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MTB-Klassiker im Karwendel

Die Karwendelrunde: MTB-Tour durchs ursprüngliche Gebirge

6 Minuten Lesezeit
Ursprüngliche Täler und wilde Gipfel – eine Mountainbike-Tour im Karwendel verspricht abwechslungsreiche Wege und eine reizvolle Landschaft. Unser Tipp: die Karwendelrunde - ein echter Mountainbike-Klassiker mit 65 Kilometern Länge.

Es gibt MTB-Touren, die macht man aus Gewohnheit immer wieder. Andere macht man hingegen, weil sie gerade gut zu erreichen sind. Zuletzt gibt es aber auch noch die Touren, welche man immer wieder gerne macht, weil sie einfach schön sind!

Die Bachdurchquerung vor dem Anstieg zur Vereiner Alm geht barfuß am besten. | Foto: Franz Mösbauer
Die Bachdurchquerung vor dem Anstieg zur Vereiner Alm geht barfuß am besten. | Foto: Franz Mösbauer

Das Karwendel begeistert mich immer wieder aufs Neue. Aufgrund der äußerst mageren Infrastruktur gibt es hier noch nahezu unberührte, wilde Bergnatur – mal abgesehen von den erschlossenen Randbereichen. Doch auch hier mangelt es an den ganz großen Bergbahnen und Touristenmagneten.

Dafür bietet das Karwendel eine Vielzahl ursprünglicher Täler und wilder Gipfel, welche bei der klassischen Karwendelrunde per MTB durch- und umfahren werden. Die technischen Schwierigkeiten sind dabei eher als gering einzustufen, dafür ist der landschaftliche Genussfaktor sehr hoch.

Karwendelrunde: Der Routenverlauf

Die Tour beginnt klassischerweise in Scharnitz an der tirolerisch-bayerischen Grenze. Obwohl man langsam den Eindruck bekommt, dass die ganze MTB-Welt nur noch auf wilde Trails abfährt, ist auf der Karwendelrunde immer wieder überraschend viel los. Um dem Trubel etwas zu entgehen, bieten sich zwei Taktiken an. Entweder ein sehr früher oder später Start der Tour – oder, wie bei uns, Hinterriß als Ausgangspunkt. Hier parkt man zudem (noch) kostenlos.

Von Hinterriß zur ersten Abfahrt

Nach dem Aufsatteln in Hinterriß geht es sogleich hoch zum ersten Anstieg zur Vordersbachau. Bitte nicht den Weg aus dem Rohntal heraus nehmen, da dieser inzwischen am Verfallen ist! Nach einem kurzen Zwischenstopp bei einer Jagdhütte beginnt die erste Abfahrt.

Anschließend führt ein kurzer Trail bergab zu einem Bach, dem Sandbach. Manch einer wird hier eine Brücke erwarten. Fehlanzeige, denn die gibt es schon lange nicht mehr. Also fährt man je nach Wasserstand im Trial-Modus hinüber. Oder zieht sich einfach schnell die Schuhe aus und läuft „entspannt“ auf die andere Bachseite.

Zweite Steigung und Weg nach Scharnitz

Sind die Füße wieder trockengelegt, beginnt der zweite Anstieg. Mit dem Erreichen der Vereiner Alm auf 1.406 Metern und dem schönen Almboden zwischen Wörner und Soiernspitze ist auch dieser geschafft. Um die Gefahr von Unterzucker zu vermeiden, bietet sich ein kleiner Zwischenstopp an der gemütlichen Alm an. Doch Vorsicht, es gilt noch ein paar Kilometer zu absolvieren! Wieder zurück auf dem Sattel beginnt alsbald die rasante Abfahrt hinab zum Seinsbach, die mit ihren Rüttelpassagen fast die Zahnimplantate lockert.

Wenn nicht Regenwolken anstehen würden, könnte man auf den Wiesen der Vereiner Alm den Blick auf Wörner und Soiernspitze genießen. | Foto: Franz Mösbauer
Wenn nicht Regenwolken anstehen würden, könnte man auf den Wiesen der Vereiner Alm den Blick auf Wörner und Soiernspitze genießen. | Foto: Franz Mösbauer

Spätestens nach den beiden Serpentinen im unteren Teil sollte man auf den kleinen Wegweiser nach links achten und nicht blind bis zum Parkplatz runterrauschen. Denn dieser markiert den Beginn eines kurzen Trails über den Seinsbach. Der mündet anschließend an der Aschaukapelle zunächst in eine Forststraße und, am ehemaligen Marmorwerk vorbei, in eine Teerstraße.

Nun heißt es, vor der Unterführung der B2 links abzubiegen und einer Reihe von Forstwegen und Trails direkt östlich der B2 bis zu den Wiesen südlich von Mittenwald zu folgen. Eine etwas weniger bekannte Variante nach Scharnitz führt bei leichter Steigung am Fuß der Arnspitze vorbei.

Langer Anstieg durch das Karwendeltal zum Karwendelhaus

In Scharnitz angekommen, liegt gut die Hälfte der MTB-Karwendelrunde hinter uns. Fast unübersehbar markieren hier die Schilder zu den Karwendeltälern den Weg gen Osten. Am letzten, offiziellen Parkplatz teilen sich jedoch die Routen. Während die zwei Täler geradeaus – das Hinterautal und das Gleirschtal – nicht zu unserem Ziel führen, ist die Wahl des nördlichsten, des Karwendeltals, die richtige!

Nach den vergangenen Flach-Kilometern von Mittenwald treibt einem die direkt nach dem Abzweig anstehende Steigung die Schweißperlen auf die Stirn. Doch nicht allzu lange. Nach einer kurzen Abfahrt befindet man sich im wunderbaren Karwendeltal und darf die Landschaft beim entspannten Kurbeln genießen. Schneller als erhofft wartet jedoch schon die nächste steile Stelle. Eine erste Verschärfung der Steigung kennzeichnet das baldige Ende der Gemütlichkeit und auch das Karwendelhaus thront vor und vor allem weit über den Helmen. Wer will, legt bei der Angeralm noch eine kurze Pause ein, ehe der finale Anstieg zum Karwendelhaus und zum Hochalmsattel beginnt.

Man sollte nicht vergessen, mit zunehmender Höhe auch mal das Panorama zu würdigen. Aber richtig – mit dem Bier in der Hand auf der exponierten Terrasse des Karwendelhauses in der Nachmittagssonne geht das am besten. Also geht es weiter hurtig die Kehren hinauf, ehe man auf der Hochalm den kurzen Abstecher zum beeindruckenden, alten Steinbau mitnehmen sollte – Stichwort Terrasse!

Großartiges Panorama am Hochalmsattel mit anschließender Abfahrt

Im Karwendel findet man noch viele wilde und einsame Ecken. | Foto: Franz Mösbauer
Im Karwendel findet man noch viele wilde und einsame Ecken. | Foto: Franz Mösbauer

Wer nun meint, es geht nur noch runter, wird schnell eines Besseren belehrt. Nur kurz, aber etwas giftig steigt der Weg final zum Hochalmsattel an. Geschafft! Von hier hat man einen grandiosen Ausblick über den Kleinen Ahornboden, zur Falkenhütte und zu den eindrücklichen Laliderer-Wänden – um nur einige wenige Karwendel-Sehenswürdigkeiten zu nennen.

Nun beginnt abfahrtstechnisch der anspruchsvollste Teil der Karwendelrunde. Der grobschottrige Karrenweg hat sicherlich schon den einen oder anderen Bike-Ritter aus dem Sattel geworfen. Also Obacht geben! Ab dem Kleinen Ahornboden geht es dann entspannt und rasant zurück ins Rissbachtal. Lediglich die letzte Passage oberhalb der Klamm des Johannisbachs erfordert auf dem verfallenen Forstweg noch ein gerüttelt Maß an Konzentration. Zurück auf der Teerstraße ist auch Hinterriß nicht mehr fern und es liegt hoffentlich eine tolle Runde mit vielen Eindrücken hinter uns.

„Karwendelrunde extended“

Alle, die mit dieser Mountainbike-Runde nicht genug ausgelastet sind, können die Karwendelrunde noch um die drei Anstiege zum Plumsjoch, zum Schleimssattel und zur Fischbachalm erweitern. Dann stehen 120 Kilometer und 3.200 Höhenmeter an. Etwas länger, etwas schwieriger und gleichbleibend schön! Für diese Tour bietet sich der Start in Krün an.

Alle Daten zur Karwendelrunde

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