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Komfortabler Leichtbergstiefel

Mammut Taiss Light Mid GTX im Test: Ultraleichte Hochtourenschuhe

6 Minuten Lesezeit
Der Taiss Light von Mammut ist aktuell der leichteste C-Bergstiefel auf dem Markt. Genügt er dabei auch den Anforderungen an Trittsicherheit auf Fels, Schnee und Eis? Chris Stoll hat den ultraleichten Hochtourenstiefel am Klettersteig und auf Gletschertour getestet.

Was verspricht der Leichtbergstiefel?

Mit dem wasserdichten Taiss Light Mid GTX setzt Mammut neue Maßstäbe im Segment der Leichtbergstiefel: Der Hochtourenstiefel der Kategorie C wiegt nur schlanke 1.060 Gramm pro Paar (bei Größe UK 8,5) und soll dennoch (hoch)alpinen Anforderungen gerecht werden.

Der flexible Schaft und die anatomisch präzise Passform ermöglichen laut Hersteller einen hohen Tragekomfort und Bewegungsfreiheit. Der wichtige Biss in Eis und Schnee soll dank versteifter Sohle und Kombisteigeisenaufnahme sichergestellt sein.

Auf zwei langen Klettersteigen und einer dreitägigen Hochtour habe ich diesen ultraleichten Bergstiefel ausgiebig getestet und dabei die ein oder andere Überraschung erlebt!

Ein Paar schwarze Bergschuhe auf einem Stein in der Sonne.
Leicht schaut er aus und bequem, der Mammut Taiss Light Mid GTX. Im Test geht es nun auf Klettersteig- und Hochtour. | Foto: Christoph Stoll

Passform und Größenwahl

Mit einer Straßenschuhgröße von 42 EU probiere ich den Taiss erstmal in Größe 8,5 UK (also etwas größer, in 42,5 EU) an, da ich befürchte, dass sonst die Zehen beim Bergabgehen anstoßen. Allerdings knickt die Spitze beim Gehen zu stark ein. Ich probiere den Schuh lieber noch ein bisschen kleiner, in Größe 8 UK (42 EU) und jetzt passt er perfekt! Problemlos schlupfe ich in den Schuh, durch den flexiblen Schaft bleiben Zurren und Zerren gänzlich aus. Als mein Fuß das Fußbett erreicht, fühle ich mich direkt wohl, als wäre der Bergschuh auf meinen Fuß gegossen worden.

Durch die anatomische Passform kann ich genau die Größe meiner Straßenschuhe tragen (auch mit dicken Socken!).

Und – so viel kann ich bereits vorwegnehmen – auch bergab hatte ich durch die zentimetergenaue Schnürung überhaupt keine Probleme.

Der Taiss Light Mid am Klettersteig

Als ein „gewaltiges Unterfangen“ werden Seeben-Klettersteig und Tajakante in einem Klettersteigführer bezeichnet, wenn man beide Touren an einem Tag unternimmt. Mit ca. 1.500 Höhenmetern, bestehend aus alpinen Zustiegen und Klettersteigpassagen der D-Schwierigkeit, muss der Taiss jetzt wirklich sein Komfort-Versprechen halten, sonst sind Fußschmerzen vorprogrammiert.

Ein Mann im Klettersteig von unten fotografiert.
Im anspruchsvollen Klettersteig zeigt der Taiss Light Stabilität und Präzision selbst auf kleinsten Tritten. Auf glattem, nassem Fels bietet die Sohle ausgezeichneten Grip. | Foto: Christoph Stoll

Ich trage den Leichtbergstiefel also zum ersten Mal im Gelände und bin beeindruckt. Die Ferse sitzt bombenfest, sodass sich die Kraft meines Trittes direkt auf die angenehm steife Sohle überträgt und für Trittsicherheit sorgt. Nicht vollkommen steif zum Glück, denn jeder, der schon mal einen Kategorie D-Stiefel anhatte, weiß, was lange Hatscher im Fels für die Fußsohlen bedeuten.

Die ersten Meter im Klettersteig bestätigen nur das bisherige Gefühl: Die Schnürung bis zur Spitze hält den Bergschuh am Fuß wie eine zweite Haut, die versteifte Sohle macht selbst Antreten auf kleinen Tritten möglich und der flexible Schaft hinterlässt keinerlei Druckstellen.

„Was für ein geniales Teil“, höre ich mich schmunzelnd sagen und freue mich über den ausgezeichneten Grip der Sohle, als ich die steile, nasse Wand emporsteige. Am Gipfel des Tajakopfs angekommen, fühlen sich meine Füße nach wie vor frisch an, keine Blasen, keine Druckstellen und dank versteifter Sohle ist auch die Wade noch lange nicht leer! Also auf in den langen Abstieg…

Nachdem sich dem Tagesprogramm nun auch noch Dauerregen angeschlossen hat, bin ich gespannt, wie es um die Wasserdichtigkeit des Taiss steht. 1.500 Tiefenmeter später habe ich uneingeschränkt trockene Füße und gar kein Bedürfnis die Bergstiefel auszuziehen, denn sie machen ihrem Namen alle Ehre – der Tragekomfort begeistert auch talwärts! Wenn es sich mit weicher Sohle nicht besser Auto fahren ließe, hätte ich sie wahrscheinlich sogar auf dem Heimweg angelassen …

Der Taiss Light Mid am Gletscher

Nach der herausragenden Performance im Klettersteig und auf steilen Pfaden bin ich nun gespannt, ob der Taiss auch in Schnee und Eis überzeugen kann. Werden drei Tage in den Urner Alpen mit kilometerlangen Gletschern, frischem Neuschnee und zwei Gipfeln um die 3.500 Meter über NN die leichte Konstruktion an ihre Grenzen bringen?

Ein Bergschuh mit Kombisteigeisen auf dem Schnee.
Die Kombisteigeisen sitzen beim Mammut Taiss Light perfekt. | Foto: Christoph Stoll

Die Kombisteigeisen sind schnell an die Schuhgröße angepasst und schon beweist die Fersenaufnahme, dass sie anderen Bergstiefeln in nichts nachsteht. Die Steigeisen haben einen festen Sitz ohne den Fuß im Schuh zu beengen.

Auf dem Gletscher spüre ich den Taiss kaum, bisher war ich immer schwere D-Bergstiefel gewohnt.

Noch dazu vermittelt er absolute Trittsicherheit auch im steilen Gelände. Aber heute ist vor allem Spuren angesagt, denn es hat ca. 40 Zentimeter Neuschnee… Ich bin gespannt, ob meine Füße trocken bleiben. Und tatsächlich: Alles bleibt dicht. Lediglich die – verglichen mit massiven Bergschuhen – niedrige Schafthöhe fängt sich ab und zu eine Ladung Schnee ein, das Problem ist mit Gamaschen aber schnell beseitigt.

Für Klettersteige und für Hochtouren im Sommer bei mäßigen Temperaturen bietet der Mammut Taiss alles, was ein Bergstiefel braucht. | Foto: Christoph Stoll

Deutlich fällt mir jedoch die schwache Isolation auf. Bereits nach etwas über einer Stunde auf dem Gletscher bekomme ich kalte Zehen. Das liegt sicherlich an den Neuschneemassen, die ständig auf dem Schuh liegen – irgendwo muss die Ultraleicht-Konstruktion ja schließlich auf Material verzichten. Im gewöhnlichen Hochtourensommer und bei aperen Verhältnissen würde sich dieser Schwachpunkt aber vermutlich erübrigen.

Testfazit zum Mammut Taiss Light Mid GTX Leichtbergstiefel

Der Mammut Taiss Light Mid GTX hatte es nicht schwer, mich im Klettersteig zu überzeugen: Hier bin ich schon lange ein Fan von etwas steiferer Sohle und leichter Konstruktion, daher gehe ich sogar häufig mit Halbschuhen. Mit dieser leichten Alternative mit höherem Schaft im Schuhregal greife ich für Klettersteigtouren nun bevorzugt zum Taiss – nicht zuletzt wegen der extra Unterstützung fürs Sprunggelenk.

Als eingefleischter Fan von D-Bergstiefeln und hochalpinen Touren, bleibe ich bei größeren Vorhaben sicherlich auch weiterhin bei meinen massiven Klötzen. In meinen Augen eignet sich der Taiss aber ideal für kurze bis mittellange Hochtouren im Sommer, wenn die Temperaturen minimal um die null Grad Celsius liegen. Dann bietet seine leichte, elementare Konstruktion die ideale Kombination aus Leichtfüßigkeit und Funktionsumfang.

Mehr zum Thema Hochtour im Bergzeit Magazin

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