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Mehr Kontrolle am Bike

Bunny Hop, Wheelie & Co: MTB-Fahrtechnik für Fortgeschrittene

6 Minuten Lesezeit
Wer die Grundregeln auf dem Bike beherrscht, kann sich an schwierigere Fahrmanöver heranwagen. MTB-Experte Flo Glott erklärt, wie Bunny-Hop, Drops, Wheelies und andere Tricks funktionieren und wie man sie sicher über die Bühne bringt.

Nachdem Du die Basics in Sachen MTB-Fahrtechnik beherrschst und einen Trail mit viel Flow fahren kannst, ist es nun Zeit, sich weitere Techniken wie zum Beispiel einen Bunny Hop oder einen Wheelie anzueignen. Ziel ist es, noch mehr Spaß auf dem Mountainbike zu haben! Das schönste nämlich – neben einem Trail mit vielen Kurven und Anliegern – sind Trails mit viel „Airtime“. Im Folgenden möchte ich Dir die richtige Technik für das Springen und Droppen zeigen und Dir unter anderem eine weitere Kurventechnik erklären.

Bunny Hop – ein MTB-Klassiker

Der Bunny Hop ist ein echter Klassiker und stammt aus der MTB-Gründerzeit. Eigentlich sollte ihn jeder Mountainbiker beherrschen. Mit Hilfe des Bunny Hop lassen sich nicht nur Hindernisse auf dem Trail einfach überspringen, sondern auch Drops oder Doubles – also Hindernisse mit getrenntem Absprung- und Landehügel – kontrollierter springen.

Der Bunny Hop funktioniert so:

  1. Auf das Hindernis in Grundposition (siehe Mountainbike-Fahrtechnik Teil I) mit nötiger Geschwindigkeit anrollen.
  2. Vor dem zu überspringenden Hindernis den Schwerpunkt durch Beugen der Ellenbogen und Knie nach unten bringen.
  3. Durch kraftvolles Abdrücken der Beine auf den Pedalen und Aufrichten des Oberkörpers wird der Absprung eingeleitet. Achtung: Bei einem Fully federt zunächst das Fahrwerk etwas ein!
  4. Zu Beginn des Absprungs den Schwerpunkt etwas nach hinten verlagern – so hebt zunächst das Vorderrad ab.
  5. Ist das Vorderrad in der Luft, die Hüfte Richtung Lenker schieben und die Arme nach vorne drücken – so wird das Hinterrad angehoben.
  6. Durch gleichzeitiges Anwinkeln der Knie gewinnt das Hinterrad an Höhe. Dies kann jedoch an die Höhe des Hindernisses selbst angepasst werden. Je höher das Hindernis, umso stärker sollten die Arme nach vorne gedrückt und die Knie angewinkelt werden.
  7. Am Scheitelpunkt die Beine wieder strecken, um die Ladung später abfedern zu können.
  8. Kurz vor der Landung wieder zurück in die Grundposition.
  9. Die Energie des Aufpralls durch Anwinkeln der Knie und Ellenbogen absorbieren.
  10. Die Landung selbst sollte gleichzeitig mit Vorder- und Hinterrad erfolgen.

Für den Bunny Hop ist entsprechende Körperspannung sowie das richtige Timing wichtig. Wie immer gilt – Übung macht den Meister!

Der Drop mit dem Mountainbike

Der Drop ist die einfachste Form eines Sprunges. Aber damit Du nicht einfach wie ein Sack Kartoffeln runterfällst, gehört auch hier etwas Technik dazu.

So funktioniert der Drop:

  1. Auf die Absprungkante mit ausreichender Geschwindigkeit zurollen.
  2. Die Kante des Drops sollte nicht der höchste Punkt sein – deshalb erst kurz vor dem Absprung zum einleitenden Bunny Hop ansetzen. Nur so erhältst Du die nötige Kontrolle und erreichst gleichzeitig die nötige Körperspannung, um ein Absacken des Vorderrades zu verhindern.
  3. Während der Flugphase die Körperspannung aufrecht erhalten – das verhindert ein Abheben der Füße von den Pedalen.
  4. Im Flug sind Arme und Beine nahezu durchgestreckt.
  5. Kurz vor der Landung befindest Du Dich wieder in der Grundposition.
  6. Die Energie des Aufpralls wieder durch Anwinkeln der Knie und Ellenbogen abfangen.
  7. Beide Räder setzen gleichzeitig auf.

Achtung! Taste Dich langsam an Drops heran. Fange mit kleinen Höhen an und steigere Euch Stück für Stück. Ideal sind Bordsteinkanten oder kurze Treppen, um das richtige Timing zu üben. Bei höheren Drops sollte die Landung unbedingt schräg am Berg erfolgen. Landest Du aus großer Höhe im Flachen droht Verletzungsgefahr!

Sprünge mit dem MTB

Noch mehr „Airtime“ als ein Drop verspricht ein Sprung über einen Double oder einen Table. Dabei kommt richtiges Fluggefühl auf.

So funktionieren Sprünge:

Ist der Drop höher sollte die Landung nicht im Flachen liegen. Zum ersten Üben eignen sich aber auch kleine Absprungkanten hervorragend. | Foto: Flo Glott
Ist der Drop höher sollte die Landung nicht im Flachen liegen. Zum ersten Üben eignen sich aber auch kleine Absprungkanten hervorragend. | Foto: Flo Glott
  1. In Grundposition mit nötiger Geschwindigkeit anrollen – diese darf weder zu langsam noch zu schnell sein, um die Landung optimal zu treffen.
  2. Kurz vor der Absprungkante wie beim Bunny Hop aktiv abspringen.
  3. Nach dem Absprung den Schwerpunkt Richtung Grundposition bringen. So befindet sich das Bike am Scheitelpunkt zwischen Absprung und Landung waagerecht in der Luft.
  4. Am Scheitelpunkt geht der Blick Richtung Landung.
  5. Durch strecken der Arme nach vorne und unten schiebst Du das Vorderrad Richtung Landung.
  6. Das Aufsetzen erfolgt mit beiden Rädern gleichzeitig.
  7. Den Aufprall durch Beugen der Knie und Ellenbogen bestmöglich abfedern.

Tipp: Gerade der Sprung über einen Double erfordert etwas Überwindung, da Absprung und Landung durch ein sogenanntes Gap getrennt sind. Fang am besten auf kleinen Tables an. Hier gibt es kein furchteinflößendes Gap und eine zu kurze Landung hat keine weiteren Folgen. Kleine Sprungkanten auf einem Trail ohne nennenswerten Landehügel eignen sich ebenfalls perfekt zum Üben.

MTB-Hinterrad versetzen

Sehr enge Kurven kann man mit dem Mountainbike am besten fahren, in dem man das Hinterrad versetzt. Dies erfordert zwar viel Übung und Gefühl, sorgt aber für staunende Blicke und Fahrspaß.

So funktioniert’s:

Um enge Kurven fahren zu können, lohnt es sich das Hinterrad in der Luft zu versetzen. | Foto: Flo Glott
Um enge Kurven fahren zu können, lohnt es sich das Hinterrad in der Luft zu versetzen. | Foto: Flo Glott
  1. Kurve möglichst weit innen anfahren.
  2. Durch entsprechendes Einschlagen des Lenkers das Vorderrad in Position bringen.
  3. Zeigt das Vorderrad in Fahrtrichtung, vorsichtig die Vorderradbremse ziehen.
  4. Gleichzeitig – ähnlich wie beim Bunny Hop – die Füße kraftvoll in die Pedale stoßen, um das Hinterrad zum Steigen zu bringen.
  5. Wichtig: Die Bremse sollte nur zur Unterstützung dienen. Der eigentliche Impuls, um das Hinterrad in die Luft zu bringen, kommt aus den Beinen.
  6. Durch Körperspannung und durch Drehen des Körpers in die entsprechende Richtung wird die Drehung des Bikes auf dem Vorderrad eingeleitet.
  7. Kurz bevor das Hinterrad parallel zum Vorderrad steht, Bremse lösen. Das Hinterrad senkt sich wieder ab.
  8. Nach dem Aufsetzen des Hinterrads ist es unter Umständen nötig, mit dem Oberkörper etwas gegenzusteuern.

Der MTB-Wheelie

Der Wheelie beeindruckt nicht nur, sondern kann auch nützlich sein – um zum Beispiel Bodenwellen schnell auf dem Hinterrad abzusurfen oder die Balance zu trainieren. Wie der Bunny-Hop sollte auch er zum Standardrepertoire gehören.

So funktioniert der Wheelie:

Ein Wheelie beeindruckt nicht nur, er schult auch das Balancegefühl. | Foto: Flo Glott
Ein Wheelie beeindruckt nicht nur, er schult auch das Balancegefühl. | Foto: Flo Glott
  1. In Schrittgeschwindigkeit anrollen.
  2. Der Gang sollte weder zu hoch noch zu niedrig eingestellt sein.
  3. Um das Vorderrad zum Steigen zu bringen, den Oberkörper zuerst nach vorne verlagern.
  4. Durch gleichzeitiges Antreten und Verlagerung des Oberkörpers nach hinten steigt das Vorderrad.
  5. Das Vorderrad nun so weit nach oben bringen, dass der Schwerpunkt direkt über dem Hinterrad liegt.
  6. Während des Vorgangs ist der Rücken gerade; ein Finger liegt auf der Hinterradbremse.
  7. Die Höhe des Vorderrads halten. Sinkt es ab, entweder etwas kräftiger antreten oder den Schwerpunkt weiter nach hinten verlagern. Steigt es zu weit, kann durch sanftes Ziehen der Bremse das Vorderrad wieder abgesenkt werden.
  8. Seitliche Balance halten! Um nicht auf die Seite zu kippen, kann durch Drehen des Lenkers, durch Verlagerung des Körperschwerpunkts oder durch Kniebewegungen nach innen oder außen die Balance gehalten werden.

Noch ein Tipp zum Schluss: Gerade die letzten zwei Techniken erfordern viel Gefühl und vor allem Übung. Man kann es also nicht oft genug sagen: Nur Übung macht den Meister! Um Springen zu lernen, eignen sich besonders Bikeparks wie zum Beispiel in Oberammergau oder Leogang. Hier gibt es Strecken der verschiedensten Schwierigkeitsgrade und für Anfänger sowie Fortgeschrittene.

HINWEIS: Im ersten Teil der Serie gibt Bike-Profi Flo Glott Fahrtipps für Einsteiger!

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