskischuh bietet eine tolle Abfahrtsperformance bei vertretbarem Gewicht, guten Aufstiegseigenschaften und leichtem Handling – und das zum Kampfpreis. Wirkliche Abstriche macht man eigentlich nur beim Innenschuh, der mit teureren Modellen nicht ganz mithalten kann.

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