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Die schnelle Form des Radreisens

Bikepacking: Was ist das und was braucht man dafür?

6 Minuten Lesezeit
Als Selbstversorger unterwegs mit kleinem Gepäck: Bikepacking hat in den letzten Jahren einen Boom erlebt. Doch wo kommt der junge Radreise-Trend überhaupt her und welche Ausrüstung ist dafür nötig? Bergzeit-Fahrradexperte Flo Glott erklärt, worauf Du beim Bikepacking in Sachen Rad, Gepäck und Tourenplanung achten solltest.

Hast Du schon mal was von Bikepacking gehört? Hast Du gedacht, dabei handelt es sich nur um einen modernen Begriff fürs Radreisen? Nicht ganz. Aber was unterscheidet Bikepacking von klassischen Radreisen und woher kommt Bikepacking eigentlich?

Bikepacking ist KEINE klassische Radreise

Der Ursprung des Bikepackings liegt in nordamerikanischen Mountainbike-Langstreckenrennen, sogenannten „Self-Supported Races“. Diese Rennen lassen sich nicht in einer einzigen Tagesetappe bewältigen. Da zudem fremde Hilfe verboten ist – eben self-support von Nöten ist – müssen die Teilnehmer ihre gesamte Übernachtungsausrüstung und Verpflegung selbst transportieren. Um dabei nicht an Wendigkeit und Tempo zu verlieren, schnallen sie ihre Ausrüstung direkt ans Rad, anstatt sie in wackeligen Seiten- oder Lenkertaschen mitzuschleppen.

Der Unterschied zwischen Bikepacking und Radreise besteht nicht nur in der Routenwahl, sondern auch im Aspekt der Selbstversorgung.

Ortlieb

Der Unterschied zwischen Bikepacking und Radreise besteht nicht nur in der Routenwahl, sondern auch im Aspekt der Selbstversorgung.


Beim Bikepacking handelt es sich also um eine spezielle Art des Radreisens, bei der sich der Bikepacker selbst versorgt und überwiegend im Gelände unterwegs ist.

Ein Vorteil des Bikepacking: Man kann auch mal entspannt einen abgelegenen Trail fahren, ohne dass einem die Ausrüstung um die Ohren fliegt.

Somit unterscheidet sich Bikepacking auch von einer klassischen Bike&Hike-Tour, bei der es sich meist um einen Tagesausflug handelt. Beim Bike&Hike dient das Rad dazu, möglichst nahe an den Gipfel heran zu kommen, um im Anschluss die letzten Höhenmeter zu Fuß zu bewältigen. Die Anfahrt mit dem Rad ist hier nur Teil der Reise.

Bikepacking im Winter? Eine Wintertour verlangt dem Bikepacker einiges ab. Anfänger ziehen besser erstmal bei warmen Bedingungen los.

Vaude/Lars Schneider

Bikepacking im Winter? Eine Wintertour verlangt dem Bikepacker einiges ab. Anfänger ziehen besser erstmal bei warmen Bedingungen los.


Was muss mit? Die richtige Ausrüstung fürs Bikepacking

Was benötigt man überhaupt für das erste Bikepacking-Abenteuer? Neben einem Rad braucht man natürlich korrekt und sinnvoll gepackte Taschen und vor allem eine gute Planung. Doch kommen wir zuerst zur Hardware.

Welches Rad eignet sich für das Bikepacking?

Eigentlich kannst Du Dich mit jedem Fahrrad ins Bikepackingabenteuer stürzen, da hier die Freiheit an erster Stelle steht und Du Dir für Deine ersten Touren kein teures Bike kaufen solltest. Da jedoch die meisten Bikepacker in die abgelegene Natur wollen, eignen sich Mountainbike oder Gravelbike am besten.

Welche Art von Rad (29er oder 27,5 Zoll, Alu oder Carbon, Schaltung oder Singlespeed) spielt nur eine untergeordnete Rolle. Ich möchte hier jedoch kurz auf vier Bikearten eingehen – und erläutern, inwiefern sie sich für das Bikepacking eignen.

1. Das Fully

Mit dem Fully hast Du aufgrund des Fahrwerks sicherlich am meisten Fahrspaß. Jedoch musst Du hier mit dem Anbringen Deiner Taschen aufpassen, damit diese nicht im Weg sind. Zudem lässt sich eine große Rahmentasche oft nur schwer anbringen. Ein Fully ist aufgrund der vielen bewegten Teile am anfälligsten für Defekte, was gerade auf abgelegenen Touren zum Problem werden kann.

2. Das Hardtail

Das Hardtail ist zum Bikepacking gut geeignet. Hier hat man aufgrund der Rahmenform die vielseitigsten Möglichkeiten, große Taschen anzubringen. Außerdem sind diese Räder sehr unanfällig, stabil und leicht, gerade wenn man auf eine gefederte Vorderradgabel verzichtet.

4. Das Gravelbike

Zwar kein Mountainbike, aber der neueste Trend in der Bikebranche und zum Bikepacking ideal: das Gravelbike. Diese Bikes sind die Schnittstelle zwischen Mountainbike und Rennrad. Schnell und leicht mit geländegängigen Reifen, eignen sie sich am besten für ausgiebige Bikepacking-Ausflüge. Die Räder sind außerdem meist mit Aufnahmen für Taschen etc. ausgestattet.

Mit einem Gravelbike bist Du bei der Routenplanung Deines Bikepacking-Trips sehr flexibel und kannst auch abseits vielbefahrener Asphaltstraßen unterwegs sein, ohne zu sehr an Geschwindigkeit zu verlieren.

Bergzeit

Mit einem Gravelbike bist Du bei der Routenplanung Deines Bikepacking-Trips sehr flexibel und kannst auch abseits vielbefahrener Asphaltstraßen unterwegs sein, ohne zu sehr an Geschwindigkeit zu verlieren.


3. Das Fatbike

Auch ein Fatbike ist zum Bikepacking gut geeignet. Durch die breiten Reifen hast Du auch auf losem Untergrund Vortrieb. Mit einem Fatbike machen auch Touren bei winterlichen Bedingungen Spaß. Auf Asphalt hält sich der Fahrspaß allerdings in Grenzen.

Welche Taschen sind für das Bikepacking geeignet?

Das Wichtigste beim Bikepacking? Klar, das sind die Taschen, in denen Du die Ausrüstung wie Schlafsack, Kleidung und Proviant sicher verstaust. Grundsätzlich kannst Du jede Tasche verwenden, die eng am Rad befestigt werden kann. Du solltest allerdings unbedingt darauf achten, dass die Taschen auch wasserdicht sind. Hersteller wie Ortlieb, Vaude oder auch Evoc haben spezielle Bikepacking-Taschen für Lenker, Sattelstütze und Rahmen im Angebot.

Spezielle Bikepacking-Taschen lassen sich eng an Lenker, Sattelstütze und Rahmen befestigen und machen sich bei deiner Tour dadurch kaum bemerkbar.

Bergzeit

Spezielle Bikepacking-Taschen lassen sich eng an Lenker, Sattelstütze und Rahmen befestigen und machen sich bei deiner Tour dadurch kaum bemerkbar.


Zelt, Schlafsack & Co: Welche Ausrüstung ist für das Bikepacking nötig?

In die Taschen packst Du nun alles, was Du für eine Mehrtagestour mit Outdoorübernachtung benötigst. Da Du Deine gesamte Ausrüstung am Bike transportierst lohnt es sich bei der Produktauswahl auf Funktionalität, Gewicht und Packmaß zu achten. Wähle leichte und klein packbare Ausrüstung, die zu den Anforderungen Deiner Tour passt und verzichte auf Dinge, die nicht wirklich notwendig sind.

Zudem solltest Du auch noch all jene Ausrüstung dabei haben, die man für eine mehrtägige Radtour braucht, nämlich:

Wie belädt man sein Bike am besten?

Damit das Fahrrad beim Bikepacking agil ist und somit der Fahrspaß nicht auf der Strecke bleibt, ist die richtige Beladung der Bikepacking-Taschen besonders wichtig. Einen möglichst tiefen Schwerpunkt erreicht man, indem schwere Ausrüstungsgegenstände so tief und nahe am Bike wie möglich verstaut werden.

1. Die Lenkertasche

In diese Tasche solltest Du vor allem leichte Dinge oder Ausrüstungsgegenstände verstauen, die besonders schnell zugänglich sein sollen. Das könnte zum Beispiel sein:

2. Die Satteltasche

Satteltaschen sind so etwas wie die Klassiker unter den Bikepacking-Taschen. Die großvolumigen Taschen sind eine moderne Alternative zu herkömmlichen Back-Roller-Fahrradtaschen, die am Gepäckträger eines Reiserades befestigt werden. Durch das Design und die Befestigung am Sattel rückt der Schwerpunkt der Ladung näher an Rad und Fahrer, was Dich im Gelände wendiger und agiler macht. Seat-Packs fassen etwa zehn bis 15 Liter. Du kannst darin alle mittelschweren Gegenstände verstauen, die Du während der Fahrt nicht unbedingt benötigst:

3. Die Rahmentasche

Die Rahmentasche eignet sich insbesondere für schwere Gegenstände, da so das Gewicht nahe und tief am Bike ist. Somit liegt auch der Schwerpunkt optimal. In der Rahmentasche kannst Du folgende Dinge verstauen:

Tourenplanung: Routen & Tipps für Bikepacking-Anfänger

Das Schöne am Bikepacking ist, dass Du einfach losfahren kannst. Dennoch solltest Du es bei Deiner ersten Tour nicht gleich übertreiben. Fange daher mit kurzen Zweitagestouren an und lerne Dich und Deine Ausrüstung erst einmal kennen. So merkst Du schnell, ob Du noch etwas benötigst oder überflüssige Ausrüstungsgegenstände weglassen kannst. Drei Tipps in diesem Zusammenhang:

  1. Gut ausgebaute Fernwanderwege sind für Anfänger eine gute Wahl, da Du immer in der Nähe der Zivilisation bist und sich die Navigation sehr einfach gestaltet.
  2. Steigere Länge und Abgeschiedenheit Deiner Tour langsam.
  3. Plane Deine erste Tour am besten bei gutem und warmem Wetter. Eine winterliche Bikepackingtour verlangt dem Radler einiges ab. Auch hier gilt: Steigere Dich Stück für Stück.
Ein gute Planung ist für den Erfolg der Tour wichtig. Fernwanderwege sind für die ersten Touren eine gute Wahl.

Ortlieb

Ein gute Planung ist für den Erfolg der Tour wichtig. Fernwanderwege sind für die ersten Touren eine gute Wahl.


Wie gehst Du Dein erstes Bikepacking-Abenteuer richtig an?

Bevor Du zu Deiner ersten Tour aufbrichst, musst Du Dich für eine Route entscheiden. Wie erwähnt eignen sich zu Beginn längere Wanderwege, da diese gut markiert sind. Dennoch solltest Du Deine Route auf einer Karte markieren oder in einem GPS-Gerät abspeichern, um Dich nicht zu verfahren. Gerade die Navigation hat es oft in sich und man sollte auch diesbezüglich sattelfest sein.

Steht die Route fest, checke Dein Bike und Deine Ausrüstung durch und belade Dein Rad wie zuvor beschrieben. Ein letzter Blick auf das Wetter – und wenn alles überprüft und Dein Bike beladen ist, kannst Du Dich ins Abenteuer Bikepacking stürzen!

Du brauchst noch Ausrüstung & Bekleidung für Dein Bikepacking-Abenteuer?

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