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Das erste Hütten-Abenteuer

Hüttenwanderung mit Kindern: Die fünf schönsten Hütten

9 Minuten Lesezeit
Eine Hüttenwanderung ist etwas Besonderes – umso mehr, wenn man die Welt mit Kinderaugen erlebt. Oft zündet hier der Funke für eine lebenslange Liebe zum Berg und meist hinterlässt das erste Berghütten-Abenteuer bleibende Eindrücke. Wo und auf welchen Hütten dies besonders gut - und vor allem kindgerecht - gelingen kann, stellt Natalie Dickmann in einer persönlichen Hütten-Auswahl vor.

Eine Übernachtung auf einer gemütlichen Berghütte macht einen Urlaub oder ein Wochenende in den Bergen perfekt. Das gilt für viele Erwachsene, aber auch Kinder lassen sich vom Abenteuer einer Hütten-Übernachtung gerne begeistern. Vorausgesetzt der Anspruch der Tour ist der Ausdauer und den Fähigkeiten des Kindes angepasst und bietet rundherum Raum zum Entdecken, Erkunden und Erleben.

Speziell bei einer Hüttenwanderung mit Kindern ist die Wahl der richtigen Berghütte ein entscheidender Faktor, ob die Wanderung einen nachhaltig positiven Eindruck hinterlässt. Besonders einfach ist dies bei Hütten, deren Angebote und Umgebung ohnehin ideale Voraussetzungen für kleine Gäste bieten.

Adolf-Nossberger-Hütte, Hohe Tauern

Die „Nossi“, wie sie liebevoll von ihren Freunden genannt wird, steht im Kärntner Teil der Schobergruppe auf 2.488 Metern, an der Grenze zu Osttirol. Sie bietet 50 Bergwanderern Platz für eine Übernachtung. Neben kleinen Lagern mit 7-10 Betten gibt es Drei- und Fünf-Bettzimmer. Perfekt für Familien mit Kindern.

Der Zustieg zur Adolf-Nossberger-Hütte

Adolf-Nossberger-Hütte
Die Adolf-Nossberger-Hütte in der Schobergruppe ist über das Gradental erreichbar. | Foto: Natalie Dickmann

Von Putschall zweigt eine gut befahrbare Fahrstraße ins Gradental ab, die bis zum Parkplatz vor der Gradenalm führt. Dort beginnt der Anstieg zur Nossi. Wir haben mit unserem fünfjährigen Sohn dreieinhalb Stunden für den Anstieg gebraucht.

Der Weg führt durch das wunderschöne, ursprüngliche Gradental, das hier bereits zur Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern gehört. Nach den ersten Höhenmetern erreicht man das idyllische Gradenmoos, auf dem Kühe und Pferde gemeinsam grasen. Kurze Zeit später teilt sich der Weg, und man kann zwischen dem anspruchsvolleren Tierleitenweg und dem für Kinder besser geeigneten Seeplattenweg wählen. Letzterer führt vorbei an den Gradenseen bis zur Hütte.

Rund um die Hütte

Die Nossi liegt direkt an einem See, der neben einem Floß und einer Seilrutsche nicht nur Kindern zahlreiche Möglichkeiten zum Zeitvertreib bietet: Man kann ihn umrunden, Steine hineinwerfen und an ganz heißen Sommertagen vielleicht sogar ein kleines Bad wagen. Für größere und klettererfahrene Kinder gibt es nahe der Hütte einen kleinen Klettergarten.

Die Adolf-Nossberger-Hütte besticht durch ihre Ursprünglichkeit, sie ist eine Hütte wie aus einer anderen Zeit. Geheizt wird mit Holz im Ofen, es gibt (für die Gäste) nur kaltes Wasser zum Waschen und überall knarzende Holzböden. Umso gemütlicher ist es am Abend in der warmen Stube, in der verschiedene Gesellschaftsspiele und Spielesammlungen ausliegen.

  • Tipp: Auch ein Gang nach draußen lohnt am Abend nochmals: Vor und hinter der Hütte gibt es eine Terrasse. Wenn es ruhig wird am Berg, schauen gerne mal Gämse oder Steinbock vorbei. Aber auch eine Herde Schafe ist meistens rund um die Nossi unterwegs, sodass Tierbegegnungen nicht unwahrscheinlich sind.

Mehr Infos: Webseite der Adolf-Nossberger-Hütte

Fiderepass-Hütte, Kleinwalsertal

Die Fiderepass-Hütte liegt auf 2.067 Metern an der Grenze Deutschland-Österreich – das allein ist bereits ein Merkmal, das besonders Kinder fasziniert. Damit hat sie ihren Platz in den westlichen Allgäuer Alpen und bietet eine Übernachtungsmöglichkeit für bis zu 120 Personen, allesamt in Matratzenlagern.

Zustieg zur Fiderepass-Hütte

Fiderepasshütte
Die Fiderepasshütte lässt sich gut mit einer Rundtour verbinden. | Foto: Natalie Dickmann

Für den Anstieg gibt es verschiedene familienfreundliche Möglichkeiten. So kann man unter anderem mit der Kanzelwand- oder Fellhornbahn den Berg hinauf fahren und einige Höhenmeter sparen. Dann ist die Hütte in weniger als drei Stunden Gehzeit erreichbar.

  • Tourentipp für Familien: In Riezlern mit der Kanzelwandbahn bis zur Bergstation fahren, anschließend über Kanzelwandgipfel (jeder Gipfelerfolg ist ein Highlight für Kinder) und Kühgundalpe bis zur Hütte. Am nächsten Morgen geht es zurück ins Kleinwalsertal: Über die Fluchtalpe erreicht man die bewirtschafteten Wiesalpen und schließlich das wald- und wiesenreiche Wildental. Von hier aus kann man mit dem Bus nach Mittelberg und zurück zum Ausgangspunkt in Riezlern fahren.
  • Tipp: Die Mitnahme eines Fernglases lohnt sich in jedem Fall. In der Gegend sind mehrere Rudel Steinböcke unterwegs. Gut möglich, dass man diese unterwegs trifft.

Rund um die Hütte

Aufgrund der familienfreundlichen Aufstiegsmöglichkeiten ist die Fiderepasshütte beliebt bei Familien, sodass dort häufig Kinder übernachten. Und denen wird richtig etwas geboten: Auf der Sonnenterrasse hat man einen großartigen Blick auf die Kletterer im Mindelheimer Klettersteig, der von der Fiderepass- zur Mindelheimer Hütte führt.

Mehr Infos: Webseite der Fiderepass-Hütte

Olpererhütte, Zillertal

Die Olpererhütte liegt auf 2.389 Metern hoch über dem türkisblauen Schlegeisspeicher in den Zillertaler Alpen. Sie wurde 2007 erneuert und erweitert und bietet daher einen gewissen Komfort mit 72 Nächtigungsplätzen in Zimmern und Lagern.

Zustieg zur Olpererhütte

Schlegeisspeicher
Tolle Tiefblicke auf den Schlegeisspeicher bietet die Olpererhütte. | Foto: Natalie Dickmann

Ausgangspunkt für den Anstieg zur Olpererhütte ist der Schlegeisspeicher, den man mit dem Auto (Mautstraße) oder Bus erreicht. Bereits die imposante Staumauer und der dahinter liegende See sind ein Erlebnis. Der direkte und kürzeste Zustieg erfolgt am Riepenbach entlang über einen stetig ansteigenden, schmalen Weg. Da man immer wieder grandiose Ausblicke auf die Zillertaler Gletscherwelt mit Großem Möseler, Hochfeiler und weiteren Gipfeln hat, kann man sich ruhig Zeit lassen und auch schon mal länger als die eigentlich veranschlagten eineinhalb Stunden brauchen.

  • Tourentipp für Familien: Empfehlenswert ist auch die Neumarkter Runde, bei der man über das Unterschrammachkar die Hütte erreicht. Nach einer Übernachtung empfiehlt sich am nächsten Tag der weitere Weg zum Friesenberghaus, in dem man ebenfalls prima schlafen kann, bevor es wieder zurück zum Schlegeisspeicher geht. So ergibt sich eine kleine, aber feine Hüttentour. Achtung: Da der Übergang zum Friesenberghaus etwas anspruchsvoller ist, sollte man diesen nur mit bergerfahrenen, trittsicheren Kindern gehen.

Rund um die Hütte

Hängebrücke an der Olpererhütte
Faszinierender Anblick: Die Hängebrücke an der Olpererhütte. | Foto: Whgler/CC BY-SA

Noch ein paar Highlights – nicht nur für Kinder – gibt es auf der Olpererhütte: Beliebtestes Fotomotiv ist die frei schwingende Hängebrücke nahe der Hütte, in der Stube gibt es ein riesiges Panoramafenster mit traumhafter Aussicht auf den Schlegeisspeicher und die dahinter liegenden, teils vergletscherten Berge. Neben der Hütte befindet sich außerdem ein kleiner – natürlich bewohnter – Hühnerstall, Ziegen laufen frei herum und nicht weit entfernt ist ein Klettergarten. Die Olpererhütte trägt zurecht das Gütesiegel „Mit Kindern auf Hütten“.

Mehr Infos: Webseite der Olpererhütte

Hochweißsteinhaus, Karnische Alpen

Das Hochweißsteinhaus liegt auf 1.867 Metern im Karnischen Hauptkamm, nahe der österreichisch-italienischen Grenze und bietet 55 Bergwanderern eine Übernachtungsmöglichkeit, davon zwölf in Zimmern.

Zustieg zum Hochweißsteinhaus

Hochweißsteinhaus
Mächtig umgeben die Karnischen Alpen das Hochweißsteinhaus. | Foto: Natalie Dickmann

Der Anstieg zum Hochweißsteinhaus beginnt unterhalb der Ingridalm, die man über einen Schotterweg von St. Lorenzen im Lesachtal über die Frohnalm erreicht. Wie weit man über den Schotterweg bis zur Ingridalm fährt, bleibt jedem selbst überlassen. Es gibt unterwegs verschiedene Parkmöglichkeiten und viele Schlaglöcher.

Wir sind mit einem normalen PKW bis unmittelbar unterhalb der Ingridalm gefahren. Von dort ist es dann auch nicht mehr weit: Anfangs geht es fast eben bis zum Talschluss an einem Bach entlang, danach in steiler werdenden Serpentinen bis zur Hütte. Von der Ingridalm aus ist das Hochweißsteinhaus auch für Kinder gut in einer Stunde erreichbar.

  • Tourentipps für Familien: Wir sind noch weiter bis aufs Öfner Joch gegangen, über das die Staatsgrenze verläuft, und von dem man eine tolle Aussicht in alle Richtungen hat. Mit größeren Kindern ist der Hochweißstein ein lohnendes, anspruchsvolles und eindrückliches Gipfelerlebnis, wird man dort doch von einer weißen Madonnenstatue, einer Glocke und einem Kreuz begrüßt.

Rund um die Hütte

Am Hochweißsteinhaus stehen Palatschinken mit Schokoladenfüllung auf der Speisekarte – welches Kind kann da schon widerstehen!? Außerdem gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Säfte und Tees. Da ist für jeden etwas dabei.

Mehr Infos: Webseite des Hochweißsteinhauses

Gaudeamushütte, Wilder Kaiser

Die Gaudeamushütte befindet sich mitten im Wilden Kaiser, unterhalb des Ellmauer Tors, auf 1.267 Metern. Hier gibt es insgesamt 66 Schlafplätze, davon 30 in Zimmern.

Zustieg zur Gaudeamushütte

Ausblick von der Gaudeamushütte
Die Gaudeamushütte am Wilden Kaiser eignet sich aufgrund des kurzen Zustiegs ideal für eine Hüttenwanderung mit Kindern. | Foto: Natalie Dickmann

Ausgangspunkt ist die Wochenbrunner Alm. Diese erreicht man problemlos von Ellmau aus mit dem Auto oder einmal pro Tag auch mit dem Wanderbus. Bereits hier lohnt ein Aufenthalt: Es gibt diverse Spielgeräte für Kinder und ein sehenswertes Wildgehege. Nachdem die Kinder alles erkundet und die Eltern das Panorama des zum Greifen nahen Wilden Kaisers genossen haben, spaziert man in einer halben Stunde über einen Fahrweg bis zur Gaudeamushütte.

  • Tipp: Aufgrund des kurzen Zustiegs ist die Gaudeamushütte auch für ganz unerfahrene Kinder problemlos zu erwandern. Selbst Familien, die ihre Kinder noch in der Kraxe auf dem Rücken tragen oder in einem geländetauglichen Kinderwagen (oder Mountainbuggy) den Berg hinaufschieben, erreichen die Gaudeamushütte ohne zu große Anstrengung.

Aber auch ambitioniertere und bergerfahrenere Familien kommen an der Gaudeamushütte auf ihre Kosten: Neben der Besteigung des Ellmauer Tors oder sogar eines Gipfels im Wilden Kaiser sind auch der Übergang zur Gruttenhütte in die eine oder zur Ackerlhütte in die entgegengesetzte Richtung lohnenswerte Ziele.

Rund um die Hütte

Die Gaudeamushütte wurde als kinderfreundliche Hütte ausgezeichnet und trägt das Alpenvereinszertifikat „Mit Kindern auf Hütten“. In unmittelbarer Nähe befinden sich Kletterblöcke und -felsen. Auch richtige Kletterrouten in allen Schwierigkeitsgraden sind vorhanden. Im nahe gelegenen Wald gibt es eine Kinderhütte mit Spielgelegenheiten, und im Bachbett können Kinder an einer Steinebaustelle arbeiten. Und natürlich ist der Anblick und das Panorama des Wilden Kaisers auch für Kinder etwas Besonderes.

Mehr Infos: Webseite der Gaudeamushütte

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