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2.189 Meilen Fernwandern

Der Appalachian Trail: Reisebericht von einem der längsten Fernwanderwege der Welt

6 Minuten Lesezeit
Mehr als 3.500 Kilometer zieht sich der Appalachian Trail (AT) durch eines der ältesten Gebirge unseres Planeten. Christian Hubo hat sich aufgemacht, ihn zu begehen - und berichtet von einem echten Abenteuer in der Wildnis.

Der Appalachian Trail verläuft von der Spitze des Springer Mountain im südlichen Georgia bis hoch hinauf in den Norden nach Maine, wo er auf dem Mount Katahdin mitten im Baxter State National Park seinen Endpunkt findet. Auf seiner gesamten Länge (die jährlich etwas variiert) durchquert er insgesamt 14 Bundesstaaten entlang der Ostküste der Vereinigten Staaten und kreuzt dabei zahlreiche Nationalparks und Waldschutzgebiete des amerikanischen Appalachen-Gebirges.

Gemeinsam mit dem Pacific Crest Trail (PCT) und dem Continental Divide Trail (CDT) gehört er nicht nur zu den National Scenic Trails, sondern auch zu den sogenannten „Triple-Crown-Wegen“ – jeder Fernwanderer, der im Laufe seines Lebens alle drei „Triple-Crown-Wege“ komplett läuft, erhält dafür eine besondere Auszeichnung und darf sich fortan „Triple-Crowner“ nennen.

Der Appalachian Trail als idealer Start ins amerikanische Fernwandern

Start auf den Approach Trail hinauf zum Springer Mountain, dem offiziellen Trailhead des Appalachian Trails. | Foto: Feel4Nature
Start auf den Approach Trail hinauf zum Springer Mountain, dem offiziellen Trailhead des Appalachian Trails. | Foto: Feel4Nature

Durch die verhältnismäßig dünne Besiedlung und die großen Waldgebiete sind die amerikanischen Fernwanderwege nicht mit den europäischen vergleichbar. Sie sind um einiges anspruchsvoller und besitzen so gut wie keine „Infrastruktur“ direkt am Wegverlauf. Gerade deshalb ist der Appalachian Trail sicherlich der ideale Einstieg für jeden, der einmal in seinem Leben einen der großen amerikanischen Weitwanderwege gehen möchte – er ist im Gegensatz zum PCT und CDT auch für Einsteiger mit etwas Kondition, der Trekking Ausrüstung und ausreichend Durchhaltevermögen verhältnismäßig einfach zu meistern.

Der Appalachian Trail ist durchgängig mit den sogenannten „White Blazes“ (weiße Striche) markiert, so dass man keine besonderen Navigationsfähigkeiten mitbringen muss. Durch seine Popularität gibt es zudem zahlreiche Publikationen (zum Beispiel den A.T. Guide) und auch Helfer (Trail Angels), welche die Fernwanderer tatkräftig unterstützen.

Für einen „Thru Hike“ (komplette Wanderung des Appalachian Trail innerhalb eines Jahres) auf dem Appalachian Trail benötigt man als geübter Wanderer etwa vier bis sechs Monate.

Die „Schattenseiten“ des Appalachian Trails

Ein Großteil der „Thru Hiker“ verwirft ihr Vorhaben, den Appalachian Trail komplett zu wandern, bereits wenige Tage nach dem Start. Die Gründe dafür sind in der Regel eine deutlich zu schwere Ausrüstung und vor allem eine unrealistische, sehr romantische Vorstellung im Bezug auf das Fernwandern.
Scheinbar endlose Regenfälle, Sturm, dichter Nebel, starke Gewitter – bei alledem Übernachten im Freien, dazu noch unangenehme Insekten und die Strapazen der scheinbar endlosen Aufstiege auf die Gipfel des Appalachen-Gebirges sind alles andere als romantisch, gehören aber so wie viele andere Herausforderungen zum Fernwandern in der Wildnis einfach dazu. Dessen sollte man sich bewusst sein, bevor man sich für einen „Thru Hike“ auf dem Appalachian Trail entscheidet.
Hinzu kommt noch, dass der Wegverlauf relativ „monoton“ gestaltet ist, da es nur wenige Aussichtspunkte gibt und man den Großteil der Zeit durch dichte, grüne Wälder (grüne Tunnel) läuft. Das macht eine bis zu sechs Monate lange Wanderung auf dem Appalachian Trail auch psychisch zu einer ganz besonderen Herausforderung.

Steigender Andrang

Aufstieg zum Clingmans Dome (2.025 m) in den Great Smoky Mountains - dem höchsten Punkt auf dem Appalachian Trail. | Foto: Feel4Nature
Aufstieg zum Clingmans Dome (2.025 m) in den Great Smoky Mountains – dem höchsten Punkt auf dem Appalachian Trail. | Foto: Feel4Nature

In den letzten Jahren liegt Fernwandern absolut im Trend, was auch auf dem Appalachian Trail deutlich spürbar ist. Zahlreiche Bücher und populäre „Hollywood-Streifen“ wie „WILD“ oder „A walk in the woods“ haben dafür gesorgt, dass die Anzahl der „Thru Hiker“ auf dem Appalachian Trail förmlich explodiert. Das bringt leider auch eine Menge an Problemen mit sich und ruiniert den eigentlichen Charme des Appalachian Trail etwas.

In der Zeit von Mitte März bis Anfang April starten mittlerweile mehrere tausend „Thru Hiker“ von Süden nach Norden auf den Trail, und ein immer größer werdender Anteil von ihnen hat leider kaum einen tieferen Bezug zur Natur. Das wird durch die zunehmende „Vermüllung“ und die teilweise mutwillige Zerstörung der Schutzhütten (Shelter) entlang des Weges deutlich sichtbar.

Wer also den Appalachian Trail als „Thru Hike“ von Süd nach Nord wandern möchte, der sollte sich darüber im klaren sein, dass der Andrang gerade in den ersten Wochen nach dem Start ziemlich groß ist. Wer dem erfolgreich aus dem Weg gehen möchte, der sollte über die Alternative nachdenken, etwas später vom Mount Katahdin auf den Appalachian Trail zu starten und „Southbound“ (von Norden nach Süden) zu laufen.

Weitere Infos für einen „Thru Hike“ gibt’s auf der Webseite der Appalachian Trail Conservancy (ATC) und auch auf meinem feel4nature Blog.

Fotogalerie

Alle Infos zum Appalachian Trail auf einen Blick

  • Benötigte Zeit: Für einen „Thru Hike“, eine Wanderung über den kompletten Appalachian Trail, benötigen die meisten Wanderer zwischen fünf und sechs Monaten. Man kann aber auch einzelne Etappen des Trails laufen, die in der Regel zwischen zehn und 20 Meilen lang sind.
  • Kosten: Die Kosten für einen „Thru Hike“ variieren stark nach den „Vorlieben“ der Wanderer – wer öfters in Städten halt macht, gibt automatisch mehr Geld aus. Als Mittelwert kann man sagen, dass man mit ca. 5.000,- USD gut auskommen kann. Es gibt aber auch immer wieder „Low-Budget-Wanderer“, die auch mit weniger als 3.000,- USD auskommen.
  • Unterkunft: Übernachtet wird den Großteil der Wanderung direkt auf dem Appalachian Trail, entweder in einfachen Schutzhütten, die an einer Seite offen sind (Shelter) oder aber im Zelt. Alle drei bis zehn Tage kommt man durch das Einzugsgebiet einer kleinen Stadt und kann dort in Hostels oder Hotels übernachten. Oft schließen sich die Wanderer auch zusammen und teilen sich in den Städten ein Zimmer.
  • Verpflegung: Die Verpflegung trägt man auf dem Appalachian Trail als Wanderer für drei bis zehn Tage im Rucksack mit sich. Nur in den Städten gibt es eine Möglichkeit seine Vorräte aufzufüllen. Wegen des Gewichts bietet sich vor allem dehydrierte Nahrung an. Lesetipp: Trekkingnahrung – Tipps für die Verpflegung auf Outdoor-Touren
  • Trinkwasser: Entlang des Trails gibt es häufig Möglichkeiten, seine Trinkwasservorräte aufzufüllen. Das Wasser wird dabei aus kleinen Bächen und Flüssen mit einem Wasserfilter gewonnen.
  • Navigation: Der Appalachian Trail ist durchgehend mit sogenannten „White Blazes“ – weißen Strichen – markiert und daher gestaltet sich die Navigation denkbar einfach. Trotzdem kann ein Wanderführer zur Übersicht nicht schaden.
  • Kommunikation: Auf dem Trail hoch in den Bergen gibt es nur selten guten Mobilfunkempfang. Für den Notfall sollte man sich trotzdem in jedem Fall eine amerikanische SIM-Karte oder ein „Wegwerfhandy“ mit eingebauter Karte kaufen.
  • Die passende Ausrüstung für Dein Trekking-Abenteuer bekommst Du bei Bergzeit: 
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