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Leichtgewicht im Härtetest

Carinthia G 180 Mumienschlafsack im Test

6 Minuten Lesezeit
Geht es um den richtigen Schlafsack für eine anstehende Trekking- oder Bergtour, solltest man sich genau überlegen, welche Ansprüche der Neue erfüllen soll. Oft ist die Antwort darauf nicht eindeutig - hier kommen Allrounder wie der G180 von Carinthia ins Spiel. Bergzeit Autor Stefan Schüler hat Den Carinthia G 180 auf seiner Tour durch Tasmanien getestet.

Ich habe den Carinthia G 180 Schlafsack mit Mumienschnitt auf meiner Tour durch Tasmanien und der Südinsel Neuseelands getestet – hier waren so gut wie alle möglichen Wetter- und Temperaturbedingungen gegeben. Der 3-Jahreszeiten-Schlafsack war also die ideale Wahl, denn der Hersteller beschreibt den G 180 als „Alpin-Schlafsack mit perfektem Wärme-Gewichts-Verhältnis“, das angegebene Comfort Limit liegt bei -2,5 Grad Celsius und der Schlafsack besitzt zudem ein wasserabweisendes Außenmaterial. Diese und weitere Punkte habe ich für Euch in der Praxis getestet.

Volumen und Packmaß des Schlafsacks

Der Carinthia G180 Schlafsack im Vergleich zu einer 1-Liter Flasche.
Der Carinthia G 180 Schlafsack im Vergleich zu meiner 1-Liter-Trinkflasche. | Foto: Stefan Schüler

Den Carinthia G 180 gibt es in zwei verschiedenen Größen: M (910 Gramm, max. Körpergröße 185 Zentimeter) und L (1.010 Gramm). Mit meinen 1,90 Meter Körpergröße habe ich mich für die L-Version entschieden. Alle weiteren Angaben im Test beziehen sich dementsprechend auf diese Schlafsack-Größe. Mit seinen nur 1.010 Gramm (ohne Packsack) ist der G 180 von Carinthia, gemessen am angegebenen Temperaturbereich (Comfort Limit -2,5 Grad Celsius), ausgesprochen leicht. Das wirkte sich positiv auf das Gesamtgewicht meines Rucksacks aus, den ich zwei Monate tragen musste, und war der Hauptgrund, weshalb ich mich für diesen Schlafsack entschieden habe.

Zusätzlich lässt sich der G 180 im mitgelieferten Packsack sehr stark und problemlos komprimieren (auf eine Größe von 18 x 25 Zentimeter) oder alternativ ohne Packsack im Bodenfach meines Gregory Balotoro 95 Rucksack verstauen.

Leider sind bei mir bereits nach nur wenigen Einsätzen die Federn im Verschlusssystem des Packsacks gebrochen. Seitdem muss es ein altmodischer Knoten richten.

Verarbeitung und Materialien

Farblich hat Carithina beim G 180 außen auf ein ansprechendes Blau und innen auf ein leuchtendes Neongrün gesetzt. Utensilien wie Kamera, Handy oder ähnliches, die im Schlafsack aufbewahrt werden, lassen sich so problemlos finden.

Der verarbeite Stoff im Inneren ist angenehm weich und bringt einen selbst bei wärmeren Temperaturen kaum ins Schwitzen. Das Außenmaterial „Shelltex Ultra“ ist leicht feuchtigkeitsabweisend und sollte der der Schlafsack einmal nass werden – so bei mir geschehen nach 24 Stunden Dauerregen – , trocknet er erfreulich schnell. Besonders positiv ist mir die sehr gute Verarbeitung des G 180 aufgefallen: Er wird in Europa produziert und alle Nähte sitzen einwandfrei und zeigen auch nach härtester Belastung keinerlei Verschleiß.

Sehr angenehm ist zudem, dass der G 180 selbst nach zwei Monaten Dauernutzung mit keiner oder nur geringer Geruchsentwicklung reagiert hat.

Beim Carinthia G 180 ist ein teilbarer 2-Wege-Reißverschluss verbaut. Das Coole daran ist, dass man ihn komplett bis zum Kopf schließen, den unteren Teil bei Bedarf aber öffnen kann. Dadurch ist einerseits ein gutes Klimamanagement bei wärmeren Temperaturen möglich, andererseits kann der Schlafsack so auch als zusätzliche Schickt außerhalb des Zeltes eingesetzt werden. „Füße raus und loslaufen“ – schaut ein wenig lustig aus, ist aber super praktisch!

Einziges Problem: Der Reißverschluss ist so leichtgängig, dass er sich sogar von alleine wieder öffnet, wenn er nicht ganz geschlossen und mit Klettverschluss fixiert ist. Gerade Nachts bin ich deshalb öfter mal frierend aufgewacht.

Die Passform des G 180

Der Carinthia G 180 ist ein klassischer Mumienschlafsack mit allen bekannten Eigenschaften wie Gewichtsersparnis, engerer Schnitt oder kleineres Packmaß. In der Größe L beträgt das Innenmaß 230 Zentimeter Länger, 79 Zentimeter Breite und 51 Zentimeter Höhe.

Während der untere Bereich ab der Hüfte abwärts ausreichend bemessen ist und man ohne Probleme sogar die Knie anwinkeln kann, war mir der Schlafsack im Schulterbereich zu eng. Ich hatte dadurch Probleme den Reißverschluss im Liegen zu schließen. Hier möchte ich aber auch erwähnen, dass ich durch meine Größe vom 1,90 Meter und relativ breiten Schultern nicht unbedingt „schmal“ gebaut bin. Deswegen empfiehlt es sich auf jeden Fall den G 180 vor einer Tour anzuprobieren.

Wärmeleistung des Carintha G 180

Die Kapuze des Carinthia G180 Schlafsack im Detail.
Auch wenn die Kapuze gut schließt – an manchen Stellen dringt die Kälte in den Schlafsack ein. | Foto: Stefan Schüler

Die Wärmeleistung ist wohl das ausschlaggebende Merkmal eines Schlafsacks. Dabei zeichnet sich der Carinthia G 180 mit einer G-Loft® Si Füllung aus 100 Prozent Polyester aus. Innen- und Außenstoff bestehen zu 100 Prozent aus Polyamid. Gemäß der Norm EN13537 für Wärmeleistung macht Carinthia folgende Angaben:

  • Comfort Temperature bei 2,9 °C
  • Comfort Limit bei -2,5 °C
  • Extreme Temperature bis -17,7 °C

Im Vergleich zu anderen Schlafsäcken mit diesem Gewicht sind das sehr gute Werte – doch hier liegt der Teufel in der Praxis: Ich persönlich bin wirklich keine Frostbeule und konnte nur bis ca. +7 Grad komfortabel ohne Kleidung im Schlafsack schlafen – geschlossener Reißverschluss und Kapuze natürlich vorausgesetzt! Bei niedrigeren Temperaturen musste ich zusätzliche Kleidung, also Socken, Hose und Thermofleece-Oberteil anziehen, und bei Minusgraden noch eine weitere Jacke und Mütze. Noch dazu habe ich den Schlafsack sogar mit der Therm-a-Rest Neo X-Therm kombiniert, einer der besten Isomatten auf dem Markt.

Also woher kommt die Kälte? Ich würde das wie folgt erklären:

  1. Es fehlt ein Wärmekragen, selbst für einen 3-Jahreszeiten-Schlafsack.
  2. Eine Kältebrücke am Reißverschluss ist deutlich spürbar. Die Zipper-Abdecklasche und die Zipper-Wärmeleiste funktionieren in der Praxis nicht so gut wie erhofft.
  3. Die Kapuze, die mit einer Kordel geschlossen/zugezogen wird, lässt sich nicht vollständig schließen.

Verstaumöglichkeiten des Mumienschlafsacks

Die Innentasche des Carinthia G180 im Detail.
Die Innentasche im Detail: leider nicht allzu gut gelöste beim Cartinthia G180. | Foto: Stefan Schüler

Im Inneren des Schlafsacks ist auf Brusthöhe eine Tasche aufgenäht, um kleinere Utensilien schnell griffbereit zu haben oder vor Kälte zu schützen. Ich bin wirklich ein großer Fan dieser Taschen, fand jedoch die Lösung beim G 180 ist nicht ganz ideal: Einerseits ist der Klettverschluss viel zu klein bemessen, somit rutschen Teile wie Handy, Geldbeutel etc. einfach links und rechts wieder raus. Andererseits ist die Tasche auf dem Kopf angebracht, wobei mir hier die Intention von unten in die Tasche zu greifen klar ist, aber in der Praxis muss man den Reißverschluss doch ein wenig öffnen (aufgrund des schmalen Schnitts), und so fallen Kleinteile raus.

Mein Tipp dafür: Größere Elektronik, die man vor Kälte schützen möchte, lieber in den Fußbereich des Schlafsacks verstauen. Im Schlaf rollt man sich teilweise auf die Taschen auf Brusthöhe, was technischen Geräten nicht gut tut, aber auch einfach beim Schlafen stört.

Mein Fazit zum Carinthia G 180

Auf meiner Tour hat mir der Carinthia G 180 bis ca. 7 °C gute Dienste leistet, wobei er bei Temperaturen darunter mit zusätzlicher Kleidung verbunden auch gut funktioniert hat. Doch den angegebenen Komfortbereich von -2,5 bis +2,9 °C hat er – zumindest bei mir – nicht erreicht. Der Allround-Schlafsack G 180 punktet besonders mit seinem sehr geringen Packmaß, dem geringen Gewicht von nur 1.010 Gramm und einer sehr guten Verarbeitung!

Hier noch einmal die Vor- und Nachteile im Überblick:

Vorteile Nachteile
  •  sehr geringes Gewicht
  • gutes Verhältnis Gewicht-Packmaß-Wärmeleistung
  • sehr gute Verarbeitung
  • koppelbar
  • keine/kaum Geruchsentwicklung
  • fehlender Wärmekragen
  • enger Schnitt im Schulterbereich
  • relativ hoher Anschaffungspreis (240€)

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