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Schadstofffreie Textilien

Oeko-Tex und das „Textile Vertrauen“: Was garantiert das Siegel?

6 Minuten Lesezeit
"Textiles Vertrauen" heißt das Motto der Oeko-Tex-Gemeinschaft. Der Zusammenschluss aus verschiedenen unabhängigen Textilprüfinstituten vergibt Zertifizierungen für schadstofffreie Produkte und nachhaltige Produktionsketten. Das steckt hinter dem Siegel.

Wer oder was ist die Oeko-Tex-Gemeinschaft?

Oeko-Tex

Formell ist die Oeko-Tex eine internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textil- und Lederökologie. Sie besteht aus insgesamt 16 unabhängigen Textilforschungs- und Prüfinstitutionen aus Europa und Japan mit weltweiten Kontaktbüros.

Die Oeko-Tex-Gemeinschaft bietet ein weltweit einheitliches, unabhängiges Prüf- und Zertifizierungssystem für textile Roh-, Zwischen- und Endprodukte aller Verarbeitungsstufen und verwendeter Zubehörmaterialien sowie für die Sozial- und Umweltverträglichkeit von Betriebsstätten.

Was möchte Oeko-Tex erreichen?

Welche Oeko-Tex-Zertifizierungen gibt es?

Es gibt insgesamt sieben Oeko-Tex-Zertifizierungssparten, die allesamt ein gemeinsames Ziel verfolgen: den Endkunden vor schädlichen Inhaltsstoffen zu schützen. Diese sieben Sparten sind:

1. Oeko-Tex „Standard 100“

Zertifiziert werden: Garne, Gewebe, Gestricke, Knöpfe, Reißverschlüsse, Nähfäden, Etiketten, Bekleidung aller Art, Heim- und Haustextilien, Bettwäsche, Frottierwaren u.v.m. Nach einem einheitlichen Maßstab werden für den Menschen schädliche, verbotene bzw. problematische Inhaltsstoffe nach wissenschaftlichen Standards beurteilt.
Vorteil für Kunden: Sicherheit, dass Bekleidung gesundheitlich unbedenklich und hautfreundlich ist.

2. Sustainable Textile Production (STeP)

STeP by Oeko-Tex ist eine Zertifizierung für Marken, Händler und Hersteller der textilen Kette, die dem Endkunden ihre Leistungen in Bezug auf nachhaltige Produktionsbedingungen glaubwürdig und leicht verständlich mitteilen wollen. Ob die Betriebe nachhaltig wirtschaften, wird anhand von sechs Säulen überprüft: dem Chemikalienmanagement, der Umweltperformance, dem Umweltmanagement, dem Qualitätsmanagement, der sozialen Verantwortung den Mitarbeitern gegenüber sowie anhand des Gesundheitsschutzes und der Arbeitssicherheit.
Vorteil für Kunden: Vertrauen, dass nachhaltig, umweltgerecht, qualitativ hochwertig und sozial angemessen produziert wurde.

3. Oeko-Tex „Made in Green“

Made in Green by Oeko-Tex dient der Kennzeichnung von Textilprodukten, die aus schadstoffgeprüften Materialien mit Hilfe umweltfreundlicher Prozesse sowie unter sozial angemessenen, sicheren Arbeitsbedingungen gefertigt wurden. Diese Auszeichnung ersetzt den früheren Standard Oeko-Tex 100plus. Diese Produkte erfüllen den Standard 100 und STeP. Diese Produkte sind somit auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit hin überprüft sowie umwelt- und sozialverträglich hergestellt.
Vorteile für Kunden: Textilien werden auf Schadstoffe geprüft und es wird kontrolliert, ob diese nachhaltig produziert wurden. Außerdem können anhand der Made in Green-Produkt-ID u.a. Informationen über den Produktionsbetrieb und das Fertigungsland eingeholt werden.

4. Oeko-Tex „Eco Passport“

Eco Passport liefert Herstellern von Textilchemikalien den sicheren Nachweis, dass ihre Produkte für eine nachhaltige Textilproduktion verwendet werden können. Mit dem Zertifikat werden außerdem jene Händler unterstützt, die sich durch den Verkauf nachhaltiger Textilchemikalien und Färbemittel auszeichnen möchten. Es dient zudem als Hilfestellung für Markenanbieter, die Textilchemikalien verwenden und dabei sichergehen wollen, dass sie den gesetzlichen Bestimmungen gerecht werden.
Vorteil für Kunden: Vertrauen, dass nachhaltig, umweltgerecht und mit für den Kunden ungefährlichen Chemikalien produziert wurde.

5. Oeko-Tex „Detox to Zero“

Das System macht das Chemikalien-Managementsystem von Produktionsfirmen transparenter und soll dieses kontinuierlich verbessern, um gefährliche Stoffe in der Produktion zu minimieren. Hersteller, die sich entsprechend der Bedingungen der „Detox“-Kampagne von Greenpeace verbessern wollen, können ihren Fortschritt so laufend überprüfen.
Vorteil für Kunden: Vertrauen, dass nachhaltig und umweltgerecht produziert wurde und die Produktion laufend verbessert wird.

6. Oeko-Tex „Leather Standard“

Leather Standard by Oeko-Tex dient der Auszeichnung von Lederartikeln aller Produktionsstufen sowie verwendeter Leder-Zubehörmaterialien, die auf gesetzlich reglementierte als auch umweltrelevante Schadstoffe geprüft sind. Enthält ein Produkt Nicht-Lederbestandteile (z.B. metallische Accessoires), gelten hierfür die Kriterien des Standards 100.
Vorteil für Kunden: Sicherheit, ein gesundheitlich unbedenkliches Lederprodukt zu kaufen.

Warum sind diese Zertifizierungen notwendig?

Der Konsument kauft ein Textil- oder Lederprodukt und geht davon aus, dass dieses gesundheitlich unbedenklich ist. Er kann sich aber nicht 100 Prozent sicher sein, weil er die Qualität und den vorausgegangenen Herstellungsprozess mit bloßem Auge nicht beurteilen kann. Selbst ein Experte kann diese nicht ohne fundierte Laboruntersuchungen oder die Besichtigung der Produktionsstätte feststellen.

Wir als Konsument erwarten uns die allerbeste Qualität von unseren Textilprodukten. Das Material soll weich und pflegeleicht sein, tolle, langanhaltende Farben und einen hohen Tragekomfort haben. Dafür sind oft bestimmte Chemikalien notwendig. Allerdings sollten sowohl die Anwendung als auch die Rückstände dieser Behandlungsverfahren selbstverständlich nicht gesundheitsschädlich sein. Genau da kommen die Schadstoff-Überprüfungen ins Spiel, die Arbeiter und Verbraucher schützen sollen.

Wenn Textil- oder Lederprodukte nach einem Oeko-Tex-Standard zertifiziert sind, dann gelten sie nachweislich mindestens als unbedenklich für unsere Gesundheit und die der Arbeiter vor Ort, haben aber gleichzeitig alle Qualitätseigenschaften, die wir uns von den Produkten wünschen. Das Oeko-Tex-Label mit den damit verbundenen Kontrollen ist freiwillig und gleichzeitig oft Vorläufer für neue Gesetze hinsichtlich schadstoffarmer Produktion.

Was genau wird bei der Schadstoffprüfung getestet?

Das Oeko-Tex-Label hat strenge Anforderungen speziell an Textil- und Lederprodukte. Daher werden z.B. neben dem Oberstoff und den Nähgarnen auch die Zubehörteile kontrolliert. Dazu gehören Knöpfe, Reißverschlüsse, Klettverschlüsse u.v.m. Hundertprozentige Sicherheit geben die Laborprüfungen der Oeko-Tex-Zertifizierung dem Endkunden dann aber durch die intensive Überprüfung von möglichen Schadstoffen, die über die Haut dem Menschen Schaden zufügen könnten.

Dafür werden neben künstlichen Schweiß- auch Speichel-Lösungen verwendet und über die Atmung überprüft. Das ist besonders für Babyprodukte wichtig, denn die Kleinen könnten an den Textilprodukten saugen oder knabbern.

Wie streng kontrolliert werden muss, wird danach unterschieden, ob die Sachen eng an der Haut getragen werden (z.B. Unterwäsche, Sportbekleidung) oder eher weniger eng (z.B. Jacken, Mäntel). Hierbei wird zwischen vier verschiedenen Produktgruppen unterschieden:

  • Produktklasse I: Textilien für Babys und Kleinkinder bis zu drei Jahren, z.B. Unterwäsche, Strampler, Bekleidung, Bettwäsche, Frottierwaren etc.
  • Produktklasse II: Hautnahe Textilprodukte, z.B. Unterwäsche, Bettwäsche, T-Shirts, Strümpfe etc.
  • Produktklasse III: Textilprodukte, die weniger nah am Körper getragen werden, z.B. Jacken und Mäntel
  • Produktklasse IV: Wohnaccessoires aus Textilien, z.B. Vorhänge, Tischdecken, Polstermöbelbezüge etc.

Wer überprüft die Kriterien?

Die Oeko-Tex-Mitgliedsinstitute kontrollieren auch nach den Zertifizierungen die Produkte in regelmäßigen Abständen – stichprobenartig und unangemeldet. So wird gewährleistet, dass die Textilien gesichert schadstofffrei bleiben und sich der Konsument – also wir alle – darauf verlassen kann.

Fazit und Zusammenfassung zum Oeko-Tex-Siegel

Das Oeko-Tex-Zertifizierungssystem bringt sicherlich ein Stück mehr Vertrauen, dass sich weder in den Stoffen und Garnen, noch in Knöpfen und Reißverschlüssen irgendwelche für die Gesundheit bedenklichen Stoffe befinden. Für den Kunden sind insbesondere die Standards 100 und Made in Green relevant. Diese gewährleisten, was der Slogan verspricht: Textiles Vertrauen. Aber auch Aspekte wie betrieblicher Umweltschutz sowie soziale Verantwortung im Produktionsprozess werden von Oeko-Tex überprüft und gefördert. Diesbezüglich sind insbesondere STeP und Made in Green relevant.

Dies ist besonders dahingehend beruhigend, als die Prüfkriterien jährlich aktualisiert und die Produkte laufend kontrolliert werden. Wer ganz sicher gehen möchte, kann die Gültigkeit eines Oeko-Tex-Gütelabels jederzeit selbst überprüfen.

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