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Für hohe Ambitionen

Petzl Volta 9.2 mm: Kletterseil im Test

6 Minuten Lesezeit
Petzl ist nun auch im Kletterseil-Business dabei: Chris Münch aus dem Bergzeit Kletterteam hat mit dem Petzl Volta 9.2 gleich mal eines der neuen High-Tech-Kletterseile zum Testen an den Fels entführt - und wurde positiv überrascht.

Neues Seil, neues Glück – dachte ich mir, als ich das Volta von Petzl als Testseil und guten Ersatz für mein altes Kletterseil in Empfang nahm. Schon bevor ich das Petzl Kletterseil auch nur angefasst habe, ist mir natürlich die knallig orangene Farbe aufgefallen. Ich persönlich finde das nicht unangenehm, auffällig ist es aber auf alle Fälle. Davon ließ ich mich nicht abschrecken und so musste sich das Seil schon bald einer kurzen Untersuchung durch meine Klettererhände unterziehen. Oberfläche, Haptik, Knotbarkeit – fast automatisch läuft das Prozedere des ersten Einschätzens ab. Und ich muss sagen, ich war anfangs vor allem beeindruckt von der Biegsamkeit des Petzl Volta. Seine Oberfläche finde ich durch die EverFlex-Veredelung extrem geschmeidig und angenehm. Gleichzeitig stimmte mich allerdings die hohe Flexibilität und ein Durchmesser von nur 9,2 Millimetern bedenklich, was die Haltbarkeit des Kletterseils vor allem bei verstärktem Ausbouldern von Projektrouten angeht. Der Praxistest wird zeigen, was Petzl als Newcomer im Kletterseilbusiness so bieten kann – sonst kenne ich Petzl eher aus dem Lager hochwertigster Kletter-Hardware.

Lieber zweimal nach dem Seil schauen: Das Petzl Volta 9.2 als Leichtgewicht am Gurt

Das Petzl Volta 9.2 Kletterseil ist genau das Richtige für ambitioniertes Sportklettern und aufgrund der Dreifachzertifizierung natürlich auch für alpine Vorstöße jeder Art. | Foto: Chris Münch
Das Petzl Volta 9.2 Kletterseil ist genau das Richtige für ambitioniertes Sportklettern und aufgrund der Dreifachzertifizierung natürlich auch für alpine Vorstöße jeder Art. | Foto: Chris Münch

Das Klettern mit dem Volta fühlt sich beinahe so an, als hätte man überhaupt kein Seil dabei. Es ist wahnsinnig leicht und schnell in die Sicherungen einzuhängen. Die Duratec Dry-Imprägnierung verringert einerseits seine Oberflächenreibung und verhindert andererseits, dass das Kletterseil schnell durchweicht, wenn es doch einmal in den Regen kommt. Vor allem beim Onsight-Klettern und in Durchstiegsversuchen kommen all diese Eigenschaften zum Ausdruck und so wird das Petzl Seil zu meiner ersten Wahl für ambitionierte Durchstiegsversuche, nicht nur für mich als Kletterer, sondern auch als Sichernder.

Sichern wie ein Weltmeister

Ich persönlich bevorzuge zum Sichern das Petzl Grigri 2, mit dem das Sichern mit dünnen Seilen generell kein Problem darstellt. Das Petzl Volta 9.2 macht in diesem Gerät genau das, was der Sicherer will. Es lässt sich leicht einziehen, ausgeben und blockiert durch seine Flexibilität sofort wenn man es will. Im Vergleich zu anderen Kletterseilen dieser Dicke würde ich mich hier auch trauen, ein anderes Sicherungsgerät zu verwenden. Denn die extreme Biegsamkeit des Seiles ermöglicht ein schnelles und starkes Abknicken, was den Funktionsmechanismus aller Sicherungsgeräte ausmacht. Eine Mittelmarkierung sorgt außerdem für erhöhte Sicherheit beim Ablassen in langen Routen. Trotzdem gehört immer ein Knoten in das Seilende!

Erst pelzig, dann flauschig, aber immer haltbar

Das Petzl Volta 9.2 im Test: Selbst beim Ausbouldern hält das Kletterseil der Bergsport-Kultschmiede sehr lange. Klipp-Eigenschaften und Handling sind erste Klasse. | Foto: Chris Münch
Das Petzl Volta 9.2 im Test: Selbst beim Ausbouldern hält das Kletterseil der Bergsport-Kultschmiede sehr lange. Klipp-Eigenschaften und Handling sind erste Klasse. | Foto: Chris Münch

Zunächst einmal ist das Petzl Volta durch sein UltraSonic Finish – also den Verbund von Kern und Mantel an den Enden mit Hilfe einer Ultraschallbeschichtung – zu Beginn deutlich haltbarer und das Seilende platzt nicht auf, wenn es beim Abziehen in eine Zwischensicherung peitscht. Durch eine EverFlex-Veredelung wird der Mantel noch stabiler. Ich bin im letzten halben Jahr wirklich viel mit dem Seil geklettert und mein Fokus lag vor allem auf dem Projektieren von Kletterrouten, die weit mehr als ein paar Versuche für den Durchstieg benötigen. Dabei wurde das Volta durch die vielen Stürze und das Heraufziehen und Ablassen zu den einzelnen Zügen in den Schlüsselstellen der Routen einer sehr hohen Reibungsbelastung ausgesetzt, zumal in vielen meiner Projekte fest angebrachte Zwischensicherungen vorhanden sind. Diese sind natürlich nicht mehr ganz neu. Nach einiger Zeit wurde das Petzl Volta an den Enden sehr pelzig. Trotzdem behielt das Kletterseil seine Biegsamkeit die ganze Zeit bei. Zuerst dachte ich, es wäre bei diesem flauschigen Zustand wohl bald so weit, dass ich das Ende kürzen muss, weil der Kern durch den Mantel zu sehen sein würde. Da täuschte ich mich aber gewaltig. Ausbouldereinheit um Ausbouldereinheit trotzte das Petzl Volta 9.2 den Reibungen an den Zwischensicherungen und der Mantel hielt jedem Sturz stand.

Zwei Meter weniger, aber wie neu: Das Petzl Volta nach einem halben Jahr

Wer hat schon Lust sien Seil hinterher zu ziehen? Das leichte Petzl Volta merkt man kaum.| Foto: Chris Münch
Wer hat schon Lust sien Seil hinterher zu ziehen? Das leichte Petzl Volta merkt man kaum.| Foto: Chris Münch

Erst ein geschlagenes halbes Jahr nach dem ersten Einsatz meinerseits musste ich das Ende nach dem Ausbouldern einer Route in einem einwöchigen Urlaub in Osp dann doch einmal abschneiden. Nach dem Kürzen ist das Petzl Volta Kletterseil aber in so einwandfreiem Zustand, wie es die Enden am Anfang waren, und so beginnt die Haltbarkeit bei einem Längenverlust von nur zwei Metern von Neuem. Mein erster Eindruck hat sich also nicht bestätigt und das Petzl Volta 9.2 ist für seine Dicke ein wirklich haltbares Seil. Allerdings sollte man sich darüber bewusst sein, dass viele dickere Kletterseile zweifelsohne länger halten. Das Gewicht der dickeren Seile ist jedoch viel höher, was den Anstieg erschwert. Man sollte also abwägen, ob einem die Vorzüge des Petzl Volta die Einbußen an Haltbarkeit wert sind. Mir wären sie es auf jeden Fall – schließlich geht man ja nicht zum Ausbouldern, sondern auch zum Klettern. Vor allem für Leute, die hauptsächlich klettern und nicht viele Routen ausbouldern, lohnt sich das Kletterseil in jedem Fall. Denn dann dürfte der Unterschied in der Haltbarkeit im Vergleich zu dickeren Seilen kaum mehr zu merken sein. Ich war auf jeden Fall positiv überrascht!

Test-Fazit und Details zum Petzl Volta 9.2 Kletterseil: lang, dünn, flexibel, haltbar

Mich hat das Petzl Volta 9.2 auf ganzer Linie überzeugt. Mit seinen 70 Metern Länge kommt man beim Ablassen in so gut wie allen Routen wieder bis auf den Boden. Flexibilität, Oberfläche und Biegsamkeit bzw. Knotbarkeit machen das Klettern und Sichern sehr angenehm. Dieser Komfort entschuldigt für mich die geringere, wenn auch trotzdem noch sehr gute, Haltbarkeit des Kletterseils gegenüber dickeren Pendants. Auch bei weiteren Zustiegen zieht das sehr leichte Seil den Rucksack nicht merklich nach unten. Für mich hat Petzl mit dem Volta ein wirklich tolles Produkt herausgebracht, welches sich vor allem durch sein geringes Gewicht für meine ambitionierten Projekte eignet. Petzl ist sowieso schon immer gut dabei, was Kletterausrüstung betrifft:

  • Seiltyp: (CE EN 892, UIAA): mehrere Normen – Einfach-, Halb- und Zwillingsseil
  • Gewicht pro Meter: 55 Gramm
  • Mantelanteil: 42 Prozent
  • Durchmesser: 9,2 Millimeter
  • Stürze mit Sturzfaktor 1,77: 6 (Einfachseil), > 20 (Halbseil), > 30 (Zwillingsseil)
  • Statische Dehnung: 7,5 Prozent (Einfachseil), 7,5 Prozent (Halbseil), 6 Prozent (Zwillingsseil)
  • Dynamische Dehnung: 33 Prozent (Einfachseil), 30 Prozent (Halbseil), 26 Prozent (Zwillingsseil)
  • Fangstoß: 8,6 kN (Einfachseil), 6,8 kN (Halbseil), 10,5 kN (Zwillingsseil)
  • Konstruktion : 40-fach hohlgeflochten
  • Material: Polyamid
  • Ausrüstung: Duratec Dry-Imprägnierung, UltraSonic Finish, EverFlex-Veredelung, ClimbReady-Technologie

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