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Five Tens Neuer im Test

Five Ten Hiangle: Kletterschuhe im Test

6 Minuten Lesezeit
Endlich wird gelüftet, was schon auf der ISPO 2014 eine Traube Menschen um sich scharte: Was kann der neue Five Ten Hiangle? Chris Münch vom Bergzeit Kletterteam hat den innovativen Kletterschuh zum Testen mit an den Fels genommen.

In den letzten Jahren etablierte sich Five Ten im Hochleistungsbereich des Kletterns vor allem durch seine aggressiven und stark vorgespannten Modelle. Diese überzeugten im Überhang ebenso wie beim Bouldern und bestachen durch hervorragendes Gefühl von der Fußspitze bis zur Ferse. Wer Five Ten klettert, der steht gerne auf weichen, sensiblen Sohlen und genießt so sehr gute Reibungswerte auf nahezu allen Felsarten.

Five Ten Hiangle Test | Foto: Chris Münch
Chris Münch macht mit dem Hiangle den Kletterschuh-Test. Gleich vornweg: Der neue Five Ten ist das, was sich viele gewünscht haben: stabiler, härter, bequemer und trotzdem Five Ten!

Aber, bei so manchen Felsaktionen kommen auch angestammte Five-Ten-Träger an ihre Grenzen, was sich mit dem neuen Hiangle nun ändern soll. Als einziges Manko der bewährten Modelle  wurde bisher von vielen Seiten häufig die weiche Zwischensohle von Five Ten genannt. In vielen Bereichen kann diese zwar ein Vorteil sein, vor allem in längeren Routen und bei kleineren Tritten aber zu schmerzenden Füßen führen. Daraus resultierend erhalten härtere Kletterschuhe den Vorzug.

Vorgespannt und mit harter Mittelsohle

Mit dem Five Ten Hiangle revolutioniert die Kultmarke aus den USA  den immer stärker werdenden Trend und bringt einen einerseits stark vorgespannten, andererseits aber im Bereich der Mittelsohle hart gebliebenen Kletterschuh heraus. Der Hiangle eignet sich dadurch im Überhang, glänzt trotzdem auf kleinsten Tritten und macht seinem Träger vor allem in längeren Routen das Leben um einiges leichter.

Die Optik des 5.10 Hiangle ist ein Mix aus Bewährtem

Five Ten Hiangle Test | Foto: Chris Münch
Auffällig beim Hiangle-Test: Die Ferse ist nicht mehr so steil, die Schlaufen ordentlich breit und weit – der Einstieg ist so viel bequemer möglich. | Foto: Chris Münch

Der Five Ten Hiangle kommt in einer stylischen Farbkombi in türkis und grau und ist mit einem einzelnen Klettverschluss ausgestattet. Damit erinnert er optisch an eine Kreuzung aus dem neuen Five Ten Blackwing und dem Five Ten Team. Wie bei Letzterem findet man auch beim Hiangle wieder einiges an Gummi auf dem Spann, was bei Toe Hooks eindeutig von Vorteil ist. Im Großen und Ganzen ein wirklich gelungenes Aussehen, wie ich finde. In jedem Fall wird diese Mischung aus frischer Farbe, ordentlich Vorspannung,  Klettverschluss und einer gewissen Schlichtheit sowohl bei Kletterinnen als auch Kletterern gut ankommen.

Komfort trifft Leistung

Das Obermaterial ist des Five Ten Hiangle ist Leder. Auf dem oberen Spann verbessert, wie bei den meisten Slippern von Five Ten und anderen Herstellern, ein Gummizug die Flexibilität und den Komfort des Schuhs. Dadurch passt sich der Kletterschuh hervorragend an den Fuß an, ist angenehm zu tragen und nebenbei noch atmungsaktiv. Insgesamt ist der Hiangle außerdem deutlich breiter geschnitten als die bisherigen High-Performance-Kletterschuhe von Five Ten. An den Seitenrändern ist der Gummi in der Mitte und an der Ferse unterbrochen, so dass das dehnbare Leder an diesen Stellen für noch mehr Anpassungsfähigkeit sorgt. Eine wirklich geschickte Sache, denn damit reagiert Five Ten auf genau die Problemzonen, die die meisten Kletterer nun mal an ihren Füßen haben.

Durch diese Konstruktion erschließt sich Five Ten nun auch jenen Kundenkreis, der bisher mit dem schmalen Schnitt der Kletterschuhe keine Freude hatte. Auch die dringliche Bitte vieler Kletterer, doch die Einstiegsschlaufen etwas breiter zu gestalten, wurde beim Hiangle erhört. Im Vergleich zum Five Ten Team lässt sich der neue Kletterschuh deutlich leichter anziehen. Eine kleine Veränderung, die vor allem all jene, die bisher Probleme beim Anziehen in den Schuh hatten, zu schätzen wissen!

Five Ten Hiangle im Test: Kleine Tritte, Hooks und Formstabilität

Five Ten Hiangle Test | Foto: Chris Münch
Der Five Ten Hiangle in Aktion: Bergzeit Kletterteam-Mitglied Christian steht auf den kleinsten Tritten und dank C4 Gummi auch auf abgeschmiertem Stein. | Foto: Chris Münch

Ich habe den Hiangle in verschiedenen Gebieten getestet: Ob in Kochel mit seinen häufig kleinen und abgetretenen Tritten oder am Schleierwasserfall mit seinen stark überhängenden Routen mit vielen Hooks – der Five Ten Hiangle überzeugte mich auf ganzer Linie. Vor allem bei der Passform war ich schon beim ersten Tragen buchstäblich hin und weg.

Durch die bereits erwähnte, harte Mittelsohle und die dabei immer noch deutlich ausgeprägte Vorspannung, lässt sich mit diesem Schuh erstmals auch im Überhang viel Druck auf wirklich kleine Tritte ausüben. Das schafft zum einen Platz für einen ganz neuen Einsatzbereich und lässt zum anderen längere Kletterpassagen zu, ohne dass die Zehen bzw. die Muskeln ermüden. Zu Beginn fühlte sich das Klettern regelrecht so an, als würde ich auf einer Wippe stehen.

Die Meinung über die Performance von Kletterschuhen hängt, nicht ganz unberechtigt, auch stark von deren Eigenschaften beim Hooken ab – auch wenn beim Sportklettern Hooks nicht unbedingt so an der Tagesordnung stehen, wie das beim Bouldern der Fall ist. Beim Hiangle braucht man sich keine Sorgen um die Hook-Performance machen: Durch den hohen Schnitt an der Ferse und den Velcro, der festen Halt in den Schuhen ermöglicht, konnte ich selbst aggressive Heel Hooks in Projekten zwicken, in die ich bisher immer mit unterschiedlichen Schuhen einsteigen musste.

Die Härte der Sohle hinten an der Ferse baut extrem viel Druck auf die Ferse auf, ohne dass der Kletterschuh seine Form verliert. Gleichzeitig behält man durch die Aussparungen des Gummis an der Fersenseite sehr viel Kontrolle und Gefühl. Auf dem Spann ist wie beim Five Ten Team auch beim Hiangle sehr viel Gummi zu finden. Das führt zum einen dazu, dass der Schuh bei all dem Leder nicht seine Form verliert. Gleichzeitig sorgen die ausgezeichneten Haftungseigenschaften des Five-Ten-Gummis für beste Performance bei Toe Hooks. Man kann es auch so sagen: „Egal welcher Teil des Schuhs die Wand berührt, er hält!“

Der Praxistest zeigt: Die Größe ist nicht mehr so auschlaggebend

Nun zum leidigen Thema Größenwahl bei Kletterschuhen, schließlich war die Frage nach der richtigen Größe bei den weichen Modellen von Five Ten ausschlaggebend. Ich persönlich habe den Hiangle in UK 7 ausprobiert, da ich die selbe Größe auch beim Five Ten Blackwing trage. Meiner Meinung nach hat diese Größenwahl für mich beim Testschuh wirklich gut gepasst.

Welche Empfehlung kann ich daher für die Größenwahl geben? Die Antwort lässt sich so erschließen: Die Härte der Mittelsohle ermöglicht es den Kletterschuh bequem zu tragen und gleichzeitig seine Leistungsfähigkeit zu waren. Damit verbindet Five Ten unter anderem zum ersten Mal Komfort und Performance. Zudem kann der Kletterschuh durch seinen Klettverschluss hervorragend an den Fuß angepasst werden und leiert trotz der Dehnung des Leders nicht aus. Der Hiangle ist mit der bewährten Stealth C4 Gummisohle besohlt und findet damit beste Haftung am Fels. Manchmal hat man dabei sogar das Gefühl, als klebe der Kletterschuh regelrecht am Fels. Da ich nun schon jahrelang mit Schuhen von Five Ten unterwegs bin, habe ich diese Eigenschaft mittlerweile wirklich zu schätzen gelernt. Wenn der Leisten von Five Ten also auf den eigenen Fuß passt, dann kann man mit diesem Gummi einfach nur gewinnen.

Mein Test-Fazit zum Five Ten Hiangle

Zusammenfassend hat Five Ten mit dem Hiangle einen Kletterschuh herausgebracht, der das Klettern in stark überhängendem Gelände mit dem Treten von kleinen Tritten und wirklich komplizierten Hooks vereint. Trotzdem ist der Kletterschuh außerordentlich bequem zu tragen und dabei durch den Klettverschluss immer noch gut am Fuß zu befestigen. Ich bin also wirklich überzeugt von dem neuen Modell und erwarte mir Großes.

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