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Radfahren, trainieren, besser werden

Radtraining-Apps und Trainingsprogramme im Vergleich

8 Minuten Lesezeit
Bergzeit Autor Fritz Horsthemke ist leidenschaftlicher Velomobil-Fahrer. Um für längere Distanzen zu trainieren, ist er mit verschiedenen Fahrrad-Apps und Trainingsprogrammen von Strava bis Golden Cheetah auf die Strecke gegangen und hat sie getestet.

Egal, welches Ziel man auf dem Rad verfolgt, in der Regel erreicht man dies durch kontinuierliches Training. Am besten verfolgt man seinen Fortschritt dabei über einen längeren Zeitraum. Was früher das Trainingstagebuch war, sind heute Radtraining-Apps am Handy oder dem Computer, die einzelne Trainingsfahrten detailliert aufzeichnen. Dabei gehen viele Apps über die bloße Aufzeichnung hinaus und Versprechen eine effektive Unterstützung beim Training.

Ein Mann steigt in sein Velomobil.
Sieht man nicht oft: das Velomobil! Eine Art Liegerad mit aerodynamischer Verkleidung. | Foto: Fritz Horsthemke

Allerdings sind nicht nur Daten- und Fortschritterfassung ein Vorteil, sondern es kann auch eine große Motivation sein, das Training mit anderen zu teilen und Fortschritte nachvollziehen zu können.

Ich selbst bin begeisterter Velomobilfahrer. Diese vollverkleideten, aerodynamischen Liegeräder sind ideal für lange Strecken zu jeder Jahreszeit. Das brachte mich auf die Idee, für längere Distanzen zu trainieren und dazu verschiedene Radtraining-Apps und Programme unter die Lupe zu nehmen.

Welche Daten sind relevant?

Ich habe mir vier Apps und Programme davon genauer angeschaut:

  1. Strava
  2. Velohero
  3. Wahoo Fitness App
  4. Golden Cheetah

Für ein effektives Radtraining, das auf Leistungssteigerung zielt, empfiehlt es sich einige Daten zu sammeln, um sie abschließend vergleichen und analysieren zu können:

  • die Herzfrequenzmessung mittels Brustgurt oder Pulsuhr,
  • Messpedal-Kurbel zur Aufzeichnung der abgegebenen Kraft,
  • sowie ein GPS-Radcomputer, der die Fahrt, inklusive Strecke und Höhenmetern, aufzeichnet.

Ich trainiere mit einem Wahoo Elemnt, welchen ich über die Wahoo Fitness App mit meinem Smartphone gekoppelt habe. Solche Apps gibt es für jeden GPS-Computer: bei Garmin heißt die App Connect, Polar bietet Polar Flow an und Suunto hat für ihre Uhren eine Suunto App. Diese ermöglichen nicht nur die Datenübertragung sondern auch schon eine grundlegende Version des Trainingstagebuchs.

FTP-Test als Ausgangsbestimmung

Ich habe das Training mit einem Belastungstest, auch FTP-Test genannt, begonnen. Dabei werden über eine Stunde die maximale Herzfrequenz und die maximale Dauerleistung (Watt) ermittelt. Anschließend habe ich über einige Wochen meine Trainingsdaten gesammelt und in den verschiedenen Anwendungen (online, App, Programm) angeschaut, um ihre Auswertungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Zur Auswertung des Leistungsstandes und des weiteren Trainings solltest Du über folgende Daten Bescheid wissen:

  1. physiologische Parameter (Herz- und Trittfrequenz, Leistung)
  2. Umgebungsparameter (Steigung, Strecke)
  3. sowie Kennzahlen (Geschwindigkeit, Steigungsgeschwindigkeit, Trainingsbelastung …) und
  4. darüber hinaus ist es sinnvoll die Entwicklung des Leistungsstands beispielsweise mittels PMC (Performance Manager Chart) festzuhalten

Mehr zum Thema FTP-Test erfährst Du in unserem Beitrag FTP und FTHR: So misst Du Deinen Leistungsstand auf dem Rad.

Strava

If it’s not on stravait didn’t happen!” Strava gilt als der Standard für das Tracken von Ausdauersportarten und als die Fahrrad-App schlechthin. Doch reines Tracking- und Analysetool ist die App für Smartphone und Smartwatches des Softwareherstellers aus San Francisco schon lange nicht mehr – beziehungsweise noch nie gewesen. Denn Strava ist neben internetbasiertem Tracking sowie Trainingstagebuch ein soziales Netzwerk. Vor allem unter Radsportlern ist die App und Desktopvariante beliebt. Als Nutzer folgst Du Freunden, kannst Dich in Clubs austauschen, gegenseitg Kudos (vergleichbar mit Likes) verteilen, Kommentare schreiben, Bilder hochladen oder Dich verabreden. Zusätzlich kannst Du Dir bei Strava virtuelle Auszeichnungen oder Pokale sichern.

Du hast bestimmt beim Radfahren schon mal etwas von KOM oder QOM gehört? Deine GPS-basierten Aktivitäten teilt Strava in kleinere Abschnitte ein, die Segmente genannt werden. Diese beschreiben spezielle Features oder Abschnitte einer Strecke wie zum Beispiel eine Steigung. Wenn Du ein Segment erfolgreich meisterst, wird Deine Zeit aufgezeichnet und mit Deinen bisherigen und auch den allgemeinen Zeiten für dieses Segment verglichen. Schaffst Du es ganz oben auf die Bestenliste darfst Du Dich über den Titel „Queen of the Mountain“ (QOM) oder „King of the Mountain“ (KOM) freuen.

 

Screenshot einer Strava Trainingsaufzeichnung
Strava ist als Grundversion ein soziales Trainingsnetzwerk mit webbasiertem Tracking. | Foto: Screenshot Strava

Als kostenlose Grundversion ist Strava ein soziales Netzwerk mit internetbasiertem Tracking und Trainingstagebuch. Die Premiumversion (Strava Summit, 59 Euro pro Jahr) weist zusätzliche Funktionen auf: Die Analyse beinhaltet physiologische und Um­gebungs­parameter sowie einige Kennzahlen und ein eigenes Leistungsentwicklungschart (vgl. PMC). Für umfang­reichere Analysen kannst Du Zusatz­programme buchen. Erhältlich ist Strava für iOS und Android.

Die verfügbaren Trainingsziele sind auf Sprints, Anstiege oder Anfängertraining eingegrenzt und damit sehr eingeschränkt. Für andere Trainings musst Du einen kostenpflichtigen Coach buchen.

Service

Der Service ist dürftig. Auf meine Fragen erhielt ich automatisierte Antworten wie: „…Wir kümmern uns…“, „es dauert noch“ etc. Probleme wurden nach fast vier Wochen behoben.

Fazit

Stravas Stärke liegt in der Kombination aus Anreizsystem (Krönchen, Pokale), Selbstdarstellung, der Vergleichsmöglichkeit mit anderen und einem Trainingstagebuch im Rahmen eines sozialen Netzwerks. Vorsicht ist geboten mit den Privateinstellungen. Es gibt Hinweise, dass es auch Diebe nutzen.

Velohero

Velohero ist eine kostenlose und herstellerunabhängige Trainingsplattform aus Deutschland, die verspricht, wettkampforientierten Radsportlern die Motivation und Unterstützung zu geben, um ihre sportlichen Ziele zu erreichen. Es ist nur als Onlineversion erhältlich und als Trainingstagebuch für Radfahrer, Läufer oder beispielsweise Triathleten kostenlos. Mit Analysefunktionen kostet Velohero 22,61 Euro pro Jahr.

Die eigenen Trainingsfahrten kannst Du ganz einfach mit Geräten von allen großen Herstellern wie Garmin, Polar, Schoberer Rad Messtechnik (SRM), Sigma, Zwift, Timex und vielen weiteren aufzeichnen und anschließend importieren. Velohero bietet Dir dann eine Vielzahl an Auswertungsmöglichkeiten, wo man leicht den Überblick verlieren kann. Ein umfangreiches Help-Center in Englisch hilft beim Einarbeiten.

Vorteil: Du kannst Charts mit den gewünschten Kennzahlen selbst konfigurieren. Außerdem spricht Velohero klare Empfehlungen für Erholungszeiten aus. Auch netzwerken ist möglich, allerdings sind es bisher nur wenige User.

Screenshot Velohero
Velohero ist eine Trainingsplattform aus Deutschland. Daten können unter anderem mit der Wahoo App getrackt werden und dann in Velohero eingepflegt werden. | Foto: Screenshot Velohero.com

Service

Alle Fragen werden per Email umgehend und konkret beantwortet.

Fazit

Hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis für trainingsorientierte Nutzer. Velohero kostet weniger als die Hälfte von Strava und bietet dabei mehr Auswertungsmöglichkeiten. Eine echte Trainingsplattform statt soziales Netzwerk. Auch Datenschutz und Privatsphäre werden nach meinem Eindruck ernst genommen.

Wahoo Fitness App

Wahoo Fitness ist ein Tech-Fitness-Unternehmen aus Atlanta, USA, das vor allem für seine Indoor Biketrainer, GPS Fahrradcomputer, Sensoren und Herzfrequenzmesser bekannt ist. Zur Steuerung und Unterstützung dieser Tools hat Wahoo auch eigene Apps an den Start gebracht. Unter anderem die Wahoo Fitness App für iOS und Android.

Diese ist eine kostenlose App von Wahoo, die Du exklusiv mit Wahoo-Geräten koppeln kannst und über die Du während des Trainings wichtige Kennzahlen, zum Beispiel auf Deinem Wahoo Fahrradcomputer, im Auge behalten kannst. Jede Fahrt kannst Du auf einer vereinfachten Ebene gut bewerten, allerdings kann man über die App keine Entwicklungsanalysen über mehrere Trainings machen.

Fazit

Wer einen Radcomputer von Wahoo (Mini, Bolt, GPS) hat, muss die App zur Einrichtung und auch für Updates des Computers nutzen. Externe Routen kannst Du auch über die App auf Dein Wahoo Gerät spielen. Außerdem finde ich die App gut zum Monitoring während der Trainingsfahrt.

Golden Cheetah

Golden Cheetah ist eine kostenlose Open Source Software für alle gängigen Betriebssysteme, die speziell für Ausdauersportler, Trainer und Wissenschaftler entwickelt wurde, die tiefer in die Welt der Trainingsanalyse eintauchen möchten und das Beste aus ihrem Training herausholen wollen.

Über die Webseite kannst Du dir ganz einfach die Software auf Deinen Rechner laden und dann direkt mit Deiner Trainingsanalyse starten. Als Nutzer importierst Du die Tracks mit den entsprechenden Leistungsdaten nach Deinem Training direkt oder zum Beispiel aus Velohero oder Strava. Als Analysetool schlägt es alle mir bekannten Programme. Aber: man muss sich einarbeiten. Es gibt vorkonfigurierte Charts, die sich in den Auswertungen der meisten Anbieter wiederfinden. Viele gehen jedoch weit darüber hinaus.

Du kannst fast alles selbst konfigurieren und die eigenen Stärken und Schwächen lassen sich so viel klarer erkennen. In welchen Bereichen habe ich nachgelassen? Liegen mir kurze Sprints, Anstiege, Dauerbelastungen? Das zeigt Dir Golden Cheetah.

Um sich in das Programm einzuarbeiten, gibt es viele hilfreiche Videotutorials in klarem Englisch. Allerdings sind keine Empfehlungen für das Training dabei. Aufgrund der Analysemöglichkeiten kann ich jedoch besser eingrenzen, woran ich weiter trainieren sollte, um meine Ziele zu erreichen.

Screenshot Golden Cheetah
Auf den ersten Blick etwas unübersichtlich: Nach einer kurzen Einarbeitungszeit hat sich Bergzeit Autor Fritz Horsthemke allerdings gut in der Open Source Software zurecht gefunden. | Foto: Screenshot Golden Cheetah

Fazit

Wer bei Golden Cheetah einsteigt und sich die Mühe macht, es zu verstehen, lernt viel über Training sowie Trainingsplanung. Die Auswertungsmöglichkeiten sind unglaublich. Für alle, die gezielt trainieren und nicht viel Geld für einen persönlichen Coach ausgeben wollen.

Zusammenfassendes Fazit zu den Radtraining-Apps

Wer mit seinem Bike in ein ausgiebiges Training starten will, hat mit diesen vier Apps und Programmen gute Begleiter, die jeweils an anderen Punkten ihre Stärken ausspielen. Strava zum Beispiel lebt vom Netzwerken mit anderen Sportlern und einem Anreizsystem aus Krönchen und Pokalen. Velohero bietet hingegen mehr Auswertungsmöglichkeiten und ist vielmehr echte Trainingsplattform statt soziales Netzwerk. Wer mit einem Bike-Computer von Wahoo unterwegs ist, kann zum Monitoring gut die Wahoo Fitness App als Ergänzung nutzen. Die umfangreichsten Auswertungsmöglichkeiten bietet, nach ein wenig Einarbeitungszeit, aber die Open Source Software Golden Cheetah.

Funktion/AppStravaVeloheroWahoo FitnessGolden Cheetah
Tagebuch
+++++++
Chat+++--
Vergleich mit anderen Sportlern+++--
Auszeichnungen++---
Gemeinsam fahren++---
Herz-Kreislauf-Training++++++++
Systematische Leistungssteigerung+++-+++
Analysefunktion++++++++++
Trainingspläne0 (Berg, Springt)0 (Pause!)00
DiagnosePMCPMC-PMC & weitere
Grundversionkostenloskostenloskostenlos zum Wahoo Computerkostenlos
Premium59 Euro22,61 Euro--

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