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Canyon, Tapas, Mega-Felsriegel

Klettern in Chulilla – Das musst du über das Gebiet wissen

8 Minuten Lesezeit
Anspruchsvolle, vertikale Wandkletterei nur eine Autostunde von Valencia entfernt: Unsere Autorin Isabelle Kautz war in Chulilla unterwegs und stellt Dir das Klettergebiet im spanischen Hinterland vor.

Ich bin im Fieber. Im Kletterfieber. Von Valencia starten wir, vorbei an Orangenplantagen, ins spanische Hinterland. Nach rund 30 Minuten Fahrtzeit beginnt sich eine kleine Straße durch das Gebirge hoch nach Chulilla zu schlängeln. Vor mir taucht eine Schlucht auf. Ich sehe Kletterwände. Kilometerlang. Mehr als tausend Routen. Das Kletterfieber steigt mit jedem Meter.

Dorf mit weißen Häusern liegt am Talausgang und wird von hinten von der Sonne angestrahlt.
Das Dorf Chulilla liegt nur rund eine Stunde von Valencia entfernt. Die umliegenden Felswände mit unzähligen Routen lassen das Kletterfieber rasant ansteigen. | Foto: Isabelle Kautz

Chulilla selber ist ein kleines Dorf, das malerisch im Sattel zweier Berghügel eingebettet liegt. Rund 100 Häuser, schmale Gassen, eine Kirche, ein Marktplatz, spanische Bars. Über dem Dorf thronen die Mauern des halbverfallenen Castillos. Beim Ankommen staune ich über die beeindruckende Berglandschaft, die steil abfallende Schlucht und die imposanten Felswände. Als Kletterer fühle ich mich sofort zu Hause.

Das Klettergebiet Chulilla und seine Besonderheiten

Chulilla zeichnet sich durch einen rötlichen, kompakten Kalkstein aus. Zahlreiche weiße Chalkspuren durchziehen die Felswände und zeugen von den Routen, die auf die Kletterer warten.

In den Hauptsektoren El Embalse, La Pared Blanca, La Peñeta, Muro de las Lamentaciones, La Pared de Enfrente, Pesadilla, Cherales, El Castillo, Competicion, Barranquillo, Fantasia sowie El Cañaveral, mit jeweils mehreren Untersektoren, warten bereits über 1.100 Kletterrouten – und Chulilla wird weiter erschlossen. In den Schwierigkeitsgraden V bis 8c ist hier für jeden etwas dabei. Richtig lohnend wird es ab 7a. Vertikale Wandkletterei. Sinter. Platten. Verschneidungen. Senkrechte bis leicht überhängende Ausdauerrouten mit einzelnen Boulderpassagen. Chulilla ist vielseitig. Ein kurzer Blick in den Kletterführer Chulilla Climbing Guidebook von Pedro Pons verrät euch, welche Sektoren in der Sonne und welche im Schatten liegen. Ihr habt immer die Wahl, ob ihr auf der Nord- oder Südseite klettern wollt. Alles in allem wartet auf euch eine fantastisch abwechslungsreiche Kletterei in einer traumhaft schönen Landschaft!

Das Gestein in Chulilla ist bereits recht abgespeckt. Besonders die Tritte sehen ultra poliert aus. Zunächst bin ich skeptisch und möchte die Füße eigentlich nicht dahinsetzen. Nach einigen Einkletterrouten halten die Tritte doch erstaunlich gut – man muss nur etwas Druck darauf geben. Ansonsten zeichnet sich die Kletterei in Chulilla oft durch boulderlastige Einstiege aus (besonders die Sektoren Oasis, Algarrobo, Balconcito oder Balcon). Ein Clipstick oder Bambusstock ist manchmal nicht die schlechteste Idee. Das Absprunggelände ist nicht immer ideal: Gelegentlich verblockt oder es geht nach ein bis zwei Metern steil in die Schlucht hinunter. Nach oben hin wird die Kletterei meist leichter, die Griffe sind rauer und größer.

Bläst der Wind kalt durch den Canyon, kann in der Schlucht gegenüber von Chulilla geklettert werden: Der Sektor Pared de Enfrente ist wesentlich windgeschützter und bietet zugleich sagenhafte Sinterlinien.

Für das Klettern in Chulilla ist in der Regel Ausdauer gefragt. Die meisten Routen sind zwischen 30 bis 40 Meter lang und wechseln zwischen Boulderstellen und gutem Schüttler ab. Wer das noch nicht gewöhnt ist, kämpft nach oben raus mit dicken Armen.

Panorama von einer imposanten Kletterwand aus rötlichem Fels.
Pared de Enfrente: Dieser Sektor liegt gegenüber von Chulilla, ist windgeschützt und bietet sagenhafte Sinterlinien. | Foto: Isabelle Kautz

Die beste Jahreszeit

Die beste Jahreszeit zum Klettern in Chulilla ist von November bis April: Dann scheint viel die Sonne, es regnet kaum und es hat kaum Nebel. | Foto: Isabelle Kautz

… zum Klettern ist im Winter von November bis März bzw. April. Durchschnittlich hat es dann zwischen 13° und 17° Grad. Die Sonne scheint viel, es gibt kaum Regentage und keinen Nebel. Für die schweren Routen empfehlen sich die kälteren Monate Dezember bis Februar. Laut Einheimischen kann aber das ganze Jahr geklettert werden; in den heißeren Jahreszeiten schmiert es jedoch ordentlich und über Weihnachten und Silvester hat sich Chulilla zu einem beliebten Reiseziel gemausert. Die Übernachtungsmöglichkeiten in der kleinen Gemeinde sind dann voll belegt. Wem das zu viel Trubel ist, der sollte die Ferienzeiten meiden.

Die richtige Ausrüstung für Chulilla

Für die bis zu 40 Meter langen Touren reichen in der Regel 18 Exen und ein 80-Meter-Seil. Achtung: Für einige Routen empfiehlt sich ein 100-Meter-Seil (die Routenlänge findet ihr jeweils im Kletterführer angegeben). Am Anfang sind die Haken sehr nah gesetzt, nach oben wird es deutlich luftiger. Wer mit Sturzangst kämpft, wird seine Komfortzone das ein oder andere Mal verlassen müssen. In vielen Routen findet sich oben ein Umlenker mit Schraubkarabiner – diesen würde ich immer überprüfen, wie durchgeschliffen er bereits ist und sonst lieber durch den Ring umbauen. Wer gerne etwas zur Sanierung oder Neuerschließung beitragen möchte, findet in der Kletterbar eine Spendenbox zu diesem Zwecke.

In Chulilla gibt es einen Klettershop, Al Coxinillo. Hier bekommt ihr alles zum Klettern – Gurte, Seile, Exen, Kletterschuhe, Sicherungsgeräte etc. — was ihr zu Hause vergessen habt. Der Klettershop besticht schon alleine durch seine Öffnungszeiten: Geöffnet ist jeden Tag von 10 bis 12 und 18 bis 20 Uhr. Kletterer gehen eben selber gerne klettern.

Tipp! Ein geniales Angebot für alle Busreisenden: Für nur zwei Euro bekommt ihr im Klettershop eine warme Dusche!

Kletterin in steiler, rötlich gefärbter Wand.
Mit knapp 20 Exen und einem 100 Meter Seil sind Kletterer für Chulilla meist gut ausgerüstet. Sonst gibt es im Ort auch einen kleinen Shop, der sogar für zwei Euro eine warme Dusche anbietet. | Kletterin: Isabelle Kautz, Foto: Jordan Chow

Anreise und Tipps für Pausentage

Nach Chulilla zu kommen ist nicht schwer: Mit dem Flugzeug geht es zum Beispiel von München schon ab 150 Euro nach Valencia. Von dort könnt ihr per Bus weiterreisen (Achtung, dieser fährt einmal täglich – die genauen Zeiten findet ihr online). Oder ihr nehmt euch einen Leihwagen. Dieser kostet außerhalb der Ferienzeiten lediglich ein paar Euro am Tag. In Chulilla selbst benötigt ihr aber nicht unbedingt einen Leihwagen, es ist alles gut zu Fuß erreichbar.

Am Restday ist ein Leihwagen dennoch praktisch, da Valencia mit seiner wunderschönen Altstadt einlädt oder ihr in Gandía einen sonnigen Tag am Strand verbringen könnt. Es ist jedoch ebenfalls schön, den Pausentag ruhig anzugehen, durch die kleinen Gassen von Chulilla zum Castillo hoch zu schlendern, dort den tollen Ausblick zu genießen und anschließend auf dem Marktplatz gemütlich den ein oder anderen Café con leche zu trinken.

Unterkunft für Kletterer in Chulilla

In Chulilla gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten: Airbnb Angebote ab 25 €, Locals, die ein Zimmer vermieten oder das Kletterrefugio El Altico. In diesem gemütlichen Hostel zahlt ihr 15 Euro pro Nacht und Person. Die Küche ist nett und geräumig, die Duschen und WCs sehr sauber. Das Hostel verfügt über eine große Lounge mit Sofas, einen Boulderraum für Regentage und einen kleinen Pool für die wärmeren Jahreszeiten. Außerdem ist es auf einem Hügel erbaut und bekommt morgens die ersten Sonnenstrahlen ab. Gegen einen kleinen Aufpreis versorgen euch die Gastgeber Pedro und Nuria mit einem leckeren Kletterfrühstück und einem reichhaltigen Abendessen. Beide leben im hinteren Teil des Gasthauses und kochen gerne für euch mit.

Verpflegung

Kletterin sitzt auf einem Fels und blickt auf ein Dorf mit weißen Häusern am Ende des Tals.
In Chulilla kommt man schnell mit anderen Kletterern ins Gespräch und muss sich keine Sorgen darum machen, am nächsten Tag alleine in der Wand zu sein. Am besten geht das in der Kletterbar Goscanos oder den kleinen Bars rund um den Marktplatz. | Foto: Isabelle Kautz

Allem voran ist die Kletterbar zu erwähnen: Im Goscanos bekommt ihr Tapas-Spezialitäten und leckere Hauptgerichte wie Paella und Lasagne zu moderaten Preisen. Außerdem ist Freitag und Samstag Pizzatag. Dazu bietet sich euch eine große Auswahl an Getränken. Es gibt mehrere Biersorten, sogar ein Weißbier im passenden Glas bekommt ihr hier. Meist wird ein Mal pro Woche live Gitarrenmusik gespielt und dazu gesungen.

Auf dem Markplatz gibt es verschiedene weitere Bars und drei kleine Supermärkte, in denen ihr die Basics bekommt. Wer größer einkaufen möchte, sollte bei der Anreise in Valencia noch schnell im Supermarkt vorbeischauen. Darüber hinaus hat Chulilla eine sehr einladende Bäckerei, es gibt einen kleinen Metzger und mehrere Restaurants. Am Ortseingang steht ein Brunnen, an dem Busreisende Wasser auffüllen können.

Die Kletter-Community trifft sich in der Bar

Heute wollen wir nur schnell auf eine halbe Stunde im Goscanos vorbeischauen und dann zu Hause kochen. Doch als ich die Bar betrete, werde ich gefragt, ob ich in Laos war. Schnell ist ein Bier bestellt. Wir stellen fest, dass wir uns tatsächlich vor ein paar Jahren in Laos über den Weg gelaufen sind und fangen an, uns zu unterhalten, wo wir so klettern waren. Als der Magen sich meldet, bestellen wir Patatas bravas – eine Tapas-Spezialität der Region aus Kartoffeln mit Aioli-Soße und scharfer Würze, die ihr unbedingt probieren solltet! Aus einer halben Stunde wird ein netter, geselliger Abend und wir beschließen, morgen gemeinsam klettern zu gehen.
In Chulilla kommt man schnell mit anderen Kletterern ins Gespräch, hier muss niemand befürchten, ohne Kletterpartner dazustehen. Selbst wer alleine reist, trifft bestimmt jemand Gleichgesinnten für den nächsten Klettertag.

Alle Informationen zum Klettern in Chulilla auf einen Blick

  • Besonderheit: Abwechslungsreiche vertikale Wandkletterei auf rötlichem, kompaktem Kalkstein
  • Beste Jahreszeit: Winter – zwischen November und April
  • Schwierigkeit: Vor allem lohnt sich das Gebiet für Fortgeschrittene und Routen ab 7a
  • Kletterführer: Chulilla Climbing Guidebook von Pedro Pon
  • Empfohlene Ausrüstung: Für die meisten Routen reichen in der Regel 18 Exen und ein 80-Meter-Seil. Die Länge der Routen ist im Kletterführer angegeben.

Was Du sonst noch für Deinen Kletterurlaub brauchst, findest Du im Bergzeit Shop:

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