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Das "R" macht den Unterschied

Was bedeutet der R-Wert bei Isomatten?

4 Minuten Lesezeit
Isomatte ist nicht gleich Isomatte - der R-Wert macht eine schnelle und praktische Unterscheidung in Leistungsklassen möglich. Doch was bedeutet er eigentlich? Dies und mehr erklärt Dir Bergzeit Autor Arnold in diesem Beratungsartikel.

Der R-Wert ist ein Maßstab für den Wärmedurchgangswiderstand eines Materials (Widerstand = engl. restistance). Er gibt also kurz gesagt an, wie gut oder schlecht ein Material die Wärme leitet. Der R-Wert von Isomatten spielt eine besondere Rolle, da Isomatten in der Regel diesem Wert nach in verschiedene „Leistungsklassen“ eingeteilt werden.

Das hübsche Schachtelwort „Wärmedurchgangswiderstand“ beschreibt also nichts anderes als die „Dämmleistung“ von Isomatten, auch wenn Physiker mit diesem umgangssprachlichen Wörtchen vermutlich etwas unzufrieden wären. Daraus ergibt sich die Faustregel:

→ Je höher der R-Wert, desto höher die Dämmleistung und umgekehrt

Die Behauptung „je dicker die Isomatte, desto höher der R-Wert“ ist jedoch ein Fehlschluss. Denn nicht nur die Dicke der Matte ist ausschlaggebend für deren Isolation gegen Kälte, sondern auch die Beschaffenheit des Materials, die Füllung und weitere Faktoren wie die Oberfläche und der Aufbau der Luftkammern.

Welche Aussagekraft hat der R-Wert bei Isomatten?

Der R-Wert einer Isomatte grenzt deren Eignung ein. Das spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn man eine Matte speziell für einen bestimmten Einsatzbereich erwerben will – also zum Beispiel als Teil der Ausrüstung für den reinen Sommereinsatz oder für harte Winterunternehmungen.

Der R-Wert lässt indes nur indirekt einen Rückschluss auf das Gewicht und Volumen einer Matte zu. Zwar sind Isomatten mit einem niedrigeren R-Wert in der Regel weniger voluminös, eine direkte Proportionalität zwischen R-Wert und Volumen besteht jedoch nicht. Trotzdem: Matten mit einem höheren R-Wert bieten in der Regel einen höheren Schlafkomfort als Matten mit einem niedrigeren R-Wert.

Gerade bei winterlichen Unternehmungen ist es wichtig, auf einen entsprechend hohen R-Wert Deiner Matte zu achten.

Exped | Alea Moebius

Gerade bei winterlichen Unternehmungen ist es wichtig, auf einen entsprechend hohen R-Wert Deiner Matte zu achten.


Übersichtstabelle R-Wert Isomatte

Wie sieht es nun in der Praxis aus? Welcher R-Wert eignet sich für welchen Temperaturbereich? Folgende Temperaturtabelle ermöglicht einen groben Überblick:

R-Wert: Eine Übersicht

R-WertTemperaturJahreszeitEinsatzbeispiel
1,5 - 2,5bis +7°CFrühling, Sommer, HerbstCamping im Sommer
1,5 - 2,5bis +2°CFrühling, Sommer, HerbstCamping im Frühjahr und Herbst
2,5 - 3,5bis -5°CFrühling, Sommer, Herbst, gemäßigte WinternächteGanzjahrescamping
3,5 - 4,5bis -11°CAlle JahreszeitenBiwaks im alpinen Umfeld
4,5 - 5,5bis -17°CWinterWinterbiwaks
5,5 - 6,5bis -22°CWinter, ExpeditionenExpeditionen
über 6,5ab -22°CExtreme Winter- und ExpeditionseinsätzeExtremeinsätze auf Polarexpeditionen, etc.

Einflussfaktoren auf die Wärmeleistung einer Isomatte

Isolierende Füllungen

Innovative Isomattenhersteller wie Exped und Sea to Summit begannen vor einigen Jahren damit, ihre Modelle durch raffinierte Füllungen mit Daunen und Kunstfasern zu „tunen“. Ergebnis: Leistungsfähigere Isomatten mit einem höheren R-Wert und einem höheren Liegekomfort. Beispiele für solche Hochleistungsmatten sind zum Beispiel:

  • Exped Synmat-Serie mit Texpedloft-Kunstfaserfüllung
  • Sea To Summit Insulated-Matten
  • Exped Downmat-Serie mit Daunenfüllung

Unterschiedliche Untergründe

Der Untergrund hat durchaus Einfluss darauf, inwiefern man vom hohen R-Wert einer Isomatte profitieren kann. Schläft man in einem Zelt, das wiederum auf einer Laubunterlage aufgebaut wurde, hat die Matte deutlich weniger zu tun als wenn man im Falle eines Winterbiwaks direkt auf dem Schnee schläft.

Zwar mag der R-Wert im Sommer keine so hohe Rolle spielen, eine dicke Matte bietet jedoch deutlich mehr Komfort.

Exped

Zwar mag der R-Wert im Sommer keine so hohe Rolle spielen, eine dicke Matte bietet jedoch deutlich mehr Komfort.


Oberflächenbeschaffenheit der Isomatte

Die Isomattenhersteller werden nicht müde, ihren Innovationsdrang auch auf kleine Details wie beispielsweise die Oberflächenstruktur auszuweiten. Eine fein strukturierte Oberfläche kann die Bildung kleiner Luftpolster begünstigen, die wiederum zu einer besseren Isolationsleistung beitragen.

Fragen & Antworten zum R-Wert

1. Kann ich den R-Wert zweier Isomatten einfach zusammenzählen und damit die Isolationsleistung erhöhen, wenn ich sie aufeinanderlege?

Ja, das ist im weitesten Sinne möglich. Zwar werden sich die R-Werte nicht 1:1 addieren – trotzdem kann man so beispielsweise eine dünne Matte für den Sommer und eine mitteldicke für kältere Verhältnisse einsetzen und bei ganz kalten Bedingungen einfach aufeinander legen.

2. Halten sich alle Hersteller an die R-Wert-Einteilung?

Der R-Wert hat sich als praktische Vergleichsgröße in der Branche etabliert. Große Isomattenhersteller wie Cascade Designs (Therm-A-Rest), Exped und Sea To Summit geben i.d.R. den R-Wert ihrer Matten an.

3. Ich weiß in etwa, bei welchen Temperaturen ich unterwegs sein werde. Hilft mir der R-Wert?

Ja! Den R-Wert nach obiger Tabelle ermitteln, die Matte analog dazu auswählen – fertig!

4. Ich bin ein Komfortliebhaber. Was tun?

Wir raten zum Kauf einer Isomatte ab einem R-Wert von 3,5. Diese Matten sind nicht nur warm, sondern (meistens) auch komfortabel.

5. R-Wert hin oder her – ich bin Minimalist. Zu welcher Matte ratet ihr?

Auch Isomatten mit geringen R-Werten unter 2 bieten ein gewisses Maß an Komfort. Im Zweifel einfach zwei Matten kaufen – eine für Einsätze bei warmen Temperaturen und eine für Kälteeinsätze.

6. Lassen sich vom R-Wert Rückschlüsse auf das Packmaß einer Isomatte ziehen?

Zwar besteht zwischen dem R-Werk und dem Volumen einer Matte keine direkte Proportionalität – trotzdem gilt die Regel: Je höher der R-Wert, desto größer das Packmaß der Matte.

Fazit zum R-Wert bei Isomatten

Augen auf beim Mattenkauf! Wer genau weiß, wofür er seine Matte einsetzen möchte, sollte den R-Wert auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Denn je höher der R-Wert ist, desto höher ist auch der Schlafkomfort der Isomatte. Als Faustregel gilt: Kälteempfindliche Personen wählen tendenziell eher eine Matte mit hohem R-Wert. bei Ganzjahresbergsportlern und -Campern lohnt sich unter Umständen sogar die Anschaffung von zwei Matten, um das ganze Jahr über flexibel reagieren zu können.

In der Regel haben dicke Isomatten einen höheren R-Wert.

Vaude

In der Regel haben dicke Isomatten einen höheren R-Wert.


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