Inhalt
- PU- vs. Silikon-Beschichtung: Was klebt man womit?
- Kleine Löcher im Zelt reparieren
- Größere Löcher in der Zeltplane flicken
- Kleine Risse im Zelt selbst nähen
- Große oder komplizierte Risse im Zelt reparieren
- Erste-Hilfe-Set fürs Zelt: Das brauchst Du für die Reparatur unterwegs
- Fazit: Du kannst Dein Zelt selbst flicken!
Du willst Dein Zelt flicken? Kein Problem! Wenn Du dabei die nachfolgenden Regeln beachtest, gelingt Dir die Reparatur Deines Zeltes sicher.
Ein Zelt flickst Du je nach Schaden und Material entweder …
- mit Spezialkleber
- selbstklebendem Flicken
- oder durch Nähen.
Wichtig ist, die beschädigte Stelle vorher zu reinigen und an die Beschichtung (PU oder Silikon) angepasste Reparaturmittel zu verwenden.
PU- vs. Silikon-Beschichtung: Was klebt man womit?
In der Regel werden Zeltplanen aus verschiedenen Nylon-(Polyamid)-Varianten oder Polyester hergestellt und mit einer Polyurethan-Beschichtung (PU-Beschichtung) oder Silikon wasserdicht ausgerüstet.
Im Falle einer Polyurethan-Beschichtung (PU-Beschichtung) empfehlen wir den McNett Seam Grip Reparaturkleber. Damit fixierst Du Flicken dauerhaft und die reparierten Stellen halten weiterhin auch stärkeren Belastungen stand.
Grundsätzlich gilt: Auf Silikon klebt nur Silikon. Für silikonbeschichtete Zelte empfehlen wir als Kleber Gear-Aid SeamGrip + Sil Silikon-Nahtdichter, der hauptsächlich zum Abdichten von Nähten gedacht ist.
- Für kleine Schäden an wenig belasteten Stellen gibt es mittlerweile auch selbstklebende Silnylon-Flicken.
- Für größere Löcher und Risse an beanspruchten Stellen greifst Du besser zu Nadel und Faden und dichtest die Nähte im Anschluss mit SeamGrip + Sil ab.
Loch vs. Riss: Wie repariert man welchen Schaden?
Neben dem Material ist auch die Art des Schadens ausschlaggebend für das Vorgehen bei einer Reparatur. Löcher werden in der Regel geklebt, während Risse besser zunächst genäht und anschließend abgedichtet werden.
Was ist ein Loch, was ist ein Riss?
| Löcher | Risse |
|---|---|
| Schadmuster: O 0 o D | Schadmuster: L I H |
| punktuelle Öffnungen im Gewebe | längliche oder L-förmige Schäden entlang der Webrichtungen |
| Das Material wurde vollständig durchstoßen und kann stellenweise fehlen. | Das Material ist meist noch vorhanden aber ggf. ausgefranst. |
| Der Schaden verändert seine Größe in der Regel nicht, wenn Zug auf den Stoff kommt. | Bei Zug können sich Risse schnell vergrößern. |
| Reparatur mittels Kleben oder durch Aufnähen eines Patches | Nähen bzw. Aufnähen eines Patches mit anschließender Nahtversiegelung |
Kleine Löcher im Zelt reparieren
Kleine, kreisrunde Löcher im Zeltgewebe entstehen häufig zum Beispiel durch Dornen oder Funkenflug. Löcher dieser Art mit einem Durchmesser von etwa einem Zentimeter kannst Du bei Campingzelten und Outdoor-Zelten mit PU-Beschichtung recht einfach flicken bzw. abdichten.
Du brauchst:
- Alkoholtupfer für die Reinigung
- Reparaturkleber oder Nahtversiegler entsprechend Obermaterial
Florian Glott
Bei kleinen Löchern und Mini-Rissen reicht es schon, wenn Du einen Tropfen des entsprechenden Reparaturklebers aufbringst und trocknen lässt.
Anleitung kleine Löcher abdichten
- Stelle reinigen und entfetten.
- Reparaturkleber aufbringen: Träufle einen möglichst kleinen, aber ausreichenden Topfen des entsprechenden Zelt-Reparaturklebers auf den Schaden und lasse ihn trocknen.
Silikonbeschichtete Stoffe haben eine extrem antihaftende Oberfläche. Das ist gewollt und macht die Textilien wasserdicht und langlebig – aber auch nur eingeschränkt klebbar.
Bei silikonbeschichteten Zelten ist es durchaus sinnvoll auch runde Löcher zu nähen, um Schäden dauerhaft zu beheben.
- Sehr kleine Löcher: Silikon-Dichter oder Silnylon-Patch möglich, sofern wenig beansprucht
- Löcher und Risse: nähen und abdichten mit GearAid Seam Grip + Sil und aufgenähten Patches
Größere Löcher in der Zeltplane flicken
Rundliche und etwas größere Löcher in einer PU-Zeltplane deckst Du für eine dauerhafte Reparatur am besten mit einem passenden Flicken ab. Die folgende Anleitung erklärt Dir das Vorgehen anhand von Klebstoff und Reparaturflicken. Bei einer Reparatur mit selbstklebenden Flicken sparst Du Dir Schritt 3.
Du brauchst:
- Alkoholtupfer zum Reinigen
- scharfe Schere
- passende Reparaturflicken
- Reparaturkleber oder Nahtversiegler entsprechend Obermaterial
Reparatur-Anleitung für größere Löcher
- Stelle reinigen und entfetten.
- Flicken zuschneiden: Schneide den Reparaturflicken so zu, dass er das Loch an allen Seiten um drei Zentimeter überdeckt. Achte auf saubere Schnittkanten.
- Kleber auftragen: Trag den Kleber gemäß der Anleitung außen auf den Zeltstoff auf, so dass ein dünner, geschlossener Film entsteht. Achte darauf, dass der Kleberbereich etwas größer ist als der Flicken.
- Flicken aufkleben: Platziere den Flicken am Kleberfilm und streiche ihn glatt. Luftblasen streichst Du faltenlos zum Rand hin aus.
- Trocknen: Richte Dich nach der Herstellerangabe für die Trocknungszeit des Klebers.
- Aufdoppeln: Um auf Nummer sicher zu gehen, oder um die Rückseite von selbstklebenden Patches abzudecken, bringst Du analog zur Außenseite auch auf der Innenseite des Zeltmaterials einen Flicken auf.
Florian Glott
Schritt 1: Schneide einen Flicken mit einer Zugabe von etwa drei Zentimetern zu.
Florian Glott
Schritt 2: Bringe anschließend mit einem Pinsel den Klebstoff als geschlossenen Film auf die gesäuberte Zeltaußenseite auf.
Florian Glott
Schritt 3: Platziere den Flicken auf der Klebestelle auf. Streiche ihn faltenlos glatt.
Florian Glott
Schritt 4: Nun musst Du den Kleber gründlich (über Nacht) trocknen lassen. Indem Du einen Becher heißes Wasser darauf stellst, beschleunigst Du den Prozess.
Kleine Risse im Zelt selbst nähen
Im Gegensatz zu Löchern sollten Risse im Zeltgewebe generell genäht werden, um ein weiteres Einreißen zu verhindern.
Du brauchst:
- Alkoholtupfer zum Reinigen
- Schere
- feine, stabile Nähnadel oder Nähmaschine
- Polyesternähgarn oder Segelgarn
- ggf. Textil-Flicken in passender Größe
Anleitung: Handnähen von kleineren Rissen
- Stelle reinigen und entfetten. Bitte sei hier besonders vorsichtig, um den Schaden nicht weiter auszudehnen.
- Schaden begutachten, lose Fäden und ausgefranste Enden entfernen.
- Riss nähen: Risskanten aufeinander legen und in knappem Abstand zur Risskante im Rückstich oder Überwendlingsstich (siehe Bild) mit kleinen, gleichmäßigen Stichen vernähen. Die Enden Deiner Naht lässt Du zum unbeschädigten Stoffbug hin sanft auslaufen.
- Naht versiegeln mit dem entsprechenden Nahtdichter/Reparaturkleber. Verteile dazu einen dünnen, geschlossenen Film mit etwas Überstand über der Naht.
👉 Mehr Infos gibt es im Beitrag Zeltnähte abdichten. - Flicken aufkleben: Optional kannst Du Deine Reparatur zusätzlich durch einen zusätzlichen Reparaturflicken abkleben. Folge dazu der Anleitung oben.
Florian Glott
Kleinere Risse im Zeltstoff solltest Du am besten nähen. Als Faden empfiehlt sich robustes Segelgarn.
Caroline Opp
Wenn Du den Riss genäht hast, musst Du die Naht unbedingt versiegeln – sonst tritt hier zukünftig Wasser ein.
Anleitung Flicken aufnähen per Nähmaschine
- Stelle reinigen und entfetten. Sei auch hier vorsichtig und säubere einen großzügigen Bereich rund um den Schaden.
- Schaden begutachten, lose Fäden und ausgefranste Enden entfernen.
- Riss auf der Innenseite mit Malerkrepp-Klebeband fixieren, so dass die Risskanten sauber aneinander liegen und keine Falten entstehen.
- Patch vorbereiten: Bestimme ggf. die wasserabweisende Oberseite und den Fadenlauf analog zur Schadstelle. Der Flicken sollte an allen Seiten rund drei Zentimeter größer sein, als der Schaden.
- Analog zur Klebeanleitung für große Löcher klebst Du zunächst den Flicken auf das Obermaterial.
- Trocknen: Lass den Reparaturkleber vollständig durchtrocknen und entferne anschließend den Malerkrepp.
- Nähen: Nähe den Flicken mit der Nähmaschine entlang der Schnittkanten fest.
- Versiegeln: mit dem entsprechenden Nahtdichter/Reparaturkleber. Verteile dazu einen dünnen, geschlossenen Film mit etwas Überstand über die Naht und Schnittkanten.
- Vollständig trocknen lassen
- Zum Abdecken der Innenseite folgst Du der Anleitung zum Kleben von größeren Löchern.
Große oder komplizierte Risse im Zelt reparieren
Es gibt Löcher und Risse, an die Du besser die Experten ranlässt. Das ist immer dann der Fall, wenn die Beschädigung am Innen- oder Außenzelt größere Ausmaße annimmt oder wenn die Herausforderung Deine Handarbeitsskills übersteigt.
Zahlreiche Zelthersteller, wie zum Beispiel Vaude, Bergans und Salewa, bieten einen ausgezeichneten und umfangreichen Reparaturservice an, sodass die liebste Outdoorbehausung nach einem kurzen Kuraufenthalt wieder fit für das nächste Camping-Abenteuer ist. Auskunft über Dauer, Kosten und Ablauf einer Zeltreparatur erfährst Du meist direkt über den Kundenservice.
👉 Mehr dazu: Hersteller-Services im Überblick
Bergzeit
Dein Zelt hat größere Risse oder Beschädigungen? Dann lieber ab zum Hersteller damit.
Erste-Hilfe-Set fürs Zelt: Das brauchst Du für die Reparatur unterwegs
Damit Du Deine Trekkingtour oder den Campingurlaub nicht abbrechen musst, nur weil Dein Zelt beschädigt ist, empfehlen wir, folgende Basics immer mit dabei zu haben.
- Nadel und Faden
- Gewebe-Klebeband
- Zelt-Reparaturset mit passendem Kleber und verschiedenen Flicken
- Reparaturhülsen
So bist Du auch unterwegs bestens gerüstet, um dringende Reparaturen selbständig durchzuführen.
Alles für die Zelt-Reparatur und -Pflege
Jetzt entdecken!Fazit: Du kannst Dein Zelt selbst flicken!
Egal, ob Dich ein Löchlein im Innenzelt oder ein Riss im Außenzelt beschäftigt: Die Reparatur eines Zeltes ist einfacher als Du denkst. Wichtig ist es, Material und Beschichtung zu kennen und das richtige Reparaturset auszuwählen. Dann sind es nur noch ein paar Schritte und Deine geländegängige Outdoor-Bude ist wieder fit.
👉 Mehr zum Thema Zelt-Reparatur: Hier kannst Du nachlesen, wie Du Zeltstangen reparierst.
Falls Du Fragen oder weitere Tipps zum Thema hast, freuen wir uns über Deine Anregungen im Kommentarfeld!