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Im Test: Mammut Eiger Free 20 Removable Airbag 3.0 Lawinenrucksack

5 Minuten Lesezeit
Franz mags steil und direkt. Da muss ein Lawinenrucksack schon viel können, damit er mitkommen darf. Hat der Eiger Free 20 von Mammut das Zeug dazu?

Als ich gefragt worden bin, ob ich den Airbag-Rucksack Eiger Free 20 Removable Airbag 3.0 von Mammut testen möchte, war der erste Gedanke: „Geiles Teil! Ja!“. Auch wenn sich der Winter derzeit (noch) von seiner zähen Seite zeigt, durfte er sich schon auf den ersten Touren bewähren. Ob sich mein erster Eindruck bestätigt, ließt Du in diesem Test. Soviel vorab: Er ist speziell!

Wichtigste Merkmale des Mammut Eiger Free 20 Removable Airbag 3.0 Lawinenrucksack
🪶 Sehr leichtes Gesamtsystem, rund 1.600 g
🛡️ Abrieb- und wasserfestes Ultra-Material
🪂 Modulares Removable Airbag System 3.0; 150 Liter Airbagvolumen; Auslösung in rund drei Sekunden; höhenverstellbarer Auslösegriff; Testauslösung ohne Kartusche
🪝 Umfangreiche Fixieroptionen: Eiger Hook für Ski oder Snowboard; zwei Pickel- bzw. Stockhalter; integrierte Helmfixierung; Halterung für Funkgerät; Öffnung für Trinksystem
🎒 Spezialisierter Einsatzbereich mit 20 Liter Volumen; reduzierte Innenorganisation (keine Schaufel-/Sonde-Fixierung, keine Kleinteiletasche)

ISPO Award Winner 2024

Der Rucksack erhielt die Auszeichnung des Ispo Award Winner 2024, da die Jury vom leichten, schlanken und dennoch robusten Design, den verschiedenen Fixiermöglichkeiten, sowie dem modularen Airbag-System überzeugt war. Dies beschreibt auch in Kürze die Kernkompetenz des Rucksacks.

Das Gesamtpaket, bestehend aus dem Rucksack Eiger Free 20, dem Removable Airbag 3.0 und einer Druckluftkartusche.

Franz Mösbauer

Das Gesamtpaket, bestehend aus dem Rucksack Eiger Free 20, dem Removable Airbag 3.0 und einer Druckluftkartusche.


Das Gesamtpaket, bestehend aus dem Rucksack Eiger Free 20, dem Removable Airbag 3.0 und einer Druckluftkartusche.

Franz Mösbauer

Bei der Abfahrt sitzt er „zum vergessen“ am Rücken fest. Für einen Freeride-Tag bietet er ausreichend Platz.


Leicht, robust, effizient

Mit dem Eiger Free 20 hat Mammut seinen leichtesten Airbag-Rucksack im Portfolio und auch im Marktvergleich gehört er zu den leichtesten Airbag-Rucksäcken. Am Ende bleibt die Waage für das Gesamtsystem bei 1.618 Gramm stehen. Dennoch hinterlässt der aus dem abriebfesten und wasserdichten Ultra-Material gefertigte Rucksack einen robusten Eindruck. Außerdem geizt Mammut hier nicht mit Fixiermöglichkeiten. So steht mit dem Eiger Hook System ein robustes Fixiersystem für Ski oder Snowboard, zwei Pickel- bzw. Stockhalterungen, sowie eine integrierte Helmfixierung zur Verfügung. Garniert wird dies noch mit einer Halterung für Funkgeräte am Träger und einer Öffnung für ein Trinksystem. Das war es aber auch schon:

Cleanes Design ohne viel Schnick-Schnack!

Fast, denn das 20 Liter große Hauptfach lässt sich durch einen rückseitigen, U-förmigen Reißverschluss mit der einzigen Tasche öffnen.

Leicht und bewährt: Removable Airbag System 3.0

Selbstredend, dass auch beim Eiger Free 20 das hauseigene, kartuschenbasierte Removable Airbag System 3.0 Verwendung findet, welches herausnehmbar beziehungsweise kompatibel zu anderen Rucksäcken ist. Was auch gut ist, da der Rucksack Aufgrund seiner Größe für einen recht spezialisierten Einsatzbereich konzipiert scheint und so das Airbag-System auch mit einem größeren Modell kombinierbar ist. Der Einbau des Removable Airbag System 3.0 ist in der beigelegten Anleitung gut illustriert und funktioniert durch die farbcodierten Schlaufen überraschend gut. Ist der hellorange Airbag aufgeblasen, so sollen die 150 Liter zusätzliches Volumen dafür sorgen, bei einem Lawinenabgang oben auf zu schwimmen. Die geleerte (Carbon-) Kartusche kann gegen eine Gebühr (circa 25 €) bei einem Mammut-Händler ausgetauscht werden. Mitgeliefert wird auch das Trigger Test Tool, welches anstelle der Kartusche eingeschraubt wird, und so eine Testauslösung ohne Kartusche möglich macht.

Eine regelmäßige Testauslösung macht Sinn, um die Handhabung (mit aufgesetztem Rucksack) zu Hause für den Ernstfall zu üben, da die Betätigung mehr Kraft benötigt, als ich erwartet hatte.

Bei der Testauslösung hört man ein deutliches „Klick“, bei der realen Auslösung befüllt die Druckluftkartusche den Airbag in circa 3 Sekunden. Evtl. braucht man auch zwei Hände – Teaser: Noch ein Grund, bei den Stöcken auf die Handschlaufen (bei der Abfahrt) zu verzichten. Für eine bessere Ergonomie kann der Auslösegriff am Träger in drei Höhen eingestellt werden. Um vor einer Fehlauslösung, zum Beispiel beim Transport, zu schützen, kann man den Auslösegriff in einem kleinen Fach am Träger mittels Reißverschlusses verstauen.

150 Liter mehr Volumen sollen bei einem Lawinenereignis für mehr Auftrieb sorgen. Wobei hier die Gefahr überschaubar war …

Franz Mösbauer

150 Liter mehr Volumen sollen bei einem Lawinenereignis für mehr Auftrieb sorgen. Wobei hier die Gefahr überschaubar war …


150 Liter mehr Volumen sollen bei einem Lawinenereignis für mehr Auftrieb sorgen. Wobei hier die Gefahr überschaubar war …

Franz Mösbauer

Das leere und mit dem Airbag ausgestattete Innenleben des Eiger Free 20.


Mein Tipp, um euch mit dem System besser vertraut zu machen: Mach auch eine reale Auslösung zur Trockenübung! Neben der Auslösung kannst Du entspannt üben, wo die Luft abgelassen wird und wie der Airbag richtig gefaltet wird. Alles ist sehr gut in der mitgelieferten Anleitung beschrieben und illustriert.

Vor einem realen Test mach Dich mit dem System vertraut. Vor allem, wie er wieder entlüftet wird: Unter dieser orangen Abdeckung befindet sich ein Ventil dafür…

Franz Mösbauer

Vor einem realen Test mach Dich mit dem System vertraut. Vor allem, wie er wieder entlüftet wird: Unter dieser orangen Abdeckung befindet sich ein Ventil dafür…


🧠 Übrigens: Hier findest Du einen Vergleich der verschiedenen Airbag-Systeme: Lawinenrucksack-Vergleich: Die Airbag-Systeme im Überblick.

Was die KI nicht kann

Doch genug der Theorie, die euch eine KI ebenso mitteilen könnte. Aber die KI wird euch nicht die Praxistauglichkeit sagen können! Drum weiter …

Ausrüstungsdiät

Doch wohin – Schneemangel im Alpenraum!? Eine/Meine bewährte Tour für solche Bedingungen ist der formschönen Alpspitze über das Skigebiet und der Ferrata auf’s Haupt zu steigen. Das heißt, volles Programm: Neben dem Skitourenequipment kommen noch Pickel und Steigeisen hinzu. Beim Packen geht dann das Tetris-Spiel los. Ehrlich gesagt, so schwer habe ich mir noch nie getan, einen Rucksack zu packen… Letztlich half nur eine Ausrüstungs-Diät, um das essentielle Material verstaut zu bekommen. Dennoch wäre eine innenliegende Netztasche für Kleinteile (Geld, Schlüssel, Handy, …), sowie Fächer oder Fixierungen für Schaufel, Stiel und Sonde für eine bessere Organisation wünschenswert.

Mit dem Eiger Hook System lassen sich Ski, Snowboard und Stöcke sicher am Rucksack fixieren.

Franz Mösbauer

Mit dem Eiger Hook System lassen sich Ski, Snowboard und Stöcke sicher am Rucksack fixieren.


Mit dem Eiger Hook System lassen sich Ski, Snowboard und Stöcke sicher am Rucksack fixieren.

Franz Mösbauer

Im tiefen Schnee fühlt sich der Eiger Free 20 am wohlsten.


Trotz des prall gefüllten Rucksacks trägt er sich erstaunlich angenehm. Bald schon dürfen die Ski am Einstieg der Ferrata an den Rucksack. Hier geht das Rätselraten weiter und am Ende des Tages finde ich auch eine für mich optimale, wackelfreie Lösung, die Ski diagonal zu fixieren. Funktionsbedingt durch den Airbag ist leider eine Fixierung durch seitliche Schlaufe und mit Riemen am Träger – so wie es bei den Skimo-Rucksäcken üblich ist – nicht möglich. Deshalb muss der Rucksack immer abgenommen werden. Was wiederum super ist, dass das Hauptfach vom Rücken zugänglich ist! Auch mit Ski/Snowboard am Rucksack wird er einfach abgelegt und das Hauptfach geöffnet. Nachteile sind aber: Wind, welcher den Schnee in den am Boden liegenden Rucksack bläst. Und: steiles Gelände, so dass der Rucksack nicht horizontal abgelegt werden kann.

Sobald die Ski am Gipfel wieder unter den Füßen sind, geht es runter. Bei der Abfahrt war der Rucksack quasi „zum vergessen“! Er sitzt rückennah und fest, um so jede Aktion unbeeindruckt mitzumachen. Mehr Positives lässt sich nicht sagen, um sorgenfrei in jede Art von Abfahrt zu starten …

Häkchen Pro 

  • circa 1.600 Gramm leichtes Gesamtsystem inkl. Airbag und Kartusche
  • Cleanes, minimalistisches Design
  • Abrieb- und wasserfestes Ulatra-Gewebe
  • Dank des Eiger Hook Systems viele und robuste Fixiermöglichkeiten
  • Leichtes, modulares und bewährtes Removable Airbag System 3.0 System
  • Ausführliche und gut illustrierte Anleitung zum Removable Airbag System 3.0 System im Lieferumfang

Multiplikationszeichen Kontra 

  • Kleines Volumen nicht sehr vielseitig
  • Fehlende Fixierungen für Schaufel/Sonde
  • Keine Tasche für Kleinzeug

Fazit „Geiles Teil, ja. Aber…“

Was ist nun mein Fazit nach den Handvoll Touren? „Geiles Teil, ja. Aber mit Einschränkungen!“

Der Mammut Eiger Free 20 Removable Airbag System 3.0 zeigt sich im Test als ein radikaler Lawinenrucksack für erfahrene Freerider und Skitourengänger, die bewusst Kompromisse bei der Auswahl der mitzuführenden Ausrüstung eingehen wollen. Der Rucksack glänzt definitiv beim Freeriden und bei schnell erreichbaren Lines. Er kommt aber schnell an seine Grenzen, wenn es auf Skitour geht.

Dennoch gibt es mit diesem Teil fast keine Ausrede mehr, um aus gewichtsgründen auf einen Airbag-Rucksack zu verzichten, der die Überlebenswahrscheinlichkeit bei einem Lawinenabgang signifikant erhöht.

Ob dann aber Lawinenairbags wiederum zu einem riskanteren Verhalten verleiten, ist ein anderes Thema …

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