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Seile für Eis und Fels

Petzl Paso 7,7 mm Halbseil: Test im Eis

5 Minuten Lesezeit
Petzl Kletterseile bewähren sich nun seit geraumer Zeit am Fels. Wie sieht es im Eisfall aus - hier die Petzl Paso 7,7 Millimeter Halb- und Zwillingsseile im Test unter widrigsten Bedingungen.

Eisklettern ist, finde ich, hervorragend geeignet um Ausrüstungsgegenstände auf deren Tauglichkeit zu prüfen. Beim Eisklettern bin ich im Vergleich zum Felsklettern angespannter. Das mag daran liegen, dass ich mich beim Eisklettern viel, viel öfter frage ob der Eiszapfen an dem ich gerade hänge überhaupt stabil genug ist.

Petzl Paso 7,7 Millimeter Testbedingungen: Kalt und angespannt

Petz Paso Seiltest Foto: Uwe Daniel
Beim Eisklettern muss eigentlich immer alles sitzen. Wir versuchen auf jeden Fall den Seiltest auf das Handling und die Imprägnierung zu beschränken: Stürzen sollte man mit den Eisgeräten jedenfalls nicht einfach so! Hier sieht man gut, wie das seil auf dem Eis leigt udn nass werden könnte. | Foto: Uwe Daniel

Beim Felsklettern ist es hier und da vielleicht brüchig aber der ganze Berg wird schon nicht zusammenstürzen. In dieser wachsamen und gesunden Anspannung fällt mir dann sofort auf, wenn etwas an der Ausrüstung nicht so ist wie ich es gern hätte. Die Jacke, die unter dem Klettergurt hochrutscht, die beschlagene Brille – alles Dinge mit denen ich mich beim Eisklettern nicht beschäftigen will. Oft weil ich einfach gerade genug andere Probleme und Gedanken habe.

Eisklettern ist eigentlich nichts für Fallsüchtige und Ausboulderer

Kletterseile, respektive Halb- bzw. Zwillingsseile, gehören beim Eisklettern natürlich zur Ausrüstung, auf die ich mich verlassen muss. Wesentlicher Unterschied zum Sportklettern ist wohl, dass beim Eisklettern das Stürzen nicht unbedingt zum Standardmanöver zählt. Steigeisen, Eistools und Eisschrauben sind einfach ziemlich scharf! Damit springt man nicht freiwillig ein Paar Meter runter.

Patzl Paso: 7,7 Millimeter und knallige Farben: Nicht ohne Grund wichtig!

Bei den Petzl Paso 7,7 Millimeter Halbseilen freute ich mich gleich zu Beginn über deren Farbe. Gerade beim Wasserfallklettern lege ich oft zwei unabhängige Sicherungsstränge. Dabei kann ich zwei weit voneinander entfernte Sicherungspunkte nutzen ohne den Seilzug dramatisch zu vergrößern. Das Seilkommando erweitert sich dann von einem einfachen „Seil“ zu entweder „rot“ oder „schwarz“. Und genau da ist es wichtig, dass die Seile eine Farbe haben die jeder kennt und die auch über 40 Meter Entfernung laut gerufen noch verständlich beim Sicherungspartner ankommt. Ich möchte nicht „das dunklere von beiden“ oder „beige-grünlich“ schreien. Eindeutige Farben führen auch eher zu eindeutigen Handlungen, gerade wenn es brenzlig wird und auch mal eine intuitive Handhabung von Nöten sein sollte: ROOOOT!

Petzl Paso Kletterseil: Gute Ausrüstung

Petz Paso Seiltest Foto: Uwe Daniel
Das Handling ist beim Sichern dank guter Imprägnierung ohne Probleme möglich. Saugen sich die Seile voll und frieren ein, kann es hier problematisch werden. | Foto: Uwe Daniel

Wesentlich wichtiger ist die Imprägnierung der Seile, die in Fachkreisen unter anderem zur Seilausrüstung gerechnet wird. Läuft Wasser den Eisfall hinunter, werden die Seile in kürzester Zeit zu „Kabeln“, d.h. im schlimmsten Fall unbrauchbar. Hat man einmal Kabel werden alle Probleme, die man mit Seilen haben kann schlimmer. Klippen mit Handschuhen, Seil- bzw. Kabelsalat am Stand, Beanspruchung der Handschuhe beim Abseilen, Wirksamkeit der Prusik-Schlinge usw., also einmal abgesehen vom Klettern an sich und vom erhöhten Gewicht durch das durchnässte, gefrorene Seil. Bei einem Eiskletterausflug ins Tiroler Pitztal testete ich die Seile unter anderem im Eisfall „Nameless“.

Ein anspruchsvoller Wasserfall im hinteren Pitztal, der je nach Routenführung und Eisaufbau Schwierigkeiten im 5. oder 6. Eisgrad bereithält. Die morgendliche Sonneneinstrahlung ließ die Eisoberfläche gerade in der 3. Seillänge anschmelzen. Da diese Seillänge nicht sehr steil ist, lag das Seil dort an vielen Stellen buchstäblich im Wasser. An der Jacke und den Eisgeräten gefror das Wasser bei den tiefen Temperaturen direkt. Die Seile wurden aber nicht zu den berüchtigten „Kabeln“ und so ließ sich die letzte steile Länge noch sehr gut klettern. Für mich ist gerade beim Eisklettern die Imprägnierung des Seiles das entscheidende Argument. Die Petzl Paso Halbseile halten dabei das was sie versprechen!

Kleinigkeiten, Details und Fazit zum Petzl Kletterseil Paso

Petz Paso Seiltest Foto: Uwe Daniel
Unabhängig vom Seil empfehle ich in Mehrseillängen die Rope-Hooks von Metolius. Wer hier möglichst große Schlaufen einlegt vermeidet ziemlich zuverlässig jeden Ärger mit Seilsalat. | Foto: Uwe Daniel

Das Seil hat eine funktionierende Mittelmarkierung. Hier allerdings nur das orange. Bei dem schwarzen ist die ebenfalls schwarze Mittenmarkierung zwar auch vorhanden aber bestenfalls mit einer Lupe auszumachen. Ist aber kein Problem, da die Seile eh im Doppelpack auftreten. Möchte man nur eins haben, dann würde ich eben wegen der Mittelmarkierung das orange empfehlen. Der Durchmesser der Seile ist vollständig kompatibel mit Tubern und Tube-Derivaten. Die Stärke ist auch beim Umgang mit Handschuhen angenehm. Der Durchmesser ist auch groß genug, um beim Abseilen ausreichend Bremskraft mit der Hand aufbringen zu können. Eine normale Prusikschlinge trägt beim Abseilen zur Sicherheit bei. Unabhängig vom Seil empfehle ich in Mehrseillängen die Rope-Hooks von Metolius. Wer hier möglichst große Schlaufen einlegt vermeidet ziemlich zuverlässig jeden Ärger mit Seilsalat.

  • Mittelmarkierung
  • 48-fach hohlgeflochtene Seilkonstruktion
  • ClimbReady-Technologie verhindert Fehler beim Abwickeln und erhöht die Lebensdauer
  • Gewicht: 42 Gramm pro Meter
  • Seiltyp: Halbseil, Zwillingsseil
  • Durchmesser: 7,7 Millimeter
  • Sturzzahl: 7 (Halbseil), 10 (Zwillingsseil)
  • Fangstoß: 8,5 % (Halbseil), 7 % (Zwillingsseil)
  • Statische Dehnung: 8,5 % (Halbseil), 7 % (Zwillingsseil)
  • Dynamische Dehnung: 31 % (Halbseil), 30 % (Zwillingsseil)

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