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Ein buntes Team

Bei Ortovox hinter den Kulissen

7 Minuten Lesezeit
Hinter jedem Unternehmen stecken Menschen. Selten sind sich diese so einig in ihrer Begeisterung für das eigene Tun wie bei Ortovox. Das Bergzeit Magazin hat das Ortovox-Team in Taufkirchen bei München besucht.

Sympathisch, bunt, sportlich, familiär, kompetent – lauter Adjektive schwirren mir durch den Kopf, als ich den Rotwandweg 5 verlasse. Eigentlich wollten wir Ortovox nur einen kurzen Besuch abstatten. Am Ende haben wir einen ganzen Vormittag bei dem Unternehmen in Taufkirchen verbracht. Von Produktentwicklung bis Reparaturwerkstatt, vom Feel-Good-Manager bis zum Geschäftsführer, haben wir ein Team kennengelernt, das für seine Produkte genauso brennt wie für die Berge.

Ein Vormittag bei Ortovox

Ein Streifzug durchs Haus. Hier sitzen alle Abteilungen des Herstellers für Schutzausrüstung und Bergsportbekleidung aus Wolle. Das Team ist mit rund 100 Mitarbeitern in den letzten Jahren stark gewachsen. „In den Anfangsjahren waren wir rund 20 Mitarbeiter“, erzählen uns die Ortovoxler. Trotzdem geht es noch familiär zu. Jeder neue Mitarbeiter bekommt seine eigene Namens-Tasse und einmal wöchentlich gibt es eine neue Philosophie als Gedankenanstoß. Diese Woche: „Die Natur ist die Quelle der Inspiration und der Hoffnung.“ (Vincent van Gogh) Es gibt wöchentlich Teamsport, gemeinsame Ausflüge in die Berge dürfen natürlich nicht fehlen und ein besonderes Highlight ist das tägliche Mittagessen. Frisch, regional, saisonal und mit viel Leidenschaft von den Köchen zubereitet.

Wer sind die Menschen hinter Ortovox? Und welchen Anspruch haben sie an ihre Produkte?

„Wir alle sind selber die kritischsten Tester unserer Produkte“ (Didi, Produktentwickler Hartware)

Wir treffen Didi Kotlaba, Leiter der Produktentwicklung Hartware. Er ist verantwortlich für LVS-Geräte, Lawinensonden, Schaufeln und Rucksäcke. Wir sind neugierig, wie das abläuft und wie so ein neues Ortovox-Produkt entsteht. „Das fängt natürlich immer erstmal mit einer Idee an“, erklärt Didi. „Wir arbeiten mit Profis aus dem Sicherheitsbereich zusammen, also mit Bergwachten und Bergführern, aber auch mit Extremsportlern wie Freeridern und Kletterern. Und auch aus dem Team heraus gibt es immer wieder neue Ideen.“ Es liegt dann an den Produktentwicklern, diese auszutüfteln und etwas Brauchbares (sprich Funktionierendes, nicht zu Schweres und Bezahlbares) daraus zu machen. Wenn eine Idee weiterverfolgt werden soll, wird ein Prototyp gebaut.

Deshalb arbeitet Didi seit 10 Jahren bei Ortovox: „Einzigartiges Team. Es ist eine super spannende Aufgabe, Produkte zu entwickeln, die zur Sicherheit am Berg beitragen.“ | Foto: Lena Starkl

Und dann kommt die wichtigste Phase: Es geht an den Berg zum Testen. Das machen die Produktentwickler zusammen mit den Athleten und einem Testteam, aber auch die Kollegen werden fleißig eingespannt. Da wird der Rucksack am Wochenende mit auf Skitour genommen oder man fährt für einen Nachmittag auf die Zugspitze. Das macht nicht nur Spaß, sondern dabei werden die Produkte besser und besser. Denn: „Die Dinge, die dich am Sonntag auf der Skitour ärgern, sind das erste, was du am Montag in der Früh änderst.“, betont Didi.

„Wolle ist unsere DNA. Aber wir setzen auf Hightech und Natur“ (Stefan, Head of Product)

Stefan Krause neuer Leiter der Produktwentwicklung Textil
Hier zeigt Stefan Krause, Head of Product, die kommende Sommer Kollektion. | Foto: Lena Starkl

Angekommen im Reich der Textilentwickler. Hier empfängt uns Stefan. In seinem Bereich hat sich in den letzten 40 Jahren seit Bestehen des Unternehmens extrem viel getan. „Funktionsbekleidung war damals aus Plastik – Polyester“, erzählt Stefan. Von Wolle hätte man damals noch gar nicht reden können, denn die war einfach kratzig. Doch mit der feinen tasmanischen Merinowolle, die Ortovox für die Produkte verwendet hat sich alles geändert. „Da kratzt nichts mehr“, lacht Stefan.

Durch die neuen Spinn-Technologien sind die feinen Merino-Fäden noch stärker geworden. Leicht und trotzdem stabil ist hier die Prämisse.

„Was möglich ist, wird repariert“ (Reparaturservice und Reklamationen)

Wenn ein Kunde eine Reklamation hat, dann landet sein Produkt bei den Damen in der Reparaturwerkstatt. Hier werden gebrochene Rucksackschnallen ersetzt, aufgetrennte Nähte ausgebessert, laminierte Taschen neu aufgedruckt – und so ein ganz eigener Teil zur Langlebigkeit der Ortovox-Produkte beigetragen.

„Wenn man Kosten und Aufwand abwägen würde, dann wäre es oft günstiger, das Produkt zu ersetzen. Aber wenn es möglich ist, reparieren wir es trotzdem“, erklären die Mitarbeiterinnen. Nur bei gebrochenen Schaufelstielen und Löchern in Merinokleidung können sie nichts mehr tun. Dann wird die Schaufel oder das Longsleeve im Rahmen der zweijährigen Gewährleistung ausgetauscht. „Weggeworfen wird aber trotzdem fast nichts“, betonen die Frauen. Wenn der Reparaturservice nicht weiterhelfen kann (zum Beispiel bei eingelaufenen Kleidungsstücken), heißt das nicht, dass die Tage eines Produkts gezählt sind. Solche Sachen gehen dann zum Beispiel an Flüchtlinge.

Nicht immer handelt es sich bei den Reklamationen um Entwicklungs- oder Produktionsfehler. „Manche Leute glauben, wenn sie eine teure Jacke kaufen, müssen sie sich um nichts mehr kümmern“, erklären die Expertinnen. „Aber gerade ein so teures und hochwertiges Produkt wie eine Hardshell braucht gute Pflege. Viele Kunden lesen aber nicht einmal die Waschanleitung und wundern sich dann, dass ihr Produkt eingelaufen ist, weil sie es bei 60 Grad gewaschen haben. Unsere Produkte sind ihren Preis absolut wert, aber man muss natürlich auch darauf Acht geben.“

„Ortovox macht seine Hausaufgaben“ (Katrin, Corporate Social Responsibility)

CSR Ortovox
Steffi (li.) und Katrin (re.) teilen sich die Stelle rund um das Thema CSR. | Foto: Ortovox

Antworten auf unsere Fragen zum Thema Transparenz und Verantwortung in der Produktion hat Katrin Bauer parat, die wir anschließend in ihrem Büro besuchen. Sie kümmert sich bei Ortovox um die Umsetzung der Richtlinien der Fair Wear Foundation, der das Unternehmen im Juli 2015 beigetreten ist. „Fair Wear bedeutet, stabile Lieferantenbeziehungen, tief in seine eigene Lieferkette zu gucken und eigene Prozesse zu hinterfragen“, erklärt Katrin. Das klingt einfach, ist aber im Detail recht kompliziert: „Die Lieferketten sind wahnsinnig komplex. Da hängen viele interne Prozesse dran, die umgestellt werden müssen.“ Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Es ist ein langer Prozess.

Auch bei der Merinowolle ist den Mitarbeitern Transparenz wichtig. Der größte Teil stammt von tasmanischen Schaffarmen, die Ortovox regelmäßig besucht. „Was wir im Vergleich zu anderen Unternehmen an Wolle kaufen, ist winzig.“ so Katrin. „Entsprechend weniger Einflussmöglichkeiten hat man. Aber trotzdem gibt es welche. Und die nutzen wir auch, indem wir den Kontakt zu den Farmern pflegen. So bekommen wir ein gegenseitiges Gespür, was uns und ihnen wichtig ist.“ Dass das Ergebnis dann etwas mehr kostet, ist klar. „Uns ist wichtig, dass wir auf unsere Produkte stolz sein können“, sagt auch Stefan (Head of Product). „Dann verkaufen wir sie auch gerne. Ein niedriger Preis und Tierschutz passen für mich nicht zusammen.“

„Im Mittelpunkt stehen die Menschen“ (Christian, Geschäftsführer)

Wie wichtig für Ortovox Nachhaltigkeit ist, betont auch Geschäftsführer Christian Schneidermeier, bei dem unser Rundgang endet. „Wir versuchen immer, unserer unternehmerischen Verantwortung gerecht zu werden. Nachhaltig zu wirtschaften ist nicht immer einfach und nicht immer günstig, aber ich bin davon überzeugt, dass es der einzige Weg ist, um auch langfristig erfolgreich zu sein. Nicht nur in der Outdoor-Branche.“

Christian Schneidermeier, Geschäftsführer von Ortovox | Foto: Lena Starkl
Christian Schneidermeier, Geschäftsführer von Ortovox | Foto: Lena Starkl

Christian ist seit fast 20 Jahren mit an Bord des Unternehmens. Vor neun Jahren hat er das Steuer übernommen. Zu dem Wachstum der Firma in den letzten Jahren sagt er: „Für mich ist klar, dass Unternehmen wachsen müssen, aber nur bis zu einer bestimmten Größe. Ähnlich der Natur, in der es Wachstum auch nur bis zu einer optimalen Größe gibt.“ In den vergangenen Jahren hat vor allem eine Entscheidung das Wachstum von Ortovox beeinflusst: das Abrücken von der Vorgabe, nur Bekleidung aus 100 Prozent Wolle anzubieten. Durch die Kombination mit synthetischen Materialien hat Ortovox seine Wollkompetenz auch in der zweiten und dritten Bekleidungsschicht erfolgreich ausgebaut.

Dafür verantwortlich sind natürlich die Mitarbeiter, die mit Leidenschaft hinter den Produkten stehen. „Die Menschen stehen für mich bei Ortovox an erster Stelle“, sagt Christian. Und natürlich sei auch bei der Produktentwicklung der Mensch im Vordergrund: „Wir wollen Produkte machen, die dabei unterstützen, gemeinsam mit Freunden erfüllende Bergtouren zu erleben“, so der Geschäftsführer.

  • Zum kompletten Sortiment von Ortovox bei Bergzeit

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