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Einsam im Fjell

Wandern in der Hardangervidda in Norwegen

8 Minuten Lesezeit
Die Hardangervidda zieht im Sommer viele Wanderer und Touristen an. Trotzdem ist man bei einer Mehrtagestour durch die karge norwegische Hochebene meist einsam unterwegs. Welche Herausforderungen dort auf Dich beim Wandern warten und wie Du Deine Tour am besten planst, erfährst Du hier.

Was charakterisiert die Hardangervidda?

Blick über weite Grasflächen und eine Bergkette in der Hardangervidda.
Karg und steinig ist die Landschaft in der Hardangervidda im Süden Norwegens. Der größte Teil ist als Nationalpark geschützt. | Foto: Sabrina Goethals

Neben Jotunheimen und Rondane ist die Hardangervidda eine der beliebtesten Wanderregionen in Norwegen. Mit einer Größe von ca. 8.000 km² ist sie die größte Hochebene Europas. Gute 3.400 Quadratkilometer ihrer Fläche sind seit 1981 Norwegens größter Nationalpark und deshalb größtenteils unberührte Natur. Perfekt für Schafzucht, Rentiere und Wanderer.

Die Fjell-Landschaft ist karg und steinig, aber dadurch nicht weniger beeindruckend. Für mich war es eine Aneinanderreihung von „Oh, das soll der Weg sein?” und „es ist so schön, ich möchte hier nie wieder weg”.

Egal, wo man ist, irgendwie hat man in der Hardangervidda immer das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein.

Als Wanderziel beliebt, aber nicht überlaufen

Meine Tour durch die Hardangervidda war vor allem eins: ruhig und einsam. Trotz ihrer Beliebtheit hatte ich nie das Gefühl, die Region wäre überlaufen und ich habe mich oft gefragt, wo die ganzen Leute an den Hütten herkommen.

Die Hochebene bietet viele Ausgangspunkte für Tages- und Mehrtagestouren. Der Klassiker für Trekkingtouren sind die Nord-Süd-Durchquerung (Finse – Haukeli) und die Ost-West-Durchquerung (Liseth – Geilo). Die Start- und Endpunkte liegen gut an den Verkehr angebunden und man läuft jeweils ungefähr eine Woche.

  • Tipp eines Lesers: Statt von Geilo einen Ort weiter fahren und die Wanderung von Ustaoset starten. Dann sind am ersten Tag nur 400 statt 700 Höhenmeter zu überwinden.

Darüber hinaus sind viele Orte rund um das Gebiet an das Netz des DNT (Den Noeske Turistforening) angeschlossen und man kann seine Route ganz individuell planen, spontan ändern und zur Not aussteigen. In regelmäßigen Abständen finden sich Hütten zum Übernachten. Die Entfernung zwischen ihnen entspricht meist einer Tagesetappe.

Landschaft der Hardangervidda mit Eidfjordvatnet im Hintergrund.
Einen mehr als lohnenswerten Eindruck von der Landschaft in Nordeuropas größter Hochebene bekommt man bei einer Tageswanderung von Hjølmaberget über Vivelid und das Såtefjell am westlichen Rand der Hardangervidda. | Foto: Franziska von Treuberg

Allgemeine Reise-Tipps zur Hardangervidda

Anreise

Die Hardangervidda liegt zwischen Oslo und Bergen. Finse und Geilo kann man mit der Bergenbahn (zwischen Bergen und Oslo) anfahren, in den meisten Orten drumherum halten Busse. Nimmt man den Bus, ist die Anreise ein bisschen komplizierter, man wird aber mit tollen Ausblicken auf Berge und Fjorde belohnt. Startet man in Tyssedal, kann man ab Odda den Trolltunga-Bus nehmen. Mein vorher angesprochenes „einsam“ tritt auf dieser Strecke jedoch erst nach dem Touristen-Magneten Trolltunga ein.

Wetterverhältnisse und beste Jahreszeit

Das Wetter in der Hardangervidda ist wie in ganz Norwegen beständig unbeständig. Es kommt nicht selten vor, dass sich alle Jahreszeiten an einem Tag zeigen. Von strahlendem Sonnenschein bis hin zu Schneefall habe ich auf meiner Wanderung alle Wetter erlebt.

Die beste Zeit zum Wandern in der Hardangervidda ist von Mai bis August. Im Winter werden die Brücken im Fjell abgebaut (ca. zwischen September und April, wobei das je nach Wetter und Schneelage geschieht). Über die Öffnungszeiten der Hütten sollte man sich im Vorfeld informieren – je nach Wetterlage kann es sein, dass sie erst im Juli öffnen.

Eine Holzbrücke über einen Fluss in der Hardangervidda.
Im Winter werden die Brücken in der Hardangervidda abgebaut. Möchte man in der „Zwischensaison“ wandern, sollte man darauf achten, Flüsse mit starker Strömung zu vermeiden. | Foto: Sabrina Goethals

Wegverhältnisse

Ich hatte die Wegverhältnisse in der Hardangervidda deutlich unterschätzt. Während ich im Taunus locker 20 bis 25 Kilometer laufe, waren hier sogar die Etappen mit nur 17 Kilometern extrem kräftezehrend. Das liegt vor allem daran, dass die Wege nicht ausgebaut, sondern naturbelassen sind. Und das heißt in der Hardangervidda steinig, geröllig oder „okay, dieser Steinberg ist jetzt der Weg?“. Ist der Weg gerade nicht steinig, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er sumpfig ist, zumindest in den frühen Sommermonaten oder bei anhaltendem Regen relativ hoch.

Manchmal kommt es vor, dass man vor einem Geröllfeld ohne Markierung steht. Mein Highlight war der Weg, der laut Markierung direkt durch eine sieben Meter hohe Schlucht führen sollte. An diesen Stellen muss man dann improvisieren und auch mal ein paar Hundert Meter vom markierten Pfad abweichen. Die meisten Wanderwege in der Hardangervidda sind aber ganz gut sichtbar.

Neben den vielen Steinen, die wirklich alle Formen haben können, kann es passieren, dass der Weg extrem matschig ist oder dass man Schneefelder überqueren muss. Ende August hatte ich auf meiner Strecke mit dem Sumpf sehr viel Glück, während andere über knöchelhohe Matsche im Norden der Vidda geklagt haben. Dafür musste ich wegen Einsturz-Gefahr die ein oder andere Schneefläche umlaufen.

Übernachten im Hardangervidda-Nationalpark

Wie fast überall in Norwegen gilt auch in der Hardangervidda das Jedermannsrecht. Das heißt: man darf überall zelten, auch im Nationalpark. Wichtig sind dabei zwei Dinge: man sollte mindestens 50 Meter Abstand zur nächsten Hütte halten, vor allem wenn man kochen will, und man sollte natürlich keine Spuren hinterlassen.

Für alle, die nicht zelten wollen, gibt es zahlreiche DNT-Hütten überall in der Hardangervidda. Die meisten sind zur Selbstversorgung, verfügen aber über üppig gefüllte Speisekammern. Einige Hütten sind bewirtschaftet und man kann dort Vollpension buchen, also Bett, warme Mahlzeit, Frühstück und Lunch-Paket. Möchte man in Selbstversorger-Hütten übernachten, benötigt man einen DNT-Schlüssel. Schließt man eine Mitgliedschaft beim DNT ab, bekommt man außerdem Rabatte auf Übernachtungen in privat bewirtschafteten Touristenhütten und Nahrungsmittel.

Verpflegung bei einer Mehrtageswanderung

Die Litlos-Hütte in der Landschaft.
Für eine Mehrtageswanderung in der Hardangervidda stehen zahlreiche Hütten des DNT (Norwegischer Wanderverein) mit zum Teil gut gefüllten Speisekammern bereit. | Foto: Sabrina Goethals

Man stellt in der Hardangervidda sehr schnell fest, dass es überall Wasser gibt. Man kann problemlos aus Bächen und Seen trinken und es soll sogar Wanderer geben, die nur einen Becher dabei haben, den sie bei Bedarf füllen. Wasserfilter oder Reinigungstabletten sind nicht nötig. Das Wasser ist so gut, dass man sich selbst in den Hütten damit verpflegt. Hier stehen große Eimer, die von den Wanderern zum Kochen und Waschen gefüllt werden.

Ich hatte auf meiner Wanderung ungefähr 2,5 Kilo Verpflegung dabei und habe davon etwa zwei Kilo wieder mit zurückgenommen. Mit dem Angebot der Speisekammern in den Hütten konnte meine Trekkingnahrung nicht mithalten. Der schönste Morgen war zum Beispiel der, an dem es frische Pancakes gab.

Ausrüstung für die Hardangervidda

Neben der klassischen Packliste für Trekkingtouren sollte man in der Hardangervidda darauf vorbereitet sein, an einem Tag alle Jahreszeiten erleben zu können. Ich empfehle außerdem Gamaschen für den Sumpf und im Hochsommer ein Mückennetz. Für die Hütten ist ein dünner Schlafsack oder Hüttenschlafsack von Vorteil, da die Bettwäsche nicht allzu oft gewechselt wird.

Zum Queren der Flüsse hatte ich Badeschuhe dabei. Die Flussbetten sind extrem steinig und selbst mit Schuhen war es teilweise glitschig und spitz unter den Füßen.

Ein Wanderer mit Trekkingrucksack pausiert auf einem Weg in der Hardangervidda.
In den Weiten der Hardangervidda wandert man oft allein. | Foto: Sabrina Goethals

Karten und Tourenplanung

Ich vermute sehr stark, dass der DNT, der Norwegische Wanderverein, jeden Quadratmeter Norwegens auf einer Karte abgebildet hat. So auch die Hardangervidda. Zur Planung kann man die Website des DNT nutzen, die allerdings auf Norwegisch geschrieben ist und automatisch übersetzt werden kann, was zur Interpretation einlädt. Immerhin kann man das Wege- und Hüttennetz einsehen und dann an einem anderen Ort weiterplanen. Man bekommt außerdem alle nötigen Karten mit passender Beratung in den DNT-Shops, die es in jedem größeren Dorf gibt.

Plant man mit einer norwegischen Wanderkarte, sollte man darauf achten, dass Entfernungen in „Norweger-Stunden“ angegeben sind. Eine „Norweger-Stunde” entspricht ca. zwei Stunden. Ich habe meine Strecke hauptsächlich mit Komoot geplant, wo so gut wie alle Hütten aufgeführt sind. Ich hatte Komoot auf dem Handy dabei, was wegen der mangelnden Mobilfunk-Abdeckung nicht zu benutzen war. In Zukunft werde ich daher eher auf eine GPS-Uhr setzen.

Fazit zum Wandern in der Hardangervidda

Meine Tour in der Hardangervidda war garantiert nicht meine letzte Wanderung dort. Beim nächsten Mal möchte ich mehr Zeit und weniger Essen mitbringen. Möchte man das Wandern in Norwegen mal testen oder einfach ein paar Tage allein sein, bietet sich die Hardangervidda durch ihre gute Anbindung sehr gut an.

Meine ursprünglich geplante Route von Tyssedal nach Finse (ca. 100 Kilometer in fünf Tagen) wäre in Deutschland locker machbar gewesen, in Norwegen war sie mir viel zu anstrengend. Das Haupt-Learning dieser Wanderung ist, Ruhetage und alternative Routen schon im Vorfeld in die Planung einzubeziehen.

Alles, was Du für Deine Tour brauchst, findest Du im Bergzeit Shop:

Mehr zu Norwegen und Skandinavien im Bergzeit Magazin:

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