• Seit 1999 online
  • Powered by 350 Bergsportler
  • Am Puls der Berge
Ein sportlicher Geländewagen

Brooks Cascadia 10 im Test: Griffige Trailrunning-Schuhe

6 Minuten Lesezeit
Auch in seiner zehnten Auflage bleibt der Brooks Cascadia ein Trailrunning-Schuh der Oberklasse. Bela Elbich zeigt im Test, was der Laufschuh mit einem Geländewagen gemeinsam hat und wo seine Stärken, aber auch Limits liegen.

Im Jahr 1993 gab es in Seattle mehr als schlechtes Wetter und gute Musik. Der Traditionshersteller Brooks verlagerte in eben jenem Jahr seinen Sitz von Philadelphia nach „emerald city“ und baute weiterhin Laufschuhe. Die nahe der Stadt gelegene Bergkette der „Cascades“ stand als Namenspate für einen der ersten reinen Trailrunning-Schuhe: Den Cascadia. Was hat das mit dem Wetter zu tun? Nichts. Und mit Musik? Etwas mehr: Die Schuhe rocken.

Testbedingungen: Der Brooks Cascadia auf meinem Prüfstand

Die Test-Bedingungen für den Brooks Cascadia 10: Schnelle Geländeläufe auf Trails im Gebirge und Intervalltraining auf Schotterpisten. | Foto: Ben Muske
Die Test-Bedingungen für den Brooks Cascadia 10: Schnelle Geländeläufe auf Trails im Gebirge und Intervalltraining auf Schotterpisten. | Foto: Ben Muske

Ich freue mich, dass ich den neuen Brooks Cascadia 10 testen darf. Der Hersteller verspricht auch in der zehnten Generation einen Trailrunning-Schuh der Oberklasse, perfekt gemacht für lange Strecken in schwierigem Gelände. Nun ist es so, dass jeder darunter etwas anderes versteht. Zum besseren Verständnis des Tests halte ich die Bedingungen erst mal fest: Ich bin kein ausschließlicher Laufsportler mit Wettkampfambitionen, sondern stürze mich in den Trail aus reiner Freude an schneller Bewegung im Gebirge. Ich laufe etwa zwei Mal die Woche eine Runde zwischen zehn und 20 Kilometern und nur selten mehr als 800 bis 1.000 Höhenmeter, einmal die Woche versuche ich ein Intervalltraining mit Sprints auf weitestgehend ebenen Schotterpisten. Längere Läufe kommen unregelmäßig aber immerhin vor. Unter diesen Bedingungen habe ich den Cascadia 10 auf Herz und Nieren überprüft.

Was hat der Brooks Cascadia 10 mit einem Geländewagen zu tun?

Beim Auspacken fällt sofort das niedrige Gewicht ins Auge, oder besser in die Hand. Der Schuh ist 283 Gramm leicht, wirkt durch die breite und wuchtige Bauweise aber deutlich schwerer, als er tatsächlich ist. Die dicke Zunge und die vier hervorgehobenen Pivot-Dämpfungssysteme erinnern mich unwillkürlich an einen Sportwagen mit verbreiterten Kotflügeln. Die breite Bauweise setzt sich im Inneren fort, meinen schmalen Fuß muss ich mit viel Zug an den Senkeln fixieren. Etwas schade: Die Schnürsenkel lassen sich nicht speziell verstauen. Die Oberfläche hat kaum Nähte, alles ist sauber und ordentlich verklebt, das Material wirkt luftig genug und trotzdem robust. Die Zehen werden durch die weit hochgezogene Sohle geschützt.

Stopper-Qualitäten: Gasgeben und Bremsen funktioniert mit dem Brooks Cascadia 10 bestens. | Foto: Alessa Müller
Stopper-Qualitäten: Gasgeben und Bremsen funktioniert mit dem Brooks Cascadia 10 bestens. | Foto: Alessa Müller

Die Sohle selbst macht aus dem Sportwagen einen Geländewagen: Die erwähnten Pivot-Dämpfer sollen adaptiv auf das Gelände wirken und quasi wie ein Allradantrieb funktionieren. So richtig kann ich mir darunter nichts vorstellen, aber die Praxis kommt erst noch. Das Stollenprofil ist eher grob und mit knapp sieben Millimetern Tiefe vielversprechend für Matsch und losen Untergrund. Die Mittelsohle trägt die unaussprechliche Bezeichnung BioMoGo-DNA und soll besonders lange gleichbleibende Dämpfungseigenschaften erhalten.

Ambitionierte Läufer wissen, dass eben die Zwischensohlen in der Regel zuerst den Geist aufgeben, weil der oft verwendete PU-Schaum die meiste Energie absorbiert und dadurch spröde wird. Die hier verwendete Zwischensohle soll laut Hersteller etwa 33 Prozent längere Haltbarkeit besitzen und zudem vollständig biologisch abbaubar sein – das klingt doch erst mal gut!
Gegen durchdrückende Steine, Dornen und andere spitze Fuß-Killer schützt eine Kunststoffplatte den Vorderfuß, Brooks nennt das Ballistic Rock Shield und verpasst dem Cascadia 10 damit ein absolut wichtiges Feature.

Der Laufschuh im Gelände-Test: Höhenmeter ohne Limit?

Linientreu: Sprints und schnelle Läufe laufen einwandfrei. | Foto: Alessa Müller
Linientreu: Sprints und schnelle Läufe laufen einwandfrei. | Foto: Alessa Müller

Im Gelände stellt sich ein ungewohntes Gefühl ein, die zehn Millimeter Sprengung sind mehr als ich von meinen anderen Trailrunning-Schuhen kenne. Ich muss bewusster mit dem Mittelfuß landen und nicht mit der Ferse, aber die gute Dämpfung fängt auch unsanftere Manöver ordentlich auf. Auf Schotterwegen und Forststraßen gebe ich Gas und freue mich über ausgezeichneten Grip und sehr viel Komfort. Die Langstrecken-Ambitionen des Brooks Cascadia 10 sind klar erkennbar, aber erst die Sprints zaubern mir ein Grinsen ins Gesicht. Abrollverhalten und Abstoß sind selbst mit viel Tempo auf unebenen Flächen kein Problem, ich fühle mich sicher und die griffige Sohle führt auch beim Abbremsen nicht zum Schlingerkurs. Die generell weiche Dämpfung wird glücklicherweise durch das bereits angesprochene Pivot-Dämpungssystem ausgeglichen. Wurzel- und Schroffenpfade aufwärts haben mir in der Vergangenheit öfters Probleme bereitet, da nur sehr wenig Fläche vom Schuh aufkommt. Bei zu weichen Schuhen war jeder Schritt ein unkontrollierbarer Wackelpudding, wenig gedämpfte Schuhe führten oft zu Schmerzen im Vorderfuß, weil der Untergrund stark spürbar war. Die zonalen Extra-Dämpfer beim Cascadia 10 stellen bislang das beste Laufgefühl in solchem Gelände dar, das meine Erfahrung hergibt. Das einzige Limit für schnelle Höhenmeter bleibt somit meine Kondition.

Moderate, lange Trails sind des Cascadia liebste Spielwiese. | Foto: Bela Elbich
Moderate, lange Trails sind des Cascadia liebste Spielwiese. | Foto: Bela Elbich

Ein dickes „Leider“ stellt sich jedoch ein: Abwärts verhält sich der Brooks-Laufschuh in moderatem Gelände zwar hervorragend – Schotterwege sind bei jeder Neigung und Richtung seine Stärke. Allerdings sind steile, kurvenreiche Trails mit losem Untergrund seine große Schwäche. Durch die verhältnismäßig hohe Sprengung wird die Ferse immer wieder dominant, die weiche Dämpfung schluckt viel vom Gefühl für den Untergrund und so schlottern meine Knie wie damals beim ersten Date. Das macht sich im weiteren Wegverlauf bemerkbar, nach schwierigen Passagen verderben mir die Knieschmerzen sichtlich den Spaß.

Das macht den Trailrunning-Schuh nicht zu einem schlechten Produkt, ich werde jedoch für Strecken mit vielen steilen Abstiegspassagen in Zukunft zu meinen dafür bewährten Tretern greifen. Moderates Gelände, schnelle Trainingsläufe und im Aufstieg steile Trails mit Forststraßen zum Abstieg werden aber auf jeden Fall gut Freund mit dem Brooks Cascadia 10.

Das Klima ist im Übrigen sehr gut und werden die Schuhe nass, trocknen sie extrem schnell wieder. Nach mittlerweile über 300 Kilometern zeigen weder sichtbares Material noch Dämpfung irgendwelche Schwächen, nur der Geruch ist mittlerweile erwartungsgemäß unangenehm. Aber das ist bei Rockstars manchmal eben so.

Test-Fazit zum Trailrunning-Schuh Brooks Cascadia 10

Stärken

  • Passform, breiter Schnitt lässt sich auch auf schmale Füße gut anpassen.
  • Dämpfung, vor allem in leichterem Gelände und im Aufstieg.
  • guter Grip.
  • ausgezeichneter Tragekomfort.
  • hochwertige Verarbeitung und Haltbarkeit.
  • sehr schnelle Trocknung.
  • Verhalten bei sehr hohem Tempo.
  • Langstreckeneignung

Limits

  • instabiles Gefühl bei steilen Abstiegen.
  • Schnürsenkel nicht verstaubar.
  • stellenweise wenig Gefühl für den Untergrund.
  • Geruch

Die wichtigsten Details zum Brooks Cascadia 10 auf einen Blick

  • Gewicht: 283 Gramm (pro Schuh, Größe 43,5)
  • Ballistic Rock Shield Zehenschutz
  • 4-Punkt-Pivot-Dämpfungssystem
  • gleichmäßig dämpfende BioMoGo-DNA Zwischensohle
  • griffige Profilsohle mit Stollen
  • schnelltrocknendes Material

Mehr zum Thema Trailrunning im Bergzeit Magazin:

Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
9 Comments
älteste
neueste beste Bewertung
Inline Feedbacks
View all comments

Unsere Top Outdoor Kategorien


Bergzeit Magazin - Dein Blog für Bergsport & Outdoor

Willkommen im Bergzeit Magazin! Hier findest Du Produkttests, Tourentipps, Pflegeanleitungen und Tipps aus der Outdoor-Szene. Von A wie Alpspitze bis Z wie Zwischensicherung. Das Redaktionsteam des Bergzeit Magazins liefert zusammen mit vielen externen Autoren und Bergsport-Experten kompetente Beiträge zu allen wichtigen Berg- und Outdoorthemen sowie aktuelles Branchen- und Hintergrundwissen.