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Kompaktes Sicherheitstool

Ortovox Pocket Spike im Test: Schaufel und Eispickel in einem

Von Lea Hartl
6 Minuten Lesezeit
Ortovox sorgt mit dem Pocket Spike für neue Impulse bei der Sicherheitsausrüstung. Aus der Pro Alu III Schaufel wird mit dem Pocket Spike ein Leichtpickel für schwere Passagen auf Skitour. Die "Hosentaschen-Haue" wiegt dabei lediglich 95 Gramm.

Beim Ortovox Pocket Spike handelt es sich um eine Pickelhaue und einen Stieldorn, die an den Schaft der Ortovox Pro Alu III Schaufel gesteckt werden können. Damit soll der ambitionierte Skisportler die Möglichkeit haben, „die Nische zwischen Bergsteigen mit Pickel und ungesichertem Gehen im Absturzgelände“ mit einem Produkt zu schließen, dass klein, leicht und kompakt ist und mit der sowieso mitgeführten Lawinenschaufel kombiniert werden kann.

Die Ortovox Pro Alu III Schaufel

Die Pro Alu III ist die neueste Lawinenschaufel von Ortovox. Mit dem Ortovox Pocket Spike kann sie ganz einfach zu einem unterstützenden Tool umfunktioniert werden: Statt Schaufelkopf steckt man Stieldorn und Pickelhaue an den Schaufelstiel und fertig ist der innovative Eispickel. | Foto: Lea Hartl
Die Pro Alu III ist die neueste Lawinenschaufel von Ortovox. Mit dem Ortovox Pocket Spike kann sie ganz einfach zu einem unterstützenden Tool umfunktioniert werden: Statt Schaufelkopf steckt man Stieldorn und Pickelhaue an den Schaufelstiel und fertig ist der innovative Eispickel. | Foto: Lea Hartl

Die Pro Alu III Lawinenschaufel der Firma Ortovox ist die neue Version des bewährten, hochwertigen und viel verkauften Vorgängermodells. Der Schaft ist 44 Zentimeter bzw. im ausgefahrenen Zustand 84 Zentimeter lang. Der metallverstärkte Griff hat eine asymmetrische T-Form. Das Schaufelblatt besitzt eine scharfe, kippstabile Schneide, Trittrillen (um ein Abrutschen zu verhindern) und Löcher, um einen Rettungsschlitten daraus bauen zu können. Das Blatt der Ortovox Pro Alu III wird mit dem bei Lawinenschaufeln üblichen „Druckknopf“-System am Schaft befestigt. Es kann auch im 90-Grad-Winkel an den Griff gesteckt werden und wird so zu einer Art Hacke.

Ortovox Pocket Spike: Der Pickelaufsatz

Die Pickelhaue und der Dorn wiegen zusammen nur 95 Gramm (weniger als eine Tafel Schokolade!) und werden in einem etwa 15 Zentimeter langen Täschchen geliefert. Beides besteht aus 7075 T6, einer sehr bruchfesten Aluminiumlegierung. Der Dorn verfügt zusätzlich über eine aufgenietete Stahlschneide. Haue und Dorn werden an den Schaufelgriff bzw. das Stielende der Ortovox Pro Alu III gesteckt und rasten per „Druckknopf“ ein. Am Dorn sorgt ein hervorstehendes Stück Metall dafür, dass der Druckknopf durch den Einsatz als Pickel nicht beschädigt werden kann. Die Anbringung der Pocket Spike-Teile ist simpel und problemlos. Der Schaufelstiel ist teilweise gummiert, so dass man nicht am Metall abrutscht, wenn man den Stiel hält, um die Pickelhaue einzusetzen.

Einsatzbereich des „Multitools“

Der Ortovox Pocket Spike ersetzt kein Eisgerät oder DIN-normierten Eispickel, kann aber auf Skitour als zusätzliches Tool sehr nützlich sein - ohne nennenswertes Zusatzgewicht! | Foto: Lea Hartl
Der Ortovox Pocket Spike ersetzt kein Eisgerät oder DIN-normierten Eispickel, kann aber auf Skitour als zusätzliches Tool sehr nützlich sein – ohne nennenswertes Zusatzgewicht! | Foto: Lea Hartl

Man sollte sich darüber im Klaren sein, wo der Einsatzbereich des Ortovox Pocket Spike liegt, denn dort finden sich auch die wahren Stärken des Systems. Der Pocket Spike ersetzt weder ein Eisgerät in einer extremen Steilwandtour noch den Eispickel bei einer anspruchsvollen Skihochtour (er entspricht auch nicht der DIN-Norm für eigenständige Pickel und Eisgeräte). Er ist aber ein perfekter Begleiter für Skitouren, bei denen man eigentlich keinen Pickel mitnehmen will, weil man ihn „sowieso nicht brauchen wird“.

Der Ortovox Pocket Spike Eispickel im Test: Wie sieht’s in der Praxis aus?

Auf den letzten Metern, wenn es steil und eisig wird, fühlt man sich mit dem Pocket Spike von Ortovox sicherer. | Foto: Lea Hartl
Auf den letzten Metern, wenn es steil und eisig wird, fühlt man sich mit dem Pocket Spike von Ortovox sicherer. | Foto: Lea Hartl

Erster Eindruck: Im ausgefahrenen Zustand hat der Pocket Spike Eispickel eine gute Länge, um ihn als Steckpickel beim Gehen in der Hand zu halten. Zwar wirkt er durch das leichte Spiel im Teleskopstiel etwas klapprig, man hat jedoch keineswegs den Eindruck, dass er auseinanderfallen könnte. Aber wenn man einen normalen Eispickel gewohnt ist, fühlt sich das anfangs etwas merkwürdig an. Wenn der Teleskopstiel eingefahren ist, liegt der Ortovox Pocket Spike deutlich solider in der Hand.

Die Haue greift gut, wenn man sie ins Eis schlägt, allerdings fehlt auch hier das beruhigende „Tock“ eines Eisgeräts, welches ins Eis beißt und sofort sitzt. Das ist im Grunde aber irrelevant, da das Pocket Spike-System für den Einsatz in Schnee und Firn gedacht ist, wo die Haue vollkommen ausreichend ist. Der Dorn am Stielende funktioniert gut als Steckpickel, solange der Schnee nicht stollt. Da das Alurohr des Dorns hohl ist, kann sich darin Schnee ansammeln. Bei entsprechend klebrigem Schnee bildet sich ein Schneebollen, der über die Schneide hinauswächst. So nutzt diese natürlich nicht mehr viel und man könnte ebenso gut den Schaufelstiel ohne Dorn in den Schnee stecken. Ich hatte den Pocket Spike mehrfach bei relativ warmem Herbstwetter (sowohl mit als auch ohne Neuschnee) im Testeinsatz und habe mehrfach Schnee aus dem Dorn entfernt.

Kurzer Vergleich: K2 Shaxe vs. Pocket Spike

K2 hat mit dem Shaxe (SHovel – iceAXE) ein Produkt im Sortiment, dass dem Ortovox Pocket Spike bezüglich seines Funktionsprinzips ähnelt. Beim Shaxe wird jedoch nicht nur eine Haue an den Schaufelstiel gesteckt, sondern ein kompletter Pickelkopf mit Pickelschaufel mit einer Art Clipsystem angebaut. Der Einsatzbereich der beiden Produkte unterscheidet sich daher: Während der Ortovox Pocket Spike als zusätzliche Sicherheitsreserve für anspruchsvolle Skitouren gedacht ist, erfüllt der K2 Shaxe die genormten Anforderungen an einen B-Pickel. Die dazugehörige Lawinenschaufel von K2 kann allerdings nicht mit der Ortovox Pro Alu III mithalten. Der K2 Shaxe hat keinen Teleskopstiel und das Schaufelblatt kann im Unterschied zur Ortovox Alu Pro III Schaufel nicht zu einer Hacke umgebaut werden.

Test-Fazit und Details zum Ortovox Pocket Spike

Ortovox Pocket Spike Test | Foto: Lea Hartl
Pickel, Schaufel, Pickel, Schaufel – das Umbauen der Ortovox Pro Alu III Schaufel passiert in Sekundenschnelle. | Foto: Lea Hartl

Die Ortovox Pro Alu III ist eine High-Tech-Lawinenschaufel, auf die mit dem Ortovox Pocket Spike ein handlicher Pickelaufsatz für den Schaufelstiel montiert werden kann. Abgesehen vom Pickeleinsatz ist die Kombination besonders effizient in hartem, gepresstem oder angefirntem Schnee, wenn gegraben und gehackt werden soll. Das minimale Zusatzgewicht von 95 Gramm und das kleine Packmaß merkt man nicht im Rucksack, weder beim Auf- noch beim Abstieg. Ein super Zusatztool für jeden sicherheitsbewussten Skisportler, egal ob Skitourengeher, Freerider oder Variantenfahrer. Die Lawinenschaufel, also die Basis des Ortovox Pocket Spike, ist unter Freeridern sowieso ein Muss im Rucksack. Und auch der Kicker für den Feierabend-Run ist mit der Schaufel-Haue-Kombination schnell gebaut bzw. geshaped!

  • Einsatzbereich: Skitouren, Freeride, Variantenfahren, Skihochtouren
  • Gewicht Pro Alu III: 750 Gramm
  • Länge Pro Alu III: 84 (eingefahren 44) Zentimeter
  • Gewicht Pocket Spike: 95 Gramm

Ortovox Pocket Spike bei Bergzeit

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