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Wanderschuhe pflegen – eine Anleitung in 5 Schritten

7 Minuten Lesezeit
Ein Paar gut passende und vor allem gut eingetragene Wanderschuhe sind eine angenehme Sache. Wer lange Freude daran haben will, muss regelmäßig seine Wanderschuhe pflegen. Wir erklären in einfachen Schritten, wie das geht.

Es soll ja Leute geben, die ihre Schuhe nicht putzen und reinigen, sondern einfach neue kaufen, wenn diese dreckig werden. Ist ein solches Verhalten bei Freizeitschuhen etwas fragwürdig, führt es bei Berg– und Wanderschuhen zwangsläufig zu Blasen. Es ist deutlich nachhaltiger und auch günstiger, wenn man sich gut um seine Schuhe kümmert, den Schmutz regelmäßig entfernt – und beim Thema „Wanderschuhe pflegen“ entsprechend sorgfältig vorgeht.

Wanderschuhe pflegen: Wichtig, aber bitte richtig!

Nichts schmeichelt des Wanderers Füßen mehr als ein Paar gut eingetragene Wanderschuhe – und übrigens auch Wandersocken, aber das ist ein anderes Thema. Jeder, der die manchmal etwas mühsame Prozedur des Eintragens schon einmal über sich ergehen lassen musste, wünscht sich: Berg- und Outdoorschuhe sollten einfach ewig halten! Ewig halten zwar nur die wenigsten Schuhe, bei richtiger Pflege halten Wanderschuhe aber zumindest sehr viele Tourentage durch.

Wanderschuhe reinigst Du am einfachsten mit etwas warmem Wasser, einer Bürste und vielleicht einem Tropfen Pflegemittel.

Valentin Rapp

Wanderschuhe reinigst Du am einfachsten mit etwas warmem Wasser, einer Bürste und vielleicht einem Tropfen Pflegemittel.


Hier schon mal eine Kurzanleitung in 5 Schritten, was beim Wanderschuhe pflegen auf Dich zukommt – Details folgen weiter unten:

  1. Schnürsenkel und Innensohle entfernen
  2. Schmutz und Dreck auf Oberfläche und Sohle mit einer groben Bürste entfernen
  3. Schuhe von außen und innen mit lauwarmem Wasser reinigen
  4. Schuhe ordentlich (!) trocknen lassen
  5. Lederpflege mit Wachs (auftragen und einarbeiten)

Und immer dran denken: Mit der entsprechenden Pflege verlängert sich die Lebensdauer guter Bergschuhe erheblich.

Die Mutter aller Regeln: Wanderschuhe gleich nach der Tour reinigen

Matsch, Wasser und Nässe von außen, Schweiß von innen: Wanderschuhe werden unterwegs nicht gerade geschont. Unabhängig vom Material ist eine grobe Reinigung der Schuhe daher nach jeder intensiven Benutzung wichtig.

Unterwegs: Mit einer Bürste den trockenen Dreck entfernen, dabei auch unter die Schnürung gehen und bei Bedarf mit einem feuchten Schwamm nacharbeiten. Praxistipp: Eine kleine Bürste ins Auto oder bei öffentlichen Verkehrsmitteln mit in den Rucksack, dann bleibt auch das Innere des jeweiligen Fahrzeugs sauber.

Wanderschuhe gründlich zuhause reinigen

  • Die Innensohle sowie Schnürsenkel herausnehmen.
  • Von außen den Dreck mit einer groben Brüste und lauwarmem Wasser entfernen.
  • Danach ist die Innenseite an der Reihe. Um diese zu reinigen, einfach lauwarmes Wasser in die Wanderschuhe lassen und eine milde Waschlösung (optimal: Sportwaschmittel) hinzugeben. Achtung: Bitte die Innenseite nicht mit einer groben Bürste reinigen, denn das kann das Material beschädigen. Besser eignet sich and er Stelle ein Schwamm oder höchstens eine weiche Bürste. Ein bisschen einwirken lassen und danach ebenfalls mit lauwarmem (niemals heißem!) Wasser ausspülen.

Übrigens: Die herausnehmbaren Innensohlen sind Verschleißteile. Denn Einlagesohlen absorbieren am allermeisten Schweiß und sind der größten Belastung ausgesetzt. Deswegen sollten sie regelmäßig ausgetauscht werden. Damit tut man auch dem Fuß einen Gefallen, denn durchgewetzte, poröse und abgenutzte Einlegesohlen sorgen für mehr Reibestellen und erhöhen die Gefahr für Blasen.

Wanderschuhe nach dem Waschen trocknen

Doch mit der gründlichen Reinigung ist das Thema Wanderschuhe pflegen noch nicht vorbei. Nachdem Du Deine Wanderschuhe nun von allen Seiten gereinigt hast, ist es nämlich ganz wichtig, die Schuhe auch gut trocknen zu lassen. Aber nicht direkt an Wärmequellen wie Heizung oder Ofen trocknen lassen, was natürlich verführerisch ist, da es schneller geht. Warum nicht? Weil insbesondere Lederschuhe dadurch spröde werden können und das Material danach zu reißen droht!

Zum Trocknen die Wanderschuhe am besten mit Zeitungspapier ausstopfen und in einen warmen Raum stellen.

Valentin Rapp

Zum Trocknen die Wanderschuhe am besten mit Zeitungspapier ausstopfen und in einen warmen Raum stellen.


Gut geeignet sind hingegen Räume mit trockener Luft wie Heizungskeller oder auch Plätze mit guter Sonneneinstrahlung wie Balkone – auch warme Wintersonne kann Wunder wirken. Am besten stopfst Du die Wanderschuhe noch mit ein wenig Küchenrolle oder Zeitungspapier aus, das du regelmäßig wechselt, wenn es sich vollgesaugt hat.

Nach dem Trocknen eventuell noch mit einem feuchten Lappen nachreinigen. Eventuell hier auch zu kleinen Helfern wie Schuhkissen (etwa Boot Bananas) greifen!

Die richtige Leder-Pflege mit Wachs

In unseren Filialen hören wir immer wieder: „Warum Lederpflege? Meine Schuhe sind doch aus Gore-Tex?“ Dazu soviel: Nur aus Gore-Tex ist ein Schuh nie! Er hat höchstens ein wasserdichtes Futter mit Gore-Tex oder einer anderen Membran. Aber die überwältigende Mehrheit aller Wanderschuhe besteht zum Großteil aus Leder- und Textil. Das liegt zum einen daran, dass hochwertiges Leder extrem strapazierfähig und somit langlebig ist. Zum anderen passt es sich wie kein anderes Material dem Fuß an. Es werden auch Kunststoffe verarbeitet – dazu später mehr.

Die Oberfläche des Leders kann ganz verschieden aussehen: Von glatt und vernarbt bis fein angeraut, ähnlich einer Mikrofaser. Die Funktion ist immer die Gleiche, nämlich stützen und schützen. Leder arbeitet bei jedem Schritt, es bilden sich weichere Knickfalten an den Abrollpunkten und das Material wird weicher, wo es bewegt und geknautscht wird. Damit es nicht austrocknet und geschmeidig bleibt, muss es entsprechend gepflegt werden. Das Zauberwort lautet hier: Wachs! Im Gegensatz zu Öl oder Lederfett macht es das Leder nicht zu weich, seine Stabilität bleibt erhalten. Weil Wachs aber das Leder dunkler macht und eine „speckige“ Optik verursacht, gibt es verschiedene Wachsarten für verschiedene Lederarten.

Wachs wird am besten direkt mit der Hand aufgetragen und gründlich einmassiert. Unter der Handwärme schmilzt die sonst dichte Masse – und lässt sich auch sehr gut in Nähte oder unter Ösen einarbeiten. Wichtig dabei ist nur, nicht zu viel Wachs zu verwenden. Denn wenn die Poren zugekleistert sind, ist der Schuh zwar gepflegt, die Atmungsaktivität und das Klima im Schuh entspricht dann aber eher einem Gummistiefel.

Stattdessen sollte man lieber einige sehr dünne Schichten auftragen. Das ergibt vor allem bei Schuhen Sinn, die sehr oft und bei jedem Wetter getragen werden. Tipp: Entfernt man die Schnürsenkel ganz, kann auch der Bereich um die Ösen gut gewachst werden.

Nikwax empfiehlt zum Beispiel zur Lederpflege auch einen Conditioner.

Bei Glattlederschuhen geht man bei der Wachsverteilung wie folgt vor:

  • Wachs mit den Fingern oder einem Tuch dünn auf den Schuhen verteilen. Achtung: Nicht zu dick auftragen, sonst verstopfen die Poren des Leders!
  • Wachs vorsichtig einmassieren
  • Anschließend mehrere Stunden einziehen lassen

Wild- oder Nubuk- und Velourslederschuhe können zwar theoretisch auch mit Wachs behandelt werden – wem aber die Optik seiner Treter am Herzen liegt, sollte seine Wanderschuhe nach der Wachsbehandlung mit einer groben Bürste wieder aufrauen.

Damit Wanderschuhe lange halten, wollen sie hin und wieder gepflegt werden.

Valentin Rapp

Damit Wanderschuhe lange halten, wollen sie hin und wieder gepflegt werden.


Bei Wild-, Nubuk- und Velourslederschuhen geht man bei der Wachsverteilung so vor:

  • Wachs mit den Fingern oder einem Tuch dünn verteilen. Achtung: Auch hier nicht zu dick auftragen, sonst verstopfen die Lederporen!
  • Wachs vorsichtig einmassieren
  • Anschließend mehrere Stunden einziehen lassen
  • Veloursleder mit einer groben Bürste wieder anrauhen

Wesentlich einfacher geht es mit weicheren Schuhpflegemitteln. Der geringere Wachsanteil sowie ein integrierter Applikator machen das Auftragen zum Kinderspiel. Allerdings hält der Schutz nicht ganz so lang an wie bei stärker konzentrierten Wachsen.

Wie oft muss ich meine Wanderschuhe pflegen?

Die Pflege erfolgt ganz nach Bedarf – und auf jeden Fall immer dann, wenn sich der Wanderschuh trocken anfühlt. Es verhält sich ähnlich wie bei Handcreme oder Lippenbalsam: Wenn die Haut schon aufreißt, ist es zu spät – und man kann lediglich mit einem entsprechenden Mehraufwand versuchen, die „Heilung zu beschleunigen“.

Erfahrungsgemäß ist eine Pflege der Wanderschuhe nach etwa fünf bis acht Touren angebracht.

Was tun, wenn Berg- und Wanderschuhe einen hohen Textilanteil haben?

Nun gibt es ja nicht nur Wanderschuhe aus Leder. Auch Kunststoffe werden – wie bereits angesprochen – gerne verarbeitet. Am häufigsten finden sich Mischformen, also Lederschuhe mit Einsätzen aus Mesh oder Textil. Das sorgt für mehr Luftdurchlässigkeit – und für weniger Gewicht.

Textileinsätze vertragen nach dem Putzen von Zeit zu Zeit einen Sprühstoß Imprägnierspray. So saugen sie sich bei Regen, Schnee und Matsch nicht sofort voll. Reine Kunststoffschuhe bilden die absolute Ausnahme. Bei ihnen reicht eine regelmäßige Reinigung und Imprägnierung vollkommen aus.

Fazit zur Pflege von Berg- und Wanderschuhen

Wie wir sehen, ist das Wanderschuhe pflegen gar nicht so schwer. Zumindest wenn man ein paar Grundregeln beachtet. Zur richtigen Reinigung und Pflege braucht es nicht viel mehr als eine Schuhbürste, das passende Schuhwachs und einen feuchten Lappen. Auf diese Weise gut gepflegt, steht einer langen Lebensdauer von Wander-, Berg- und anderen Outdoorschuhen nichts im Wege. Übrigens – in diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass man Berg- und Wanderschuhe auch wiederbesohlen kann. Je nach Sohlenart kostet das zwischen 40 und 80 Euro. Wer seine Schuhe da noch wegwirft, ist selber schuld!

Video: Schritt-für-Schritt-Anleitung Wanderschuhe pflegen

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